Hochschwangere sind in der Warteschleife des Lebens gefangen!

ikea1

Hallo Lisa, 

Afrika-Reisende! Du machst es richtig! Fährst zwischen den Jahren schön in die Sonne. Ha! Aber Du verpasst jetzt leider auch, dass es in Deutschland ausnahmsweise mal sonnige zehn Grad im Dezember sind. Mit Sonne! Wir fühlen wie im Frühling, sach ich Dir…

Ich will nicht auf dem Wetter rumreiten, aber gutes Wetter ist sooo wichtig. Gerade zwischen den Jahren, wenn kitafrei ist, alle weggefahren (Prenzlauer Berg ist gruselig menschenleer!) und es gilt einen Zweijährigen zu beschäftigen. Wir waren heute Morgen sogar schon bei IKEA und machen jetzt das Haus schön. Ja, soweit ist es gekommen.  Zu gut, dass heute Abend meine Schwester zu Besuch kommt…

Wie Du siehst, Lisa, ich denke positiv. Ohne wirklich positiv zu sein. Denn sieh mich an (vor Deinem inneren Auge, das reicht). Ich bin eine dicke gelangweilte Schwangere, die seit heute offiziell das letzte Drittel ihrer Schwangerschaft angetreten hat. Damit bin ich wohl ganz amtlich hochschwanger. Sprich ich habe Sodbrennen, keine Airline nimmt mich mehr gerne mit und ich beginne die Wochen zu zählen. Woche 28 bin ich jetzt. Hach, noch sooo lange und trotzdem fühle ich mich schon am Ende…

Ich weiß ja von Dir, Lisa, Du warst immer sehr gerne schwanger, ich bin dann vielleicht lieber die Mutter eines Neugeborenen. Denn das Leben fühlt sich in der letzten Phase der Schwangerschaft oft an wie im Wartezimmer des Lebens gefangen. Wie in einer Endlosschleife oder wie die Wartezeit auf einem zugigen Bahngleis irgendwo in der Provinz. Es ist, möchte man sagen, so sinnlos vergeudete Zeit, in der man weder vor noch zurück kann, sondern verdammt dazu ist, auf der Stelle zu stehen. 

Ich habe das Gefühl mein Körper ist wie ein Kokon, aus dem ich mich nicht befreien kann. Ich kann kaum Sport machen, kann kein Glas Wein trinken, nicht klettern, tanzen oder dumm und unvernünftig sein. Also sitze ich, lese, renne meinem Kleinkind hinterher, ESSE (sehr, sehr viel) und überlege mit wem ich mich so verabreden könnte. Dazu kommt, dass ich meinen Roman, den ich mal anfangen wollte, gekonnt vor mir herschiebe, stattdessen lieber backe, koche oder in irgendwelchen Naturmedizinforen stöbere, was meinem Sohn mit seiner blöden Nussallergie weiterhelfen könnte. Dabei sollte ich eigentlich ein bisschen mehr mir selbst helfen und nicht so eine Belästigung für mich selbst sein. Mir selbst in den Hintern treten, anstatt über den Stillstand zu jammern. 

Vielleicht kennen ein paar von Euch diese Phase zwischen den Jahren und am Ende von Schwangergschaften. Dieses nicht vor und nicht zurück können und das Gefühl zu haben, unproduktive Zeit, totschlagen zu müssen. 

Für mich selbst nenne ich das Unruhe. Eigentlich bin ich immer so. Sie wird nur manchmal lauter und manchmal leiser. Je nachdem wie laut das Leben so ist. 

Schöne ruhige Tage dennoch Euch allen und Dir auch, Lisa. 

Eure Caro xxx

0ca4f9707d4f49da9d634192fd6ad779

Du magst vielleicht auch

10 comments

  1. So treffend!
    Jahre später, zwischen den Jahren, dein Kleines wohl fast 3. und mein drittes in der 26. Woche und ich bin über diesen Titel gestolpert: Gefangen in der Warteschleife des Lebens – herrlich! Sooooo treffend!!!
    Ich liebe eigentlich diese irgendwie „Nichts-Zeit“ zwischen den Jahren – es ergibt sich oft so nettes und die Uhr scheint mal völlig unwichtig zu sein! Aber dieses Jahr ist nur anstrengend. Ich bin nicht gerne schwanger, habe Gott sei Dank nichts ernstes aber sammle alle Wehwehchen ein – und kann es nie fassen – noch 3 Monate…. Jammern auf hohem Niveau. Im Grunde alles gut, aber ich wie ein Walfisch auf trockenem Strand. Warteschleife des Lebens… Genau das. Danke für dieses super Bild!

    Wahrscheinlich schaust du fassungslos auf Deine eigene Perspektive vor 3 Jahren zurück und fragst dich, wo die Zeit seitdem hingerast ist.

  2. hm…
    Ich musste zwölf Wochen lang permanent liegen (davon mehrere Wochen im Krankenhaus) und habe dann doch noch (gerade so) ein Frühchen bekommen…was hätte ich für ein oder zwei zusätzliche Wochen Wartezeit bei einer unkomplizierten Schwangerschaft gegeben! Wer sich darüber beschwert, dass er „unproduktive Zeit“ totschlagen muss oder sonstwie gelangweilt ist, sollte mal absolute Bettruhe probieren. Dabei wird man nämlich wirklich wahnsinnig, ist tatsächlich irgendwie gefangen und die Zeit wird unendlich lang…Wer das Glück einer relativ unkomplizierten Schwangerschaft hat, sollte sich meiner Meinung nach einfach freuen.

  3. Liebe Caro, genauso geht es
    Liebe Caro, genauso geht es mir auch. Ich hab 10 Kilo zugenommen, wahrscheinlich mit den Plätzchen der letzten Woche noch mehr und das Kind muss ja auch noch…zunehmen! aaaarrrgh! Ich fühle mich auch jetzt schon unbeweglich und wäre froh, wenn ich in Woche 39 wäre statt 29. Außerdem liegt noch ein Umzug vor uns. Habe auch den Eindruck, dass ich die erste SSW mehr genießen konnte zur gleichen Zeit. Wahrscheinlich auch, weil ein Fast-Zweijähriger einen so tierisch auf Trab hält…in diesem Sinne: Durchhalten!! Liebe Grüße

  4. Immerhin…
    … fällt die Zeit zwischen den Jahren und die am Ende deiner Schwangerschaft diesmal zusammen. Dann musst du nur einmal ungeduldig warten 😉

  5. Nee…
    …war bei mir nicht so. Ich habe es genossen. Die Schwangerschaft. Ausser am Anfang, wo es mir total übel war. Aber danach, wunderschön. Ich fand es auch nicht schlimm, das Warten. Eher schön. Ruhig. Klar, man ist nicht mehr so gelenkig, aber ich ging bis zum Schluss ins Yoga und hatte einen rieeesen Bauch. Mir tats gut. Klar, es zwickt und zwackt, aber ich sass auf dem Sofa, ass meine Lieblingssachen, guckte mir Filme an, las in Bücher, arbeitete fast bis zum Schluss hektisch und freute mich auf die Geburt.

    Aber ich kenne viele, denen es so geht wie dir Caro. Vielleicht ist dann (wenn ich eine habe) meine zweite Schwangerschaft ganz anders als die erste. Wer weiss.

    Ich wünsch dir auf jeden Fall trotz Unruhe ganz viele schöne Momente, wo du noch mit deinem Kleinen geniessen kannst, bevor das „neue Leben“ beginnt.

    Liebe Grüsse
    Claudia

  6. Alleine mit dem Körper …
    … Ist man auch nach der Geburt nicht. Seit 16 Monaten habe ich ein Kind an der Brust und kleine Patschhändchen im Gesicht, ständig jemanden auf mir drauf. Und bald kommt ein zweiter Säugling hinzu. Die Schwangerschafts- Gefangenheit kann ich verstehen, aber es folgen noch endlose Jahre “ gefangen“ auf dem Spielplatz, „gefangen“ von den Anspüchen der Kinder. Erstschwangere sind während der Tragzeit eingeengt, aber sie sind beneidenswert frei.

    1. Stimmt, alleine MIT dem
      Stimmt, alleine MIT dem Körper bin ich auch nach der Entbindung nicht, aber alleine IM Körper 🙂

      Das reicht erstmal. Und abgesehen vom Stillen, gibt es zum Glück ja auch noch den Papa, der das kleine Monster auch mal durch die Gegend tragen darf. Frei fühle ich mich eigentlich nicht gerade…also im Cafe rumsitzen geht, aber große Unternehmungen, die über kleine Fußwege hinausgehen, sind mit dem Rücken nicht mehr vereinbar.

      Tja, naja. Alles hat ein Ende (nur die Wurst hat zwei).

  7. Oh ja *meld* mir geht es
    Oh ja *meld* mir geht es ebenso. Befinde mich in SSW 35 mit dem Erstkind und bin einfach nur genervt. Ich kenne viele Frauen, die gerne schwanger waren, aber ich gehöre anscheinend nicht dazu. Fühl mich unbeweglich, dick, kurzatmig und verfressen. Weil ich kaum noch rausgehe (außer mit dem Hund), bin ich vermutlich auch noch langweilig.

    Ich finde es scheußlich, so wenig Luft zu bekommen, und ich heule wegen jedem Mist. Außerdem schlafe ich echt mies und der Rücken tut dauernd weh. An Sport ist echt nicht mehr zu denken. Schwangerschaftsyoga ist das Maximum, was ohne Kreislaufkollaps geht (und das auch nur 20-30 Minuten, dann ist Schicht).

    Tja, und dann fühl ich mich prompt schuldig, sobald ich sowas denke wie: verdammt, wann bin ich endlich wieder allein in meinem Körper! Schließlich hab ich es mir doch wirklich gewünscht, endlich schwanger zu werden…und jetzt hab ich so wenig Geduld damit. Bisher lief alles gut, also sollte ich doch dankbarer sein, oder? Also theoretisch.

    Vielleicht sollte ich mir mal eine optimistischere Grundhaltung zulegen 🙂

  8. Es tut so gut…
    … Deine Beiträge zu lesen, Caro! Mir geht es genau wie Dir… ich bin in der 25. Woche schwanger mit Kind Nr. 2 und eigentlich ist alles bestens, aber ich bin auch gelangweilt von mir und meiner Trägheit. Jammern auf hohem Niveau eben 😉 Ich freue mich riesig auf das Baby und würde die Zeit bis zur Geburt und danach am liebsten vordrehen… Insofern tut es gut, zu lesen, dass es anderen genau so geht…

  9. Stimmt !!!
    Ja ich kann Dich grad nur zu gut verstehen … Ich befinde mich in der 32 SSW, seit letzter Woche gehe ich nicht mehr arbeiten und es ist nicht schön…… Über die Festtage habe ich gefühlte 5 Kilos zugelegt und es ich bin einfach nur gelangweilt und genervt am meisten von mir und meiner Ungeduld. Außerdem mag ich wie Du das „schwanger sein“ auch nicht sonderlich, obwohl ich Beschwerdefrei bin. Der Sport fehlt mir ungemein und auch die kleinen Sünden grad beim bevorstehenden Jahreswechsel auf den heißgeliebten Sekt zu verzichten. Ich fühl mich nicht wie ICH und kann die Zeit kaum erwarten bis wir zu 4 sind !!! Schade dass ich in Köln wohne, ich würde zu gerne jetzt in Berlin sein und dann könnten wir uns vielleicht zum Kaffee oder Tee treffen und gemeinsam schwelgen ….