Benehmen: Bin ich kinderunfreundlich, wenn ich meine Ruhe will?

Benehmen

Ihr Lieben, vor ein paar Tagen schrieben wir bei Instagram, dass uns auffällt, wie willkommen Kinder in Italien sind und wie kinderunfreundlich sich Deutschland dagegen anfühlt. Hierzulande wird vor allem Benehmen gefordert, wenn Familien in Restaurants gehen, dort überwiegt erstmal die Freude über den Nachwuchs, so unser subjektives Empfinden. Das hat eine Leserin von uns zum Nachdenken gebracht, denn auch sie will gern in Ruhe essen können, hält sich aber trotzdem für kinderfreundlich. hier kommen ihre Gedanken.

„Ich bin genervt, wenn Kinder sich nicht benehmen“

Als ihr neulich schriebt, wie kinderunfreundlich Deutschland ist, bin ich irgendwie in Grübeln gekommen und habe lange darüber nachgedacht. Auch ich muss gestehen, dass ich in vielen Situationen genervt auf Kinder reagiere, obwohl ich selbst Mutter zweier Kinder bin.

UND ich bin mit Herz und Seele Förderschul- und Grundschullehrerin, liebe meine Kinder (die eigenen und meine Schulkinder) von Herzen. Sie dürfen laut, leise, aufgedreht, in sich gekehrt, lustig, traurig und wütend sein. Mir wird nachgesagt, dass ich eine sehr entspannte Mama und tolle, einfühlsame Lehrerin bin.

ABER: Ich werde in diesem Jahr 50 und bin lange nicht mehr so belastbar, wie ich es früher war. Mir ist es schnell zu laut (zumindest außerhalb der Schule) und ich genieße es sehr, wenn ich einfach irgendwo entspannt sitzen kann. Und nun komme ich zu dem „kinderunfreundlich-sein“:

Mich stört es sehr, wenn ich im Hotel mein Frühstück zu mir nehmen möchte und die Kinder einer Familie umherrennen und ständig „Fußpilz, Kacka, Fußpilz“ brüllen, während die Eltern entspannt auf ihr Handy gucken und ihren Kaffee trinken.

Mich stört es, wenn im Restaurant die Kinder vom Nebentisch zwischen den Tischen fangen spielen, den Kellner fast umrennen und meinen Tisch und mein Getränk zum wackeln bringen.

Mich stört es, wenn ich abends um halb zehn mit einer Freundin im Biergarten sitze und das Kleinkind am Nebentisch eben nicht still in der Karre sitzen will, sondern brüllt, weil es eigentlich wahrscheinlich ins heimische Bett müsste…

„Ich empfinde mich nicht als kinderunfreundlich“

Ausgehen
Foto: pixabay

Ich empfinde mich nicht als kinderunfreundlich. Ich liebe Kinder und habe viel Verständnis für Kinder, Eltern und die Schwierigkeiten, die Erziehung so mit sich bringt. Und trotzdem frühstücke ich gerne in Ruhe, gehe gerne in Ruhe zum Italiener und abends in den Biergarten. Eure Aussage bei Instagram hat mich ins Grübeln gebracht.

Aber wie kann man es lösen? Wenn ein Restaurant sagt, dass in ihren Laden keine Kinder dürfen, geht es ein Aufschrei durchs Land. Aber dürfen die Kellner nicht auch sagen, dass sie gerne in Ruhe ihren Job erledigen wollen, ohne Angst haben zu müssen, umgerannt zu werden?

Ich habe keine Lösung und möchte auch keinen Shitstorm, dass ich als Lehrerin doch erst recht Verständnis für Kinder haben müsste. Aber irgendwie wünsche ich mir glaub ich Verständnis auf beiden Seiten… Ich hoffe, dass ich niemanden damit zu nahe trete.

Ich hatte nur irgenwie das Bedürfnis, mal ein bisschen die vermeintlich „kinderunfreundliche“ Seite beleuchten zu wollen.

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