Gastbeiträge

28/02/2017 - 07:00

Land-Mama Lisa

"Ich bin mit Zwillingen schwanger - aber nur ein Kind wird lebend zur Welt kommen" - Gastbeitrag von Judith

Heute ist wieder ein eher wenig guter Tag. Ich denke viel nach und bin traurig. Seit Monaten bin ich zu Hause und manchmal fällt mir die Decke auf den Kopf.. Aber ich muss mich viel ausruhen und an das Wohl unseres gesunden Zwergs in meinem Bauch denken.

Ich bin in der 34. Woche mit Zwillingen schwanger. Das klang immer so schön, wenn man erzählen konnte, dass man Zwillinge erwartet und alles gut ist und man sich toll fühlt. Ich hatte keine typischen Schwangerschaftsbeschwerden. Nicht mal die viel prognostizierte Übelkeit, die bei einer Zwillingsschwangerschaft doch so viel schlimmer sein soll.

Anfang Juli im vergangenen Jahr erfuhren wir bei einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt, dass ich schwanger bin. Es war allerdings noch sehr früh und so sollten wir zwei Wochen später noch einmal kommen, um sicher zu gehen. Beim nächsten Besuch sah ich auf einmal zwei Fruchthöhlen und meine Frauenärztin fragte mich, ob ich gut zählen kann... So erfuhren wir, dass wir Zwillinge bekommen werden.

Wir haben uns einfach nur gefreut. Ich habe mich wie Superwoman gefühlt und fest daran geglaubt, dass wir das alles hinbekommen. Negative Stories und Blogs über das Leben mit Zwillingen habe ich nicht gelesen, sondern mich auf mein Urvertrauen verlassen, dass wir das als Eltern toll machen werden und dass es ein Geschenk ist. Auch die nächsten Untersuchungen waren super und ich fühlte mich einfach nur toll. Ich ging ganz normal weiter arbeiten und ab dem 5. Monat sah man auch endlich einen schönen Babybauch.

Dann gab es diese eine Routineuntersuchung bei unserer Frauenärztin. Sie hielt sich beim Ultraschall relativ lang an einem Zwilling auf und bat uns danach noch zum Gespräch. Auf einmal sagte sie Dinge wie „Mir ist etwas im Ultraschall aufgefallen, was ich gerne von der Feindiagnostik abklären lassen würde. Etwas scheint mit den Beinen und den Nieren nicht zu stimmen.“

Der mächste freie Termin bei einem Feindiagnostiker war zwei Wochen später. Zwei Wochen lief ich wie ferngesteuert herum - trotzdem blieben wir positiv und haben immer gesagt, dass die Medizin heute so weit ist und wir das alles gut hinbekommen werden.

Der Termin beim Feindiagnostiker war das schlimmste, was ich bis dahin in meinem Leben ertragen habe. Der Arzt zählte fast eine Stunde lang die verschiedensten Fehlbildungen an unserem kleinen Zwerg auf. Unser Kind sei schwerstbehindert. Ich weinte schon bei der Untersuchung auf der Liege und konnte mich kaum noch beruhigen.

 Der Arzt empfahl uns, dass wir uns eine zweite Meinung einholen sollen, da dieses Thema weitreichende Entscheidungen von uns abverlangt. Es gab aber auch eine gute Nachricht an diesem schrecklichen Tag: Der zweite Zwilling war vollkommen gesund. 

Wir vereinbarten einen zweiten Termin bei einem anderen Pränatalmediziner mit sehr guten Ruf und jahrelanger Erfahrung. Es hieß wieder warten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich irgendwie emotional von meinen Babys in meinem Bauch entfernt. Diese Diagnose hat mich so überrumpelt, dass ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll.

Ich konnte es nicht fassen, dass meine bisher so unkomplizierte Schwangerschaft sich so radikal verändert hatte. Zum einen waren da die unglaublichen Sorgen, zum anderen sitzt man nur noch bei Ärzten und fühlt sich wie ein Versuchskaninchen. 

Der Besuch beim zweiten Spezialisten ergab leider die gleichen Ergebnisse wie die erste Untersuchung. Und dann kam zum ersten Mal dieses Wort auf: selektiver Fetozid.

Unser Arzt sprach das Thema einmal an, um uns auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Danach sollten wir ihn aktiv ansprechen, sollten wir diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Die Vorstellung, ein Baby zu verlieren, war für uns die Hölle. Nur noch ein Baby statt zwei? Wir bekommen doch Zwillinge. Das war mittlerweile fest in unseren Köpfen verankert.

Uns wurde empfohlen eine Humangenetikerin mit einzubeziehen, um herauszufinden, ob ein genetischer Defekt vorliegt. Wir stimmten zu. Mir wurde Fruchtwasser entnommen. Es kam nichts bei den Untersuchungen heraus. Es lag kein genetischer Defekt vor. Nicht, dass ich mir das gewünscht hätte, aber so war es noch schwieriger zu verstehen, warum unser kleiner Zwerg so krank war. Wochenlang waren wir bei Ärzten und Beratern. Vor jedem Arztbesuch hoffte ich insgeheim, dass jemand sagt, dass alles nur ein Irrtum gewesen ist. Dass alle Fehlbildungen weg sind und sich alles zum Guten wendet. Aber niemand sagte uns so etwas.

Wir fuhren über Weihnachten zu unseren Familien und versuchten etwas Abstand zu gewinnen. Danach haben wir beide noch einmal über alles gesprochen und eine Entscheidung getroffen.

Wir haben uns für den selektiven Fetozid entschieden. Ich kann mich an dieses Wort immer noch nicht gewöhnen. Es klingt so medizinisch. Wir teilten unserem Arzt unsere Entscheidung mit. Er besprach unseren Fall vor einer Ethikkommission , die aus mehreren anderen Ärzten besteht. Sie stimmten dem Eingriff zu.

Der Eingriff kann erst ab der 32. Woche vorgenommen werden, da Risiken für eine Frühgeburt des anderen Kindes zu hoch ist. Die Gesundheit des zweiten Zwillings stand immer im Fokus. Das Warten bis zum Eingriff war unerträglich. Nebenbei schwingt immer die Angst mit, dass mit dem gesunden Kind auch noch irgendwas passieren könnte.

Vor zwei Wochen war es dann soweit. Wir fuhren zusammen in die Klinik, der Eingriff sollte am nächsten Morgen stattfinden. Mein Freund durfte im Krankenhaus schlafen, so fühlte ich mich nicht ganz alleine.

Unser Arzt, der uns nun bereits seit einigen Wochen betreut hatte, führte den Eingriff selber durch. Er begrüßte mich, nahm meine Hand und fragte, mich wie es mir geht und ob ich es immer noch will. Er hatte ein ganz liebes mitfühlendes Gesicht und nahm mir die Angst. Auch für ihn war dies kein leichter Tag. Das habe ich ihm angesehen. Der Eingriff selber dauerte nicht lang. Weder mein Baby noch ich verspürten irgendwelche Schmerzen. Dann hörte sein Herz auf zu schlagen.

Vielleicht klingt das komisch, aber ich konnte nicht weinen.

Wir hatten uns solange auf diesen Tag vorbereitet und uns auch stets psychologisch betreuen lassen. In den letzten Wochen hatten auch wir angefangen, uns auf unser gesundes Kind zu konzentrieren. Wir wollten uns darüber freuen, dass wir bei all dem Leid, das uns widerfährt, am Ende ein gesundes Baby in den Armen halten werden.

Aber es ist unglaublich schwer, Babysachen zu kaufen, das Kinderzimmer einzurichten und sich wieder positiv auf seine Schwangerschaft einzustellen, wenn man so eine emotionale Last erfährt.

Ich weiß, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht. Die Geburt wird ein Wechselbad zwischen Trauer und Freude. Ein Kind wird bei uns bleiben, eins nicht. Wir wollen auch das, das schon von uns gegangen ist, nach der Geburt sehen und uns von ihm verabschieden.

Niemand bereitet einen auf so ein Schicksal vor. Ich hätte nie gedacht, einmal so eine Entscheidung treffen zu müssen. Es zerreißt mir das Herz.

Unser kleiner Zwerg wird für immer in unseren Herzen bleiben. Und ich werde ihn immer sehen, wenn ich unseren anderen Zwerg anschauen werde.

Ich wünsche mir, dass dieses Thema öffentlich diskutiert werden kann und andere betroffene Eltern eine Plattform finden, um darüber zu reden. Man hat das Gefühl, dass das Thema noch sehr hinter verschlossenen Türen abläuft und man sich als Eltern irgendwie schlecht fühlen muss, wenn man diese Entscheidung getroffen hat. Ich hoffe, dass mein Beitrag dazu beiträgt das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu rücken.

Zum Weiterlesen:

Gastbeitrag von Aylin: Meine Reise mit Johanna - wie ich von meinem Kind Abschied nahm

Gastbeitrag von Katharina: Warum wir uns nach der Geburt unseres Sohnes mit Down-Syndrom für ein weiteres Kind entschieden haben

Tags: Zwillinge, Bauch, schwanger, Abbruch, Arzt

Das könnte dich auch interessieren...

Kommentare

Ines — Di, 02/28/2017 - 07:38

Liebe Judith, Deine - Eure Geschichte hat mich sehr bewegt. Ich will gar nicht viel schreiben, denn als Unbetroffe kann man da einfach nicht mit reden. Ich möchte Euch nur viel Kraft wünschen und alles Gute für die Geburt und die hoffentlich schöne Zeit, die mit Euren Kind auf euch wartet. Alles alles Liebe Grüße Ines

Eva — Di, 02/28/2017 - 09:00

Liebe Judith, wir mussten unsere kleine Tochter im letzten Jahr, einen Tag nach der Geburt gehen lassen. Völlig unerwartet. Aber ich denke, man ist nie auf den Tod seines Kindes vorbereitet. Ich wünsche euch viel Kraft und liebe Menschen an eurer Seite, die euch helfen, das kaum Aushaltbare auszuhalten. Und einen fröhlichen, gesunden kleinen Zwerg, der euer totes Kind niemals ersetzen, aber dir bei all der Trauer hin und wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird. Alles Liebe Eva

Lu — Di, 02/28/2017 - 09:58

Liebe Judith, deine Zeilen haben mich sehr berührt. Ich fühle mit dir. Vor etwa einem Jahr musste ich ebenfalls einige Wochen lang mit der Vorstellung leben, dass nur eines meiner Zwillinge lebend zur Welt kommen könnte. Vorausgesetzt, die Schwangerschaft verläuft einigermaßen stabil. ...Es gab im Vorfeld viele Komplikationen, dann kam es in der 19. SSW zum Blasensprund eines der Zwillinge. Ab da war klar - nur ein Kind hat die Chance, sich normal zu entwickeln, zu leben. Die Vorstellung war grausam. Ich wusste, dass ich mein Baby immer vermissen werde, dass unsere Familie nie mehr komplett sein wird. Und zugleich hatte ich so sehr gehofft, zumindest ein gesundes Kind im Arm halten zu dürfen. Leider kam es noch kurz vor der Lebensfähigkeit zu einer spontanen Geburt und wir mussten beide gehen lassen... Das Leben kann grausam sein und man ist auf so etwas nie vorbereitet. Ich wünsche euch viel Kraft für die bevorstehende Zeit und viel Freude mit eurem Zwerg. Und nehmt euch Zeit, um euch von dem verstorbenen Zwerg zu verabschieden. Der Gedanke, uns richtig verabschiedet zu haben und alles richtig gemacht zu haben in dieser kurzen Zeit, die wir hatten, hat uns bei der Trauerbewältigung sehr geholfen. Liebe Grüße

Steffi — Di, 02/28/2017 - 10:03

Ich bin immer noch betroffen, dass es in Deutschland erlaubt ist, nach der 12. Woche lebensfähige Menschen zu töten. V.a. wenn man viele behinderte Menschen kennt. Daneben bin ich als Psychologin überzeugt, dass so eine Entscheidung schwerer zu ertragen ist, als mit einem behinderten Kind zu leben. Kenne auch einige Paare, die ein nicht lebensfähiges Kind ausgetragen haben, das nur wenige Minuten gelebt hat. Diese hatten massive Widerstände zu überwinden, um ihre Entscheidung durchsetzen zu können und adäquat während der Schwangerschaft betreut zu werden. Ich hoffe sehr, dass ihr ganz viel Freude an eurem gesunden Kind haben werdet und eure Entscheidung gut tragen könnt!

Barbara — Di, 02/28/2017 - 11:21

...sagen, dass mich dein Beitrag sehr berührt hat. Ich wünsche Euch alle Kraft der Welt und ein großes Glücksgefühl, wenn Ihr Euer Kind im Arm haltet. Ich musste vor meinem Sohn zwei Kinder durch Fehlgeburten gehen lassen. Die Würmchen werden aber immer in meinem Herzen bleiben und so wird das bei Euch auch sein. Alles alles Gute für Euch!!!

Nadine — Mo, 02/05/2018 - 13:47

Hallo LEIDER kann ich alles sehr gut nachvollziehen ,weil ich mich in der selben Lage befinde. Habe am 05.03 den o.g. Termin. Es geht kein Tag vorrüber an den ich nicht dran denke was der richtige Weg für uns ist. Danke für das was du geschrieben hast.Fühle und denke genauso. Habe heute ein erstes Beratungsgespräch und nach ein paar Anfeindungen von Familie und einer Ärztin fällt es mir noch schwerer darüber zu reden. Lg

Anonym — Mo, 04/23/2018 - 22:29

Hallo Judith, hallo Nadine, Bin in derselben Situation wie ihr. Könnt ihr mir sagen, wie die Geburt abläuft? Kann man normal gebären oder muss ein Kaiserschnitt gemacht werden? Habt ihr euch von dem kranken Zwilling verabschiedet? Habt ihr es beerdigen lassen? Liebe Grüße

Janine T — Di, 01/08/2019 - 17:15

Hallo Ich weis, Sie werden das schlimmste schon hinter sich haben und ich hoffe das für Sie mittlerweile leichter geworden ist und Sie ein gesundes Baby haben oder bekommen werden! Darf ich fragen ob Sie den selektiven Fetozid durchführen ließen? In welcher Woche? Hat es der zweite Zwilling gut überstanden? Wie ist es abgelaufen? Ich weis es ist schmerzhaft, mir steht es nächste Woche bevor in der 15ten Schwangerschaftswoche und ich habe Angst! Über eine Antwort würde ich mich freuen Mit freundlichen Grüßen Janine

Nadine M. — Di, 05/22/2018 - 22:41

Hallo, ich bin in genau der gleichen grausamen Situation und fühle mich total alleine gelassen von den Ärzten. Ein Zwilling hat das DiGeorge-Syndrom mit auffälligem Herzfehler. Vielleicht kann sich eine Mit-Betroffene mit mir in Verbindung setzen. Ich bin verzweifelt und fühl mich von den Ärzten nicht richtig aufgeklärt zum Thema „selektiver Fetozid“.

Janine T — Di, 01/08/2019 - 17:07

Hallo Ich habe Deinen Bericht gelesen und erstmal tut es mir leid was Ihr alles durchmachen musstet! Es ist schrecklich in so einer Situation zu stecken! Weihnachten letzten Jahres war es bei mir und meinem Mann genauso und nichts war mehr wie zuvor! Warum wir? Warum nicht nur ein Gendefekt sondern auch noch Organ und doppelter Herzfehler ebenso überall Wasser bei einem Zwilling! Wir müssen auch einen Zwilling gehen lassen, habe fürchterliche Angst davor! Aber bei mir soll es in der 15 ten Schwangerschaftswoche gemacht werden! Die wollen nicht bis zur 32 ten warten! Wieso haben die Ärzte Euch geraten solange zu warten? Mir haben sie gesagt es wäre ungefährlich je früher umso besser! Meine beiden haben aber auch zwei Plazentas und beide sind einzeln für sich in Fruchthöhlen! Trotzdem habe ich Angst vor diesem Termin und überlege ob ich nicht auch warten soll bis das gesunde Baby zur Not als Frühchen zur Welt kommen kann! Gruß Janine

Ela — Di, 02/12/2019 - 21:27

Hallo, leider zu spät gelesen. Ich hoffe du und das andere Baby haben den Eingriff gut überstanden. Bei uns wurde der Eingriff in der 30.ten Woche gemacht, damit das gesunde Baby im Falle einer Frühgeburt gute Überlebenschancen hat. Es ist Gott sei dank alles gut gegangen. In der 36ten SSW ist dann die Fruchtblase geplatzt und ich konnte die Babys auf natürlichem Wege gebären.

Paola — So, 03/17/2019 - 10:19

Hallo zusammen, bin aktuell in der 34.ssw und ein Zwilling ist schwer krank. Bei mir steht der Eingriff auch im Raum. Ich weis aber nicht ob ich so etwas mein Leben lang mit mir tragen werde und es bereuen werde. Wie ist es euch während dem Eingriff und danach ergangen? Wie war es nach der Entbindung, als ihr das Kind gesehen habt ? Der Schmerz und die Trauer ist so stark, dass ich mir am liebsten das Leben nehmen würde, um mich von diesem Schmerz zu erlösen. Bloß was bringt mir das? Ich hab ein gesundes Kind zuhause und den Zwilling, die mich brauchen! Ich habe wirklich Angst noch mein Verstand zu verlieren. Was soll ich tun?! Alles hinnehmen wie es ist. Die Entscheidung fällt mir umso schwerer, wenn ich Mütter sehe, die sich einfach aufgeben und für ihre Schwerstbehinderte Kinder kümmern wie sich das eig „gehört“ ? ! Bin ich ein Egoist, wenn ich sage: „ich schaff das nicht, ich kann mein Kind nich quälen sehen. Ich will noch arbeiten gehen für mich etwas erreichen, nicht gebunden sein für den Rest meines Lebens?!“ es wundert mich, dass doch mehrere betroffen sind als ich es gedacht habe, bitte schreibt mir wie ist es Euch danach ergangen. Lg

Gast — Sa, 03/23/2019 - 23:15

Hallo, dass tut mir sehr leid, dass du dich auch in so einer Situation befindest. Bei mir wurde der Eingriff in der 30.Ssw gemacht. Der Eingriff an sich war nicht schlimm, aber psychisch war es natürlich sehr hart. Ich denke schon noch oft an den Zwilling, aber ich bereue es auch nicht. Ich denke, dass es auch nicht egoistisch von Dir ist. Du tust es für den kranken Zwilling, damit dieser nicht leiden musst. Aber auch für deine Familie, die sonst ja auch ziemlich zurück stecken müsste. Du kannst mich gerne privat anschreiben: mschmidt804@web.de

Schwangere Frau — Di, 06/25/2019 - 15:02

Ich bin so froh, auf diesen Beitrag gestoßen zu sein! Man findet ja sonst nichts zu diesem Thema im Internet und wenn, dann nur medizinische Abhandlungen. Ich bin in der 14. SSW mit Zwillingen, einer davon hat Trisomie 21, einen Herzfehler und Fehlbildungen der inneren Organe. Mein Mann und ich haben uns auch zum selektiven Fetozid entschieden. Meiner Mutter haben wir davon erzählt. Sie sagt zwar, sie verstehe es, aber ich spüre auch, dass sie es nicht gut findet. Habt ihr anderen davon erzählt? Den Termin des Abbruchs haben wir morgen. Ich hoffe, dass alles gut geht und ich mich dann doch bald auf meinen Nachwuchs - auch wenn es nur einer ist - freuen kann.

Gast — Do, 06/27/2019 - 20:08

Hallo, ich hoffe bei dir/ euch ist alles gut gegangen??? Wir hatten dem engsten Kreis davon erzählt, und eigentlich standen schon alle hinter uns und konnten uns verstehen. Ich denke die meisten würden sich in so einer Situation auch so entscheiden. Und wenn man nicht in so einer Situation war, kann man das auch gar nicht beurteilen! Liebe Grüße

Thorben Meyer — Mi, 07/10/2019 - 01:00

Nach der 30 Woche wäre eine Frühgeburt (in diesem Fall wäre durch den anderen Zwilling evtl. ein noch späterer Zeitpunkt sinnvoll) und dann folgende Freigabe zur Adoption problemlos möglich. Die Folgen für die Eltern und bereits existierenden Geschwisterkinder wären exakt dieselben. Dennoch entscheidet sich praktisch niemand so, auch wenn es keinen Grund dafür gibt.

CBa — Do, 09/05/2019 - 10:50

Wir hatten einen ganz ähnlichen Fall, haben uns allerdings für das Kind entschieden. Unser einer Sohn kam lebendig zur Welt, obwohl die Wahrscheinlichkeit bei 97% lag, dass er die Geburt nicht überleben würde. Wir konnten ihn zwei Tage bei uns haben und in den Armen halten, bevor er wieder von uns ging. Da er offiziell “nicht lebensfähig” war, konnten wir entscheiden, dass er nur Palliativ betreut werden sollte (Sauerstoff und im Falle von Schmerzen Schmerzmittel). Er wurde also nicht einmal gepiekst oder an irgendwelche Geräte angeschlossen. Er hat sein ganzes Leben in den Armen seiner Eltern, Geschwister und GroßEltern verbracht und ist letztlich ganz ruhig in Mamas Armen eingeschlafen. Unseren anderen Sohn haben wir noch heute völlig gesund bei uns. Er wird bald zwei Jahre alt! Wir sind sehr zufrieden mit unserem Weg. Es war ein harter Weg, aber sein Kind im Mutterleib töten zu lassen ist sicherlich nicht leichter. Wir für uns haben entschieden, nicht aktiv in das Leben unserer Kinder einzugreifen. Wir wollten das Leben des gesunden Kindes natürlich nicht riskieren. Und einen wichtigen Gedanken haben wir noch von unserer Psychologin mit auf den Weg bekommen, der uns nicht losgelassen hat: Was erzählen Sie später ihren anderen Kindern und dem gesunden Zwilling? Sollen Ihre Kinder durchs Leben gehen in dem Wissen, dass Mama und Papa sie nicht bekommen hätten, wären sie behindert gewesen? Diese ganze Entscheidungsfindung ist nicht leicht und heute wünsche ich mir fast, wir hätten alles erst bei der Geburt erfahren (fast!). Aber ich muss sagen, so schwierig es war, nicht zu wissen, ob beide Kinder lebendig zur Welt kommen würden und so schwer es war, den Einen wieder hergeben zu müssen und das eigene Kind beerdigen zu müssen - es war so unendlich schön, ihn wenigstens kurz bei uns zu haben. Nicht ein einziges Mal haben wir mit unserer Entscheidung gehadert oder uns Gedanken darüber gemacht, was gewesen wäre, wenn.

Janine T — So, 10/06/2019 - 06:28

Hallo Ich habe letztes Jahr und in diesem Jahr einmal geschrieben da bei mir ein selektiver Fetozid in der 15ten Woche gemacht werden sollte! In der entsprechenden Klinik wurde uns aber dann abgeraten und auch gesagt wartet bis zur 32ten Woche das ist sicherer! Genau das wollten wir auch tun, unsere kleine Mia, so sollte sie heißen, hatte Trisomie 21, Herzfehler, Wasser überall und Organschäden! Die kleine Maus hat sich von alleine entschieden von uns zu gehen und ist in der 18ten Woche gestorben! Ihr Bruder hat sich prächtig entwickelt und ist jetzt 2,5 Monate alt! Wir haben eine Rose für sie gepflanzt und werden sie nie vergessen! Bei der Geburt war laut Ärzten nichts mehr von Ihr zu sehen, bis zum neunten Monat konnte man sie noch klein auf dem Ultraschall erkennen! Ich bin froh das ich den Eingriff nicht machen musste und ein paar Monate Zeit hatte Abschied zu nehmen auch wenn es hart war immer ein totes Baby zu sehen neben dem wachsenden Geschwisterchen! Liebe Grüße Janine

Andrea — Mi, 11/20/2019 - 12:31

Auch ich bin sprachlos, wie viele von dieser Situation betroffen sind. Auch wir standen, vor 15 Jahren, vor dieser Entscheidung. Erfahren haben wir, daß ein Zwilling schwerstbehidert nicht lebensfähig (Trisomie 18 Mosaik) in der 24 ssw,morgens um 8 Uhr am Telefon. Für mich brach eine Welt zusammen in diesem Moment! Auf meine Frage, und jetzt...? Mehr fiel mir nicht ein. Sagte der Arzt... das ist garnicht so dramatisch... ich höre diese Worte, noch wie heute... Man kann, den kranken Zwilling mit einer Spritze, ins Herz abtöten.. er verbleibt dann dort, bis zur Geburt des gesunden Kindes! Alles um mich herum brach zusammen. Ich sollte am nächsten Tag, ins kkh kommen, um Blut aus der Nabelschnur zu entnehmen. Vor der Punktion, sprachen wir mit dem Arzt, das wir uns quasi schon gegen einen Fetozid entschieden hätten, er beschimpfte uns schon fast.. das es unverantwortlich von uns wäre, so ein Kind, zu bekommen, und das wir dankbar sein sollten, ein gesundes Kind bekommen zu können! Danach folgte die Punktion. Ich traute mich nicht, zu Atemen, weil ich Angst hatte, das er falsch sticht, während dessen, sagte er zur anwesenden Schwester, ich punktiere das Herz, in diesem Moment, ist ein Teil von mir gestorben,und ich dachte auch mein Kind wäre jetzt Tod. Aber es lebte noch,. Dieser Arzt, wollte verhindern, dass wir ein behindertes Kind in die Welt setzen, er wollte unser Baby gegen unseren Willen, ins Herz stechen! Der Befund der Trisomie, wurde dann nochmals bestätigt. Aber niemals hätten wir damit leben können, unser Kind töten zu lassen, das kleine Wesen, sollte selbst entscheiden dürfen, wann es von uns geht! Ich wollte mein Kind, mit eigenem Augen sehen, und uns verabschieden. Der Rest der Schwangerschaft war einfach nur noch schrecklich für mich, keine Freude, nur Angst, vor dem was kam. In der 34 Woche, Blasensprung, vom nicht lebensfähigigem Kind, Kaiserschnitt wurde sofort eingeleitet. Ich wollte umbedingt Rückenmarksnarkose, weil ich große Angst hatte, nicht zu sehen, wie meine Kinder auf die Welt kommen! Und dann geschah das, unfassbare! Das erste Kind (das kranke) kam auf die Welt, war rosig, und schrie, dann das zweite,. Nach kurzer Untersuchung der Kinder, stand fest, wir hatten zwei gesunde Babys! Ein paar Tage später, wurden 3 kleine Löcher im Herz des, eigentlich kranken Babys festgestellt, die aber nicht behandelt werden mussten, und sich von alleine geschlossen haben.4 kleine Narben auf der Brust, meines heute 14 jährigem Kind, erinnern immer wieder daran! Bei all dem habe ich nie Psychologische Hilfe bekommen. Bis heute, begleitet mich dieses Trauma.!

Neuen Kommentar schreiben