Leben in Italien: Was ich mit „kinderfreundlich“ meine

kinderfreundlich

Ihr Lieben, gestern ging es ja darum, ob man wenig „kinderfreundlich“ ist, wenn man in Ruhe im Restaurant essen will – Auslöser für den Gastbeitrag einer Leserin war meine Insta-Story nach unserem Italienurlaub. Ich habe dort erzählt, wie unterschiedlich die ItalienerInnen sind und wie viel kinderfreundlicher.

Was ich mir kinderfreundlich NICHT meine: Dass die Kinder dort über Tische und Stühle klettern, dass Kindern jeder Wunsch immer erfüllt wird, dass Erwachsene nicht mal in Ruhe essen können, dass Kinder keine Rücksicht nehmen müssen und keine Grenzen kennen.

Was ich meine: Dass beim Wort „kinderfreundlich“ NICHT sofort gedacht wird, dass durch Kinderfreundlichkeit ja die eigene Ruhe kurz angekratzt werden könnte. Dass die Kassiererin im Supermarkt „Ciao Bello“ ruft, wenn sie unseren Dreijährigen sieht und sich freut, wenn er ebenfalls Ciao sagt.

Wenn die Omis auf dem Markplatz euphorisch zurück winken, wenn der Kleine winkt. Wenn die Verkäuferin vom Laden ganz geduldig bleibt, weil die Neunjährige sich einfach nicht zwischen den Armbändern entscheiden kann. Wenn das Security-Personal am Flughafen die Strandfrisur unserer Tochter lobt und jedem Kind High Five gibt, wenn es durch die Kontrolle gegangen ist.

Wenn der Mann im Auto nicht hupt, weil meine Tür noch offen steht, weil ich den Kleinen noch in den Autositz heben muss. Wenn Kinder einfach auf den Marktplatz rumspringen können und Fussball spielen, während die Erwachsenen im Lokal daneben sitzen. Wenn der Kellner den Kindern alle Fische und Krebse im Aquarium zeigt. Wenn der Opa lachend den Ball am Strand zurück schießt, den mein Sohn auf sein Handtuch geschossen hat.

Kinderfreundlich – so haben wir es erlebt

Wenn du nicht immer deinen Kindern sagen musst, dass sie leise sein sollen, sondern du wirklich merkst, dass Kinder hier anders gesehen werden. Wenn du spürst, dass die Kinder dort als Zukunft und einfach als Teil der Gesellschaft gesehen werden, die nicht unsichtbar und leise sein müssen.

Ich habe so sehr gemerkt, wie diese Umgebung zu meiner Erholung beiträgt. Wie ich nicht ständig auf der Hut bin, dass die Kids ja niemanden stören, wie ich weniger angespannt bin. Und ich bin mir sicher, dass diese Entspannung sich auch auf die Kinder überträgt. Ich habe keine Situation erlebt, in der italienische oder andere Kinder in Restaurant über Tische und Stühle gesprungen sind. Ja, mal fiel ein Glas um, ja, mal hat ein Kind geweint – aber das war alles schnell vergessen und alle hatten einen schönen Tag.

Ich wünsche mir viel mehr von dieser Leichtigkeit und dass in Kindern erstmal etwas Tolles gesehen wird statt sie direkt als potentielle Störenfriede abzustempeln.

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5 comments

  1. Wir haben eine – zugegebenermaßen sehr wohlerzogene – Tochter (11)
    Gestern war ich ohne sie beim Metzger und wurde begrüßt mit: „Schade, dass Sie alleine kommen“ und wurde gefragt, was meine Tochter heute macht. Dann wurde ihr das Wienerle in meine Tüte eingepackt (und für die Mama eins dazu).
    Ich erlebe hier im Heimatort sehr zugewandte, nette Menschen im Restaurant und beim Einkaufen. Sehr sehr netten Umgang miteinander. So fühlt man sich ein klein wenig wie in Italien (wo wir mit einer Einjährigen auch sehr sehr nette Erfahrungen gemacht haben.)

  2. Haben in Italien in den letzten Jahren bzgl. Ballspielen auf Plätzen, in Gärten und am Strand gegenteilige Erfahrungen gemacht. Zumindest in Ligurien steht auf jedem Platz ein großes Schild mit durchgestrichenem Fußball und am Strand ebenso. War für unsere Kinder nur schwer auszuhalten.

  3. Dazu würde ich auch gerne etwas schreiben.

    Ich war in meiner Kindheit 15 Jahre lang jeden Sommer in Italien am Meer im Urlaub mit meinen Eltern und Schwester und wir sind dort mit dem Auto hingefahren. Ich denke sehr gerne an diese Urlaube zurück und die Kinderfreundlichkeit ist mir dort auch sehr positiv in Erinnerung. An der Rezeption haben sie meiner Schwester und mir gesagt,dass sie gerne die Bilder von all den Kindern die dort Urlaub machen im Eingangsbereich aufhängen wollen und so haben wir dann sehr viel gemalt und die Bilder wurden dann dort aufgehängt. Auch sonst erlebten wir immer sehr viel positive Aufmerksamkeit von den Italienern und hatten schöne Urlaube dort und so kann ich dieses Land für einen Familienurlaub sehr empfehlen😀. Auch Griechenland und Spanien sind sehr kinderfreundlich das ist mir dort auch sehr positiv aufgefallen.

  4. Echt?! Ist das so kinderunfreundlich in Berlin? Krass. Wir leben mit unseren 3 Kindern in München und ich verstehe diese Vergleiche immer nicht, da ich hauptsächlich positive Erfahrungen hier mache. Erst gestern in der SBahn. Mein Sohn (3J) und ich haben uns zu einem älteren Herr (Ü70) gesetzt, kurz gegrüßt. Mein Sohn fängt an für ihn lustige Geräusche zu machen. Der Herr macht die Geräusche nach. Sie fangen beide an zu albern und mein Sohn lacht sich so kaputt, als würde man ihn an den empfindlichsten Stellen kitzeln. Die gesamte Fahrt (ca 15 Minuten). Dann verabschieden wir uns von einander und steigen aus. Ständig gibt es nette Kontakte, Gespräche vor allem, wenn ich kleine Kinder dabei habe. Ich erlebe Deutschland da ganz anders als oft medial dargestellt. Gott sei Dank.

    1. Mir geht es auch so! Ich bin in den letzten 10 Jahren bestimmt 5-6x in Italien mit meinen Kindern im Urlaub gewesen und habe mich in der Öffentlichkeit, in Restaurants etc. immer total wohl gefühlt…aber in dem Restaurant, in dem wir zuhause in Baden-Württemberg oft essen, kriegen die Kinder eine Speisekarte zum Anmalen und Stifte, die Bäckersfrau hier im Dorf hilft jedem Kind, das alleine kommt, beim Tüte in den Rucksack packen, beim Metzger gibt’s ne Wurst…Kann das sein, dass das auch ein bisschen self -fulfilling-prophecy ist mit den angeblichen Unterschieden?

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