„Von meinen Erfahrungen als Mutter in einer Dating-App – mit Happy End“

Wie Jule als Alleinerziehende ihre Liebe fand.

Jule lernte ihren Mann in einer Dating-App kennen. Foto: pixabay

Liebe Jule, du hast dich eine Zeitlang auf Dating-Apps getummelt. Was passierte in den meisten Fällen, wenn du deinem Chatpartner erzähltest, dass du Mutter bist?

Manche haben sich auf einmal gar nicht gemeldet, andere schrieben, dass sie Kinder gerne mögen und selbst gerne eines hätten. Ich suchte aber keinen Ersatzpapa und sowas hat mich eher abgeschreckt.

Du hast nicht nur das erlebt, sondern auch ungefragt Nacktfotos zugeschickt bekommen. Wie hast du darauf reagiert? Und was meinst du, was sich die Männer davon erhoffen?

Ich war beim ersten Foto wirklich geschockt und hab es sofort gelöscht, weil ich so perplex war. Meistens kam dann noch ein Satz mit „Du hast ein Foto von mir bekommen, bekomm ich auch eines von dir“? Ich hab dann einfach „Nope“ geschrieben und den Typen blockiert.

Mit einigen Männern hast du dich dann ja auch in echt getroffen. Stimmt es, dass sich die meisten auf den Fotos viel schöner machen und es beim richtigen Treffen dann auch schon mal enttäuschend ist?

Ja, einige sind im Internet wirklich schöner und im echten Leben eher so „Naja, dich hätte ich auf der Straße jetzt nicht angesprochen“. Ohne, dass das jetzt oberflächlich klingen soll, aber jeder hat so seine Vorstellung von einem Typ Mann und der war es dann in echt halt oft nicht.

Würdest du sagen, dass es in solchen Apps mehr verrückte Typen gibt als aufrichtige?

Ja, ich würde schon sagen. Vielleicht nicht verrückt, sondern eher schon sehr verzweifelt, und dann texten sie einen zu, wenn man längst nicht mehr schreiben mag. Oder werden dann wirklich wütend, weil man sich nicht meldet.

Ein paar Aufrichtige gibt´s zwar, aber die sind eher rar. Viele schreiben auch das, was man gerne lesen will, um einen um den Finger zu wickeln.

Andere sind nur auf einen One-Night-Stand aus und schreiben das auch gleich, dass sie jetzt gerne jemanden fürs Bett hätten und welche Vorlieben sie haben. Das war mir dann auch zu verrückt und die hab ich auch blockiert.

Irgendwann schrieb dich ein ganz bestimmter Mann an… bei dem du dich dann erst zwei Tage später zurückmeldetest…  

Ja, der schrieb mich an. Mein Handy spielte irgendwie verrückt und ich dachte es sei die App. Also löschte ich sie und schrieb nicht zurück. Ein paar Tage später ging mir das Bild von ihm aber immer noch nicht aus dem Kopf und ich lud die App wieder runter und suchte so lange, bis ich ihn wiederfand. Ich antwortete ihm und erklärte, warum ich erst jetzt schreibe. Und so ging alles los…

Du sagst, auch er sei auf den Fotos hübscher gewesen, als beim ersten Blind Date… wolltest du da schon umdrehen und wieder nach Hause gehen?

Beim ersten Date holte er mich zu Hause ab. Ich konnte also nicht flüchten . Er war etwas dicker als auf den Fotos und seine Stimme kannte ich nicht, die war am Anfang auch etwas gewöhnungsbedürftig für mich (er hat eine etwas nasale Stimme) aber ich hatte das Date geplant und dachte mir: Ich hab ja kindfrei und da mach ich mir halt nen schönen Nachmittag mit Uno spielen und Dosencola. Was soll schon passieren? Und so verbrachten wir einen echt schönen und lustigen Nachmittag, der mir wirklich gut gefiel. Und aus einem Date wurden dann immer mehr…

Was sagt denn dein heutiger Partner dazu, wenn du das so erzählst?

Heute lacht er über das, was ich ihm so erzähle. Eine Dating-App ist halt wie ein Griff in die Pralinenschachtel, man weiß nicht, was man bekommt.

Wenn ich ihm sage, dass er am Anfang doch etwas anders aussah als auf dem Foto und ich doch echt eine andere Vorstellung von ihm gehabt hatte, sagt er nur: „Na siehste – und du hast mich trotzdem genommen“.
Und das stimmt ja auch!

Diese Apps machen furchtbar oberflächlich, man sieht halt einfach nur ein Bild. Beim Schreiben ist es das Gleiche. Ich finde, man sollte sich wirklich kennenlernen – auch wenn ein Mann oder eine Frau kleine Makel hat, die einem auf den ersten Blick vielleicht erstmal nicht so gut gefallen. Irgendwann sieht man die nämlich nicht mehr.

Mich stört sein Bäuchlein nicht mehr, mich stört die Stimme nicht mehr.

Ich hab einen tollen Mann kennengelernt, der für mich da ist und für mein Kind. Und mittlerweile sind wir seit bald drei Jahren zusammen, ein tolles Vierer-Patchwork-Gespann und verlobt.

Foto: pixabay

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1 comment

  1. Vielen Dank für deinen ehrlichen Artikel. Wir können dir in Vielem zustimmen. Es ist in der Tat nicht einfach, als alleinerziehende Frau (und alleinerziehender Mann) einen neuen Lebenspartner zu finden. Wer heute einen Partner sucht, will ja viel persönliche Zeit miteinander verbringen, nicht unbedingt mit den Kindern der neuen Bekanntschaft.
    Wir hatten beide sehr viel Glück. Ich (Maria) war vor kurzem getrennt von meinem ersten Ehepartner und unsere beiden kleinen Kinder (2 und 4 Jahre) waren bei mir. Ich sah mich dann in einer Online-Partnerbörse nach einem neuen Partner um. Meine zwei Kleinen und ich kamen zwar gut zurecht, wir hatten eine geräumige Wohnung nach der Trennung gefunden. Alles lief – abgesehen von der finanziellen Situation – recht rund.
    Natürlich ist es eine Umstellung, plötzlich allein auf seinen eigenen Füßen zu stehen mit zwei kleinen Kindern.
    In der besagten Partnerbörse lernten Thomas und ich uns kennen. Er gefiel mir auf Anhieb sehr gut und er hatte auch ein Auge auf mich geworfen. So verabredeten wir uns, meist dann, wenn die Kinder beim ihrem Vater waren. Heute ist es ja so, dass es ein gemeinsames Sorgerecht gibt bei Trennungen.
    Thomas hatte von Anfang an keine Probleme damit, dass ich kleine Kinder hatte. Er ging sehr liebevoll mit ihnen um. Natürlich kommt es darauf an, wie ein Mensch gestrickt ist. Jede Person kann mit einer solchen Situation wahrscheinlich nicht so gut umgehen. Da hatte ich wirklich Glück.
    Durch das gemeinsame Sorgerecht mit meinem früheren Mann hatten und haben wir ja auch immer wieder ein Wochenende zu zweit, was uns beiden sehr gut tut. Das haben Familienen in der Regel nicht, wenn beide Eltern mit den Kindern in einem Haushalt leben. Aus dieser Warte gesehen ist das gemeinsame Sorgerecht eine gute Sache. Natürlich ist hier auch nicht alles Gold was glänzt. Aber im Großen und Ganzen sind wir beide sehr froh, dass es so läuft, wie es im Moment läuft. Wir planen unsere gemeinsame Zukunft und haben viele gemeinsame Pläne.

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