Warum sollten Väter in Elternzeit? Weil es ihr Job ist!

Elternzeit

Ihr Lieben, wir sind totale Fans von Jonas alias Papa mit Tics – auf Instagram zeigt der Papa von zwei kleinen Jungs echten Familienalltag – und das immer humorvoll. zugewandt und so authentisch. Im Dezember 2025 haben wir schon einmal ein Interview mit ihm geführt, damals war er kurz davor, in die Elternzeit zu starten. Diese ist nun fast vorbei – und wir haben Jonas um ein paar Einblicke gebeten.

Lieber Jonas, deine achtmonatige Elternzeit ist fast vorbei. Was war anstrengender als du es dir vorher ausgemalt hast?

Dadurch, dass ich im Januar in Elternzeit gegangen bin, war am Anfang erstmal sehr viel Krankheitszeit. Ich war viel öfter als gedacht mit beiden Kindern zu Hause, weil einer oder direkt beide krank waren.

Grundsätzlich würde ich aber gar nicht sagen, dass es anstrengender war, als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Ich wusste ja ziemlich gut, was auf mich zukommt. Es ist nicht so, als hätte ich vorher nichts gemacht und wäre dann völlig blauäugig in die Elternzeit gerannt. Dadurch, dass ich als Papa immer schon sehr nah dran war, hat mich der Alltag mit den Kindern nicht überrascht.

Was mich tatsächlich mehr getroffen hat, war die Einsamkeit, obwohl ich eigentlich nie alleine war, weil ja immer ein Kind da war. Gerade vormittags hatte ich wenig Kontakt zu anderen Eltern. Viele meiner Freunde waren arbeiten und der Tag war durch die Schläfchen total gestückelt. Gerade am Anfang hat der Kleine vormittags noch geschlafen, wodurch man auch nicht einfach morgens irgendwo hin und mittags wieder nach Hause konnte.

So war ich ziemlich viel zu Hause und irgendwann habe ich gemerkt, wie sehr mich diese Einsamkeit trifft. Also anstrengender? Nein. Einsamer? Auf jeden Fall.

Und was waren besonders schöne Momente?

Das fällt mir sehr schwer zu beantworten. Ich glaube, es waren gar nicht unbedingt einzelne Momente, die besonders waren, weil man natürlich auch in diesem ganzen Hustle steckt und der Alltag einfach läuft.

Was für mich besonders war, war, dass ich mir um nichts Gedanken machen musste außer um meine Familie. Arbeit hat in dieser Zeit einfach keine Rolle gespielt. Ich bin morgens nicht aufgestanden und hatte schon im Kopf: Welchen beruflichen Termin habe ich noch? Was muss ich abgeben? Welchen Antrag muss ich noch schreiben?

Ich konnte mich einfach darauf konzentrieren, die Tage mit den Kindern zu gestalten, ohne dass im Hintergrund ständig dieser Druck lief, was bei der Arbeit noch alles auf mich wartet. Man hat mit familiären Terminen und Haushalt natürlich trotzdem genug um die Ohren. Aber dieses Privileg, den Kopf wirklich frei für die Familie zu haben, war für mich unglaublich besonders.

Natürlich gab es auch diese großen Meilensteine. Die ersten Schritte, das erste Wort und all diese Dinge mitzuerleben, war schon sehr besonders.

Und ich habe gemerkt, wie sich die Verbindung zu unserem Kleinen in dieser Zeit immer weiter verstärkt hat. Meine Frau hat ihn gestillt und ich hatte schon das Gefühl, dass er dadurch anfangs einen stärkeren Bezug zu ihr hatte. Bei unserem Großen war das anders, weil es mit dem Stillen nicht geklappt hat und ich von Anfang an überall genauso dabei sein konnte. Beim Kleinen dann zu merken, wie diese Bindung zu mir langsam immer stärker wird, war für mich wahrscheinlich mit das Schönste an der ganzen Zeit.

Was ist dein größtes Learning aus der ganzen Zeit?

Dass man die Zeit mit den Kindern genießen muss. Auch neben dem ganzen Stress und allem, was an Belastung dazugehört. Diese Zeit geht einfach unfassbar schnell vorbei. Unser Großer ist jetzt drei, der Kleine anderthalb. Die acht Monate Elternzeit lagen vorher wie ein ewig langer Zeitraum vor mir und jetzt stehe ich da und denke: Oh shit, es ist einfach vorbei. Die Zeit rinnt einem so durch die Finger.

Ich glaube, deshalb ist mir auch die Frage nach den besonders schönen Momenten so schwergefallen. Es geht gar nicht unbedingt darum, immer auf die großen, besonderen Momente zu schauen. Viel wichtiger ist es, das Besondere im Alltag zu sehen und zu schätzen, was für ein Geschenk es ist, seine Kinder aufwachsen zu sehen, auch wenn es gleichzeitig die größte Herausforderung ist.

Das hat auch mein eigenes Profil als Vater noch mal geschärft. Gerade jetzt mit der Eingewöhnung erleben wir die ersten kleinen Ablösungsprozesse. Natürlich noch in einem ganz kleinen und geschützten Rahmen, aber trotzdem führt es einem vor Augen, dass das nicht ewig so sein wird. Dass die kleinen Hände irgendwann größer werden und nicht mehr so oft gehalten werden wollen.

Ich möchte deshalb viel mehr den Blick dafür behalten, dass es gar nicht auf die großen Dinge ankommt. Unser Alltag ist ihre Kindheit. Wir Erwachsenen denken oft, es müsste immer irgendetwas Besonderes passieren, weil wir für die kleinen Dinge schon so blind geworden sind. Kinder sind das überhaupt nicht. Und ich glaube, das können wir ziemlich gut von ihnen lernen.

Du bist in dieser Zeit auf Instagram auch echt groß geworden. Was hat dir die Community gegeben?

Ich glaube, wir haben uns da gegenseitig ziemlich viel gegeben. Gerade durch die Vlogs habe ich viele Einblicke in meinen Alltag geteilt und unter den Kommentaren oder in meinen DMs haben Menschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen geteilt. Dieses Gefühl, mit all dem nicht alleine zu sein, verstanden zu werden und auch Überforderung einfach mal teilen zu dürfen, war sehr wertvoll für mich.

Und ich glaube, genau das, was viele an meinen Inhalten schätzen, habe ich so umgekehrt genauso durch meine Community bekommen. Den Austausch, das Lebendige und das Gefühl, dass da ganz viele Menschen sind, die gerade ähnliche Erfahrungen sammeln.

Gerade weil ich mich in der Elternzeit teilweise wirklich einsam gefühlt habe, hat mir das total viel gegeben. Auch wenn diese Kontakte nur digital stattfinden, hatte ich dadurch immer wieder das Gefühl, die Verbindung nach außen nicht zu verlieren. Ich bin wirklich wahnsinnig dankbar für meine Community und dafür, dass mich so viele Menschen auf meinem Weg bestärken, supporten und begleiten.

Aber es gab sicherlich auch mal blöde Kommentare. In welche Richtung gingen die?

Ja, natürlich gab es die. Das ging teilweise in die Richtung, ich sei kein richtiger Mann oder würde Väter grundsätzlich schlechtmachen. Gerade weil ich ja auch viel bei meinen eigenen Leuten angeeckt bin. Ich habe Väter aus den eigenen Reihen dafür kritisiert, wenn Vaterschaft performativ ist.

Wenn Väter zum Beispiel für einen Dad Walk gefeiert werden oder in einer Bar lernen, wie man seinem Kind die Haare macht. Dieses ständige Gefühl, dass Vaterschaft als Event verkauft werden muss, damit wir Dinge tun, die wir bei Müttern ganz selbstverständlich voraussetzen. Das habe ich schon sehr deutlich kritisiert und natürlich gab es dafür auch Kritik und viel Unverständnis, gerade von Männern.

Ich glaube aber auch, dass es immer schwer ist, die eigenen Privilegien zu reflektieren, aber mit solcher Kritik kann ich gut umgehen. Ich habe Tourette, seit ich elf bin, habe oft genug Anfeindungen und Mobbing erlebt und hatte dementsprechend lange Zeit, mir ein dickes Fell zuzulegen. Ich kann mittlerweile ziemlich gut entscheiden, welchen Schuh ich mir anziehe und welchen nicht.

Man kann sowieso nichts machen, womit alle Menschen einverstanden sind. Auf Social Media wird Kritik natürlich manchmal auch ein bisschen unsachlich. Daher ist mein Grundsatz: Blockieren ist Selbstliebe. Meine Blockierliste ist relativ lang. Wenn jemand unsachlich oder beleidigend wird, nehme ich mir das Recht raus, die Person zu blockieren. Am Ende entscheide ich, wer meine Inhalte sehen darf und wer nicht.

Hast du das Gefühl, dass Elternzeit von Frauen anders gesehen wird als Elternzeit von Vätern?

Ich glaube, Mutterschaft wird grundsätzlich anders gesehen als Vaterschaft und dementsprechend wird auch Elternzeit anders wahrgenommen. Ich bekomme als Vater Applaus für Dinge, die von Müttern ganz selbstverständlich erwartet werden. Mütter gehen in Elternzeit, weil es gesellschaftlich immer noch von ihnen erwartet wird. Wenn ein Vater mehrere Monate Elternzeit nimmt, gilt das schnell als etwas Besonderes.

Und das ist ja genau meine Kritik. Deshalb finde ich es immer etwas absurd, wenn mir andere Väter vorwerfen, dass ich kritisiere, wie sehr Väter für das Bare Minimum gefeiert werden, während ich selbst als Vater von dieser niedrigen Messlatte profitiere. Seine eigenen Privilegien zu reflektieren und zu kritisieren führt ja nicht dazu, dass sie auf wundersame Weise verschwinden.

Die entscheidende Frage ist für mich eher, was ich mit diesem Privileg mache. Lasse ich mich einfach dafür feiern oder nutze ich die Reichweite, die ich auch dadurch bekomme, um genau diese Mechanismen zu kritisieren?

Ich möchte, dass wir die Messlatte für Väter endlich anheben. Dass Elternzeit bei Vätern irgendwann genauso selbstverständlich ist wie bei Müttern. Und am Ende geht es um noch viel mehr als Elternzeit. Ich wünsche mir, dass wir aufhören, Mutterschaft und Vaterschaft mit völlig unterschiedlichen Maßstäben zu bewerten.

Wie hat sich eure Beziehung/Ehe in dieser Zeit verändert?

Ich glaube, uns hat dieser Perspektivwechsel gutgetan. Auch wenn man Elternschaft gleichberechtigt lebt, macht es einen Unterschied, ob man den ganzen Tag zu Hause ist oder arbeiten geht und danach nach Hause kommt. Ich würde da gar nicht bewerten wollen, was anstrengender ist. Beides bringt seine ganz eigenen Belastungen mit sich und was einem besser liegt, ist wahrscheinlich auch sehr persönlich.

Bei uns kam dazu, dass meine Frau als Förderschullehrerin den ganzen Tag mit Kindern arbeitet und dann nach Hause in einen Familienalltag mit zwei kleinen Kindern gekommen ist. Gleichzeitig war da bei mir nach einem langen Tag zu Hause natürlich der Wunsch nach Entlastung, sobald die andere Person durch die Tür kommt. Und da muss man sich irgendwie in der Mitte treffen.

Ich glaube, die Kunst in einer Beziehung ist, die Belastung der anderen Person ernst zu nehmen und immer wieder zu versuchen, sich in sie hineinzuversetzen. Mir hat der Perspektivwechsel dabei auf jeden Fall geholfen.

Ich würde deshalb gar nicht sagen, dass uns die Elternzeit plötzlich näher zusammengebracht oder unsere Beziehung grundlegend verändert hat. Nah waren wir vorher schon. Sie hat uns aber noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, Verständnis füreinander zu haben, füreinander da zu sein und sich immer wieder klarzumachen: Wir müssen diese Herausforderung nicht alleine meistern. Wir sind ein Team. Und Kommunikation ist dabei einfach das A und O.

Mal ganz ehrlich: Wie sehr freust du dich auf die Erwerbsarbeit und auch darauf, mal wieder mit Kollegen in Ruhe einen Kaffee zu trinken?

Ich gehe auf jeden Fall mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wobei das weinende Auge schon größer ist.

Ich freue mich auch wieder auf die Arbeit. Am Ende meiner Elternzeit habe ich schon einen Tag die Woche gearbeitet. Da ich eine Leitungsposition habe, bestand dieser eine Tag aber eigentlich vor allem daraus, auszusortieren, was ich diese Woche wieder nicht schaffen werde, und irgendwie das zu reißen, was unbedingt notwendig war. Das geht natürlich auch zulasten meines Teams.

Bei uns arbeiten größtenteils Ehrenamtliche, die selbst psychisch erkrankt sind und unseren Laden am Laufen halten. Ich freue mich sehr darauf, für sie wieder richtig präsent und ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein. Wieder mehr in die Hand nehmen zu können und bei der Arbeit nicht ständig dieses Gefühl zu haben, da zu sein, aber eigentlich überhaupt keinen Überblick zu haben. Ich möchte meiner Aufgabe wieder so gerecht werden, wie mein Team es verdient.

Und ja, natürlich freue ich mich auch darauf, mal wieder in Ruhe einen Kaffee zu trinken, ohne dass jemand auf meinem Schoß sitzt oder meine Tasse umkippt.

Das weinende Auge bleibt trotzdem größer. Das Ende der Elternzeit führt mir noch einmal vor Augen, wie schnell Kinder groß werden und wie kostbar diese Zeit ist. Rückblickend neigt man ja sowieso dazu, ein bisschen zu glorifizieren. Die Magen-Darm-Attacken und schlaflosen Nächte rücken langsam in den Hintergrund und zurück bleibt die Erinnerung an eine Zeit, die so besonders ist, wie man sie im Leben wahrscheinlich nur selten erlebt. Und das macht mich schon ziemlich wehmütig.

Warum sollten alle Väter in Elternzeit gehen?

Ich könnte jetzt ganz weit ausholen und sagen: Macht das, es bringt euch weiter, es hilft euch in eurer Entwicklung, ihr baut eine engere Bindung zu eurem Kind auf. Aber dabei würde ich mich irgendwie fühlen, als würde ich ein Work and Travel Jahr in Australien empfehlen.

Eigentlich möchte ich es viel plakativer halten. Weil sie Väter sind.

Ich möchte nicht, dass wir Väter erst motivieren müssen, in Elternzeit zu gehen. Man geht auch nicht nur für sich selbst in Elternzeit. Man geht wegen seines Kindes in Elternzeit. Um da zu sein, um zu begleiten und um seine Rolle und Verantwortung als Vater ernst zu nehmen.

Das ist der Kern meiner Kritik an der Debatte um Vaterschaft. Bei Vätern suchen wir ständig nach Anreizen. Was bringt mir das? Was habe ich davon? Wie verändert mich das? Natürlich bringt Elternzeit ganz viele Dinge mit sich, an denen man wächst, und sie kann wunderschön sein. Aber das ist nicht der Grund, warum Väter Elternzeit nehmen sollten.

Keiner würde eine Mutter fragen, warum sie in Elternzeit gehen sollte. Es sollte nichts Besonderes sein, wenn ein Vater Elternzeit nimmt. Väter sollten es machen, weil sie Väter sind. Weil sie sich entschieden haben, Vater zu sein und weil damit Verantwortung einhergeht.

Also warum sollten Väter in Elternzeit gehen? Weil es ihr Job ist.

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