Kurz nach der Hochzeit hatte mein Mann eine Affäre – wie wir unsere Ehe gerettet haben

Ihr Lieben, vor ein paar Tagen haben wir über unsere Facebook-Seite gefragt, wer durch eine Paartherapie einen echten Neustart geschafft hat und uns davon erzählen würde. Wir haben soooo viele Mails erhalten, einige Geschichten werden wir Euch hier nach und nach erzählen. Den Anfang macht Anna – vielen Dank für dein Vertrauen und den Mut, Euren Weg mit uns zu teilen!

Liebe Anna, Du hast im Jahr 2016 deinen Mann geheiratet und hattest bereits ein Kind mit ihm. Wie würdest du zu diesem Zeitpunkt eure Beziehung beschreiben?

Genau, wir haben 2016 standesamtlich geheiratet, damals war unser Sohn gerade sieben Wochen alt. Im Jahr darauf folgte dann die kirchliche Hochzeit mit großer Feier. Die Hochzeit war toll und ich war sehr glücklich, auch wenn das härteste Jahr unseres Lebens hinter uns lag – unser Sohn war das, was man als „Schreikind“ bezeichnet und hat insbesondere mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit und darüber hinaus gebracht.

Zeitgleich sind wir von einem Bundesland in ein anderes umgezogen, haben ein Haus saniert und derweil sechs Monate aus zehn Umzugskartons in einer Ferienwohnung gewohnt, bis das Haus fertig war. Parallel habe ich noch versucht mich selbstständig zu machen…

Wir waren zum Zeitpunkt unserer Hochzeit bereits seit mehr als zehn Jahren zusammen, hatten Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt und gemeistert, aber ich würde sagen, bis dahin nichts außergewöhnliches. Und mein Mann war in diesem ersten Jahr mit Kind und auch davor immer mein Anker, der sprichwörtliche Fels in der Brandung – ich hab immer gedacht: Solange er an meiner Seite ist, kann mir nichts passieren.

Dann ging es zur gemeinsamen Elternzeit ins Ausland. Da hast du herausgefunden, dass dein Mann eine Affäre hat. Wie hast du es rausgefunden?

Die Hochzeit war im Frühling 2017, im November 2018 gingen wir für vier Wochen nach Neuseeland, gemeinsame Elternzeit „genießen“, im April 2018 war unser zweiter Sohn geboren. Noch auf dem Hinflug habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass die Zärtlichkeiten zwischen uns merklich abgenommen hatten und hatte das auch im Vorfeld schon ein paar Mal angesprochen, er hat es aber immer abgeblockt bzw. verleugnet.

Vor Ort wurde es dann immer merkwürdiger und ich hatte das Gefühl, er geht mir regelrecht aus dem Weg. Zwei Tage nach unserer Ankunft ließ mir das keine Ruhe mehr, nachts um 2 weckte ich ihn und bat ihn, mit mir aufzustehen. Die Kinder schliefen im Elternbett und wir gingen in das Kinderzimmer der Ferienwohnung, wo ich ihn mit meinen Beobachtungen konfrontierte. Ich fragte ihn, ob er mich noch lieben würde und er sagte, er wisse es nicht.

Erst auf eine weitere Nachfrage hin gestand er mir die Affäre. Seitdem weiß ich, was es mit diesem Sprichwort auf sich hat: Den Boden unter den Füßen verlieren. Ich fühlte mich tatsächlich wie im freien Fall, nahm kaum noch wahr, was er sagte -nämlich, dass er mich auf keinen Fall verlassen wolle, er hätte die andere Frau schon seit einem halben Jahr nicht mehr getroffen usw.

Im Nachhinein kann ich ganz klar sagen, er wollte, dass ich es herausfinde, war zu feige, es von sich aus zu sagen.

Die Affäre begann kurz nach Eurer Hochzeit und dauerte über die Schwangerschaft und Geburt Deines zweiten Kindes an, war das dann besonders schmerzhaft für Dich?

Ja, das herauszufinden, war hart. Tatsächlich lernte er die Frau wenige Monate nach unserer Hochzeit kennen und für mich waren damit viele Erinnerungen vergiftet – auch die Geburt unseres zweiten Kindes. Immer wieder habe ich mich gefragt, in welchen für mich wichtigen Situationen er wohl mit den Gedanken bei seiner Affäre war. Das ist letztendlich aber nur Folter und ändert für niemanden etwas.

Fast noch schmerzhafter als die Affäre war für mich aber die Erkenntnis, dass er sich seiner Liebe zu mir nicht mehr sicher war. Mir war klar, dass wir eine Zeit hinter uns hatten, die für uns als Paar nicht gerade wohltuend war, aber mit sowas hatte ich in keinster Weise gerechnet.

Hast du an Trennung gedacht oder war euch schnell klar, dass ihr kämpfen wollt?

Ich hab natürlich über Trennung nachgedacht, während er ja immer wiederholte, er wolle sich auf keinen Fall trennen. Aber ich wollte auch nicht die bemitleidenswerte Mutti sein, die nur wegen der Kinder nicht verlassen wird. Meine innere Stimme Pro-Trennung war also nur mein Stolz und vielleicht ein bisschen ein Gefühl von „man muss sich trennen, wenn einer eine Affäre hat“.

Dagegen sprach, dass sich an meiner Liebe zu ihm ja nichts geändert hatte und ich natürlich mir selbst aber vor allem auch den Kindern dieses Drama ersparen wollte. Ich war deshalb relativ schnell bereit, uns noch eine Chance zu geben.

Nach der Rückkehr habt Ihr eine Paartherapie gemacht. War das deine Voraussetzung, dass es nochmal was wird? Und gab es noch andere Voraussetzungen?

Genau, noch in dieser ersten Nacht habe ich angefangen, Paartherapeuten zu suchen und hab ihn auch gar nicht danach gefragt, was er davon hält. Zum Glück hat er das auch nie in Frage gestellt. Mir war klar, wenn das nicht nochmal passieren soll, muss sich etwas ändern und das werden wir alleine nur sehr schwer oder vielleicht auch gar nicht schaffen. Deshalb wollte ich die Therapie auch direkt nach unserer Rückkehr.

Eine weitere Voraussetzung – wenn man es so nennen kann – war für mich, dass er mir (zu gegebener Zeit) ehrlich sagt, ob er die Liebe zu mir wieder „gefunden“ hat oder nicht.

Welche Gründe hat dein Mann für die Affäre angegeben?

Wie schon beschrieben hatten wir eine sehr stressige Zeit hinter uns, in der in erster Linie unsere Beziehung als Paar auf der Strecke blieb. Er fühlte sich von mir nicht verstanden und zum Teil auch bevormundet, aber der Hauptgrund war wohl einfach die Gelegenheit. Wären wir zu dem Zeitpunkt in einer entspannteren Phase als Paar gewesen, hätte er die Gelegenheit einfach nicht erkannt oder verstreichen lassen, aber so war er empfänglich und was als harmloser Flirt begann, war plötzlich eine Affäre.

Was habt Ihr in der Therapie gelernt?

Wir haben gelernt besser zu kommunizieren – den anderen oder das, was er sagt, nicht sofort zu deuten, sondern erstmal anzunehmen und versuchen zu verstehen. Also vermutlich das, was man in den meisten Therapien lernt.

Gab es besonders schmerzhafte Momente in der Therapie?

Ich habe mich bewusst für eine Form der Paartherapie entschieden, die sich sehr wenig mit Vergangenem beschäftigt, sondern vor allem in die Zukunft blickt. Das Ziel war, uns Handwerkszeug in Form von Kommunikationsmodellen an die Hand zu geben, die uns helfen, künftige Konflikte als solche zu erkennen, auszutragen und zu lösen.

Natürlich kamen wir trotzdem nicht an einer „Bestandsaufnahme“ vorbei, aber die fiel eher kurz aus. Was mich dennoch getroffen hat: Mein Mann hat als Grund für seine Unzufriedenheit u.a. angegeben, dass er mich nur noch in der Mutterrolle gesehen hat und nicht mehr als (Ehe)Frau. Das fand ich sehr hart, denn das war genau, was ich nicht wollte und wo ich immer versucht habe gegenzusteuern.

Aber unser erstes Kind war so fordernd, dass es für mich kaum Gelegenheiten gab, die Mutterrolle abzulegen, auch wenn ich mich sehr danach gesehnt habe.

Was hast du über dich selbst dort gelernt?

Dass ich mich am Ende des Tages doch nur auf mich selbst verlassen kann. Ich hab früher oft nicht verstehen können, wenn jemand gesagt hat „ich habe nichts geahnt“. Hätte mich vor drei Jahren jemand gefragt, ob ich mal die betrogene Ehefrau sein würde, ich hätte meinen Arm darauf verwettet, dass das nicht passiert. Das hat mein Urvertrauen erschüttert und mich auch sehr an mir zweifeln lassen.

Wann war der Punkt, an dem du dachtest: Jetzt packen wir einen Neustart!

Die ersten Tage und Wochen waren natürlich hart – uns kam zu Gute, dass wir allein als Familie im Ausland waren und uns erstmal nur mit uns beschäftigen konnten. Deshalb wussten auch nur sehr wenige Menschen, was passiert ist. Auch als wir wieder in Deutschland waren, gab es viele Situationen, die das Gedankenkarussell angeschmissen haben. Immer wieder hat mich eine tiefe Traurigkeit gepackt und später auch Wut.

Aber insgesamt wurden diese Phasen weniger und kürzer und inzwischen – 1,5 Jahre nach besagter Elternzeit – führen wir eine erfüllte und glückliche Beziehung, das kann ich ganz klar so sagen. Es gab also nicht den einen, eindeutigen Wendepunkt, sondern es war ein langer und steiniger Weg.

Was habt ihr konkret verändert und wie geht es euch heute?

Zunächst mal haben wir unfassbar viel gesprochen. Es ist nicht so, als hätten wir uns vorher angeschwiegen, aber nachdem die Affäre auf dem Tisch war, haben wir plötzlich über ganz andere Dinge gesprochen und in der Paartherapie dann auch gelernt, wie das ohne Vorwürfe und möglichst wertfrei gelingen kann.
Dann haben wir angefangen uns zu schreiben – das ging von mir aus, weil ich anfangs häufig das Gefühl hatte, mein Mann geht schon wieder zur Tagesordnung über, während ich noch gegen das Ertrinken kämpfe. Also habe ich ihm das alles aufgeschrieben, weil es mir einfach zu viel war für ein Gespräch.

Außerdem haben wir uns feste Zeiten vorgenommen, in denen wir uns nur mit uns beschäftigen. Dazu gehört eine Date-Night auswärts pro Monat (mein Mann ist beruflich sehr viel unterwegs, deshalb stellt uns monatlich z.T. schon vor Herausforderungen). Dazu gehört aber auch, dass wir uns jeden Tag die Zeit nehmen wollen, den anderen zu fragen, wie es ihm wirklich geht. Solche und andere Dinge, die nach Banalitäten klingen, für uns aber notwendig waren, damit wir nicht wieder im alten Trott landen und nur damit beschäftigt sind, das Leben rund um Kinder, Jobs, Haus und andere Hobbies oder Verpflichtungen zu organisieren.


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3 comments

  1. Ich beglückwünsche euch, dass ihr es geschafft habt, diese schwierige Zeit zu meistern und um euch gekämpft habt!
    Was mir etwas sauer aufstößt, ist der Grund, den dein Mann angegeben hat, dass du nur noch die Mutterrolle erfüllt hast. Ein Kind zu bekommen und es zu versorgen ist, gerade in der Baby- und Kleinkindzeit, ein Fulltime Job, kräftezehrend, man steckt in der Mami-Blase drin und wird extrem beansprucht. Ich habe schon oft gehört (und meinem Mann ging es teilweise ähnlich), dass die Männer sich in der Zeit vernachlässigt fühlen, ihnen die Nähe und der Sex fehlen etc. Das kann ich auch ein Stück weit nachempfinden. Aber sich dann auf eine andere Frau einlassen, während die eigene Frau sich daheim um das gemeinsame Kind kümmert, und darum kämpft eben nicht “nur Mama“ zu sein, macht mich wütend. Für uns Mütter ist das so eine anspruchsvolle Zeit, man muss sich danach eerstmal selbst wiederfinden. Und den Männern geht das nicht schnell genug, und sie können diese Zeit nicht mit der Frau durchstehen, sondern vergnügen sich anderweitig über Monate (Jahre?!) hinweg? Dafür hätte ich kein Verständnis. Respekt dass du ihm eine zweite Chance gegeben hast.

  2. Aus meiner Erfahrung, kann ich sagen, nach rausfinden der Affaire. Ich bin auch geblieben, auch weil er es vehement abgestritten hat. Aber mein Bauchgefühl sollte Recht behalten. Mein Vertrauen war bis ins Mark erschüttert. Und ich hab unterschätzt, wie sehr dieses Gefühl betrogen worden zu sein, an einem nagt, trotz Paartherapie und wie sehr ich mich regelrecht vor ihm geekelt hab. Ich hab mich dann auf die Kinder konzentriert und das war’s. Vor kurzem folgte endlich die Trennung.

    1. Ich denke, man kann Lebensgeschichten, auch wenn sie sich sehr ähneln (also in dem Fall in der Ehe Fremdgehen und Therapie, Kinder und bleiben ….) nicht vergleichen. In einem Fall ist und bleibt man dadurch innerlich und (später) auch im aussen wahrnehmbar getrennt, in einem anderen Fall ist die Möglichkeit sich aufrichtig zu vergeben und eine echte Verbundenheit durch dazutun wiederhergestellt. Das kann wirklich gelingen. Oder aber auch nicht. Eine Trennung in Würde kann auch durch die Imago Therapie versucht werden. Uns hat es als Mensch gut getan. Die Folge war, dass auch die Ehe wieder durch aufrichtige Liebe wiederbelebt wurde.

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