Auswanderung: Vom Leben als Familie in Lappland

Liebe Katharina, du bist vor knapp sieben Jahren ausgewandert.

Genau, gemeinsam mit meinem Mann bin ich nach Lappland ausgewandert – aus reiner Liebe und Sehnsucht zur Natur und nach einem entschleunigten Leben. Mein Mann ist Nautiker und es war immer sein Traum gewesen, vom Esstisch aus auf endloses Wasser und Wellen zu schauen.

Mein Traum hingegen war ein Leben im extremen Winter, mit möglichst viel Eis und Schnee. Und so fühlte sich ein Umzug an den Inarisee, zum „Meer der Saamen“, der Ureinwohner Lapplands, nach einem guten Kompromiss an, denn dieser See bot uns das, wonach wir uns persönlich und gemeinsam sehnten.

Das Südufer des Sees liegt gut 300km nördlich des Polarkreises in Finnisch Lappland, der See selbst ist gut 3x so groß wie der Bodensee, beherbergt über 3.000 Inseln und bei starkem Nordwind gibt es sogar hohe Wellen. Von ca. Mitte November bis Ende Mai ist er zugefroren, und die Gegend ist insgesamt sehr schneereich. Für uns also der perfekte Wohnort!

Kanntet Ihr die Gegend dort schon vorher?

Während der Studentenzeit waren mein Mann und ich viel mit dem Rucksack unterwegs, sind durch Lappland getrampt und gewandert und hatten so bereits über die Jahre eine gemeinsame Liebe zum europäischen Norden entwickelt. Dass wir dann tatsächlich da hin ziehen würden und Deutschland verlassen, kam dann aber doch irgendwie plötzlich.

Wann und wie fiel denn die Entscheidung?

Wir saßen gemeinsam am Frühstückstisch, am Silvestermorgen 2013, reflektierten unser vergangenes Jahr und visionierten unser kommendes. Dabei sprachen wir aus, was wir beide schon eine Weile wahrgenommen hatten: Dass uns unser eigentlich wunderwunderschöner „Post-Studentenleben-Alltag“ in unserer Studentenstadt Bremen nicht mehr ausfüllt, obwohl objektiv gesehen, eigentlich alles perfekt war. Wir hatten im Sommer geheiratet, wohnten in einer wunderschönen Maisonette Wohnung mitten im Bremer Viertel, hatten unglaublich liebe Freunde dort, waren auch nicht zu weit von unseren Familien entfernt, ich hatte mich gerade als Coach selbstständig gemacht und meinem Mann stand in der Seefahrt die Beförderung zum 1.Offizier bevor.

Es war also eigentlich alles mehr als gut, aber wir fühlten uns dennoch irgendwie leer und sehnten uns nach mehr: nach einem Alltag, der mehr von den Dingen beinhaltete, die wir bisher am Wochenende und in den Ferien gemacht hatten (Kajakfahren, Skilaufen, Wandern, draußen sein etc.). Und da erkannten wir, dass unsere Sehnsucht nicht in Deutschland gestillt werden kann und das wir ja eigentlich auch dort wohnen könnten, wo wir bisher gerne für unsere Wandertouren hingereist waren.

Wir fassten umgehend den Entschluss im Norden neu anzufangen und von dem Moment an, fühlten wir uns wieder ganz erfüllt und irgendwie hatte unser Leben wieder einen tieferen Sinn erhalten.

Wie ging es weiter?

Sechs Wochen später war unsere Wohnung abgegeben, unsere Sachen eingelagert und unser alter Volvo brachte uns, vollgepackt bis obenhin, auf die Fähre nach Finnland und in unser neues Leben. Die Kraft, die uns zum Auswandern geführt hat, war immer ein „hin zu“ und nie ein „weg von“ gewesen. Wir wussten, dass wir unsere Familien und Freunde fürchterlich vermissen werden, aber wir wussten auch das uns der Alltag in Deutschland nicht wirklich erfüllen kann, da unsere Sehnsucht nach dem anderen, bereits so groß war.

Außerdem hatten wir noch eine weitere Vision: wir wünschten uns, dass unsere Kinder (die damals noch nicht auf der Erde waren) später mal auf dem Sofa sitzen und Astrid Lindgren Bücher lesen würden, und dabei das Gefühl hätten, dass die Bücher Geschichten aus ihrem eigenen Leben erzählen würden!

Wie lebt Ihr gerade?

Nach 5 Jahren wundervollem Lebens auf einer kleinen Insel im südlichen Teil des Inarisees, wohnen wir nun seit 2 Jahren am Ufer des selben Sees. Von unserem „neuen“ Steg können wir sogar unsere „alte“ Insel sehen. Da wir in der Zwischenzeit 2 wundervolle Kinder bekommen hatten und uns am Ende keine Baugenehmigung zur Vergrößerung des Hauses auf der Insel gegeben wurde, sind wir ebenfalls impulsiv und schnell entschlossen von dort ans Festland gezogen, wo wir eine wundervolle Landzunge für uns gefunden haben. Wir sehen also immernoch aus allen Fenstern Wasser, können aber mit dem Auto ans Haus fahren, was zugegebenermaßen unseren Alltag auch sehr erleichtert hat.

Unser Zuhause liegt jetzt 330km nördlich des Polarkreises, am Ende einer 6km langen kleinen Waldstraße….und unser Briefkasten befindet sich an dessen anderem Ende. Unser nächster Nachbar wohnt zwei Kilometer von uns entfernt. Wir blicken also nur auf Wasser, felsige Inseln, Kiefern, Birken und unberührten Waldboden mit vielen Blau-und Preiselbeersträuchern.

Als Ihr damals Eure Auswanderungspläne verkündet habt, gab es da auch kritische Stimmen?

Ja, es gab auch kritische Stimmen. Und auch traurige. Und auch einige, die es schwer damit hatten, uns durch unseren Umzug aus ihrem eigenen Alltagsleben gehen zu lassen. Aber im Grunde wussten alle aus Erfahrung bereits: wenn ich etwas so fest wollte, dann konnte mich auch kaum etwas zurückhalten.

Mittlerweile haben sich aber alle daran gewöhnt, dass wir weg sind und nicht planen, wiederzukommen. Viele besuchen uns auch hier ganz eifrig und andere treffen wir dann, wenn wir unsere jährliche Deutschlandreise machen.

Gibt es etwas, was du an Deutschland vermisst?

Klar, meine Familie, meine Freunde, mein kleines familiäres Fitnessstudio im Bremer Viertel, gemütliche Cafés, Buchläden, Wochenmärkte, Ahoi Brause und Giottos.

Und was findest in Lappland viel besser als in Deutschland?

Die Ruhe, die absolute Stille, die Freizeitmöglichkeiten in und mit der Natur, das selbstbestimmte naturnahe Leben im Rhythmus der Jahreszeiten. Täglich frischer Fisch aus dem eigenen Netz, weiße Weihnachten….und vieles mehr!

Wie hast du dich in Lappland beruflich aufgestellt?

Ich bin Unternehmerin und Coach in meiner Firma „arctic outdoor coaching“. Ursprünglich bot ich Führungskräften des mittleren und oberen Managements exklusive und sehr intensive mehrtägige Einzel-Cochings hier in der unberührten Natur der Arktis an. Mit dem Wiedereinstieg nach der Kinderpause habe ich jedoch eine inhaltliche Neuausrichtung vorgenommen und richte mein Coaching-Angebot nun an Karriere-Mütter. Ich begleite sie dabei, sich ihrer Werte, Bedürfnisse und Ziele in den unterschiedlichen Bereichen so bewusst zu werden, dass sie in die bewusste Entscheidungsfällung und Alltagsgestaltung kommen – mit dem Ziel, sich selbst, ihre Kinder & ihre Karriere wirklich mit gutem Gewissen genießen zu können und ihren Alltag als erfüllend zu empfinden.

Derzeit biete ich dazu ein persönliches Online-Coaching Programm an, möchte aber nach Corona mein Angebot auch wieder um offline Coaching-Retreats für Karriere-Mütter erweitern, um die Kräfte der arktischen Natur auch wieder ganz bewusst in meine Coachings integrieren zu können.

Viele Menschen scheitern am Auswandern. Was meinst du braucht man als Voraussetzung, damit das Auswandern klappen kann?

Aus meiner Perspektive und Erfahrung ist das A und O für ein gelungenes Auswandern die Herzenskraft. Der Wunsch nach dem Neuen muss aus dem Herzen und nicht aus dem Kopf kommen. Das klare „Wozu“ sollte also wirklich auch ganz stark gefühlt und nicht nur erklärt werden können! Wenn das Gefühl stark genug ist, dann würde ich jedem enpfehlen, auf sein Herz zu hören und diesem mutig zu folgen. Der Rest drumherum ergibt sich dann schon.

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1 Kommentar

  1. Liebe Katharina,
    Super schöner Bericht, da wird man hier in Deutschland doch eine wenig sehnsüchtig, auch wenn man da wo ich wohne auch weit ab vom Schuss ist.
    Ich finde dein Online Coaching klingt total interessant, leider kann ich weder deinen vollen Namen noch einen Link zu deiner Website in dem Artikel finden. Ich würde mich über mehr Informationen dazu sehr freuen.
    Ganz liebe Grüße von der Ostsee

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