Frust einer Lehrerin: Wir sind nicht an allem schuld!

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Mein Name ist Moni, ich bin Lehrerin in Ausbildung und möchte mich zu dem Artikel „Noch vor der Einschulung gilt unser Sohn als unbeschulbar“ äußern. 

Ja, man kann die beschriebene Schule kritisieren –  vor allem, weil sie keine Befähigung hat, Schüler abzulehnen. Das ist aber auch schon alles.

Es ist nämlich für einen einzelnen Lehrer tatsächlich unmöglich, einen Schüler mit stetiger Verhaltensverweigerung in einer Klasse von 30 Kindern zu tragen. Während des Unterrichts muss eine Lehrkraft Schulstoff vermitteln und verschiedenste Konflikte in einem Raum lösen – von kleineren Kämpfen bis zu Beleidigunngen und Schlägereien kann alles dabei sein. Selbst ohne Vorfälle ist es schon schwer, 20 Kinder zu beaufsichtigen – bei 30 wird noch ein mal schwieriger.

In dem Moment, in dem ein Schüler gänzlich verweigert, gibt es nur wenige Optionen:

-Man ignoriert 29 Schüler, um einen Schüler zu motivieren, was je nach Aufgabentypus die restliche Klasse von ihrer Aufgabe ablenkt, sie fast schon unbeaufsichtigt lässt und einem Schüler eine besondere Behandlung und anderen Schülern ein Gefühl von Bevorzugung einer Person gibt.

-Man ignoriert besagten Schüler, wodurch die Klasse teilweise aufhören würde, ihre Aufgabe zu machen. Der meistgesagte Satz in dieser Situation wäre: „Warum muss XX das nicht machen?“

Jeder Schüler soll gleich behandelt werden. Für mich ist das kein Problem, wenn Schüler in einem gewissen Maße vom Standart abweichen – sei es der zehnjähriger Max, der hibbelig ist, die vierzehnjährige Ulrike, die total schüchtern ist oder der volljährige Ulli, der manchmal einen kurzen Scherz zur Motivation braucht. Dafür bin ich ausgebildet und schaffe es in diesem Rahmen, jedem Schüler gerecht werden.

Wofür ich jedoch NICHT ausgebildet bin, ist die (ergo)therapeutische Ausbildung und Spezialförderung eines Schülers.

Ich finde es nicht fair, dass eine Mutter diesen Fehler im System sucht und mit Worten wie „unschulbar“ mehr in eine Situation hineininterpretiert als dort ist. Wenn ein Schüler nicht in der Lage ist, leichte Einstiegs-Aufgaben zu machen, wird das mit schwerern Aufgaben wohl kaum anders.

Ein Schüler kann auch nicht einfach Schulaufgaben ignorieren, weil sie anders anders sind als erwartet. So läuft es im Leben nicht. 

Kinder mit Diagnose bekommen eine spezielle Förderung. So wird dem Schüler die Möglichkeit gegeben, sich zu entfalten. Wenn ein Schüler diese Hilfen braucht, ist das total in Ordnung. Viele Eltern wollen das aber nicht sehen und wollen nicht, dass ihr Kind als „anders“ betitelt wird. 

Es ist mir wichtig, zu sagen, dass wir Lehrer unser Bestes tun – oft aber als Ventil für die Eltern genommen werden. Und das ist nicht fair. 

ZUM WEITERLESEN: Hier der Ursprungs-Artikel: „Mein Sohn gilt als unbeschulbar!“

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30 Kommentare

  1. Worum geht es eigentlich?
    Grundsätzlich ging es um ein Kind, das aufgrund seines Verhaltens an zwei Tagen beurteilt wird. Diese schnelle Beurteilung wird kritisiert. Würde sich die Situation ändern, wenn Schüler und Lehrer sich kennen, das Kind auch in seiner Klasse angekommen ist? Und Waren die Personen kompetent, diese Einschätzung zu treffen? In Bayern gibt es eine Schuleingangsuntersuchung, die ein Arzt durchführt.

    Und es geht um Eltern, die die Problematik durchaus sehen, mit Kita-Erziehern, Ergotherapeut, Kinderarzt im Austausch stehen sowie Psychiater und Psychologen hinzuziehen werden. Ich sehe nicht, dass hier den Lehrern die Verantwortung gegeben wird oder diese die Therapie für ein Kind übernehmen sollen.

    Vielmehr scheint mir die Fragestellung zu sein, inwiefern das Kind therepiebedarf hat und ob Lehrer und sozialpädagogin in der kürze der Zeit dazu in der Lage und ausgebildet sind, eine solch weitreichende Einschätzung zu treffen.

    Wenn ich den Kommentaren hier glauben schenke, sind Lehrer das nicht. Eine weitere Abklärung durch entsprechend ausgebildete Personen wird erfolgen. Damit stehen die Lehrer weder in der Verantwortung eine Diagnose zu stellen noch zu therapieren, da sie auch nicht die Kompetenz haben zu diagnostizieren und zu therapieren.

    1. Genau, ich kann mich Deinen Worten nur anschließen, Furby! Ich finde auch, es geht darum, wie man nach so kurzem Eindruck darauf schließen kann, dass es sich um ein Kind handelt, das „mit stetiger Verweigerungshaltung“ zum Problemfall werden wird. Bei uns war die Kooperationslehrerin 1x (!) eine Stunde da, hat die Gruppe kennengelernt und sagte uns danach, unser Sohn werde an ihrer Schule Schwierigkeiten haben. Nach einer Woche bekamen wir eine Mail mit dem Einstieg „Wir brauchen jetzt dringend eine Diagnose für ihren Sohn“. Wir haben eine Diagnose, aber nicht die „gewünschte“ Diagnose, mit der wir die Möglichkeit einer Schulbegleitung hätten. Das SPZ sieht auch keine Anhaltspunkte, die in diese Richtung weisen. Wir haben sehr das Gefühl, dass es hier sehr um systemische Probleme geht, die – da bin ich sicher – auch für LehrerInnen nicht gerade leicht sind. Leider wird das aber auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Und vielleicht überschätzen sich LehrerInnen auch manchmal, wenn sie glauben, innerhalb so kurzer Zeit ein Kind beurteilen zu können (10 Monate vor der Einschulung!).

  2. Und wenn ich diesen Artikel
    Und wenn ich diesen Artikel lese,bin ich direkt froh,dass in der Grundschule meiner Töchter die Lehrer hochmotiviert sind,auch Kinder die „anders“ sind in den Unterricht zu integrieren. Auch meine Tochter verweigert teilweise die Leistung und wird anders behandelt, als ihre Mitschüler. Genau dafür hat sie ein sonderpädagogisches Gutachten bekommen. Da jammert keiner ihrer Lehrer rum, nein die machen sich richtig Gedanken,wie sie Aufgaben für sie gestalten können. Und ich bin ihnen unheimlich dankbar dafür,denn so ist meine Tochter eine gut integrierte Schülerin. Wer schon in der Ausbildung daran scheitert,dass Kinder nicht der Norm entsprechen,sollte vielleicht über einen anderen Beruf nachdenken.

  3. Schulpolitik
    und wie geht man gegen die Schulpolitik nun an? Dafuer sollte es Vorschläge geben. Mich graust es ebenso, was da los ist und ich stecke nur halb drin, weiss nur , dass meine Tochter, seitdem sie in die Schule geht, gestresst ist, oft nicht mehr sie selbst ist, kein Kind mehr sondern funktioniert, sich anpasst, konditioniert wird. 50% kommen damit zurecht/50% nicht. Manche lieben das System und manche lehnen es ab. Wenn die Schulen so voll sind und die Lehrer zu wenig bisher und ebenso oft vom System gedisst, weshalb denn nicht mal die Idee in den Raum geworfen, selbst zu entscheiden, sein Kind zuhaus oder in einer Schul-Einrichtung zu unterrichten bzw das Leben zu lehren , denn Stress lässt Kinder nicht unbedingt klüger werden sondern auch krank. So waere allen geholfen, den Lehrern in ihrer guten Berufung, den Schuelern in ihrer wertvollen zu entwickelnden Persoenlichkeit und den Eltern, die sich diesem Druck und Diskussion gegenueber allen genannten 🙂 nicht mehr ueberfordert fuehlen. Die Gesellschaft wuerde etwas lächelnder heranwachsen.
    Kluge Köpfe und nette Menschen bereichern die Gesellschaft mehr als frustrierte Unkreative.
    Und Ideen , wie man es umsetzen könnte , liegen bestimmt schon in Schubladen und wirren in den Köpfen und duerfen doch nun endlich mal rausgeholt werden. Doch alle sind so eingenommen von dieser Hektik, dass es vermutlich niemand rein zeitlich schafft,ueberhaupt „auf die Strasse zu gehen “ oder vielleicht sogar Angst hat. aus dem Rahmen zu denken…

  4. Systemfehler
    Hallo! Ich bin Förderschullehrerin. Ich unterrichte und durch die Inklusion beobachte ich viel unterschiedlichen Unterricht. Ich habe viel Elternkontakt und bin Mutter. Größtenteils Sorgen sich Eltern wie Lehrer um die Kinder und geben ihr bestes. Es gibt natürlich unterschiedliche Ansätze wie es Persönlichkeiten gibt. Ich möchte da niemanden auf die Anklagebank setzten . Mir macht das System Bauchschmerzen bzw. die Ignoranz der (Spar)Politik.. Die Gesellschaft , Schüler, Eltern, Lehrer und die Ansprüche verändern sich, es wird von allen Seiten gesehen , aber so getan als ob alles gut ist und ausreicht. Das passiert auf Kosten der Schüler und Lehrer. Das macht mir sehr wütend.
    Anstatt uns gegenseitig zu beschuldigen, sollten wir gemeinsam gegen diese Schulpolitik angehen. Mehr Personal (Multi professionell ), weniger Bürokratie.
    Lg Yvonne

  5. Klar, ist eine erste Klasse
    Klar, ist eine erste Klasse mit 30 zu voll. Aber 20 Kinder, darunter ein Asperger-Autist (mit Schulbegleitung), ein Hochbegabter und ein hörgeschädigtes Kind sind jetzt auch nicht so ohne. Ach ja, und ein syrisches und ein bulgarisches Kind mit kaum Deutschkenntnissen hab ich auch dabei. Deutschförderkursstunden für die zwei gibt’s EINE pro Woche?!
    Aber klar, man muss nur Bock haben und ein bisschen kreativ, dann geht das schon?!

  6. Lieber Buchheim,

    Lieber Buchheim,

    ich finde es immer wieder erschreckend, das andere Menschen so oft der Ansicht sind, sie wüssten genau, was Lehrer können und leisten sollten / müssten-OHNE IRGENDEINE AHNUNG zu haben, was ein Lehrer eigentlich alles tut?!
    Aber klar, wir waren ja alle mal Schüler…da wissen wir das. Ich hab auch bei einer Bank ein Konto-könnte ich deshalb Bankkaufmann sein?!
    Entschuldige schonmal die scharfen Worte, aber das ärgert mich total!

    Ich hatte übrigens den Eindruck, dass die jungen Kolleginnen das Probelm des Systems schon sehen. Man kann da auch Einiges ändern, tun etc. Aber halt nichts Grundlegendes. Und es fehlt einfach das Inklusionspersonal.

  7. Die Mutter sucht den Fehler
    Die Mutter sucht den Fehler mit Recht im System, denn dort liegt er. Eine erster Klasse mit fast dreißig Kindern ist zu voll. Aber leider erlaubt bzw. bei entsprechenden Ammeldezahlen geboten.
    Dass Kinder an Förderschulen in Richtung Werkstatt ausgebildet werden und signifikant weniger Abschlüsse erlangen, wurde durch Studien gezeigt.
    Kinder haben ein Recht auf inklusive Beschulung, das hat nichts damit zu tun, dass die Eltern das „Anderssein“ oder die Behinderung leugnen.
    Aber indem „das System“ die Erlangung von Hilfen (Schulbegleitung, Sozialpädagoge, kleinere Klassen,..) erschwert bzw. unmöglich macht, werden die Bedingungen für alle Schüler schlechter und die schwächsten werden um ihr Recht gebracht.
    Ich finde es erschreckend, dass junge Lehrerinnen das nicht sehen. Man kann, das weiß ich aus eigener Erfahrung, im Schulsystem mit Menschlichkeit und Kreativität eine Menge bewerkstelligen. Aber das muss man natürlich auch wollen.

    1. liebe buchhaim
      liebe buchhaim, ja natrlich gibt es fehler im system, das bestreitet auch einer. aber ich muss dem doch ausdrücklich wiedersprechen wenn Sie behaupten, dass „junge lehrer*innen“ das nicht sehen…natürlich sehen wir das. natürlich hätte ich lieber ein klasse mit 18 kinder und nicht 30. natürlich hätte ich lieber eine 2 lehrkraft/ betreuungspersohn etc. im klassenzimmer.. aber dem ist leider nicht so, und glauben Sie mir, wir lehrer haben uns das garantiert NICHT so ausgesucht! ich finde die situation auch nicht toll.
      was den meisten von unse den größten ärger bereitet, ist wen wir als Lehrer für derartige verhältnisse verantwortlich gemacht werden. schulen bekommen ihren personalschlüssel auch nur vom ministerium zugeteilt, wir haben da kein mitsprache recht.
      aber der eigentliche kern der debatte ist und bleibt ja, dass wir eben nicht an sämmtlichen versäumnissen etc. schuld sind. das wir mit unseren aktuellen mitteln nicht mehr leisten können, und das wir jetzt aufgaben übernehmen müssen, die in einen komplett anderen kompetenz bereich fallen. in eine eh schon chaotische und extrem schwierige klasse, hatte ich 2 syrische flüchtlingskinder. einer extrem traumatisiert, der andere hatte in seinem leben noch keine schule besucht, und wusste mit knapp 13 nicht einmal wie man einen stift und ein heft verwendet. dazu ein kind mit ausgeprägtem ADHS, ein asperger und ein junge mit extremen wutausbrüchen der schonmal mit stühlen um sich warf. plus 18 weiter kinder die in dieser situation „unter zu gehen“ drohen.
      nein, ich wurde nicht ausgebildet um kinder mit kriegstraumata zu betreuen, nein ich wurde nicht ausgebildet wie man mit einem strukturellen analphabeten umgeht. oder mit einem hoch aggressieven kind beim dem die mutter jede einsicht verweigerte und steif und fest behauptete „wir seien gegen ihr kind“ und dass wir uns das quasi ausdenken. ( ich versichere Ihnen, ich habe mir die geworfenen stühle nicht eingebildet).es wäre einfach nur mal eine angenehme abwechslung, wenn auch mal unsere sicht der dinge dargestellt wird. das wir nicht alle immer ständige per se gegen ihre Kinder sind. Dass die meisten von uns ehrlich bemüht sind, aber nur eine gewisse menge an ressourcen etc. haben. dass wir eine schule und kein therapiezentrum sind (ob traumata, oder was auch immer), und dass derartige therapie und betreuungs leistungen ein komplett anderes berufsbild sind mit einer langjährigen und schwierigen ausbildung. es wäre schön, wenn anerkannt wird, dass wir auch ganz normalen unterricht halten müssen und auch eine verantwortung gegenüber den kindenr haben, die keine besonderen bedürfnisse haben, sondenr einfach „nur“ zur schule gehen, und die oftmals untergehen. einfach ein bisschen einsicht in unsere lage, wäre manchmal schon genug….

  8. Warum immer gegeneinander – ich werde es nie begreifen
    Warum nicht über die Möglichkeit eines Schulbegleiters nachdenken.
    Warum immer vom Worstcase ausgehen.

    Warum niemals vom Kind aus denken.

    Warum N I E mit den Eltern für bessere Bedingungen kämpfen und dafür lieber darüber sprechen was alles nicht geht.

    Ich kann meine Kinder schließlich nicht einfrieren bis die Bedingungen endlich mal passen.

    Aber ich bin als Elter dazu verpflichtet, aus elterlicher Fürsorge ! , ihnen zu einer ihren Fähigkeiten entsprechenden adäquaten Beschulung zu verhelfen.

    Viele Grüße Anita
    Mutter vier autistischer Kinder
    von den zwei mit und zwei ohne Schulbegleitung inklusiv an Gymnasien beschult wurden und werden

    PS: Inklusion heißt nicht, dass in der Schule therapeutisch gearbeitet wird.
    PPS: Nachteilsausgleiche anwenden und Differenzierung (Stichwort Underachiever, Hochbegabte, Brillenträger, Diabetiker etc. pp. – ja auch das scheint einigen Lehrkräften schon zu viel zu sein!) bedenken/nutzen sollte allgemeingültiges Handwerkszeug von Lehrkräften sein.

  9. Respekt und Zweifel am Lehrer
    Hallo,

    danke für deine ehrlichen Worte und die Sicht eines Lehrers. Unser Kind galt außerhalb der Schule als gut erzogen, fleißig und hilfsbereit. In der Grundschule jedoch galt er als verhaltensauffällig und unnormal. Mehr als einmal waren die Lehrer trotz unserer großen Kooperationsbereitschaft und unseres Willens die Ursache für die Schulprobleme zu finden uns gegenüber unfreundlich und herablassend.
    Seit 2 Jahren ist unser Kind jetzt an einer Gemeinschaftsschule und gilt plötzlich wieder als fleißig und hilfsbereit und keineswegs verhaltensauffällig. Trotz des Wissens um die schulische Vorgeschichte war ihr Umgang mit unserem Kind und uns immer freundlich, kooperativ und auf Augenhöhe. Wir haben an dieser Schule gelernt, dass für manche Probleme eben doch auch mal der Lehrer (mit)verantwortlich ist, aber auch, dass es ganz großartige Lehrer gibt, die ihren Beruf mit Freude ausüben und die in ihren Schülern die individuellen Menschen sehen. Und diesen Lehrern gilt mein größter Respekt!

  10. Ja es stimmt, dass Lehrer in
    Ja es stimmt, dass Lehrer in diesen Bereichen nicht ausgebildet ist. Selbst wenn man eine grundlegende Ausbildung in dem Bereich bekommen *würde*, so ist man noch lange kein profi. Therapeut und Lehrer sind nunmal andere Berufsbilder. Ich kann, rein aus praktischen Gründen, nicht gleichzeitig ein Kind speziell therapieren, und im selben Moment zwischen 20 bis 30 andere Kinder in der Klasse unterrichten. Selbst in sehr kleinen Klassen von knapp 20 ginge das nicht. Was sich viele wünschen würden sind begleit Personen, Schulbegleitung oder eine zusätzliche Fachkraft aus dem Bereich. Das wäre ideal, aber leider momentan ein Wunschtraum.

    Was definitiv NICHT stimmt ist dass ich (oder die meisten anderen) „keinen Bock haben“. Viele bitten darum zumindest grundlegende Fachkenntnisse vermittelt zu bekommen! Es ist deutlich zu merken, das in letzter Zeit immer mehr sehr „problematische“ Kinder in den Klassen sind. (Ich kenne alles von extrem aggressiv, totale Verweigerung, extrem hyperaktiv ohne dass die Eltern ärztliche Behandlung aufsuchen, oder so leistungsschwachen dass eigentlich spezielle Förderung gebraucht würde).
    In dieses Umfeld dann noch ein Kind mit noch mehr speziellen Anforderungen, Therapie bedarf etc. Zu stecken, DAS ist problematisch für alle Beteiligten. Ich kann weder dem Kind noch den 25 anderen gerecht werden.
    Also ja bitte, ich würde wirklich gerne professionelle Anleitung bekommen, wie ich mich mit einem hoch aggressiven Kind korrekt zu verhalten habe. Leider fehlt uns eben diese Fachkenntnis!
    Es ist ja nicht so dass wir diese nicht wollen!
    Worauf ich, und vermutlich viele andere, „keinen Bock“ haben ist, in besagte Situation geworden zu werden, ohne jegliche Unterstützung. Weder offizielle stellen, Noch Behörden und Ämter liefern Unterstützung und oft sind die Eltern auch sehr gegen Lehrer eingestellt, anstatt cooperation zu zeigen (wie oft muss man sich Anschuldigungen anhören dass man ja nur das Potenzial des Kindes nicht sieht oder dass Eltern die Problematik komplett verleugnen etc..)
    Also nein. Es ist nicht so dass ich „keinen Bock“ habe besagtes Fachwissen zu erlangen, sondern eher dass die meisten von uns „keinen Bock“ haben OHNE diese zusätzliche Fachkentnisse in immer problematischere Klassen geschickt zu werden.

  11. Tja, wie das mit der
    Tja, wie das mit der Inklusion klappen soll, fragen sich viele Lehrer an normalen Schulen…ich auch?!
    Einerseits stimme ich dir zu! Lehrer sollten natürlich in der Ausbildung auch Psychologie belegen. Müssen sie auch-halt nur wenig.
    Auf der anderen Seite die Frage, warum soviel Psychologie? Lehrer sollten sich von Therapeuten doch unterscheiden dürfen, oder? Oder soll das „normal“ sein, dass ein Haufen Kinder die (Grund-) Schule nicht ohne psychologisch-therapeutische Hilfe besuchen können?

    1. Lehrer und Psychologen
      Ich bin Psychologin und sehe es auch eher so, dass Lehrer sich auf die Wissensvermittlung konzentrieren sollten, anstatt eine umfassende psychologische Ausbildung zu erhalten. Um auf einzelne Kinder mit psychiatrischen Diagnosen adäquat mit einer quasi therapeutischen Intention eingehen zu können, braucht man eine sehr umfassende psychologisch-therapeutische Ausbildung. Mit „Nebenfach Psychologie“ ist es da nicht getan. Ich sehe es eher als sinnvoll an, dass es an Schulen fest angestellte Psychologen bzw. -psychotherapeuten geben sollte. Nicht nur für die Kinder mit Schwierigkeiten, sondern auch, um die Lehrer zu coachen und zu supervidieren.

      1. Danke
        So sehe ich das auch. Ich unterrichte an einer Schule für soziale und emotionale Entwicklung . In meiner Klasse sind maximal zwölf Kinder (momentan sieben) und das wichtigste für den Unterricht mit ihnen ist eine funktionierende Beziehung.
        Ich stehe mit allen Kindern in gutem Kontakt, trotzdem bin ich keine Therapeutin und bin nicht in der Lage, alles aufzufangen oder ihnen zu helfen, mit allem Erlebten und ihren Erfahrungen umzugehen.
        Natürlich hatten wir im Studium Seminare in Psychologie, dabei werden jedoch Grundlagen vermittelt. Wir werden zu Lehrern ausgebildet, nicht zu Therapeuten.

  12. Inklusion
    Liebe K., dann verstehe ich aber nicht wie das mit der Inklusion klappen soll. Meine herauszuhören, dass du weder dafür ausgebildet wurdest, noch Bock darauf hast.
    Ich habe Erziehungswissenschaft mit dem Nebenfach Psychologie studiert und kann dir sagen, dass unser Professor für Pädagogik immer dafür plädiert hat, dass selbstverständlich auch die Lehrer Psychologie belegen müssten, da er uns mit unserem Background immer für viel geeigneter als pädagogisches Fachpersonal hielt. Einfach der heutigen Zeit entsprechend. Aber da bin ich wieder beim System. Jedes Kind ist zudem anders. Man unterrichtet ja keine Roboter. Zuletzt schrieb dasÄrzteblatt es seien sehr viele Grundschüler schon psychisch auffällig. Da wäre es doch auch von Vorteil wenn Lehrer psychologisch ausgebildet wären.

  13. Hochachtung vor allen Lehrern
    Ich arbeite seit dem Sommer in einer ersten Klasse als Schulbegleiterin für zwei Inklusionskinder (geistige Entwicklung).
    Ich bin keine pädagogische Fachkraft, aber seit ich sehe, was die Lehrerin alles leistet, ziehe ich meinen Hut. Ich würde ihre Arbeit nicht machen wollen. Ich sehe tagtäglich, wie sie sich bemüht, allen Kindern irgendwie gerecht zu werden. Aber sie hat keine Chance. Selbst ohne die zwei I-Kinder, hat sie so viele Kinder mit „Baustellen“. Ein paar Kinder, die etwas langsamer sind, aber auch verhaltensauffällige, oder KInder, die nicht wollen und auch welche, die fitter und schneller sind als andere. So eine bunt gemischte Truppe, mit einer normalen Lehrerin ohne therapeutische Zusatzbildung, die tagtäglich versuchen muss, alles unter einen Hut zu bekommen.
    Mein Respekt für Lehrer ist in den letzten Monaten stark gestiegen.
    Und meiner Meinung nach passt das Schulsystem eben nicht zu allen Kindern. Förderschulen und ähnliches haben immer noch ihre Berechtigung für viele. Ich finde, durch das Inklusionsgesetz wird den Lehrern heute viel zu viel aufgebürdet, trotz Assistenzen und Begleitungen…

    1. Kommentar entgegen der Behindertenrwchtskonvention
      Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass dieser Kommentar sich gegen die UN-Behindertenrechtskonvention richtet. Zwecks Erhalt des für einen großen Teil der Schülerschaft schädlichen Lernsystems soll es erlaubt bleiben, Behinderte zu separieren, Ihnen den Zugang und den Kontakt zur „normalen Welt“ zu verschließen und das Beste- „zu ihrem eigenen Wohl“. Na dann. Was jährt sich nochmal am 27.1. Jedes Jahr…das Denken ist immer noch lebendig.

    2. Förderschulen o.ä. haben
      Förderschulen o.ä. haben keine Berechtigung und sind nach UN Behindertenrecht sogar untersagt weil sie Segration betreiben.

      Was genau bringt es Kids wenn sie auf Förderschulen am Ende nichts lernen? Keinen Abschluss bekommen der auch nur irgendwas wert ist? Von der Förderschule direkt in die Endstation Behindertenwerkstatt weitergereicht werden?

      Dieses System bringt NUR den Förderschulen etwas. Nämlich Geld.
      In anderen Ländern oder auf Privat-Schulen klappt es auch wunderbar ohne Segration und Förderschulen-Nonsense.

      Es muss nur gewollt sein.

      Ja Lehrer werden allein gelassen mit der Last.
      Schulen sind marode und werden kaputt gespart. Aber diese Missstände auf dem Rücken der Kinder auszutragen ist unterste Schublade.

      Wenn das ganze Geld das dumm und nutzlos in „Förderschulen“ fließt in normale Schulen gesteckt wird und deren „Fachkräfte“ in normale Schulen wechseln wäre allen geholfen. Allen voran den Kids um die es eigentlich gehen sollte.

      1. Förderschul-Nonsense
        Ich bin nicht sicher, ob „Curry“ Einblicke in die aktuelle Schulsituation hat?! Was ist denn die Alternative zu den Förderschulen auf denen die Kinder „nichts lernen und keinen Abschluss bekommen, der etwas wert ist“? Im Moment werden die Kinder in alle Schulformen verteilt. Ob sie in Klasse 9 eines Gymnasiums, in dem die wenigstens Eltern, Mitschüler und Lehrer Zeit und Lust haben sich mit ihnen auseinanderzusetzen mehr Lernen und einen ganz tollen Abschluss bekommen? Kaum eine „Fachkraft“ der Förderschulen, wie sie oben genannt werden, hält es lange aus unter diesen Bedingungen zu arbeiten, weil es einfach traurig ist, die Kinder so „verwahrt“ zu sehen. Gerne können wir über unser Schulsystem diskutieren, was dringend Veränderungen braucht. Aber mit dem Verteufeln der Förderschulen ist es absolut nicht getan!!!

      2. Berechtigung Förderschulen
        Ich bin selbst Förderschullehrerin an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Und nach vielen Jahren im Schuldienst kann ich sagen, dass Inklusion, wie sie aktuell betrieben wird (Rahmenbedingungen, personelle Ausstattung usw.), definitiv nicht zu allen Kindern passt. Das ist wirklich eine Typsache, und wenn ich mir meine aktuelle 7. Klasse vor Augen halte, würden da 3/4 der Schüler mit Pauken und Trompeten untergehen, eben weil sie den geschützten Rahmen und die familiäre Atmosphäre bei mir brauchen, um ohne Versagensängste und „Sonderstatus“ lernen zu können. Einige Schüler gebe ich zurück an die Regelschule wenn wir gemeinsam der Meinung sind, dass es gelingen kann – so gerade heute wieder geschehen. Von daher ist es ein Luxus und absolut gut und richtig, dass der Staat sich 2 Systeme (Förder- und Regelschule) leistet und Eltern die Wahl haben. Und von diesem Recht machen sie regen Gebrauch, unsere Anmeldezahlen explodieren förmlich.
        Für jedes Kind gibt es den richtigen Förderort, aber was für alle gilt: Lernen kann nur in angstfreiem, entspanntem Raum mit tragfähiger Beziehung zur Lehrkraft gelingen – und einem Elternhaus, dass dahintersteht.

        1. Ach ja: und in der Werkstatt
          Ach ja: und in der Werkstatt für Behinderte landet bei mir niemand, alle gehen in Ausbildung. Die WfB ist meist nur für Absolventen der Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung vorgesehen.

  14. Ich bin auch Lehrerin in der
    Ich bin auch Lehrerin in der Ausbildung und sehe auch, dass die Herausforderung sehr hoch sind in unserem Beruf. Ich habe aber auch diesen Herbst die Einschulung unseres Ältesten miterlebt. Und ich glaube, dass es einfach einige Kinder gibt, die eine echte Eingewöhnung bei diesem Wechsel bräuchten und das ist selten vorgesehen. Dass es bei diesen Einschulungstests manchen Kindern schwer fällt sich auf die unbekannte Situation einzulassen, finde ich völlig normal! Und dass manche Kinder sich dann komplett verweigern, kann passieren, das ist doch noch kein Drama und muss für den späteren echten Schulbesuch gar nichts heißen! Die Situation war bei uns ähnlich, aber die Lehrer haben das entspannt und ganz unaufgeregt genommen. Ich denke schon, dass uns Lehrern etwas mehr Wissen über die normale Bandbreite kindlichen Verhaltens gut tun würde und finde das im Studium unterrepräsentiert.
    Ansonsten sehe ich mich als Lehrerin zuerst dem Kind gegenüber verpflichtet und erst dann dem Stoff, es geht schließlich um Bildung und die kann nur vom Kind selbst aus gelingen.

    1. Genau!
      Dieser „auch Lehrerin in Ausbildung“ Kommentar zeigt ganz klar auf, wo die Beschränktheit im Denken der Textschreiberin liegt und warum das zu immer mehr Scheitern von immer mehr Schülern führt. Danke. Der Gedanke „Lernen ist Beziehung“ oder „ich bin zuerst dem Schüler verpflichtet, dann dem Stoff“ ist eine hilfreiche Einstellung. Zu sagen „der ist doch krank und besucht Therapie, dass kann ich eh nicht“ ist eine selbsterfüllende Prophezeihung und hatvsehr wohl etwas mit Wegsortieren und nicht da haben wollen zu tun. Dass eine super Förderung bei halber Klassenstärke aber bei 7-14 anderen „hoch herausfordernden“ anderen Kindern möglich sei ist Augenwischerei, um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen.

      1. Lummerland?
        Also bei diesem Kommentar frage ich mich schon in welcher Welt manche Leute leben. Machen Sie das in Ihrem Beruf auch so? Frei nach dem Motto „mein Kollege ist der Aufgabe nicht gewachsen und da müssen alle anderen im Team zurückstecken weil wir uns jetzt mehr auf den Kollegen konzentrieren?“ Die Kinder die in einer staatlichen Grundschule eingeschult werden müssen die Schulreife haben und in der Lage sein, die ihnen gestellten Anforderungen in gewisser Form zu bewältigen. Wenn dem nicht der Fall ist, muss man über entsprechende Alternativen nachdenken. Es kann nicht sein dass der Rest der Klasse benachteiligt ist, weil der/die Lehrer/in über die Maßen mit einem Kind beschäftigt ist.

  15. Danke!
    Danke! Danke für diesen Beitrag, der die Dinge auch Mal aus der anderen Perspektive beleuchtet. Ich würde mir mehr solcher Texte wünschen, um auch Mal die Tatsachen aus der „nicht Eltern Sicht“ zu schildern.
    Ich kann es auch nicht mehr hören wenn die Schuld immer auf schule und Lehrer geschoben werden. Ja, es gibt auch Kollegen die besser einen anderen Job machen sollten, aber wo hat man die nicht. Und ja wir können auch eine grundsätzliche Diskussion über das allgemeine system führen.
    Aber: Die meisten versuchen ja ihrer Klasse gerecht zu werden. Als Lehrer ist man zu Wissensvermittlung da, normale Konflikte zu Lösen etc.
    Wie du ganz richtig sagst: ich bin NICHT dafür da eine spezielle Therapie zu ersetzen“dafür bin ich nicht ausgebildet“! Ich bin nicht im Umgang mit psychische Störungen, spezielle Bedürfnisse und anderes ausgebildet. Das ist auch nicht mein Job. Ich bin Lehrer, nicht Therapeut.

    Eltern wollen, verständlicher Weise, ihre Kinder normal zur schule gehen sehen wie alle anderen Kinder auch. Aber wenn dies nicht möglich ist, aufgrund welcher individuellen Bedürfnisse, dann ist das nicht das nicht mein versagen als Lehrer. Ja wir können versuchen auf individuelle Bedürfnisse ein zu gehen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwann ist das im regulären Unterricht nicht mehr möglich.
    Genau dies ist der Grund warum wir super ausgebildete Kolleg*innen im Bereich der Therapie, Förderschulen etc. Haben.
    Diese sind keine „Herabsetzung“ der Kinder, sondern auf spezielle, individuelle Förderung ausgelegt und.nicht, wie gerne behauptet wird, um die Kinder nur „los zu werden“.

    Danke nochmals, für diesen text, ich muss zugeben, dass ich mir mehr solcher Beiträge wünsche, da auf vielen Eltern Blogs die Sicht der Dinge doch oft nur aus einer Perspektive und sehr eindimensional dargestellt wird.

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