Ihr Lieben, Katrin Menssen aka Vorspann @Yourinnerbloom_bykat hat sich zur Wechseljahresberaterin für Frauen ausbilden lassen. Für sie war Die Weiterbildung zunächst auch eine wunderbare Hilfe zur Selbsthilfe. Heute hilft sie anderen durch die wilden Jahre der Hormon-Achterbahn, die sich bei vielen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zeigt.
Wie kamst du auf die Idee, dich als Wechseljahresberaterin ausbilden zu lassen? (Ich wusste bislang nicht mal, dass es so etwas gibt.)
Ich habe angefangen, mich intensiver mit den Wechseljahren zu beschäftigen, als ich versucht habe, meine eigenen Symptome besser zu verstehen und einzuordnen. Ich habe viel gelesen und schnell gemerkt, die Themen Hormone, Zyklus, Stoffwechsel und Frauengesundheit interessieren mich unglaublich.
Ich wollte nicht nur oberflächlich verstehen, sondern wirklich wissen, was in dieser Lebensphase im Körper passiert und wie ich mit den Veränderungen besser umgehen kann. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Wenn wir verstehen, was in unserem Körper passiert, können wir informierte Entscheidungen treffen und uns wieder handlungsfähig fühlen und werden.
Ich finde Aufklärung, Beratung und Begleitung sollten vor und in den Wechseljahren genauso selbstverständlich und niedrigschwellig zugänglich sein, wie z.B. in der Schwangerschaft auch. Da ist noch viel Luft nach oben. Über Instagram bin ich dann auf MenoCert und die beiden Gründerinnen, Annunziata und Karen, gestoßen und es hat sich zu diesem Zeitpunkt genau richtig angefühlt für mich.
Am Anfang war es sicher auch Hilfe zur Selbsthilfe. Aber sehr schnell habe ich gemerkt, dass ich dieses Wissen auch an andere Frauen weitergeben möchte. Ich habe eine fundierte und evidenzbasierte Ausbildung machen dürfen, die mich dazu befähigt, andere Frauen kompetent durch diese Lebensphase zu begleiten und zu informieren. Besonders wichtig war mir während der Ausbildung auch die gemeinsame Arbeit in den Peer Groups zu echten Fallbeispielen, der Austausch und die Reflexion mit den wunderbaren Frauen, die ich während der Ausbildung kennenlernen durfte.
Frauen werden noch immer oft nicht ernst genommen, wenn sie bei Ärzt:innen von ihren Leiden erzählen. Ist dir selbst so etwas auch schon passiert?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Beschwerden manchmal sehr schnell als zu viel Stress, das Alter oder „da müssen Sie durch“ eingeordnet werden. Natürlich spielt Stress eine große Rolle – den haben wir aber alle in der Lebensmitte, wenn Beruf, Familie, Eltern, Partnerschaft und eigene Ansprüche zusammenkommen und das teilweise auch schon jahrelang. Aber Stress allein erklärt eben nicht alles.
Viele Frauen spüren, irgendetwas verändert sich. Auch wenn der Zyklus noch regelmäßig ist, können bereits Symptome auftreten wie: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, Energieverlust, Zyklusveränderungen, Migräne, Gelenk- und Muskelschmerzen, Herzstolpern, Ängste, Panikattacken, Konzentrationsprobleme und Brain Fog usw.
Und trotzdem bekommen sie leider oft keine gute Einordnung, werden nicht ernst genommen oder haben bereits eine Odyssee an Arztbesuchen hinter sich. Dabei wünschen sich viele Frauen vor allem, dass ihnen zugehört wird und ihre Symptome ernst genommen werden.
Genau da braucht es mehr Wissen, mehr Zeit und Aufklärung. Wer seine Symptome erkennen kann, kann sich Hilfe holen und einen unnötig langen Leidensweg ersparen. Mir persönlich hat mein Wissen sehr geholfen, Gespräche mit meiner Ärztin besser vorzubereiten. Ich konnte z.B. meine Symptome anhand eines Zyklustagebuchs strukturieren, gezielte Fragen stellen und mögliche Therapieoptionen besprechen.
Wie steht es um deine eigene Frauengesundheit in der (Peri-)Menopause?
Die Perimenopause hat mir vor allem gezeigt, dass ich meinem Körper wieder genauer zuhören darf. Früher habe ich oft einfach funktioniert. Heute frage ich mich bewusster: Was tut mir gut? Was lasse ich los? Wo brauche ich Pausen? Was gibt mir Energie?
Manche Symptome konnte ich tatsächlich erst rückblickend richtig einordnen. Im Moment selbst denke ich oft: Ich bin einfach müde, ich bin gestresst, ich muss mich mehr zusammenreißen, früher hat das doch auch funktioniert. Erst später erkennt man, dass vieles auch mit der hormonellen Umstellung zusammenhängen kann.
Mir haben kleine Routinen im Alltag sehr geholfen: regelmäßiger Schlaf und Bewegung, insbesondere Krafttraining, eine nährstoffreiche Ernährung, Pausen, ein besserer Umgang mit Stress und ein bewussterer Blick auf meinen Zyklus und meine Energie. Ich bin nicht jeden Tag perfekt darin – aber ich habe gelernt, dass kleine Schritte oft mehr bewirken als radikale Veränderungen.
Darüber hinaus sind die Wechseljahre für mich eine enorm wichtige Phase der Prävention. Und das gilt für alle Frauen, unabhängig davon, ob wir mit Beschwerden durch die Wechseljahre gehen oder ohne. Der Hormonmangel spätestens in der Postmenopause betrifft uns alle und hat Auswirkungen auf unsere Knochengesundheit, unsere Herzgesundheit und unsere Gehirnfunktion.
Die Weichen, die wir daher in der Lebensmitte stellen können, haben einen großen Einfluss darauf, wie kraftvoll & gesund wir durch die kommenden Jahrzehnte gehen.
Früher war die Gabe von Hormonen eher verpönt, heute gilt sie als viel sicherer. Wie berätst du zu diesem Thema?
Mir ist wichtig, dass Frauen eine informierte Entscheidung treffen können. Ich erkläre die aktuellen Erkenntnisse der Therapieoptionen, die möglichen Chancen und Risiken und bespreche jeweils, welche individuellen Symptome und Beschwerden vorliegen, aber auch wie die aktuelle Lebenssituation und das persönliche Risikoprofil aussieht usw.
Wechseljahre werden sehr individuell erlebt und es gibt kein „one size fits all“ in der Therapie. Manche Frauen haben kaum Beschwerden, andere sind im Alltag massiv eingeschränkt. Deshalb möchte ich jede Frau ermutigen, auf iohren Körper zu hören und sich helfen zu lassen. Niemand musss die hormonelle Achterbahnfahrt einfach so aushalten.
Es gibt heute einen ganzen Blumenstrauß an Therapieoptionen. Allen voran die Anpassung des Lebensstils. Aber auch hormonelle Ansätze, etwa bioidentische oder synthetische Hormone, pharmakologische Medikamente, pflanzliche Präparate (Phytoöstrogene und nicht hormonell wirkende Pflanzenstoffe), sowie weitere begleitende Maßnahmen wie kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose, Akupunktur etc.
Die Diagnose und Therapie gehört hier immer in die Hände der behandelnden Ärzte und Ärztinnen und lässt sich nur individuell klären. Meine Rolle als Wechseljahresberaterin ist, Wissen zu vermitteln, Orientierung zu geben, gemeinsam Fragen vorzubereiten und Frauen damit zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen.
Wann kann es von Vorteil sein, den Körper einfach machen zu lassen? Reicht manchmal auch Sport und gute Ernährung?
Für mich ist die Basis immer ein Dreiklang aus Bewegung, Schlaf und Ernährung. Unabhängig davon, ob eine Hormonersatztherapie oder eine andere Therapie erfolgt. Dazu kommen Stressmanagement, ausreichend Zeit für Regeneration und ein liebevoller Umgang mit sich selbst.
Gerade Krafttraining, bewusste, regelmäßige und antientzündliche Ernährung und eine damit verbundene stabile Blutzuckerregulation sowie eine gute Schlafhygiene, aber auch regelmäßige Alltagsbewegung können einen großen Unterschied machen. Oft unterschätzen wir, wie stark diese Grundlagen auf Hormone, Stoffwechsel, Stimmung und Wohlbefinden wirken und dass schone kleine Änderungen eine große Wirkung haben können.
Gleichzeitig gibt es Frauen, deren Beschwerden so belastend sind, dass zusätzliche Unterstützung notwendig sein kann. Wichtig finde ich hier zusätzlich auch immer einen ganzheitlichen Blick auf den Körper. Ähnliche Symptome können auch andere Ursachen haben – zum Beispiel lohnt sich immer auch ein Blick auf die Schilddrüse und auf eine ausreichende Mikronährstoffzufuhr.
Wir Frauen neigen oft dazu, möglichst lange durchzuhalten. Hast du dieses Gefühl auch?
Ja, sehr. Viele Frauen haben jahrzehntelang gelernt, für andere da zu sein, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und zu funktionieren. Die Wechseljahre machen dieses Muster oft sichtbar. In der Perimenopause verändert sich aber die Stressresilienz. Strategien, die früher gut funktioniert haben, greifen plötzlich nicht mehr. Das kann sehr irritierend sein. Und wenn es plötzlich nicht mehr so geht wie früher, suchen wir den Fehler zuerst bei uns selbst.
Der Körper wird dann manchmal zum lautesten Sprachrohr. Schlafprobleme, Erschöpfung oder andere Beschwerden können Hinweise sein, dass etwas nicht mehr so weitergehen kann wie bisher. Ich glaube, ein wichtiger Teil der Beratung ist deshalb auch, Frauen zu entlasten und sie zu ermutigen, auch wieder mehr auf die Signale ihres Körpers zu hören.
Selbstfürsorge, Pausen und auch Grenzen setzen kann man lernen. Ich erlebe die Wechseljahre deshalb auch als Einladung, die eigenen Bedürfnisse wieder ernster zu nehmen und Selbstfürsorge nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit zu betrachten.
Wenn die Gynäkologin eine Mikropille empfiehlt und zusätzlich Östrogen geben möchte: Manche Frauen sagen dann, sie möchten nicht für die Nebenwirkungen eines Medikaments gleich noch ein weiteres nehmen. Was rätst du?
Ich würde zuerst sortieren, was hier eigentlich gemeint ist. Hier geht es nicht um eine klassische Kombinationspille, sondern um eine Gestagen-Monopille. Sie enthält im Gegensatz zur kombinierten Pille kein Östrogen, sondern nur ein synthetisches Gestagen.
Gerade in der Perimenopause können die Hormone sehr stark schwanken. Deshalb kann die Gestagen-Monopille eine gute Alternative sein, um mehr Ruhe in das System zu bringen, die Eierstöcke stärker zu bremsen, die Gebärmutterschleimhaut zu stabilisieren und so die starken Hormonschwankungen abzumildern. Falls dann das körpereigene Östrogen zu stark unterdrückt wird oder doch allmählich sinkt, kann transdermales bioidentisches Östradiol – also zum Beispiel über Gel, Spray oder Pflaster – dazugegeben werden.
Die Gestagen-Monopille wird meist durchgängig eingenommen und auch das transdermale Östradiol gibt man täglich dazu. Nur so kann man einen stabilen Hormonstatus ohne Schwankungen erreichen und eine Linderung der Beschwerden erreichen. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
Ich würde grundsätzlich immer dazu raten, Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin abzuwägen. Wichtig ist, dass Frauen verstehen, warum eine Therapie vorgeschlagen wird und dass sie sich mit der Entscheidung und auch unter der Therapie wohl und wieder besser fühlen.
Mitdenken sollte man an dieser Stelle auch: Die Perimenopause verläuft dynamisch und in unterschiedlichen Phasen mit wechselnden Symptomen. Deshalb ist die Therapie in dieser Lebensphase häufig auch ein Stück weit ein gut begleitetes Ausprobieren. Nichts ist in Stein gemeißelt.
Es gibt z.B. verschiedene Gestagen-Wirkstoffe, die von Frau zu Frau sehr unterschiedlich vertragen werden. Wenn eine Gestagen-Monopille nicht passt, heißt das nicht automatisch, dass der ganze Ansatz falsch ist – manchmal braucht es eine andere Dosierung, einen anderen Wirkstoff oder es ist auch eine ganz andere Therapieform eine Alternative. Es gibt immer einen Plan B.
Die Wechseljahre sind nicht nur körperlich. Es passiert auch viel im Kopf. Berätst du auch zu diesen Themen?
Unbedingt. Ich glaube sogar, dass genau dieser Teil der Wechseljahre oft unterschätzt wird, wie sich die hormonelle Veränderung auf das Gehirn auswirkt und welche Auswirkung dies auf Symptome und für die weibliche Gesundheit hat. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es im gesamten Körper und im Gehirn Östrogenrezeptoren gibt. Östrogen wirkt dort auf Bereiche, die mit Schlaf, Stimmung, Konzentration, Gedächtnis, Temperaturregulation und Stressverarbeitung zu tun haben.
Außerdem stehen Gehirn und Eierstöcke in einem ständigen Austausch – über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Das Gehirn gibt Signale an die Eierstöcke, und die Eierstöcke geben hormonelle Rückmeldungen zurück.
In der Perimenopause wird dieses Zusammenspiel unruhiger. Die Hormonspiegel schwanken, die Eierstöcke reagieren nicht mehr so gleichmäßig. Das Gehirn muss seinen Stoffwechsel an diese veränderten Signale anpassen und umbauen. Deshalb können Wechseljahre eben nicht nur körperlich spürbar sein, sondern auch mental und emotional.
Dies zu verstehen, kann für Frauen sehr entlastend sein. In der Beratung sollte daher auch immer ich auf das ganze Bild geschaut werden: Schlaf, Stress, Mental Load, Stimmung, Energie, Ernährung, Bewegung, Regeneration und Raum für die Frage sein, was eine Frau gerade wirklich braucht.
Hast du vor, hauptberuflich in die Beratung zu gehen oder soll das eine Nebenbeschäftigung werden?
Für mich bleibt es im ersten Schritt eine Nebenbeschäftigung, die sich gerade „step by step“ entwickelt. Es ist passiert ja nichts zufällig und in den letzten Monaten sind durch meine Ausbildung, durch Gespräche mit anderen Frauen unglaublich viele Impulse und Ideen entstanden.
Ich habe gemerkt, wie groß der Bedarf ist – privat, aber auch gesellschaftlich und im beruflichen Kontext. Ich möchte weiter Erfahrungen sammeln, Frauen begleiten und offen schauen, wohin sich dieser Weg entwickelt. Ich fühle mich gut vorbereitet und bin gespannt & neugierig auf das, was da noch kommt.
Ist diese neue Ausbildung auch Teil der Sinnsuche für deine zweite Lebenshälfte?
Ja, mit Sicherheit auch. Wobei ich es vielleicht eher ein Nach-innen-Schauen oder einen Perspektivwechsel nennen würde. Was ist mir wichtig? Was tut mir gut? Was lasse ich los? Was nehme ich mit? Wer oder was gibt mir Energie? Die Lebensmitte lädt genau dazu ein. Ich finde es schön, wenn aus einer eigenen Erfahrung etwas entstehen darf, das auch anderen hilft.
Für mich fühlt sich die Ausbildung deshalb sehr stimmig an. Sie verbindet evidenzbasiertes Wissen, Frauengesundheit, Prävention, persönliche Entwicklung und Begleitung. Und vielleicht ist genau das ein guter Satz für diese Lebensphase: Veränderung ist kein Verlust – sie ist eine neue Phase der Entwicklung, die wir aktiv mitgestalten dürfen. Leben ist immer dort, wo wir noch nicht waren.