Zwölf Monate unterwegs: Unsere Zeit im Camper

Wir sind Tina, Arne, Emil und Anton. Wir sind eine Familie aus Hamburg, die insgeheim schon lange davon geträumt hat, mit dem Camper die Welt zu bereisen. Wie so viele haben wir immer auf den richtigen, den perfekten Zeitpunkt gewartet, um so eine Reise zu starten. Und irgendwann mussten wir dann leider feststellen, dass es den perfekten Zeitpunkt wahrscheinlich niemals geben wird. Und dass sich ein zu langes Warten darauf vielleicht nicht lohnen wird. Letztendlich haben wir also relativ spontan unsere Wohnung aufgegeben, die wichtigsten Dinge eingepackt und uns auf eine einjährige Tour mit dem Camper durch Europa begeben. Von 110 auf 13 Quadratmeter innerhalb von drei Monaten.

Viele haben zu uns gesagt, sie finden das mutig. Ausbrechen, den Alltag hinter sich lassen. Neuanfang. Das, wovon viele nur zu träumen wagen. Ich finde: Das sind alles ziemlich große Begriffe, mit einer ziemlich großen Bedeutung!

Wir hatten einfach zu wenig Zeit zum Träumen

Für uns war es etwas anderes. Eigentlich waren wir gar nicht heiß auf einen Neuanfang und es gab auch keinen richtigen Grund, um aus unserem bisherigen Leben auszubrechen. Wir hatten eine schöne Wohnung mitten in Altona und unsere liebsten Menschen waren weitestgehend um uns. Die Kinder waren in einer tollen Betreuung in der sie sich (und wir uns auch) sehr wohlgefühlt haben. Wir haben beide gearbeitet und das eigentlich immer gerne. Arne ist angestellt als Berater in einer E-Commerce Agentur. Ich habe mich nach langer Zeit als Angestellte, selbstständig gemacht als Virtuelle Assistentin. Wir hatten es gut; die Kosten mitten in der Stadt waren aber auch hoch. Neben all der Arbeit hatten wir ein schönes und harmonisches Familienleben. Unsere freie Zeit haben wir immer gut genutzt und viel gemeinsam erlebt. Wir mochten also unseren Alltag in Hamburg. Wir waren aber auch mittendrin und hochkonzentriert. Wenig Zeit zum Träumen, Pläne schmieden und Ideen spinnen. Wenig Zeit für große Entscheidungen. Wie wollen wir eigentlich langfristig leben? Und wo? Was ist uns wichtig und was ist uns wichtig für unsere Kinder?

Für all diese Fragen hätten wir uns gerne mehr Zeit genommen. Aber die Zeit dafür war nicht da. Immer häufiger kamen die Themen mal auf, eher so zwischendurch. Dann haben wir angefangen in eine Richtung zu denken, angefangen zu planen und vielleicht sogar auch zu rechnen. Aber nicht bis zum Ende. Der Alltag, die Arbeit, Veranstaltungen rund um die Kinder, soziales Umfeld, das haben wir gut und strukturiert gemeistert. Das große Andere blieb erst einmal auf der Strecke.

Der Tod eines Familienmitglieds brachte uns zum Nachdenken

Zum ersten Mal so richtig ins Wanken gekommen, sind wir dann nach einem Schicksalsschlag in der Familie. Arnes Papa ist gestorben und das hat um uns herum alles durcheinandergewirbelt. Es hat uns dazu gebracht, Dinge plötzlich anders zu sehen und zu hinterfragen. Es hat uns an unsere Grenzen gebracht und uns gezeigt, dass Zeit wahnsinnig kostbar ist. Bisher waren wir immer in der Lage – trotz Hamsterrad – Entscheidungen zu treffen, die gut für uns waren. Wenn wir mit einer Situation unzufrieden waren, haben wir versucht sie zu ändern. Das war jetzt irgendwie anders. Unser Urvertrauen war geschwächt. Wir waren verunsichert, müde, kopfmäßig unheimlich angespannt. Die Leichtigkeit war verschwunden und wir hatten plötzlich das Gefühl festzustecken. Ich glaube in erster Linie waren wir gar nicht mutig.

Vielmehr waren wir erschöpft. Vielleicht auch ein kleines bisschen trotzig. Am besten wäre es gewesen, mal kurz auf Pause zu drücken. Aber das ging leider nicht. Einfach abhauen war auch keine Alternative. Aber vielleicht eine Kombination? Von beidem ein bisschen?

Nochmal reisen, bevor die Kinder eingeschult werden

Dann kam die Idee wieder auf mit der Reise. Wir haben den großen Camper vor der Tür stehen. Wir sind viel damit rausgefahren und waren immer traurig, wenn wir unsere Sachen wieder aus dem Auto räumen mussten, weil die Zeit schon wieder vorbei war. Die Kinder waren noch nicht in der Schule – das änderte sich aber bald. Beruflich passte es gerade so medium gut, aber seien wir mal ehrlich – so richtig passen würde es doch nie. Aber jetzt gerade würde es schon gehen. Also machen? Nicht um wegzulaufen, sondern um Kraft zu tanken. Um Abstand zu gewinnen, den Blickwinkel zu verändern. Ein bisschen Freiheit zum Nachdenken. Den Alltag für eine bestimmte Zeit zurücklassen. Raum und Zeit schaffen, um herauszufinden was wir eigentlich als Familie wollen und was uns wirklich wichtig ist.

Mit der Idee, ein Jahr mit dem Camper durch die Welt zu fahren, kamen aber natürlich auch die Zweifel. Wollen wir das wirklich? Schaffen wir das finanziell? Wie finden es die Kinder? Jeder von uns beiden hat angefangen für sich darüber nachzudenken. Erst einmal haben wir gar nicht weiter darüber gesprochen und die Idee in unseren Köpfen reifen lassen. Letztendlich haben wir uns dann die Frage gestellt, was dagegenspricht. Es gab ein paar Sachen, ganz klar, aber nichts, was man mit einem Aber nicht hätte widerlegen können. Es hat sich richtig angefühlt, als wäre es die logische Konsequenz aus allem.

Und dann ging die Reise wirklich los

Es war kurz vor Weihnachten und der Plan war Anfang April loszufahren. Es musste also alles ziemlich schnell gehen. Zwischen den Jahren hat Arne Elternzeit bei seinem Arbeitgeber beantragt. Gleichzeitig haben wir uns dafür entschieden, unsere Wohnung aufzugeben und haben bei der Hausverwaltung gekündigt. Uns blieben drei Monate zur Vorbereitung. Arne hat neben der Arbeit den Camper startklar gemacht, ich habe mich um die Wohnungsauflösung gekümmert. Wir haben viel verkauft und den Rest eingelagert.

Die Kinder mochten die Idee von Anfang an. Ein Jahr nur wir Vier – das war eine ziemlich gute Vorstellung für uns alle! Der Abschied, vor allem im Kindergarten, ist ihnen trotzdem schwergefallen. Wir haben versucht, ihnen zu erklären, dass es völlig okay ist, auch mal traurig zu sein. Manchmal muss man etwas Schönes zurücklassen, um neuen Dingen Platz zu geben. Diese Erfahrung sollten sie in den nächsten zwölf Monaten noch häufiger machen.

Wir sind als Familie zusammengewachsen

Wir haben die Entscheidung, diese Reise zu machen, nie bereut. Wir waren in sechs Ländern, haben an 124 verschiedenen Spots übernachtet, sind fast 28.000 Kilometer gefahren. Wir hatten unglaublich tolle Tage und auch ein paar anstrengende. Wir haben gespürt wie es sich anfühlt, wirklich mal Zeit zu haben. Unser Familienleben hat sich verändert. Wir sind noch enger zusammengewachsen, als wir es ohnehin schon waren. Wir haben uns verändert, unsere Einstellungen haben sich verändert. Und wir sind uns mittlerweile sicher, dass es irgendetwas dazwischen geben muss. Zwischen völlig frei und dem schleppenden Alltag zu Hause, in dem man nicht merkt, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht.

Machen ist wie wollen. Nur krasser. Das habe ich irgendwo mal gelesen. Stimmt irgendwie, habe ich mir gedacht und es fotografiert. Seitdem trag ich es auf meinem Handy mit mir herum. Und letztendlich ist es ja genau das – nicht einfach nur träumen, sondern machen! Das klingt immer so leicht, aber in Wirklichkeit gibt es doch tausend Fragen, Zweifel und Ängste. Bevor wir losgefahren sind, haben wir gesucht. Nach Erfahrungsberichten von anderen und Antworten auf Fragen, die einem ein paar der Zweifel nehmen können. Aber so wirklich haben wir nichts gefunden. Wir haben vorab viel gelesen und recherchiert. Manche Dinge konnten wir uns auch selbst beantworten.

In den zwölf Monaten unterwegs haben wir viel gelernt. Wir haben viel erlebt, sind ein bisschen schlauer geworden. Wir können jetzt mehrere der Fragen, die auch wir im Vornhinein hatten, beantworten. Und genau das wollen wir mit diesem Buch gerne tun. Wir wollen keine Gebrauchsanweisung vorgeben, wie so eine Reise auszusehen hat. Wir wollen unsere Geschichte teilen. Wollen zeigen, dass es immer Möglichkeiten gibt. Dass man das machen kann, wenn man es wirklich möchte. Weil wir das auch konnten. Wir wollen ein Beispiel dafür geben, wie man so eine Reise mit Kindern im Camper gestalten und organisieren kann. Den Weg dorthin muss jeder bzw. jede Familie für sich selbst finden. Und wenn man ihn dann gefunden hat, dann muss man sich noch trauen ihn zu gehen. Also hat das Ganze am Ende doch auch irgendwie etwas mit Mut zu tun.


Wer Lust hat, die ganze Geschichte zu lesen: Wir verlosen zwei Exemplare des Buches „Our life is better outside – Über das Glück als Familie vom Camper zu reisen„. Schreibt uns dazu einfach in die Kommentare, wohin Ihr gerne mal reisen würdet – das Los entscheidet dann. Viel Glück!

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43 comments

  1. Von so einer Reise träume ich auch schon lange! Nach Skandinavien aber auch gerne in den Süden nach Portugal und Italien. Es gibt so viele Länder die wir noch bereisen wollen 😊

  2. Gerne mal Neuseeland…irgendwann…aber als nächstes Reiseziel mit Kind, Hund und Camper steht Cornwall ganz hoch auf meiner Wunschliste!

  3. Das klingt ja total spannend 🙂 sehr gerne würde ich mehr von der Familie lesen…
    Nach all den Monaten Zuhause ist mir aktuell fast jede Auszeit recht, aber eine längere Familienauszeit würde sicher in den Norden führen. Skandinavien mit unserem Bulli wäre nochmal ein Traum…
    Grüße, Anika

  4. ich träume von drei wochen urlaub. gemütlich hoch fahren in den norden, nach dänemark, nach schweden, evtl norwegen.
    in den tag hinein leben… haus und job aufgeben geht nicht, mein mann ist selbstständig im kleinen familienbetrieb der vier familien ernährt, das kann man nicht so einfach aufgeben . aber ein traum wäre es, zu sparen und dann wochenlang oder gar monate lang unterwegs sein!

  5. Wir würden total gerne durch Schweden reisen – haben wir als Paar schon mal gemacht, aber das wäre auch mit Kindern mal toll.

  6. Oh, das wäre unser Traum! Wir waren 2 Monate mit unseren Jungs in der Elternzeit in Schottland (mit Auto und Zelt) und würden es immer und immer wieder tun!😊 Aber auch gern Norwegen, Schweden, Island,….

  7. Tolles Buch! Mit meiner Familie für unbegrenzte Zeit eine Reise machen zu können, wäre fantastisch! Würden gerne nach CZ fahren.

  8. Oh, ich bewundere Familien, die das wirklischaffen, einfach loszufahren. Wir haben unsere 8-wöchige Reise durch Frankreich auch sehr genossen und könnten uns vorstellen, länger wegzufahren, über den Balkan zum Beispiel oder die Panamericana.

  9. Auf den richtigen Zeitpunkt zu warten ist verschwendete Zeit. So dachten wir 2019 und planten eine Rundreise durch die Staaten mit dem Wohnmobil. Und dann kam Corona… zum Heulen! So wie es auch nur ansatzweise wieder möglich/sicher ist, planen wir wieder. Garantiert! Schöner Beitrag. Es waren bestimmt lehrreiche, spannende zwölf Monate für euch!

  10. Wow, mein Traum! Es würden mir auch 6 Monate reichen und unser Haus würde ich auch nicht aufgeben, so KRASS bin ich dann doch nicht.

    Ich möchte schon lange und werde 🙂 eine Campingtour in der Toskana machen.

  11. Oh, was für ein schöner Bericht, da bekommt man ja gleich Fernweh. Wir würden auch gerne mal mit dem Camper längere Zeit verreisen, hatten es auch schon 2020 angedacht… naja. Momentan fände ich es einfach schön, mal wieder nach Italien, Sardinien oder auch an die kroatische Küste zu reisen. Ich würde mich riesig über das Buch freuen!

  12. Wir haben genau das gleiche Gedankenkarussel. Wollen los. Trauen uns nicht. Finanzen, Wohnung, … Zu viele Zweifel. Wir würden Europa bereisen wollen. Georgien, Kroatien, Polen, aber auch Frankreich und Portugal. Nun hat Corona uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir müssten im April los, damit es vor der Schule klappt. Und sind dann nicht da um die Anmeldung für die Schule zu machen. Naja. So ist das. Vielleicht würde das Buch ein paar Zweifel nehmen.

  13. Wir sind auch oft zu viert mit dem Wohnwagen unterwegs. Das längste war bisher 7 Wochen. Spanien/Portugal steht auf unserer Liste.

  14. Das ist so schön zu lesen, denn wir stehen genau an dem Ausgangspunkt. Das Leben um uns rum ist gut u d dennoch würden wir gerne eine große Reise machen bevor u der Großer eingeschult wird. Bei den Zielen wird so alles diskutiert. Von Schottland bis Südamerika, Kanada oder Afrika… aber irgendwo müssen wir ja anfangen 🙃

  15. Der Bericht klingt schon toll. Ich würde gerne das ganze Buch lesen und Anregungen für unsere Auszeiten als Familie erhalten 🙂 eigentlich wollten wir in der Elternzeit mit unseren Kindern im Camper Australien bereisen. Leider momentan nicht möglich. Natürlich holen wir es nach. Momentan möchte mein Mann mit unserem Bus Schweden erkunden. 🙂

  16. Wirklich toll euer Bericht. Er macht sehr viel Spaß und vor allem Lust das ganze Buch zu lesen.
    Wir wollen auch gerne mal eine längere Auszeit mit Kindern nehmen. Im Kopf schwirrt uns Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Island.. Dafür wollen wir uns auch Zeit nehmen.
    Wir würden uns über ein Exemplar freuen.

    1. Wohin uns das Wohnmobil trägt! Am liebsten erstmal ausführlich Europa! Irland müsste auf jeden Fall dabei sein. Würde mich riesig über das Buch freuen.

  17. Das Buch möchte ich unbedingt lesen und würde mich riesig darüber freuen!!! Wir planen nämlich gerade unsere zweite Reise-Elternzeit im kommenden Jahr und möchten mit dem Caravan mindestens drei Monate durch Europa reisen. Da gibt es bestimmt ein paar Anregungen und Ideen, auf die wir nich nicht gekommen sind… 😉

  18. Das hatte ich in meiner Elternzeit auch vor..Mal eine längere Auszeit nehmen.Daraus geworden sind 3 Wochen mit dem Wohnanhänger an der Ostseeküste 😊 vor 9 Jahren.

  19. Das Buch würde mich wirklich sehr interessieren, wir reisen auch mit Camper mit 2 Kindern. Bereits zweimal innerhalb der Elternzeit für jeweils 2 Monate. 1 Jahr klingt sehr spannend…

  20. Schweden vor 12 Jahren – Flitterwochen – individuelle Rundreise – damals noch kinderlos. Heute eine Rundreise im Camper mit dem 9 jährigen Sohn – das wäre unser “ Träumchen“. Würden uns sehr über das Buch freuen.

  21. Zeit als Familie zu haben, klingt immer toll 🙂 Wir würden auch gerne mal mit dem Camper verreisen – am liebsten nach Nordeuropa… Dänemark, Norwegen, Schweden…und die Natur genießen.

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