Stadtleben

12/11/2015 - 08:30

Stadt-Mama Katharina

Hilfe, die Welt geht unter! Bald, vielleicht, irgendwann, eventuell...

Liebe Lisa, nichts läge mir ferner, als über meinen Ehemann zu spotten. Ich finde ihn nämlich nach 12 Jahren Beziehung immer noch ganz ganz toll. ABER: Ich glaube, er hat gerade eine Schraube locker. Und das kam so:

Am letzten Samstag sind wir zusammen in den neuen James Bond gegangen. Popcorn, Cola, Spannung – das volle Programm. Nach dem Kino wollte mein Mann nicht so wirklich über den Film reden, sondern verfiel in düsteres Schweigen. So weit so seltsam. Am nächsten Morgen murmelte er: „Irgendwann passiert uns das, dass das Internet oder der Strom gekappt wird. Und dann herrscht nach drei Tagen Ausnahmezustand!“ Ich so: „HÄ?“ Zum Hintergrund: Im neuen Bond geht es um Internet-Kriminalität, ziemlich beängstigend, aber irgendwie für mich weit weg. Mein Mann aber war angefixt und malte sich das Szenario aus, wie sich unser Leben ohne Strom verändern würde. Er ist überzeugt: Nach drei Tagen würde es ums nackte Überleben gehen.

Beispiel: Wer hat denn heute noch viel Bargeld? Ohne Strom kannst Du am Automaten keins ziehen. Ohne Geld kannst Du nicht einkaufen. Ohne Lebensmittel hast Du schnell ein Problem. Ich nickte, dachte aber immer nur: HÄ?????

Beispiel 2: Ohne Strom fällt der Kühlschrank aus, der Herd funktioniert nicht, Internet und Radio sind futsch. Die Möglichkeit, an Information zu kommen, wäre gleich null. Gruselig. 

Im Laufe des Tages beruhigte sich mein Mann aber, dachte ich zumindest. Denn gestern klingelte es zweimal an meiner Tür. Das erste Mal wars der Postbote, der riesige Pakete brachte. Wasserkanister waren darin, zweimal 15 Liter. Und ein Gaskocher. Das zweite Mal wars der Lieferservice vom Supermarkt. Er brachte mir 15 Packungen Haferflocken, 10 Packungen Studentenfutter, 30 Flaschen Wasser, diverse Liter H-Milch und 8 Kilo Nudeln. Bei allen Bestellungen war der Auftraggeber mein Mann.

Ich bin irritiert. Und rufe den Gatten auf dem Handy an. Die Kanister seien dafür da, im NOTFALL WASSER AUS DEM NAHEN SEE ZU HOLEN (der tatsächlich Trinkwasserqualität hat). Mit dem Gaskocher könnten wir auch dann noch kochen, wenn der Strom weg ist. Haferflocken, Nüsse und Nudeln seien sehr nahrhaft und lange haltbar. Und Wasser könne man nie genug haben. Falls die Welt zusammenbricht.

Erst habe ich gar nichts gesagt und dann LAUT gelacht. Ich dachte, ich kenne den Mann in- und auswendig, schätze seine ruhige, überlegte Art -  und dann DAS. Das Lachen verging mir allerdings schnell wieder. Als er nämlich sagte, er würde noch einen Kompass kaufen, dass wir uns im Notfall bis Skandinavien durchschlagen können.

Eins sag ich Dir,Lisa, – das nächste Mal gehe ich mit ihm in einen Matthias Schweighöfer Film...

Tags: Ehe, Beziehung, Einkaufen, Nahrung

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Kommentare

evelyn — Do, 11/12/2015 - 10:26

Gott, ist das genial! Ich habe gerade alle in meinem Umkreis durch plötzliches, lautes Losprusten erschreckt! Ich wollte mit meinem Mann EIGENTLICH auch noch in den Film - jetzt überlege ich mir das aber nochmal... :)

Lena — Do, 11/12/2015 - 12:14

Ich finde es eher seltsam, sich bisher noch nie solche Gedanken gemacht zu haben, vor allem, wenn man mit dem Internet arbeitet wie Ihr hier auf dem Blog. Überall, in allen Medien, wird über die Freiheit des Internet, Datenmissbrauch, und auch Ressourcenknappheit disktutiert, das sind doch DIE Themen unserer Zeit. Nur mal zum Thema Flüchtlinge: warum werden denn die ganzen Kriege geführt? Warum geht es vielen Menschen auf der Welt so schlecht? Es gibt Regionen auf der Welt, und zwar viele, da stellt das Nicht-Vorhandensein von Zugang zum Internet riesige Probleme dar, die sich in Armut und Abgeschnittenheit von den internationalen Märkten und Informationen äußern. In anderen Ländern kontrolliert der Staat ganz offen den Zugang zum Netz. Die ganze Diskussion in Deutschland über die teureren Leitungen der Telekom, High-Speed Zugänge für mehr Geld, 2-Klassen- Internet, und so weiter und so fort. Lest Ihr denn keine Zeitung? Dann die Knappheit der Ressourcen in so vielen Teilen der Welt, dazu Verwüstungen durch den Klimawandel. James Bond greift, schon immer, die aktuellen Themen im Weltgeschehen auf. Früher wars der Kalte Krieg, heute sind es Internet und Ressourcen. Natürlich wird das überspitzt dargestellt. Sich über seine Wasserversorgung Gedanken zu machen, halte ich aber anlässlich der globalen Klimalage für unerlässlich. Natürlich ist es naiv, 2 Kanister zu kaufen. Aber zum Lachen finde ich das alles nun wirklich nicht. Diesen Artikel auf Eurem sonst so ansprechenden und klugen Blog verstehe ich überhaupt nicht. Sorry, das musste ich jetzt einfach loswerden, da wünsche ich mir als Leserin etwas mehr Tiefgang....

Stadt-Mama Katharina — Do, 11/12/2015 - 12:22

Liebe Lena, vielen Dank für Deine Kritik. Natürlich lese ich Zeitung, natürlich mache ich mir Gedanken, natürlich verfolge ich Debatten. Aber es ist (leider) doch oft so: Solange alles funktioniert, schiebt man düstere Gedanken lieber zur Seite. Den Beitrag habe ich aus dem Bauch heraus geschrieben, kurz nachdem der Postbote da war und ich wirklich überrumpelt. Durch Deinen Kommentar und die auf FB komme ich natürlich ins Grübeln - und bin froh, dass der Gatte und ich so unterschiedlich ticken und uns echt gut ergänzen :-) Und trotzdem hoffe ich, dass wir Gaskocher und Kanister erstmal nicht brauchen :-)

Lilli — Do, 11/12/2015 - 20:05

Natürlich stimmt was du sagst, aber der Beitrag ist doch locker lustig gemeint und das ist er wie ich finde auch :) Würde mein Mann auf einmal damit ankommen wäre ich auch belustigt. Wäre ihm aber zu zutrauen, er entwickelt sich grad zum Helikopterpapa.

Mama geht online — Do, 11/12/2015 - 14:18

Ich habe gemeinsam mit meinem Lebensgefährten ebenfalls schon den neuen Bond im Kino gesehen. Nach dem Film und bis jetzt sind keine Auffälligkeiten an meinem Freund festzustellen und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Er ist nämlich auch ein (er nennt es Optimist, ich nenne es) Pessimist. Und ich traue ihm zu, dass er auch das Horten anfängt. Euren Beitrag lasse ich ihn heute Abend trotzdem mal lesen. LG Anke

Kate — Do, 11/12/2015 - 20:06

Hammer Beitrag, ich lache jetzt noch. Und Lena's Beitrag musste ich 2 mal lesen...dachte erst, er wäre ironisch gemeint :-)))

Malena Lohde — Do, 11/12/2015 - 22:04

Mein Mann ist für dei Einkäufe meistens verantwortlich. Und ohne den neuen James Bond Film gesehen zu haben, denkt er auch echt manchmal "das die Welt untergeht". Er kauft dann gerne viel von dem was im Angebot ist - in NL bedeutet das ganz oft 1 & 1 GRATIS. Vorausgesetzt das Produkt ist haltbar und past in den Keller! So hatten wir im letzten halben Jahr hier Cornflakes bis zum Abwinken und der Vorrat Küchenpapier ist inzwischen gewachsen, so dass wir noch drei Jahre keine Putztücher brauchen.

Polly — So, 11/15/2015 - 14:43

Zumindest wirst du trotzdem Nutznießer sein, auch wenn du es jetzt verspottet! Die Gefahr ist da, die Bundesregierung empfiehtl einen Vorrat fur 14 Tage zu Hause zu haben. Das sind bei 4 Personen alleine 112l, das sind 13 sixpacks 1,5l Flaschen! Ich verstehe deine Belustigung, aber vllt. solltest du dir selbst nun lieber auch mal Gedanken machen, statt deinen Mann zu verspotten, wenn sogar der Staat rät Vorräte zu halten.

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