Paula Schramm: Es ist super, jung Kinder zu bekommen

Schauspielerin

Foto: Prepeek

Ihr Lieben, am 5.1. startet die neue Staffel der „SOKO Hamburg“, Paula Schramm spielt in der ZDF-Serie eine Kommissarin. Paula hat ein Kind und hat uns verraten, wie sie durch die Corona-Krise gekommen ist und was sie am meisten vermisst.

Liebe Paula, ein Schauspielerinnenleben ist aufregend, weil immer wieder mit neuen Stoffen und neuen Teams gedreht wird, es ist aber auch immer aufregend, weil nie klar ist, ob es nach dem aktuellen Projekt ein weiteres gibt. Warst du deswegen vielleicht besser auf die unsichere Jobsituation in Corona-Zeiten vorbereitet?

Ja, das ist ein interessanter Gedanke. So habe ich das noch gar nicht gesehen… Aber es stimmt wohl: in meinem Beruf gibt es keine Sicherheiten. Nicht vor, und nicht nach Corona. Es war für mich trotzdem ein gewisser Schock, da der Lockdown ein paar Tage vor meinem ersten Drehtag bei der „Soko Hamburg“ begann.

Ich wusste zu der Zeit nicht, wie lange ich kein Geld verdienen werde. Wir als Familie hatten fest mit der Gage gerechnet und brauchten diese auch sehr dringend, da wir zuvor einen Monat in Costa Rica verbracht haben. Und das hatte uns finanziell die Hosen ausgezogen. Aber ich sage mal so: Freiheit hat ihren Preis. In vielerlei Hinsicht.

Als Schauspielerin gehst du mit offenen Augen durch die Welt, saugst Dinge und Menschen in dich auf – fehlt dir das gerade durch die Beschränkungen?

Ja und nein. Natürlich fehlt mir, wie wahrscheinlich allen, die engen sozialen Kontakte, auch die körperlichen Berührungen zu meinen Freunden und Familienmitgliedern.

Andererseits bin ich manchmal sehr zerstreut. Im ersten Lockdown hatte ich sehr intensive Momente mit mir, meinen Gedanken, meiner Gefühlswelt, meinem Humor. Trotz der Ängste gab es einen Moment der Besinnung oder zumindest der Konfrontation mit mir selbst. Das konnte ich sehr wertschätzen und erlebte eine gewisse kreative Bereicherung. Ein bisschen so, wie man sich Weihnachten immer vorstellt – wie es aber selten wird, weil man anstatt nachzudenken eher viele Geschenke in überfüllten Geschäften kauft, oder sich über die Macken von Familienmitgliedern ärgert.

Nun bangen viele KünstlerInnen in diesen Zeiten um ihre eigene, aber auch um die Zukunft ihrer Branche. Wie geht es dir aktuell und bekommst du das in deinem Umfeld auch mit?

Ich bekomme das mit. Auf jeden Fall. Andererseits muss man sagen, es war schon immer eine Branche, die viel aus eigener Kraft auf die Beine gestellt hat. Ich denke, das wird weiter so sein. Es gibt einige Leute, die es gewohnt sind kämpferisch kreativ und innovativ zu sein. Und Kreativität steht am Anfang einer jeden Problembewältigung. Das haben die letzten Monate ja wohl deutlich gezeigt.

Da kursiert ja auch gerade dieser furchtbare „Witz“ mit dem Arzt, der dem Künstler sagt: „Sie haben noch sechs Monate zu leben“ und der ihm entgegnet „Wovon denn?“ Neigst du in solchen Zeiten auch eher zu schwarzem Humor oder findest du das eher geschmacklos?

Ich nehme es mit Humor. Ich bin aber von der Situation zunehmend genervt, muss ich zugeben. Diese Sage vom armen Künstler, der sich irgendwie durchschlägt, nervt. Wir sind alle arbeitende, steuerzahlende Menschen, die auch Familien und Verantwortungen haben.

Was würdest du dir in diesen Zeiten zur Kulturförderung wünschen?

Gezielte Unterstützung. Gesehen werden. Und ganz speziell für mein Department: finanzielle Unterstützung. Für Schauspieler gab es keine Hilfen. Die meisten von uns haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Das berühmte, tolle Kurzarbeitergeld griff oft nicht. Ich habe zwar noch nie Hartz4 in Anspruch genommen, aber ich bezweifle, dass ich davon überhaupt hätte Miete zahlen können.

Du bist mit 25 Jahren Mutter geworden, dein Sohn ist jetzt 5, wie geht er mit der Krise um und wie schaffst du Sicherheiten für ihn?

Ich schaffe Sicherheiten, indem ich einfach von Tag zu Tag lebe und mich mehr auf das „Hier und Jetzt“ konzentriere als auf „hätte, könnte, werde“. Das halte ich schon immer so. Sonst wäre der Beruf auch nichts für mich. Zudem scheint mir einfach die Sonne aus dem Hintern. Ich liebe, es Mutter und Mensch zu sein und für mich bringt jeder Tag das Potential, ein richtig guter zu werden.

Ich nenne das Überlebensstrategie. Das Glas ist halb voll. Alles andere macht für mich echt keinen Sinn. Und so gebe ich das auch an meinen Sohn weiter. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine kleine Kreativwerksatt zu Hause haben werde, obwohl ich zwei linke Hände habe.

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Paula Schramm. Foto: Prepeek

Da auch ich bereits mit 24 Mutter wurde, interessiert mich: Würdest du nochmal so jung Kinder bekommen?

UNBEDINGT! Das war eine so gute Entscheidung. Ich bequatsche auch alle jüngeren Kolleginnen, die mich nach einem Rat fragen. Ich habe dieser Entscheidung so viel zu verdanken. So viel Energie, Leichtigkeit, Erwachsenwerden und gleichzeitig spielerisch die Welt wieder neu sehen. Verantwortung tragen, aber nicht dogmatisch werden. Von Anderen lernen und sich selbst dabei finden. Und am Liebsten: Von meinem Sohn lernen und lieber mal hinhören, anstatt ihm meine Welt zu erklären.

Kinder bedeuten Einschränkungen. Eine Entscheidung FÜR etwas, ist auch immer eine Entscheidung GEGEN etwas anderes. Man kann nicht alles gleichzeitig haben, das ist ja klar. Aber dadurch, dass ich so jung war, habe ich mir über vieles auch keine Gedanken gemacht. Wie lange ich nicht arbeite, wer was über mich denkt, ob das der richtige Mann ist, wie ich danach aussehe, ob ich danach noch besetzt werde… hat mich überhaupt nicht interessiert. Jetzt hätte ich definitiv größere Zweifel und Ängste.

Nun bist du in deinem Leben viel und gern gereist, wie schaffst du es mit der derzeitigen Unfreiheit umzugehen? Holst du dir die Welt vielleicht sogar durch deine sagenumwobene vegetarische Küche ins Haus?

Danke, dass du meine Kochkünste so lobst. Ich werde das hier gleich mal so weiterleiten. Also, mein Sohn und ich backen seit dem Lockdown jeden Samstag einen anderen Kuchen. Letztens ist uns wirklich der weltbeste Schokokuchen gelungen. Ansonsten koche ich sehr regional, mein Freund verwendet das als Synonym für langweilig. Ich nenne das bewusst und gesund und smart.

Wir waren dieses Jahr sehr viel mit unserem Camper unterwegs. Da ist man prima für sich. Sehr Corona-freundlich. Ich hab das sehr genossen. Es muss nicht immer die weite Reise sein. Wobei man bei einer Autoreise auch mal merkt, dass Sardinien auch nicht um die Ecke ist. Und man vielleicht länger braucht als 45 Minuten in einem Billigflieger. Und man erlebt auch mehr. Aber man braucht eben viel Zeit. Und die hat man natürlich nicht immer.

Aber ich vermisse die weiten Reisen schon auch. Ich weiß, fliegen ist schlecht für die Umwelt, aber die Welt nicht zu entdecken ist ja auch keine Lösung. Menschen, die etwas von der Welt gesehen haben, über den Tellerrand hinausgeschaut haben, sind denke ich auch weniger anfällig für den ganzen nationalistischen Quatsch, der hier gerade bedauerlicherweise erneut die Runde macht.

Also wir brauchen Wasserstoffflugzeuge. Ganz flott. Das ist ja klar.

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Siehst du Chancen in der Krise? Oder ziehst du für dich persönlich Lehren daraus?

Meine Lehre: wir müssen den Kapitalismus ersetzen. Das fliegt uns sonst allen gewaltig um die Ohren. Weniger ist mehr. Klingt so abgedroschen, stimmt aber. Wir haben uns doch alle gefragt, was uns glücklich macht, oder wobei wir uns wohlfühlen. Und ich tippe mal, dass wenige Antworten mit Konsum und sich totarbeiten zu tun haben.

Außerdem habe ich viel zugehört in diesem Jahr. Und denke, das sollten wir alle mehr. Zuhören und aushalten. Ist nicht einfach, ich weiß. Aber es hilft ja nix.

Du hast schon als Siebenjährige vor der Kamera gestanden, hast für Kika gespielt, für Soko Hamburg, aber auch schon Kinofilme. Welchen Dreh wirst du nie vergessen und wieso?

Mein erster Kinofilm „Französisch für Anfänger“. Ich war 15 und kam zum ersten Mal richtig mit der Arbeit an sich als Schauspielerin in Berührung. Da ist die Liebe für den Beruf tatsächlich gesät worden. Und auch die französische Idee vom Leben und Genuss ist mir bis heute geblieben. Ich wohne jetzt in West-Berlin. An sich nicht so mein Fall. Aber die vielen französischen Feinkostläden mit ihrem verbotenen schimmligen Käse…herrlich.

Außerdem haben mich auch die Umstände der Dreharbeiten sehr gefordert und geprägt. Da mein Schul-Direktor mir nach diesem Dreh keine weiteren Freistellungen geben wollte und er meinte, ich könne an seiner Schule nicht das Abitur machen und parallel Schauspielerin werden, war mir klar, ich muss mein heißgeliebtes Gymnasium verlassen. Und damit auch meine neuen Freunde. Ich habe mein Abi dann an einer Privatschule gemacht. Das war irgendwie einsam, aber eine Form von Unverständnis meinem frühen Berufswunsch gegenüber, hatte mich schon seit meiner Kindheit begleitet.

Hilft dir dein Schauspieltalent in deiner Mutterschaft? Weil du immer auch noch ein bisschen Kind geblieben bist und das Spielen liebst…. ?!

Haha. Bestimmt:) Und ich lese so gern vor. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es mal einen Abend gab in den letzten fünf Jahren, an dem ich kein Buch vorgelesen habe. Also mindestens eins. Das ist sicher auch eine Berufskrankheit.

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