Notfallsanitäter-Rat: Lieber einmal mehr die 112 rufen als einmal zu wenig!

Notfallsanitäter

@stefamerpik für Magnific

Ihr Lieben, Celine ist Rettungssanitäterin mit abgeschlossenem Medizinstudium, Leopold ist als Feuerwehrmann und Notfallsanitäter bei der Berufsfeuerwehr tätig. Beide sind als @dierettungsmaus und @alarmstufeleo auf Instagram und klären da über medizinische Notfälle und Themen auf. Wir haben mit den beiden über ihre Einsätze gesprochen.

Liebe Celine, lieber Leopold, ihr arbeitet beide als Rettungs- bzw. Notfallsanitäter. Wie ist eure Erfahrung – wie erlebt ihr die Eltern, wenn ihr aufeinandertrefft?

Viel entspannter, als man denkt. Klar, manche Eltern haben vorher gegoogelt und kennen drei Diagnosen, die wir noch nicht mal im Kopf hatten. Aber das stört uns überhaupt nicht, im Gegenteil. Wer uns ruft, hat fast immer richtig entschieden, und die meisten sind nicht besserwisserisch, sondern einfach in Sorge. Unsere Aufgabe ist dann vor allem, ruhig zu bleiben und zu sagen: „Gut, dass ihr angerufen habt, wir schauen uns das jetzt an.“

Was sind für euch die herausforderndsten Momente in eurem Beruf?

Wenn Kinder betroffen sind, geht das nie spurlos an einem vorbei, auch nach Jahren nicht. Dazu kommt die Anspannung, die man selbst spürt, und die Panik der Eltern, in der man trotzdem klar bleiben muss. Manchmal denkt man auch: Mit ein bisschen Wissen vorher hätte sich das verhindern lassen. Genau das war einer der Gründe für unser Buch.

Und was sind die schönsten Momente?

Ehrlich gesagt: Wir stellen ungern einen einzelnen Fall heraus, denn jede Familie steckt gerade in ihrem ganz eigenen Moment. Die schönsten Einsätze haben aber etwas gemeinsam: Die Meldung klingt nach einem richtig krassen Notfall, wir fahren mit dem Schlimmsten im Kopf los, und dann kommen wir an, schauen uns das Kind an, und es ist ein gut behandelbares Problem.

Das Kind sitzt danach vielleicht schon wieder auf dem Sofa, die Eltern atmen durch, und man sieht, wie die Anspannung abfällt. Dafür machen wir den Job. Und es zeigt auch, warum es richtig war anzurufen: lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Im Netz gibt es sooo viele Informationen – was vermittelt euer Buch anders oder besser?

Im Netz gibt es zu jeder Frage fünf Meinungen und meistens sofort das Schlimmste. Wir wollten das Gegenteil: kurz, klar und aus der Praxis, ohne erhobenen Zeigefinger. 101 Dinge, die man in Ruhe lesen kann, wenn nichts los ist, und die im Ernstfall noch im Kopf sind. Wir schreiben so, wie wir es Eltern auch vor Ort sagen würden.

Viele Eltern sind ja doch verunsichert, wann sie wirklich den Notarzt rufen sollen/dürfen. Gibt es Symptome, bei denen ihr sagt: Das ist immer ein Notfall!

Die wichtigste Regel vorab: Im Zweifel lieber einmal zu oft die 112 wählen als einmal zu wenig. Niemand schimpft darüber.

Bei diesen Dingen zögern wir nie: • Das Kind atmet schwer, schnappt nach Luft oder wird um Mund und Lippen blau • Das Kind ist nicht ansprechbar, schlaff oder lässt sich nicht richtig wecken • Krampfanfall, vor allem wenn er länger dauert oder es der erste ist • Verschlucken, wenn das Kind nicht husten, atmen oder sprechen kann • Starke Blutung, die sich nicht stillen lässt • Verdacht auf Vergiftung (Medikamente, Reinigungsmittel, Knopfbatterien) • Schwere allergische Reaktion mit Atemnot oder Schwellung im Gesicht • Fieber mit Hautflecken, die sich nicht wegdrücken lassen • Beinahe-Ertrinken, auch wenn das Kind danach wieder fit wirkt

Und dann gibt es noch das Elternbauchgefühl: Wenn ihr merkt, dass etwas nicht stimmt, obwohl ihr es nicht benennen könnt, ruft an. Das Bauchgefühl liegt öfter richtig, als man denkt.

Nun seid ihr beide auf Social Media sehr aktiv. Was macht euch da am meisten Spaß?

Dass wir das, was wir im Alltag erleben, einfach teilen können, ohne dass es nach Vorlesung klingt. Wenn ein ernstes Thema plötzlich mit einem Lachen hängen bleibt, ist das für uns ein gutes Zeichen. Und die Community: Es gibt keine dummen Fragen, und die Nachrichten von Eltern, die sich trauen, sie trotzdem zu stellen, zeigen uns am besten, was wirklich beschäftigt.

Gibt es irgendwas, was euch nach all den Jahren in eurem Beruf immer noch überrascht?

Wie schnell Kinder sich oft wieder fangen. Während die Erwachsenen noch zittern, spielen sie schon wieder. Und wie oft die Gefahr in ganz kleinen, harmlosen Dingen steckt: ein Moment der Ablenkung, ein Gegenstand, der eben noch nicht da war. Genau deshalb reden wir so gern darüber, bevor etwas passiert.

Hier könnt ihr das Buch von Celine und Leopold bestellen

e0d3c716150b4a559fcf77e3a3d79378


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert