Was soll ich tun? Mein Chef versteht mein Betreuungs-Problem nicht

Mein Name ist Lara. Nach meinem firmen-internen Wechsel bin ich voller Tatendrang in meinen neuen Job gestartet. Die Betreuung des Kindes, trotz des nicht vorhandenen Krippenplatzes, hatten mein Mann und ich gut organisiert, so dass alles sehr gut zu laufen schien.

Vormittags betreute er unser Kind und nachmittags ich. Wir wechselten uns ab und es klappte gut. Zudem hatte mir mein neuer Chef auch Tage im Home-Office zugesichert.

Dann kam Corona und der Krippenstart verschob sich um zwei Monate nach hinten. Da mein Mann nun keine Elternzeit mehr hat, hatten wir plötzlich ein großes organisatorisches Problem.

Da mein Chef bereits im Bewerbungsgespräch sagte, es gäbe für alles eine Lösung und wenn irgendwelche Probleme auftauchen würden, sollte ich zu ihm kommen, tat ich dieses. Ich erzählte ihm von dem Problem und schlug ihm einige Lösungen vor, wie z.B. Überstunden abbauen, Urlaub nehmen oder evtl. auch mehr von zuhause zu arbeiten. 

Die Antwort war echt niederschmetternd, keiner meiner Vorschläge wurde angenommen. Auf meine Bitte nach Home Office sagte er, ich könne ja nicht gewährleisten, dass ich dann auch wirklich arbeite bzw er forderte, dass ich sicherstellen müsse, dass das Kind während der Home Office Zeit nicht zu Hause sei. Es gab Vorwürfe, warum ich mich nicht während der Corona-Zeit um einen anderen Krippenplatz oder eine Tagesmutter bemüht hätte.

Nach diesem Gespräch war mir klar, dass er meine Situation überhaupt nicht wahr bzw. ernst genommen hatte und ich jetzt mit dem Betreuungsproblem alleine da stehe. Die Firma hat mehr als 500 Mitarbeiter und bezeichnet sich selbst als familienfreundlich – das mal zum Hintergrund.

Ich bin wirklich wütend und traurig, denn im Bewerbungsgespräch klang das alles noch anders. Ich habe schon über einen erneuten Wechsel nachgedacht, aber gerade ist die Situation ja nicht so einfach….

Was würdet Ihr machen? Gibts jemand mit ähnlichen Problemen?



10 comments

  1. Also mir erging es ähnlich. Durch Corona konnte die Eingewöhnung nicht stattfinden. Ich habe meine Elternzeit verlängert. Unbezahlt. Ich war froh, dass mein Arbeitgeber dies zugelassen hat. Unsere Kitas haben wieder auf, aber verkürzt. Jetzt teilen wir uns in die Betreuung und nutzen beide flexible Arbeitszeiten.

  2. Es gibt sicher viele Firmen, die so handeln. Zuerst sehr zuversichtlich und wenn man dann wirklich ein Problem hat, wechseln sie ihre Ansicht. Was ist dir wichtiger? Sprich es an und wenn keine Lösung in Sicht ist, dann würde ich neu suchen. Auf die Stelle einen privaten Betreuungsplatz zu ergattern ist in der Corona Zeit sicher nicht leicht. Alles Gute!

  3. Hallo!
    dieses Jahr ist wirklich schlimm, was Kinderbetreuung angeht…
    Grundsätzlich kann ich jedoch den Arbeitgeber verstehen: arbeiten im Homeoffice mit einem Kleinkind ist kein wirkliches Arbeiten. Meine Tochter ist 5 und auch wir haben uns echt schwer getan, als die Kita zu war.
    Auch wenn die Kita anläuft, wird deine Kleine sicher öfter krank sein in den ersten zwei Jahren. Wegen der Pandemie darf man mit keinem Krankheitssymptom in die Kita. Also kein Rotz. Das kommt Ihr mit 20 Krankheitstagen nicht klar.
    Mein Rat: sucht Euch eine zuverlässige bezahlte Hilfe: eine Tagesmutter, Leihoma, Nachbarin, etc. Am besten nicht auf „Gefallen“ Basis, dann gibt es weniger mentalen Stress und Schuldgefühle.
    Als Ausblick: ab 4 Jahren werden die Kinder sehr viel weniger krank, so dass Ihr nur mit Kita und Krankheitstagen gut zurechtkommt.
    Alles Gute!

  4. Das ist wirklich unfassbar und leider ist eure Familie nicht die einzige die es so erging. Ich bin froh, das meine Frau noch Elternzeit für unser zweites Kind hat, den von meine Firma aus gibt es genau das gleich Problem!

    Genau in Zeiten wie diesen, zeigt sich eine gute und Familien freundliche Firma.

    Gruß

  5. Hallo Lara, also krankschreiben ist nicht die Lösung, aber solltet ihr wirklich nachweislich keine Lösung zur Kinderbetreuung finden, dann nutzt doch Beide abwechselnd die Möglichkeit der Lohnfortzahlung in der Coronazeit bei fehlender Betreuung. Aber auch das würde ich nach Rücksprache mit dem jeweiligen Vorgesetzten und Personalbüro machen. Generell würde ich dir empfehlen, auch noch einmal bei deinem HR Büro nachzufragen, welche Möglichkeiten sich finden lassen bei solch einem familienfreundlichen Betrieb. Nichtsdestotrotz kannst du dir dann immer noch einen neuen Vorgesetzten suchen. 😉

  6. Liebe Lara, das hört man leider immer wieder. Es gibt eine Plattform betreut.de in der du sicher eine Lösung für dein Problem findest und ewig wird es sicher nicht dauern bis es mit dem Krippenplatz klappt. Ich drück euch die Daumen und würde langfristig trotzdem über einen Wechsel nachdenken…es gibt auch wirkliche familienorienrierte Unternehmen/Unternehmer, die den Eltern das Leben nicht schwer machen. Krank schreiben, würde ich mich nicht. Kopf hoch.

  7. Das ist unfassbar und macht wütend. Und sich als Unternehmen dann auch noch als familienfreundlich bezeichnen. Hast Du Deinen Chef einmal gefragt, was genau damit (familienfreundlich) gemeint ist und was dies konkret für Maßnahmen umfasst? Es würde mich sehr interessieren und entweder, er muss dann Vorschläge machen oder eingestehen, dass es sich, wie so oft, um reines greenwashing handelt. Ich drücke Dir für einen für Dich und Deine Familie positiven Verlauf! Das, was da passiert, ist unsäglich! Bleib stark! Alles Gute!

  8. Das ist natürlich echt doof, wenn du mit einem Krippenplatz und einem entspannten Chef gerechnet hast. Was ist denn mit deinem Mann? Könnt ihr euch die Betreuung trotzdem etwas aufteilen? Er könnte ja auch mal seinen Chef fragen, ob er Homeoffice machen kann, Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen? Es wird das Problem wahrscheinlich nicht lösen, aber dann trägst du die Last nicht alleine. Viel Glück!

  9. Ich würde mich krankschreiben lassen. Für so einen Arsch will man doch eh nicht arbeiten. In diesem Land ändert sich nichts, wenn die Frauen so eine scheiß Behandlung immer über sich ergehen lassen. Ich würde mir eine nette Ärztin suchen, die mich krank schreibt, bis ich den Krippenplatz hab. Nebenbei würde ich anfangen nach einer neuen Stelle zu suchen.

    1. Das ist aber doch die völlig falsche Haltung. So ändert man auch nichts und macht es doch eher noch schlimmer.

      Liebe Lara, kann Dein Mann nicht weiterhin einige Stunden übernehmen oder Homeoffice machen bzw. könnt Ihr nicht die Tage nach vorne und hinten ausdehnen? Also einer beginnt früh und übernimmt mittags, der andere arbeitet nachmittags bis in den Abend. Ist bestimmt keine Dauerlösung und echt anstrengend, aber so haben wir es während der Kitaschließzeit während des Lockdown gemacht. So bringen bei Opfer und auch beide Arbeitgeber. Und vielleicht gibt es im Unternehmen noch eine andere Stelle an die Du Dich wenden kannst (Personalabteilung, Betriebsrat etc)?
      Ich drücke die Daumen, dass Ihr eine gute Lösung findet.

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