Bah, Bonbons mit Avocado! Wie wir unsere Kinder kindgerecht schützen können…

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Ihr Lieben, in den letzten Tagen kursierte immer mal wieder so ein Spruch durch das Internet, in dem es heißt, dass ein achtjähriger Junge aus den USA fast entführt wurde, er den vermeintlichen Entführer dann nach dem „Passwort“ fragte“ und der dann so verdutzt war, dass der Junge fliehen konnte. In dem Spruch heißt es dann weiter: Macht mit Euren Kindern ein Passwort aus, um es vor Entführungen zu schützen. Sagt dem Kind, wenn Ihr mal jemand anderen schickt, dann weiß der Euer „Passwort“, wenn er es nicht weiß, dann geht Ihr nicht mit.
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Ich weiß nicht, von wie vielen Websites und Freunden dieser Spruch mittlerweile bei Facebook geteilt wurde, aber jedes Mal wird mir ganz anders, wenn ich den sehe.

Es geht mir nicht darum, dass wir unsere Kinder nicht schützen sollten. Aber so? Ganz im Ernst: Wenn ein Kind sich in einer Gefahrensituation befindet, denkt es an so einen Spuch? Oder andersrum, wenn die Mama so schlecht dran ist, dass sie einen Fremden zum Abholen des Kindes schicken muss (WANN kommt das denn bitte vor?), denkt SIE dann überhaupt noch dran, ihm das Passwort mitzuteilen? Und überhaupt: Die Gefahr für ein Kind, entführt zu werden ist so klein wie nie zuvor, statistisch gesehen. Nur dadurch, dass Kindesentführungen medial so ausgeschlachtet werden, haben wir das Gefühl, dass die Gefahr immer größer wird.

Einem Kind die Sicherheit auf dem Schulweg zu nehmen, indem ich mit ihm ein Passwort ausmache, hui. Dafür muss ich ihm ja auch sagen, WARUM wir das ausmachen. Das möchte ich meinem Kind ehrlich gesagt nicht zumuten, dass es nur noch verhuscht und ängstlich durch die Welt marschiert. Überhaupt, welchen Druck das Kind dauernd verspüren muss, dass es dieses doofe Wort nicht vergisst… Es geht doch viel einfacher!

Mit Fremden geht man nicht mit. Punkt. Und von Fremden nimmt man ohne Rücksprache mit den Eltern auch keine Geschenke an. Punkt. 

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Es gibt ganz tolle Kinderbücher, die diesen Sachverhalt gut erklären, ganz ohne Angst zu machen. Und nicht mal diese Bücher braucht es. Ich kann meinem Kind das erklären, ohne ihm Angst zu machen, indem ich zum Beispiel sage: Wenn Dir jemand Bonbons schenken will, vielleicht schmecken die ja nach Avocado. Kind schreit IIIIIIIIIIIIH und sagt, okay, Mama, ich frag Dich vorher. So einfach kann das sein. So einfach und kindgerecht. Und ganz ohne freiheitsbeschränkende Panikmache. Was meint Ihr?

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11 comments

  1. Entführung
    Liebe Steffi, nur weil Du gerne die Augen vor der Wahrheitverschliessen möchtest, heißt es nicht, dass schlimme Dinge nicht passieren. Ich wohne fast neben einem Polizeipresidium und mindestens ein bis zwei mal im Monat hängt dort ein neues Foto von einem 4 bis 5 jährigem Kind, dass verschwunden ist. Also verstehe ich überhaupt nicht, wieso Du so sicher sagen kannst, dass Deutschland so sicher ist und dass Entführungen nicht vorkommen. Ich bin auch dagegen Kindern Angst zu machen, aber die Wahrheit, dass Kinder entführt werden oder Kinder in die Büsche gezogen werden und dann vergewaltigt, sollten die Kinder wissen. Vor paar Wochen ist nämlich genau das in meiner Gegend passiert und wenn’s dem eigenen Kind passieren würde, würde wohl keine Mutter mehr ruhig schlafen können. Also Augen verschließen bring überhaupt nichts. Das ist kein Schutz. Ich bin echt fassungslos über manche Aussagen.

  2. Danke
    liebe Lisa für diesen Beitrag. Ich sehe es genauso wie du. Wir können unsere Kinder nicht in Watte packen und vor allem beschützen. Ich möchte natürlich auch, dass meine Kinder immer sicher sind. Aber wie du schon schreibst, wird durch Medien alles schlimmer gemacht und vor allem direkt zu uns nach Hause in die Wohnzimmer gebracht. Es gab noch nie so sichere Zeiten (zumindest in Deutschland) wie jetzt. Es gibt viel weniger Morde, Entführungen etc. und trotzdem bekommen die Menschen immer mehr Panik. Wir können unsere Kinder nur stärken und selbstsicher machen. Das geht nur mit Ur-(Vertrauen). Durch ständige Überwachung (mittlerweile gibt es GPRS-Sender für Kinder – gruselig) und Angst erreichen wir das Gegenteil. Ich bespreche mit meinen Kindern auch, dass sie nichts von Fremden oder kaum Bekannten etwas annehmen sollen oder mitgehen sollen. Ansonsten vertraue ich darauf, dass alles gut geht. Je mehr ich Angst habe, dass was passiert, umso eher geschieht das auch. Was sehr gut hilft, ist weniger TV zu sehen oder Radio zu hören, vor allem Nachrichten. 😉

  3. RE
    Eltern müssen zuversichtlich sein, dass das Kind keiner Gefahr ausgesetzt wird. Das beste, was für diesen Zweck geeignet ist, sind ihre Handys zusammen mit anderen Smart-Geräten, die so beliebt unter Kleinen sind. Meines Erachtens sei es die beste Möglichkeit, den genauen Aufenthaltsort vom Kind immer zu wissen. Es gibt diverse Software, die damit ziemlich gut zurechtkommen. Für Kontrolle unserer Kinder wird in meiner Familie die App von http://whatsapphacken.de/wie-kann-ich-whatsapp-meiner-kinder-hacken benutzt.
    Heutige Welt bringt uns bedauerlicherweise nicht nur positive Momente in der Kinder-Erziehung, sondern auch müssen die Kinder 24/7 unter Kontrolle sein. Entscheidend ist in jedem Fall innere Einstellung von Eltern zu möglichen Risiken.

  4. Ich geh doch nicht mit Jedem mit
    Schlussendlich ist das doch wie bei allem in der Erziehung sehr individuell und jeder muss da selber seinen Weg finden – ob mit oder ohne Passwort. Wir haben das Thema immer mal wieder besprochen aber ohne Panikmache und nachdem wir kürzlich das Buch Ich geh doch nicht mit jedem mit (http://www.theswissmiss.ch/blog/95-stranger-danger.html)
    gelesen haben, haben wir eine Liste von „sicheren“ Personen angelegt. Gott sei Dank wohnen wir in einer ziemlich sicheren Gegend und ich muss mich da nicht so sehr Sorgen drum.

  5. Sehe ich etwas anders
    Ich bin in dem Punkt deiner Meinung, Lisa, daß man dem Kind beibringen muss, nicht mit Fremden mitzugehen.
    Aber es gibt doch auch Fälle, in denen die Eltern auch nicht möchten, daß das Kind mit bekannten Personen mitgeht. Ich denke da an einen gewalttätigen Ex-Mann oder einen saufenden Onkel oder so. Das sind natürlich nur Ausnahmefälle, aber in den Fällen könnte so ein Passwort sinnvoll sein.

  6. @wischiwaschi
    Was hat das denn mit Schönreden zu tun? Ich sehe nicht, dass Lisa etwas ausklammert. Es ist alles eine Frage der Gewichtung. Trotz aller medialer Berichterstattung ist es heutzutage eher unwahrscheinlicher geworden, dass unsere Kinder Übergriffe erleiden müssen. Das ist in anderen Ländern sehr viel anders, und ich bin dankbar, dass wir unsere Kinder hier sehr frei aufwachsen lassen können (wenn wir wollen). Ein Passwort zu vereinbaren, verzerrt in meinen Augen schon die Realität.

    Im Übrigen ist Selbstbewusstsein der beste Schutz. Wer das bei seinen Kindern stärkt, tut das Richtige.

  7. Super Super
    Erst dachte ich auch wow – und dann dachte ich was für ein Quatsch wieso ? Mir hat man als Kind ständig Panik gemacht so das ich heute noch wenn ein Auto langsam Fahrt Panik habe!! Das will ich meinem Kind nicht antun !

  8. wischiwaschi
    ich finds nicht ok dem kind eine rosa ponnyhoferklärung zu geben . ein kind welches auch allein laufen muss , ist auf jeden fall groß genug um wissen zu dürfen dass in der welt nicht alles friede freude eierkuchen ist . Kinder sollten ruhig wissen dass es eben menschen gibt die dine tun die man nicht tun sollte .. natürlich gehts hier nicht um panikmache alla : “ geh nicht mit frmenden ,die könnten diech umbringen oder so “ , aber meine Große (jetzt 8) weiß schon lange dass es sowas wie entführung gibt und auch dass esKrieg armut und auch dass es Manschen gibt die anderen was antun oder gar amok laufen .

    Ich finde das kann man alles auch so erzählen , dass das kind nicht verängstigt ist.
    Ich bin absolut gegen solche schönredereien und pro ehrlichkeit .
    aber so ein passwort ist ja auch kein allheilmittel und schützt auf keinenfall vor übergriffen , aber schaden tuts ja auch nicht 😉

  9. Absolut…
    Gut, dass Du an dieser Stelle mal etwas zur Statistik schreibst. Klar – jedes Kind, dem so etwas passiert, ist eines zuviel. Aber dennoch ist das auch für mich kein Grund, meine Tochter in Angst zu erziehen.

    Kürzlich hat meine 3jährige kurz auf dem Bürgersteig vorm Haus auf mich gewartet, während ich noch mal schnell reingelaufen bin, um ihr Laufrad zu holen. Sie stand da ca. 1 min allein. OK, und da parken viele Autos, es hätte also durchaus ein Lieferwagen kommen können usw. — ich war auch nicht 100%ig ruhig, sie aus den Augen lassen zu müssen. Aber dennoch wollte ich nicht, dass sich meine „Angst“ (durch eben diese Massenmedien-Berichte) auf sie überträgt und sie mit ins Haus muss. Es kam mir unnatürlich vor. Ich möchte, dass sie sich wohl und sicher fühlt in dieser Welt. Jetzt aber die „Pointe“: Als ich wieder raus kam, stand eine etwa 60jährige Frau vor ihr und verunsicherte sie mit lautstarkem „Wo ist denn Deine Mama???!“-Gebrüll. Meine Tochter – von sich aus schüchtern – war dadurch erst wirklich verunsichert. Die Frau war schließlich die Fremde, die sie vollgequatscht hat. Dann gabs noch eine Predigt für mich, „weil man ja heutzutage soviel hört“. Ich fand es furchtbar.

    In der Blogosphäre, bei Facebook etc kam mir dieser Passwort-Rat auch ständig unter. Und meine Beobachtung ist, dass vor allem die Mütter drauf anspringen, die auch selbst sehr von Angstverhalten geprägt sind. Die Mütter, die stundenlang über _den_ richtigen Autositz diskutieren. Die mit kompletter medizinischer Ausstattung auf nen Spaziergang gehen. Deren Kind niemals ohne Helm aufs Laufrad dürfte. Die auf dem Spielplatz immer daneben stehen. Insofern mag es für diese Eltern eine Methode zur Beruhigung sein. Für mich ist das nichts, eben weil ich nicht will, dass mein Kind sich angstgetrieben verhält. Was nicht heißt, dass wir das Thema „nicht mit Fremden mitgehen“ nicht auch demnächst thematisieren (müssen).

  10. Was denn für Bücher? Hast du
    Was denn für Bücher? Hast du einen Tipp? Würde mich freuen, LG