Gastbeitrag: Wie mein Mann und ich durch die Schwangerschaft wieder zueinander fanden

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 Mein Name ist Tina und ich möchte gerne die Erfahrungen meiner vierten Schwangerschaft mit Euch teilen.

Aber von vorne: Mein Mann und ich hatten uns gerade getrennt – nach langem Hin und Her. Irgendwie hatten wir einfach keinen Zugang mehr zueinander gefunden. Ständige Missverständnisse und Streitereien zerrten an Kräften und Nerven. Unsere drei gemeinsamen Kinder waren natürlich jede Mühe wert, diese Ehe zu retten, aber jeder Versuch eines "Neuanfangs" scheiterte kläglich und endete meistens in noch mehr Enttäuschung und Verbitterung!

Es war nicht die fehlende Zuneigung- im Gegenteil. Viel mehr war es die Frustration, kaum gemeinsame Interessen mehr zu haben. Außerdem hatten wir einfach in Vielen zu unterschiedliche Ansichten.

Also ging mein Mann eines Tages.

Kurz darauf fiel ich aus allen Wolken, als ich plötzlich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt.

Glück? Segen? Alptraum?

Es riss mir den Boden unter den Füssen weg und doch füllte sich mein Herz zugleich mit unsagbarer Wärme.

Ich stand da und trug mein viertes Kind unter dem Herzen.

Ich fühlte mich irgendwie schlecht…Doch zugleich so stark wie nie zuvor!

Natürlich musste ich es meinem Mann sagen – der konnte und wollte es zunächst nicht glauben.

Mir war klar, dass die Umstände gerade nicht ideal sind, aber ich liebte dieses Kind schon jetzt sehr. Es gehörte für mich jetzt schon dazu und die Freude in den Gesichtern der Kinder, als ich ihnen davon erzählte, festigte meinen Entschluss nur noch mehr:

Ich würde es mit vier Kindern auch allein schaffen.

Doch ich war einsam.  Kein Partner, der mit zu den Untersuchungen geht. Niemand, der sich mit Dir freut. Zunächst jedenfalls…

Mein Bauch wuchs und wuchs, die Schwangerschaft wurde realer – auch für meinen Mann. Plötzlich konnten wir miteinander sprechen, ohne dass es im Streit endete. Unser Verhältnis entspannte sich zunehmend, es wuchs wieder Verständnis füreinander.

Wir waren weiterhin getrennt, doch er nahm Anteil an der Schwangerschaft. Wir konnten normal miteinander sprechen, über das Baby, die anstehende Geburt.

Es schien fast so, als würden wir gemeinsam mit der Verantwortung, die wir bald tragen würden, wachsen.

Wir verbrachten immer mehr Zeit miteinander und spürten, dass die tiefe Zuneigung nach all den Jahren unserer Beziehung so viel mehr wert war als alles andere.

Vier Monate vor der Geburt fanden wir wieder zusammen. Ich bin so dankbar, dass ich das Ende meiner Schwangerschaft mit meinem Mann erleben durfte. Dass wir heute ein gesundes Kind in den Armen halten und unsere Familie an dieser Erfahrung gewachsen ist – das  sehe ich nicht als selbstverständlich.

Dankbar bin ich auch meinen Eltern und meinen Freunden, die immer bedingungslos da waren und mich aufgefangen haben wenn ich wieder gefallen bin.

Ich habe großen Respekt vor allen Frauen, die eine Schwangerschaft und sogar die Geburt alleine durchstehen müssen.

Was ich mit meiner Geschichte sagen möchte: Kinder können keine kaputte Ehe retten, aber sie können uns die Augen für das Wesentliche öffnen. Und das ist die Familie.

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1 comment

  1. Fast zu schön, um wahr zu sein 😉
    Die Geschichte hört sich toll an, und es freut mich, dass Ihr als Familie wieder zusammen gefunden habt. Alles andere wäre wirklich doof gewesen. Die Geschichte hört quasi mit einem „Happy End“ auf wie im Film. Das Leben ist jedoch kein Film und jetzt wird es erst richtig anstrengend, denn wenn Ihr vorher schon kaum gemeinsame Interessen hattet, wird das mit dem vierten Kind nicht leichter. Ich hoffe dennoch, dass Ihr auch dieses schwierige Zeit meistert. Familie ist wichtig, aber die Partnerschaft auch und ob die ein weiteres Kind wieder in Gang setzt, wage ich aus persönlicher Erfahrung zu bezweifeln. Auch cool, dass Ihr noch so kurz vor der Trennung miteinander ohne Verhütung geschlafen habt. An körperlicher Liebe hat es in der Beziehung auf jeden Fall nicht gefehlt. Und das ist schon mal ein gutes Zeichen.