#refugeeswelcome: Unser Garten für Flüchtlinge

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Ihr Lieben, wir haben eine tolle, ereignisreiche und beeindruckende Woche hinter uns. Der Höhepunkt war der Mittwoch. Am Mittwoch haben wir in unserem Garten ein Fest für Flüchtlinge gefeiert.  

Freunde von uns engagieren sich seit langem ehrenamtlich in Köln für Flüchtlinge und sind Teil der Initiative Willkommen in der Moselstraße. Da wir nicht direkt nebenan wohnen, sondern weit außerhalb auf dem Land und mit drei Kindern eben nicht immer allzu flexibel sind, haben wir uns überlegt, die Bewohner einfach einmal einzuladen. Unser Garten ist groß, das wäre also eine Möglichkeit, ihnen einen schönen Nachmittag zu bescheren, dachten wir. Eine Möglichkeit, schöne Erinnerungen zu schaffen – für sie und für uns.

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Ein bisschen war es wie bei einem Blind Date. Wie viele würden kommen? Wir wussten es nicht. Wir wussten aber, dass noch drei befreundete Familien kommen würden, um uns Kuchen vorbeizubringen und mitzufeiern. Unsere Kinder halfen Tische schleppen und freuten sich wahnsinnig, gleich mit den Gästen Fußball spielen zu können. „Wann kommen sie denn?“ Jetzt! Endlich! Mit mehreren Autos fuhren wir sie abholen, für eine „Landpartie“.

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Auf meiner Rückbank saß eine Familie aus Nigeria, eine Mama mit zwei Mädchen, das große fünf Jahre alt (das ist das Mädchen neben mir, auf dem ersten Foto), das kleine vier Wochen alt (im Foto auf meinem Arm, soo klein und herzerwärmend), in Köln geboren. Es schläft nicht durch, schläft nur an der frischen Luft und ist nachts wach. Die ganz normalen Mamasorgen! Soweit die Parallelen…

Dass der Papa es aus Nigeria über Marokko bis nach Spanien geschafft hatte, dann abgewiesen worden war und schließlich die gesamte Flucht noch einmal auf sich genommen hatte, um wieder in Spanien zu landen, bei seiner Familie… das erzählte sie mir erst später. Dass sie aus Spanien weg sind, als sie wieder schwanger wurde und schließlich in Deutschland landeten. Detmold, Unna, Köln.

Ihr Handy klingelt. Ihre Freundin, die grad in  München angekommen ist, sagt sie am Telefon, sie solle nach Köln kommen. „The people are nice here". Die Leute sind nett. Ich freue mich. Sie freut sich. Wir lachen. Das Blind Date ist kein blindes mehr. Wir mögen uns.

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Als wir in unserem Garten ankommen, steht Zenagabriel bereits am Grill (sein Feierabendstau war wohl kürzer als meiner) und trägt die Schürze mit dem kölschen Wappen. Er erklärt uns auf deutsch (!), was die drei Kronen darauf bedeuten, „das hab´ ich im Integrationskurs gelernt“, sagt er. Wir hätten jetzt erstmal nachschlagen müssen… ähm. Na gut. Wieder etwas gelernt.

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Die Kinder quietschen auf dem Trampolin, ich darf das Baby halten, wir quatschen, essen, lachen, spazieren, die Großen und die Kleinen spielen Fußball und Zena isst den ersten Kartoffelsalat in seinem Leben. „Joah“, ist seine Geschmackseinschätzung. Gewöhnungsbedürftig. Die Zeit fliegt.

Der Nachmittag endet, als es dunkel wird, um halb zehn oder zehn. Wir drücken uns zum Abschied – alle – "bis bald", sagen wir und meinen das auch so. Und unsere Kinder sagen vor dem Einschlafen: „Das war ein toller Tag“. Und das ist genau das, was auch wir nicht besser hätten ausdrücken können. Ein toller Nachmittag. So leicht, so schön.

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Nachwort: Es gibt so viele Menschen in Deutschland, die Tag für Tag helfen, die eine Willkommenskultur leben und sich selbst zurückstellen, um anderen zu helfen. Das tun sie im Hintergrund, ehrenamtlich, selbstlos. Diesen Menschen gebührt unser Respekt. Ihnen möchten wir an dieser Stelle DANKE sagen. Ihr macht Deutschland zu dem Ort, den wir uns wünschen.

P.S. Nicht jeder hat einen Garten, nicht jeder hat die Zeit und/oder Kraft, sich aktiv einzubringen. Wer aber ein paar Cent übrig hat, dem kann ich die Kölner Bürgerinitiative ans Herz legen, durch die dieser tolle Gartentag zustande kam:

Spendenkonto für die Arbeit unserer Bürgerinitiative:

Konto: Ev. Gemeinde Köln
IBAN: DE49 3705 0198 0007 7020 12
BIC: COLSDE33
Verwendungszweck: Flüchtlingsarbeit Moselstraße

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13 comments

  1. Ich schätze das wirklich sehr
    Ich schätze das wirklich sehr, wenn wir Deutschen uns für Flüchtlinge einsetzen. Mein Vorbild zurzeit: DariaDaria.com
    Die Idee mit der Gartenparty finde ich wundervoll. So kann man sich locker kennenlernen.

    Liebe Grüße
    Tamara
    http://instylemaedchen.de/

  2. Liebe Lisa, wie ich schon bei
    Liebe Lisa, wie ich schon bei Bea unter der Verlinkung deines Blogbeitrags schrieb, finde ich die Idee total Klasse. Mir stehen so Möglichkeiten als studierende Mama gar nicht offen, aber bin selber immer wieder am schauen, was kann ich tun. Aktuell suche ich gerade mit einer Dame, die bei uns im Umkreis mit Flüchtlingen arbeitet ein Grundschulkind, welches einen Schulranzen braucht (seit dem 01.08 verteilen wir hier nicht nur Flüchtlinge weiter, sondern nehmen auch fest auf) , da ich einen zu viel hab. Außerdem werde ich wohl , wenn der Träger bei dem ich im November anfange mit meinem Studienpraktikum, es weiter anbietet, mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen arbeiten und zwar für 5 Monate, wenn nicht sogar länger , wenn meine Zeit dies zu lässt. Danke für deinen Beitrag. Er festigt mich in meiner Überzeugung hier den richtigen Weg zu gehen 🙂 LG

  3. Hut ab
    Das ist eine ganz tolle Aktion. Ich hoffe es baut in einigen Köpfen Ängste ab und das viele Leute dadurch angesprochen werden es euch gleich zu tun. Großartig

  4. Tolle Aktion
    Ich bin platt und beeindruckt, tolle Aktion und eigentlich sollten solche Aktionen an der Tagesordnung sein und nicht der andere Unsinn, der die Medien beherrscht

  5. Gerade …
    … sitze ich vorm Computer und bin restlos gerührt. Wie toll, dass Ihr das gemacht habt! Ich selbst würde auch so gern mehr für Flüchtlinge tun, bin aber bisher nicht über Kleiderspenden hinausgekommen und bewundere Menschen, die keine Berührungsängste kennen, auch nicht mit dem Leid der Menschen, die zu uns kommen.
    Aber dieser Text zeigt auch wieder, dass Begegnungen der einzige Weg sind, diese Ängste abzubauen, vielen Dank dafür, das machtMut!

  6. Liebe Lisa,

    Liebe Lisa,
    schade dass wir nicht kommen konnten. Ich finde es so wunderbar, wie ihr euch alle engagiert….Hut ab! Ganz liebe Grüße!

  7. Solche Beitrage
    machen mir Mut. Aktionen ohne Vorurteile – ganz einfach, weil wir alle Menschen sind. Solche Beiträge unterscheiden Euch von den anderen Mama-Blogs.

  8. Ich finde es toll, dass ihr
    Ich finde es toll, dass ihr Däumchen! Das macht mir Mut!
    Man muß sich oft schämen, was in Deutschland abgeht!
    Vielen Dank dafür an alle, die sich einsetzen!

  9. Echt…
    ..toll! Wie schön, dass ihr dieses Fest gemacht habt und dies auch solch ein Erfolg war.

    Ich möchte auch gern helfen (abgesehen von Spenden), hab aber noch nicht den Weg und Mut gefunden WIE..

    Auf jeden Fall super, dass es solche Bürgerinitiativen gibt!