Ihr Lieben, wir teilen bei uns oft die witzigen Reels von Anke Neckar von Lächeln und Winken, die trotz ihrer Leichtigkeit immer Tiefe mitbringen. Nun hat die Zweifachmutter und Autorin einen Roman FÜR UNS geschrieben. Für uns alle! In Mama reicht´s werdet ihr euch – versprochen! – ALLE wiederfinden. Sie zerlegt darin auf präziseste Weise unser Mamaleben. Wie es dazu kam…
Liebe Anke, wie kennen dich als ehrliche und vor allem witzige Video-Content-Produzentin, nun gehst du unter die Literatinnen, wie kam es dazu?
Uh, ja, da hängt tatsächlich ne Geschichte dran. Ich versuche mich kurz zu fassen … was mir bekanntermaßen schwerfällt 😉 Also: Vor sehr, sehr, seeehr vielen Jahren, mit ungefähr sieben Jahren, habe ich beschlossen, eines Tages Schriftstellerin zu werden. Mit Anfang 20 habe ich das dann auch schon mal ausprobiert, allerdings musste ich wenig überraschend feststellen, dass sich dieser Traum gar nicht so easy umsetzen lässt.
Ich habe zwar ein Kinderbuch veröffentlicht und meinen ersten Roman geschrieben, allerdings … verlief alles im Sande. 2015 startete ich den Blog LÄCHELN UND WINKEN. Zum einen, weil ich unbedingt schreiben wollte trotz Elternzeit, zum anderen weil ich dachte: Wenn ich den Blog hochgezogen bekomme, dann werden eventuell auch Verlage auf mich aufmerksam und ich bekomme die Chance, Bücher zu schreiben, die auch gefunden und gelesen werden. Hat geklappt! Hat halt 10 Jahre gedauert. Aber viel Geduld kennt man ja von Widdern. 😉
Jedenfalls durfte ich 2024 mein erstes Sachbuch veröffentlichen: Mutterseelengemeinsam. Und während ich daran noch schrieb, klopfte schon Lübbe an und fragte, ob ich nicht Bock hätte, einen Roman für Frauen, für Mütter zu schreiben … mich also mal wirklich in Belletristik zu probieren. Und auch wenn ich erstmal, aufgrund des Umstandes, dass ich gerade noch bis zum Hals in der Arbeit an einem anderen Buch steckte, etwas überfordert war mit der Idee, hatte ich NATÜRLICH Bock!
Mit welchem Clou hast du es geschafft, den Verlag von deiner Idee zu überzeugen?
Wenn ich ganz ehrlich bin, war das erste Meeting im Verlag zu diesem Roman mein bisher erwachsenstes, coolstes, mich tatsächlich richtig mit Stolz auf mich selbst erfüllendstes Meeting meines bisherigen Lebens. Denn wie viele Frauen habe auch ich eigentlich ein großes Problem damit, mich wirklich gut und selbstbewusst zu verkaufen. Mein Licht steht viel unterm Scheffel rum, bei solchen Terminen.
Aber da war irgendwas anders. Die Situation war anders. Ich war anders. So sehr, dass ich mein 7jähriges Ich förmlich hinter mir sitzend und mit vor Staunen offenem Mund klatschend gespürt habe. Wisst ihr, was ich meine? Ich hatte eine Idee, ein Konzept für diesen Roman, und ich war so überzeugt davon, dass ich auch die beiden tollen Frauen von Lübbe, die dort mit mir saßen, überzeugen konnte. Zwei Ebenen – eine Brief- und eine Romanebene wollte ich. Und ich wollte die Geschichten meiner Community einfließen lassen. Das kam an. Und ich denke immer noch wirklich super gerne an diesen Tag zurück!
Du schreibst über eine Mutter, die sich über all das Funktionale in ihrem Leben ein bisschen selbst verliert, kennst du das etwa auch?
Welche Mutter kennt das nicht?! Ich glaube, selbst wenn man sich – z.B. in der ersten Schwangerschaft – super viel vornimmt, was einem alles nicht passieren wird als Mutter, wie sehr man auf 50/50 Aufteilung aller to do’s unter beiden Elternteilen achten wird, wie groß man Me-Time in den Kalender schreibt und wie intensiv man sich darum bemühen möchte, sich selbst NICHT zu verlieren … das Risiko ist dennoch enorm hoch. Aus gesellschaftlichen Gründen, aus Sozialisierungs-Gründen und auch einfach aus „Überraschungs-Gründen“.
Mutterschaft steckt so sehr voller Überraschungen auf so vielen Ebenen; die haben wir vorher schlicht nicht auf dem Schirm. Allein die emotionale Komponente ist Überraschung pur. Nie im Leben hätte ich gedacht, wie sehr ich die ersten Jahre an meine Kinder gebunden wäre, nur weil meine Hormone mich sozusagen zur Übermutter puschten. Bei mir persönlich hat´s lange gedauert, bis ich festgestellt habe, wie sehr mich die Mutterschaft verändert hat und was von mir komplett verloren gegangen ist. Und so geht’s vielen Müttern.
Ich habe ja das wunderbare Glück, mit sehr vielen Frauen und Müttern vernetzt zu sein; und sehr viele haben mit ihren ganz persönlichen Geschichten zu meinem Roman beigetragen – zu der Figur Julia. Sie ist sozusagen zusammengeschrieben aus individuellen Facetten der Frauen in meiner Community. Und ich glaube, das ist der Grund, warum sich sehr viele mit ihr identifizieren können werden.
In deinem Buch „Mama reicht´s“ schreibst du über einen Ehemann, der zwar lieb ist, aber von Mental Load nicht so viel hält. Wie versucht die Protagonistin, ihm das näherzubringen?
Es ist eigentlich gar nicht so, dass er – Marcel – nichts davon hält. Er sieht ihn einfach nicht. Oder zumindest nicht in dem Ausmaß, indem er auf Julias Schultern lastet. Und ich glaube, so geht es sehr vielen Männern. Ihnen ist durchaus klar, dass ihre Frauen viel leisten … aber WIE VIEL und was es die Frauen kostet, das ist ihnen nicht klar. Und genau so geht es eben Marcel.
Meine Protagonistin Julia hat das lange hingenommen – nicht ignoriert, aber auch nicht groß thematisiert. Dann passiert jedoch etwas, das ihr die Augen öffnet. Und den Mund. Sie beginnt damit, Gespräche zu führen, die wir alle führen sollten und vielleicht auch wollen, aber zu denen uns vielleicht der Mut fehlt oder auch die Worte. Julia führt sie plötzlich. Zu den unmöglichsten Zeiten. Das gibt dem Ganzen eine wirklich schöne, chaotische Dynamik, wie ich finde. 😀
Welche Lösungen gibt es für Frauen und Mütter und Partnerinnen, die denken: Mir reicht´s jetzt?!
Boah, schwierige Frage. Ich glaube, die Antwort darauf fällt wahrscheinlich von Frau zu Frau unterschiedlich aus. Es kommt ja auch ein bisschen auf die Gesamtsituation an, wie das Umfeld ist, wie alt die Kinder sind, wie groß die Liebe zum Partner (noch) ist? Zu welchem Zeitpunkt ihres Lebens stellt sie fest: Mir reicht’s!?
Davon abgesehen glaube ich aber, dass Reden erst mal immer die beste Wahl ist. Dinge auszusprechen schafft so viel Klarheit. Vielleicht sogar erst mit der besten Freundin – einfach um alles schon mal in Worte gefasst zu haben. Oder wenn man kann: mit einer Therapeutin.
Eine Paartherapie kann auch toll helfen, wenn der Partner mitzieht. Und wenn man ein bisschen darauf achtet, dass man nicht jemanden ins Boot holt, der eventuell zu sehr an patriarchalen Strukturen festhält und in der Paartherapie der Frau erklärt, dass sie nicht so hohe Ansprüche stellen soll… Alles schon gehört. 😉
Hat sich der Plot in der Zeit des Schreibens nochmal verändert, weil die Geschichte eine Eigendynamik entwickelte?
Der Plot hat sich eigentlich nicht mehr verändert, aber die Figuren sind vielschichtiger geworden durch die Briefe im Buch, die Julia sich selbst schreibt und in denen sie Situationen und Themen verarbeitet, die sie als Frau und Mutter beeinflusst haben.
Welche Leserinnen versucht du, mit deinem neuen Werk zu erreichen, wer wird sich wiederfinden können?
Der Roman richtet sich eigentlich an all jene Frauen und Mütter, die wissen: Mutterschaft ist anstrengend, Partnerschaft ist Arbeit und selbst wenn ich all das trotzdem liebe, möchte ich meckern und mir Verbesserungen wünschen dürfen. Darüber hinaus sind unglaublich viele Themen hineingewoben – alle zusammengetragen in meiner Community. Z.B. Fehlgeburt, unerfüllter Kinderwunsch, Freundschaften, Kita-Zeit, Schulwechsel, Zukunftsangst und Stress mit anderen Müttern. Ich glaube, es werden sich sehr viele Frauen wiederfinden können.
Es ist deine erste Fantasiegeschichte, was war im Werdeprozess anders als beim Sachbuch schreiben?
Ich musste mir erstmal Zeit nehmen, die Figur Julia zu kreieren … sozusagen eine imaginäre Freundin zu erschaffen, die ich dann begleitet habe durch ihre Geschichte. Das fand ich ehrlicherweise gar nicht so einfach, denn ich bin ja gewöhnt, über mich selbst und meine Gedanken zu schreiben.
Natürlich hat Julia trotz meiner Bemühungen auch Züge von mir. Aber eben auch von ganz vielen anderen Frauen, die mir Impulse geschickt haben. Das Gleiche gilt für die komplette Geschichte. Es ist ja kein Fantasy-Roman in dem Sinne, sondern ein sehr authentischer. Nur halt nicht basierend auf meinem Leben; sondern auf dem ganz vieler Frauen und Mütter. Ich liebe wirklich alles daran.
Du sprichst inhaltlich Dinge an, die viele Frauen kennen werden, was müsste sich gesellschaftlich verändern, dass es besser wird für Mütter?
Wir müssten Müttern endlich die Relevanz zugestehen, die sie verdienen. Von Anfang an hören wir: Kinder bekommen und großziehen ist das Normalste der Welt für Frauen. Und gleichbedeutend wird damit gemeint: Das hat keinen besonderen Wert. Exakt das sieht und erlebt man dann als Frau mit Kindern auch.
Es ist nicht wichtig, was wir 24/7 tun, wir sollen nicht so viel drüber reden, wir sollen halt einfach machen – und nebenbei noch RICHTIG arbeiten, weil wir sonst die Altersarmut schon riechen können und förmlich nutzlos für die Gesellschaft sind.
ABER: Wir halten die Zukunft an der Hand; wir erziehen, wir formen sie. Wie kann DAS nicht relevant sein. Es ist FUCKING relevant. Für uns alle. Wenn in dem Punkt endlich ein Umdenken stattfinden würde, wäre das wenigstens eine Basis, aufgrund derer wir weiterdenken können.