Interviews

02/12/2019 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Interview mit Meike: 3 Kinder unter 3 Jahren und dann noch eine Trennung

Liebe Meike, Du hast Dich bei uns nach einer Geschichte gemeldet, in der es um Kinder mit geringem Altersunterschied geht. Das kennst Du auch :-) Erzähl erstmal, wer zu Deiner Familie gehört. 

Wir, das sind ich, 36, Kindergärtnerin in Teilzeit. Und meine drei Mädels, fast 7, gut 5,5 und 4 Jahre alt. Wir leben in einem winzigen Dorf in Norddeutschland, in das es uns vor 7 Jahren durch Zufall verschlagen hat. 

Dein drittes Kind wurde kurz vor dem dritten Geburtstag deines Ältesten geboren - wow... drei unter drei. War das so geplant oder hat sich das so ergeben?

Nein, das war ganz und gar nicht geplant. Einen geringen Abstand zwischen Geschwistern finde ich zwar schön, wahrscheinlich weil ich es auch selbst so erlebt und sehr positiv empfunden habe, aber das "drei unter drei"-Ding war natürlich ein Hammer.

Als die Große gut 6 Monate alt war, waren wir in Spanien und ich hab damals erstmals das Thema "zweites Kind" angesprochen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade zwei unregelmäßige Monatsblutungen hinter mir und habe noch voll gestillt. War mir schon klar, dass das keine Empfängnisverhütung ist, aber...  9 Monate später war unsere kleine Spanierin da.

Den dritten Zwerg habe ich einer klassischen Pillenpanne zu verdanken. Ich hab damals die "Stillpille" genommen und die sollte man auch wirklich diszipliniert jeden Tag und ohne Verspätung einnehmen, wie ich heute weiß. Ich musste zwar zunächst schlucken, weil mir bewusst war, was da auf mich zukam, hab mich aber auch sofort gefreut. Und als sich dann auch noch heraus stellte, dass sich ein drittes Mädchen dazu gesellt, war mir klar, dass das eine ganz besondere Crew wird.

Wenn du an die ersten Monate in dieser Konstellation zurück denkst, was war da dein voherrschendes Gefühl?

Müdigkeit. Müdigkeit, aber auch eine große Zuversicht.

Die Jüngste war wie die Große ein Schreibaby. Sie hat jeden Tag zwischen 17 Uhr und 19 Uhr begonnen zu brüllen und erst irgendwann zwischen Mitternacht und 2 Uhr früh wieder damit aufgehört. Und Madame Midi ist zu der Zeit zwischen 5 Uhr und 6 Uhr aufgestanden. Von der Großen war ich zumindest mit der Schreisituation schon so weit vertraut, dass ich wusste, dass ich das Schreien nicht abstellen, sondern nur aushalten kann. So haben wir stundenlang nächtliche Runden um die Kücheninsel gedreht. Oft mit Madame Midi in der Trage am Rücken, die zu der Zeit auch noch nicht durchgeschlafen und mich dann oft gesucht hat.

Im Nachhinein unvorstellbar, wie ich das durchhalten konnte. Aber ich hatte zu der Zeit eine große Ruhe und Zuversicht in mir, es schaffen zu können (und im Endeffekt ja auch zu müssen).
Ich hab zu dieser Zeit außerdem endgültig angefangen auf alle "aber Kinder müssen doch"s und "das macht man so"s zu pfeifen und habe die Tage und Nächte so gestaltet, dass es für uns passt.

Hattest Du Hilfe in dieser Zeit? Und wo hast du Kraft geschöpft?

Jein, meine Mutter war zu dem Zeitpunkt noch voll berufstätig und wohnte eine Autostunde entfernt. Die war zwar telefonisch zum Auskotzen immer für mich da und aber sie konnte im Alltag natürlich nicht immer so präsent sein. Trotzdem war sie immer mein letzter Rettungsanker, bei dem ich wusste, dass ich mich in der Not drauf verlassen kann. Die Schwiegermutter wäre zwar näher gewesen, aber dadurch dass ebenfalls noch berufstätig war und sie kein Auto besitzt auch nicht so flexibel, um im Alltag regelmäßig einzuspringen.

Die zwei Großen waren dann bald nach der Geburt der Kleinen einmal in der Woche vormittags für zwei Stunden in der "Kinderstube". Einer Art Spielgruppe ohne Eltern, die einmal die Woche angeboten wurde.

Wir waren außerdem auch gleich nach der Geburt wieder in der Spielgruppe, der Waldgruppe und bald danach auch wieder beim Babyschwimmen. Der Austausch mit anderen Mamas hat mir gut getan und Kraft gegeben. Außerdem waren und sind wir immer viel draußen quer über Wald und Wiesen unterwegs. Das Draußen-sein hat mir auch sehr geholfen, die ganz miesen Tage zu überstehen. (wahrscheinlich wäre ich drinnen auch oft einfach im Sitzen eingeschlafen ).Außerdem hat mir auch der Kontakt zu unseren Tieren und die damit verbundenen Pflichten geholfen, mich nicht hängen zu lassen.

Und der riesengroße Mamastolz auf diese drei tollen, wilden Mädels, die da wie ein Wirbelsturm in mein Leben gerauscht sind, hat mir natürlich auch immer wieder Energie gegeben.

Was findest du ist der Vorteil an so einem geringen Altersunterschied?

Ein großer Vorteil für mich war, dass sich relativ schnell ein einheitlicher Tasgesrhythmus eingependelt hatte. Die beiden Jüngeren haben recht bald dann gemeinsam Mittagsschlaf gehalten und auch abends konnte ich nach einem guten halben Jahr alle drei gleichzeitig hinlegen und mich dann drauf verlassen, dass zumindest zwei Stunden Ruhe einkehrt.

Auch die Interessen und Bedürfnisse ähneln sich bei so geringem Abstand stark. Ich musste selten nachdenken, ob für eine ein Ausflug vielleicht schon zu langweilig, oder für die andere zu anstrengend ist.

Und gibt es aus deiner Sicht auch einen Nachteil?

Mir tut es sehr oft leid, dass ich so wenig Zeit habe und hatte, mich auf die einzelnen Kinder und die Phasen, die sie durchlaufen, zu konzentrieren. Es ist wirklich klischeemäßig. Von der Großen gibt es vom ersten Jahr zigtausend Fotos und es wurde jeder Entwicklungsschritt dokumentiert. Und ich hab es sogar noch geschafft, einige davon in ein Album zu kleben. Von der dritten gibt es gerade eine Handvoll Fotos und wenn ich ehrlich bin, kann ich mich nicht an ihr erstes Wort erinnern. Das bedrückt mich manchmal etwas.

Verstehen sich alle Kinder gut oder gibt es "Bündnisse?"

Das ist von der Tagesverfassung abhängig.  Es ist definitiv so, dass Madame Midi an der Geburt von Mini ordentlich zu knabbern hatte und es auch heute noch oft Reibereien zwischen den beiden gibt. Eigenartigerweise öfter, wenn auch die Große dabei ist. Pärchenweise klappt es eigentlich in allen Kombinationen gut. So richtige Bündnisse konnte ich daher noch nicht feststellen. Sie suchen sich je nach Bedarf den passenden Partner in crime - für Rollenspiele die eine, zum Experimentieren und Unfug machen die andere und laufen, springen und toben dann am liebsten in der großen Horde.

Du bist seit einiger Zeit alleinerziehend - mit drei Kindern ist das eine riesige Herausforderung. Wann kommst du jetzt manchmal am deine Grenzen?

Ganz ganz oft. Manchmal mehrmals am Tag. Wenn wir morgens alle pünktlich um 7:15 Uhr aus dem Haus müssen und die Große auch nach der dritten Aufforderung nicht Zähne putzen geht, sondern kopfüber am Treppengeländer hängt. Und die Kleine mit einem Stiefel am Fuß und einem in der Hand raus läuft, um die Katze zu fangen.

Oder wenn ich abends um 19 Uhr nach 14 Stunden Action nur noch in den Seilen hänge, die Mädels aber noch einmal richtig Gas geben und Hindernislauf über alle Möbel spielen. Und ich sie eigentlich nur noch am Sofa festkleben möchte. Vor allem weil's ja dann in meinem Kopf rattert: Dass sie eigentlich zu Ruhe kommen sollten.... Damit sie pünktlich im Bett sind..... Damit ich noch für morgen vorbereiten kann... Und damit sie ausgeschlafen sind.... Damit sie dann morgens aus dem Bett kommen... Usw. So wie bei jeder anderen Mama auch wahrscheinlich.

Zusätzlich hab ich ja jetzt seit September ein Schulkind, was noch mal ein großer Einschnitt war. Wenn dann zu mittags eine Hausaufgaben macht und Hilfe braucht, eine Hunger hat und SOFORT essen will und eine ihre Müdigkeit und Frust vom Kindergarten bei Mama rauslassen möchte, fühle ich mich auch oft sehr unzulänglich und zerrieben.

Auch die richtige Balance zwischen zusätzlich Arbeiten, um die finanzielle Situation etwas zu entschärfen und dem schlechten Gewissen den Kindern gegenüber, die dann mehr Zeit bei Nachbarn, Opa, Schwiegermutter und Papa verbringen müssen, muss ich noch finden.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Buh, schwieg..... Dass man seinen Kindern nur das Beste und die sprichwörtlichen Wurzel und Flügel wünscht ist klar. Dass ich mir ganz fest wünsche, dass sie für sich selbst einstehen und ihren Weg gehen. Voneinander unabhängig, aber doch als Schwestern zusammen halten, wenn es notwendig ist. Dass sie ihre Oma nicht vergessen, die sie so vorbehaltlos geliebt hat. Dass sie wissen, dass sie genauso richtig sind, wie sie sind.

Aber weißt du, was ich mir gerade am allermeisten wünsche? Mit den Mädels um die Welt zu reisen. Ich hab ja schon mal vorgeschlagen, alles zu verkaufen und abzuhauen. Bisher waren sie nicht sehr begeistert, aber vielleicht kommt's ja noch...

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Kommentare

Verena — Mo, 12/02/2019 - 07:13

Da kommt mir doch einiges bekannt vor und trotzdem ist es bei uns dann doch ganz anders. Unser Großer war 10 Monate alt, als ich einen positiven Test in der Hand hielt. Beim ersten Ultraschall dann die große Überraschung, da blubbern 2 Herzen. Die zwei kamen auf den Tag genau 18 Monate nach dem Großen zur Welt und wir mussten das Abenteuer 3 Kinder unter 2 meistern. Mein Mann ist von Montag bis Freitag beruflich weg. Ich muss also die drei Jungs alleine managen. Aber am Wochenende, bei allen Entscheidungen und Finanziell bin ich nicht alleine, was vieles einfacher macht. Ich merke oft, dass unsere Situation nicht verstanden oder falsch eingeschätzt wird. Ich erinnere mich an Gespräche mit anderen Müttern, ob ich mit dem 3 alleine ins Schwimmbad gehen kann. Der Große war letzten Sommer 3, die Zwillinge 1,5 und wir waren nicht, für solche Sachen brauche ich 3 Erwachsene und die hatte ich fürs Schwimmbad nicht. Da treffe ich gerade bei Müttern mit einem Kind auf Unverständnis.

Katharina — Mo, 12/02/2019 - 09:53

Ich gehe selbst auch nicht alleine mit zwei Kindern ( 3 3/4 und 1 1/2 ) ins Schwimmbad oder andere Aktivitäten bei denen eigentlich jedes so kleine Kind einen Erwachsenen braucht hin. Meine Schwester geht mit allen drei Kindern alleine ins Schwimmbad, mir wäre das viel zu gefährlich ! Die kleine rennt einfach weg oder zu anderen und der große ist unberechenbar wenn ich ihm mal was verbieten muss ( rennt weg, haut etc). Aber das verstehen glaube ich auch nur mehrfach Eltern die auch unbändigbare Kinder haben

Lena Steudtner — Mo, 12/02/2019 - 07:34

Wir haben gerade unser 3. Kind bekommen vor 5 Tagen. Die älteste ist 3, der mittlere 1,5 Jahre alt. Klar ist alles noch frisch, aber ich habe großen "Respekt" vor der Situation. Noch ist mein Mann viel da und hilft, das wird sich aber auch bald legen mit landwirtschaftlichem Betrieb den wir haben. Danke an die Autorin und Hut ab vor ihrem Alltag. Besonders der Satz alles so zu machen wie es für sie und die Kinder passt macht Mut ;-). Ich bzw wir sind zuversichtlich das zu wuppen, aber rosig und fluffig wird es sicherlich nicht immer sein.

Leni — Mo, 12/02/2019 - 09:44

Sehr schöner Beitrag! Du hast für euch Mädels sehr gut entschieden und ich kann nur sagen wie stolz ich bin auch wenn man sich nicht persönlich kennt. Leider sehe ich zu selten Mamas mit 3 Kindern um mich da austauschen zu können. Wir sind auch vier Mädels (mit mir), 7,5/fast 6 & 2 Jahre... hätte ich damals als wir nach Lissabon gezogen sind die Schwangerschaft zugelassen, hätten wir denselben Abstand gehabt wie zwischen den ersten beiden - konnte ich mir absolut nicht vorstellen und somit war’s entschieden. Knapp 3 Jahre später wieder nach Berlin gezogen sofort schwanger geworden, hier war’s klar, wir wollen - meine Familie wohnt hier und alles ist einem bekannt. Ich bin so stolz auf meine Mädels Gang auch wenn sie einem recht oft zur Weißglut bringen! Egal welche Entscheidung eine Frau oder die Familie für sich fällt, wenn man sich gut dabei fühlt und es passt dann ist es genau richtig!! ☺️ Liebst

Anne — Mo, 12/02/2019 - 09:45

Ganz großen Respekt an euch, wie ihr das alles so schafft. Wir haben "nur" zwei unter drei und es bringt mich manchmal völlig an meine Grenze. Achtet gut auf euch und tut euch was Gutes. Ihr schafft mehr, als andere sich überhaupt vorstellen können!

Melinda — Mo, 12/02/2019 - 21:36

Meinen ganz großen Respekt an dich! Ich hatte nur 2 unter drei und trotz Mann an der Seite ist mir manchmal alles zu viel geworden. Das schöne ist, sie werden größer, die Probleme werden andere, aber diese extreme Mama-Abhängigkeit legt sich etwas - und dann kehrt auch wieder Allein-sei-Zeit für Mama zurück :-) Viel Kraft weiterhin!

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