Unglückliche Ehe: Es kostet Kraft, sich zu trennen, aber es lohnt sich!

Mein Name ist Michaela, ich habe neulich den Gastbeitrag von Lydia gelesen, der mich sehr berührt hat. Ich möchte heute meine Geschichte erzählen, um anderen Frauen Mut zu machen. Man muss nicht in unglücklichen Ehen verharren, das weiß ich nun.

Vor sechs Jahren habe ich meinen Mann auf einer Datingplattform kennengelernt. Nach drei Monaten bin ich schon zu ihm gezogen, er schien einfach ein ganz toller Mann zu sein. Zuvor hatte ich kein richtiges Glück mit Männern, ich bin immer an die Falschen geraten…

Dieser Mann aber war zuvorkommend, hatte einen ordentlichen Job, nahm keine Drogen, trank kaum Alkohol, war zuverlässig und liebevoll. Ich war absolut verliebt und ich wurde schwanger.

In den ersten Wochen der Schwangerschaft veränderte er sich dann schleichend. Er wurde schneller sauer, reagierte dann fast schon cholerisch, wenn ihm was nicht passte. Ich tat das noch ab, ich hatte ja die rosarote Brille auf und dachte, ich sei vielleicht auch etwas empfindlich…

Doch dann ignorierte er mich immer, wenn ich etwas nicht so handhabte, wie er das gerne gehabt hätte. Manchmal sprach er mehrere Tage nicht mehr mit mir. Völlig übertrieben, wie ich fand. Immer öfter sagte er mir, ich könne ihm dankbar sein, dass er mir ein Dach über dem Kopf gebe und dass ich überhaupt froh sein könne, dass ich ihn habe. Körperliche Nähe blieb auch aus – außer wir hatten Sex. Einfach mal kuscheln oder in den Arm nehmen fiel weg.

Unser Kind wurde geboren und der Alltag ging weiter. Nach einiger Zeit wurde ich wieder schwanger. Als das zweite Kind dann auf der Welt war, lebten wir nur noch nebeneinander her. Zärtlichkeiten gab es nicht mehr. Er ging auch nicht gut mit den Kindern um. Er schrie sie oft an und wenn sie etwas „falsch“ gemacht haben, ignorierte er auch sie tagelang. Das konnte ich nicht akzeptieren und habe ihm sehr deutlich gesagt, dass er nicht so mit uns umgehen kann.

Die Stimmung war sehr beklemmend. Dann gab es einen Abend, an dem wir tatsächlich mal wieder miteinander schlafen wollten. Ich konnte mich einfach nicht fallen lassen, weil mein Kopf so voll war. Deshalb brachen wir ab. Er stand einfach auf, ließ mich liegen und verließ das Zimmer. Die nächsten Tage sprach er kein Wort mit mir und zog ins Gästezimmer.

Da dachte ich das erste Mal an Scheidung. Ein paar Wochen später sagte ich es ihm, was ihn sehr überraschte. Er wollte – warum auch immer – an dieser Ehe festhalten. Nachts lag ich wach, rechnete alles durch. Würde ich es alleine mit den Kindern schaffen? Würde er uns vielleicht sogar die Wohnung überlassen und ausziehen? Sollte ich doch kämpfen und versuchen, die Ehe zu retten? Die Fragen machten mich absolut fertig.

Ich entschloss mich, externe Hilfe an zunehmen. Es war, als würde mir ein ganzes Bergmassiv von den Schultern fallen. Mit jemandem zu reden, der gefühlsmäßig gar nicht involviert war, tat so gut. 

Ich habe in der Therapie gelernt, mich selbst zu reflektieren, was ich dazu beitragen habe, dass es soweit kam und mit jeder Sitzung wurde meine Wut weniger und mein Blick klarer. Für meinen Mann war es auch wie ein Weckruf, er hat sein Verhalten den Kindern gegenüber sehr verändert. Und doch möchte ich mich trennen. Deshalb zieht mein Mann demnächst in eine Wohnung in der Nähe und ich bleibe mit den Kindern in der jetzigen Wohnung. Ich hoffe sehr, dass wir es hinbekommen, gute Eltern zu sein, auch wenn wir kein Paar mehr sind.

Für mich ist es gefühlsmäßig immer ein Auf und Ab. Es hinterlässt Spuren, wenn man jahrelang immer wieder mit Liebesentzug bestraft wird und wenn man immer denkt, man sei selbst an allem schuld. Ich wünsche mir nun ein ruhigeres Leben und möchte mich voll und ganz auf meine Kinder und mich konzentrieren. Ob ich mich jemals wieder auf einen anderen Mann einlassen kann, weiß ich nicht. Momentan brauche ich meine ganze Kraft für die Trennung und den Neuanfang.

Foto: Pixabay


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