Refertilisierung nach unfreiwilliger Sterilisation: „Endlich wieder Frau“

Sterilisation

Foto: pixabay

Ihr Lieben, die Geschichte von Vera hat euch sehr bewegt, so viele Kommentare und Nachrichten habt ihr geschrieben, nachdem sie erzählt hatte, wie sie im Rausch der dritten, schwierigen Geburt in eine Sterilisation einwilligte, obwohl sie die gar nicht wollte. Sie wünschte sich so sehr, sie hätte Nein gesagt. Oder ihr Mann hätte sie in diesem Moment geschützt. Aber dem war nicht so. Nun gibt es jedoch ein Update. Vera hat so sehr gelitten in der Zeit nach dem Eingriff, dass sie nun noch einmal eine OP gehabt hat: die der Refertilisierung.

Liebe Vera, in deinem letzten Interview hast du erzählt, wie sehr du nach der dritten Geburt überrumpelt warst, dass man dir eine Sterilisation nahelegte. Diese wurde dann auch tatsächlich durchgeführt, du hast es „die schlimmste Entscheidung meines Lebens“ genannt. Du warst durch die komplizierte Geburt einfach nicht ganz bei Sinnen. Wie lang ist das jetzt her?

Mein dritter Sohn wurde 2020 geboren, er ist jetzt knapp zweieinhalb Jahre alt.

Du hast dann sehr gelitten, weil du zwar schon drei Kinder hast, aber gern noch eines hättest. Beschreib uns mal die Phasen der Trauer und Wut nach dem Eingriff.

Mir ist ganz wichtig, zu betonen, dass es mir nicht nur um ein mögliches viertes Kind geht. Die meisten Frauen, die unglücklich mit ihrer Sterilisation sind, wollen nämlich unbedingt noch ein Kind. Ich bin da eher die Ausnahme. Ich habe noch im Klinikum gedacht: „Was hast du getan?“

Ich hatte ein absolut gestörtes Verhältnis zu meinem Körper. Ich habe mich nicht mehr als vollwertige Frau gesehen. Ich hätte das nie für mich möglich gehalten, da man das ja von außen nicht sieht. Aber ich fühlte mich unattraktiv, unvollkommen und unweiblich. Ich habe dann eine verspätete Wochenbett-Depression gehabt und wirklich viel geweint. Ich fühlte mich leer, mich hat auch niemand verstanden. Es waren alle der Meinung, „das wären die Hormone“ und ich würde meine Meinung schon noch ändern.

Es war ja auch das erste Corona-Jahr mit dem ersten Lockdown. Ich konnte mich daher auch nicht mal eben mit ner Freundin treffen oder so. Ich fühlte mich unglaublich allein mit dem Thema. Na ja und dann habe ich gegoogelt und bei Facebook plötzlich Gruppen zu dem Thema gefunden. Und da traf ich auf Frauen, denen es genauso ging. Ich habe mich ausgetauscht und wusste dann schnell, in welche Richtung es für mich gehen sollte… in Richtung Refertilisierung.

Du hast auch deinem Mann große Vorwürfe gemacht, dass er dich nicht geschützt hat in dem Moment, dass er den Eingriff nicht verhindert hat, wie geht es euch heute als Paar?

Durchwachsen. Er hat meine Pläne mit der OP unterstützt, weil er wusste, dass das sehr wichtig ist für mich. Unsere Ehe hat aber leider sehr gelitten in den letzten zweieinhalb Jahren. Er hofft, dass es mir nach dem Eingriff wieder besser geht und es wieder so wird wie früher.

Ich muss mal sehen, was das Ganze so mit mir gemacht hat. Wir haben drei Kinder und sind fast 19 Jahre zusammen… Das ist ne lange Zeit. Dennoch muss ich da noch sehr in mich reinhorchen, weil ich jetzt zwei Jahre lang emotional echt durch die Hölle gegangen bin und noch nicht weiß, was das für Spuren hinterlassen hat bei mir.

Nun hast du gerade deine Refertilisierungs-OP hinter dir. Du hast im Austausch mit anderen Frauen davon erfahren, wann genau war das?

Ich habe – direkt als ich gehört habe, dass eine Refertilisierung unter Umständen möglich ist – beschlossen, dass ich eine haben will. Das war etwa sechs Wochen nach der Steri. Es war halt Corona, ich musste einen Arzt finden (das war das Schwierigste), hatte ein Stillbaby und die OP ist auch eine Privatleistung. Das Geld saß nach der Pandemie-Zeit (wir sind Selbständige und saßen beide Monate im Lockdown) auch nicht so locker. Deshalb habe ich überhaupt so lange gewartet.

Wie hast du dich dann gefühlt, als klar war: Ja, wir werden alles wiederherstellen, wir können da helfen…

Das war natürlich eine Erleichterung. Ich hätte es am liebsten gleich gemacht. Aber das ging halt nicht aus den oben genannten Gründen. Außerdem ist so etwas bis zur letzten Minute spannend. Oft sieht der operierende Arzt erst während der OP, ob es reparabel ist oder nicht.

Wie geht es dir nun körperlich nach dem Eingriff?

Ganz ok. Ich habe den Eingriff im Urlaub machen lassen – ambulant und laparoskopisch (das heißt: keine offene OP, es sind nur kleine Hautschnitte nötig). Ich wollte keinen großen Bauchschnitt mehr. Der Eingriff ist jetzt sechs Tage her, gestern bin ich heimgekommen. Die lange Autofahrt mit viel Sitzen war etwas anstrengend. Heute habe ich periodenartige Schmerzen. Aber ich hab heute auch viel Wäsche gewaschen, eingekauft und mich nicht so geschont, wie es sein sollte. Insgesamt hatte ich es mir sehr viel schmerzhafter vorgestellt.

Wie geht es dir psychisch, jetzt, da deine Leidensgeschichte doch vielleicht noch ein Happy End nehmen kann?

Gut. Es muss sich aber erstmal setzen. Wir haben im Urlaub ja Programm für die Kids gemacht. Gestern zu Hause liefen mal ein paar Tränen. Ich fühl mich jedenfalls jetzt schon besser… Was für mich auch noch spannend wird, ist, wie sich das Ganze auf meinen Zyklus auswirkt. Ich hatte durch die Steri massive Blutungen und Zyklusschwankungen, die sich auch sehr auf die Psyche ausgewirkt haben. Ich hoffe sehr, dass das alles nun vorbei ist.

Wie lang wird die Heilung jetzt dauern, kann man das sagen?

Ich darf laut Empfehlung des Arztes jetzt zwei Wochen nicht baden/schwimmen und keinen Sex haben. Drei Monate lang darf ich nicht schwanger werden, damit der Körper zur Ruhe kommen kann.
Dann ist alles gut… Durch das laparoskopische Vorgehen hat man ja auch von außen kaum Verletzungen, das finde ich sehr angenehm!

Wo siehst du dich in drei Jahren?

Gute Frage. Ich hoffe, nach wie vor in unserem schönen Haus als Familie und als wieder glückliche Frau, Mutter und Geschäftsfrau. Ich hoffe sehr, dass ich diese schwierige Zeit dann hinter mir gelassen habe und wieder fröhlich bin.


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2 comments

  1. Mir stellt sich die gleiche Frage wie Chris!? Ich wünsche Vera dass sie wieder findet was ihr “ fehlt“. Allerdings klingt der Beitrag eher so, als wäre noch mehr im Argen bzw die Sterilisation nicht ( nur) die einzige Ursache für die Unzufriedenheit???
    Und bitte liebe Frauen, die Fruchtbarkeit ist NICHT das ( Einzige), was uns weiblich/ zur Frau macht!!! Wir sind viel mehr! Das ist nicht wertend gemeint nur bitte mal das große Ganze sehen statt sich im “ Kleinen“ zu verzetteln. Das gibt oft wieder die richtige Perspektive.

  2. Liebe Vera, du schreibst, du hattest durch die Steri massive Blutungen und Zyklusschwankungen. Soweit ich gehört habe, werden doch aber bei einer Steri lediglich die Eileiter durchtrennt, ist das richtig? Die Eierstöcke bleiben doch drin, d.h. die Hormonproduktion läuft ganz normal weiter und damit auch die Eizellreifung usw? Deine Probleme können demnach doch gar nicht durch die Steri ausgelöst worden sein?
    Für mich, die mit Anfang 40 (ohne Steri) von ähnlichen Problemen betroffen ist, kommen da eher die ersten Vorboten der Wechseljahre in den Sinn. Vielleicht solltest du mal in diese Richtung denken?

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