Nach langjähriger Beziehung: „So haben wir uns neu ineinander verliebt“

Liebes-Comback

Foto: pixabay

Ihr Lieben, habt ihr auch das Gefühl, dass in Coronazeiten recht viele Beziehungen auseinander gegangen sind? Unserer Leserin Ariane wäre das auch fast passiert, denn nach 20 Jahren Beziehung und Arbeit und Homeschool-Überforderung lebte sie eher neben ihrem Mann her als mit ihm. Sie hat dann aber die Reißleine gezogen und gesagt: So nicht! Wir arbeiten jetzt daran – und entdecken uns einfach nochmal neu. So viel können wir vorab verraten: Es hat geklappt!

Liebe Ariane, du bist seit über 20 Jahren verheiratet und in diesem Jahr hast du gemerkt: Irgendwie ist bei uns grad alles zum Einschlafen. Wie genau hat sich das bemerkbar gemacht?

Wir sind eben nur noch nebeneinander eingeschlafen, aber nicht mehr miteinander eingeschlafen. Jeder hat in seinem Buch gelesen und dann „Licht“ aus. Wir haben uns nicht mehr füreinander interessiert und oft wegen Kleinigkeiten gestritten.

Du sagst, ihr habt euch beide nochmal „einen Riesen-Arschtritt“ gegeben. Wie habt ihr das gemacht? So nach dem Motto: „Schatz, wir müssen reden?“

Nein, es war eher per Zufall! Ich habe gemerkt, dass immer wieder der Name einer anderen Frau erwähnt wurde. Das hat mich hellhörig werden lassen und ich wurde eifersüchtig. Ja, diese Frau zeigte offensichtlich Interesse an meinen Mann und auch wenn sich letztlich rausstellte, dass dem nicht so war. So hat es doch etwas gebracht. Denn ich habe meine Ängste ganz offen angesprochen und mir bzw. uns wurde klar, dass wir ganz, ganz lange nicht mehr miteinander geredet haben. Es folgten viele Intensive Gespräche, abseits der Kinder, wenn wir Ruhe hatten. 

Ihr habt euch beraten lassen, belesen, Podcasts gehört, euch informiert – wo genau und was hat euch da am meisten geholfen?

Ich habe zuerst angefangen zu hinterfragen, was los ist und mir überlegt, wie wir oder besser ich den ersten Schritt machen kann, um da wieder rauszukommen. Ich habe nach Büchern und eben auch Podcasts (z.B. Eine Stunde Liebe oder den 1LIVE Intimbereich) gesucht, welche genau diese „Themen“ der Langzeitbeziehungen angegangen sind. Da habe ich erst wirklich bemerkt, dass wir nicht alleine sind und es gute und hilfreiche Unterstützung gibt. 

Ihr habt dann viel „Beziehungspflege gemacht“. Wie genau können wir uns das vorstellen?

Wir haben uns ein paar „Pärchen-Kartenspiele“ besorgt, also jetzt keine erotischen (na gut, die auch, aber die liegen noch immer im Schrank), sondern eher allgemeine. Mit Hilfe dieser Karten bzw. Fragen auf den Karten haben wir Dinge voneinander erfahren, die wir voneinander nicht wussten, die wir so noch nie angesprochen hatten.  

Wir sind dann öfter ins Kino gegangen oder haben beschlossen, ab und zu einfach mal eine Nacht ins Hotel zu gehen, das machen wir jetzt seit mehreren Monaten so. Eben nicht als Mama und Papa, sondern als Paar. Zudem gibt es eine neue Bettdecke – nämlich nur eine für uns beide. Dadurch schlafen wir enger beieinander ein und tragen mit dazu bei, dass es dem anderen auch warm genug ist. Wir haben uns nämlich seit einiger Zeit angewöhnt, nur noch nackt zu schlafen. Dieser enge Körperkontakt tut so gut….

Außerdem treffen wir uns jetzt immer öfter in der Mensa zu Mittag, wir arbeiten beide in derselben Einrichtung, aber nicht in derselben Abteilung. So bietet es sich an, ab und an die Mittagspause zusammen zu verbringen und sich ein paar „Nettigkeiten“ zuzuflüstern, was man am Abend so geplant hat… Wir haben uns einfach mal das Recht rausgenommen, uns Zeit nur für uns zu nehmen, darauf haben wir sehr, sehr lange verzichtet. 

Warum, meinst du, war das in der Zeit zuvor so sehr eingeschlafen? Der Alltag? Die Herausforderungen? Corona? Eure drei Kinder?

Es wurde einfach zu selbstverständlich. Man wusste ja, was man hat! Und ja, Corona aber auch unsere Kinder haben da eine Rolle gespielt. Es fehlte das Knistern, die Vorfreude, die Lust auf den anderen. Ich war nur noch kaputt, die Belastung des Homeschoolings während wir beide parallel arbeiteten (das ging nicht anders, weil wir im Gesundheitssystem arbeiten). Es war einfach keine Zeit mehr…

Du findest, es wird zu sehr ein Geheimnis draus gemacht, du hattest schon auch manchmal das Gefühl, allein mit dem Gefühl zu sein, mehr zu wollen, als das, was du in dieser Beziehung hattest…

Ja, ich hatte eben das Gefühl, dass da nichts Neues mehr kommt, eben auch im Bett. Und genau das war der Knackpunkt, es war mir nicht mehr genug. Ich habe meinen Mann ganz offen darauf angesprochen, denn mir war klar, wir beide können da nur als Sieger rausgehen. Es stellte sich heraus, dass es ihm genau so ging. Im Freundeskreis haben wir immer öfter von Trennungen etc. gehört, dies hat uns total geschockt und Angst gemacht, gleichzeitig haben wir immer gesagt, dass uns so etwas nicht passieren kann… aber sicher waren wir uns da nicht. 

Mit den Veränderungen wurde dir klar: Frauen sollten viel offener zu ihren Bedürfnissen stehen und sie zum Ausdruck bringen. Wie können sie das tun? Wenn sich nach über 20 Jahren alles eingespielt hat, ist es doch vermutlich schwierig auszudrücken, dass die Wünsche vielleicht ganz andere sind?

Genau dabei hat mir ein Buch sehr geholfen: Keep ist Coming: Guter Sex ist Übungssache von Dania Schiftan. Ich bin eigentlich kein Freund von Ratgebern, aber diesen habe ich verschlungen und mich und meinen Mann in vielen Situationen wiedergefunden. Dieses Buch hat uns aus unserem Loch wieder rausgeholt. Es hat uns an die Hand genommen und wir haben uns neu entdeckt. Es hat uns den besagten „Arschtritt“ gegeben. 

Ihr habt euch dann tatsächlich nochmal neu kennengelernt und verliebt. Welche Facetten kanntest du noch nicht an ihm? Und welche er nicht an dir? Und wie fühlt sich diese neue, alte Liebe an?

Es fühlt sich gut, richtig gut an. Wir freuen uns aufeinander, wir verabreden uns und lassen uns auch nicht dazwischen grätschen. Klar kann es sein, dass mal die Kinder unsere Unterstützung brauchen und wir das „Date“ verlegen müssen, aber inzwischen ist es für uns beide ok und die Spannung und Vorfreude ist größer. 

Erst kürzlich hat er mir zum Geburtstag ein Wochenende in einem Wellnesshotel geschenkt… Letztes Wochenende war es soweit! Und ich bin immer noch genährt von diesem Wochenende. Es tat uns beiden richtig gut. Wirklich neue Facetten habe ich bei ihm jetzt nicht feststellen können, allerdings teilt er sich viel freier mit, ich muss nicht erst lange bohren und fragen, was los ist und ihn nervt. Er hingegen sagt, bei mir sei ihm schon was aufgefallen, ich sei offener für vieles, so würde er mich gar nicht kennen. Er findet das sehr spannend. 

Es hat sich viel geändert. Du hast dich sterilisieren lassen – welche Veränderungen gibt´s noch?

Ja, die Sterilisation war ein großer Schritt. Der Gedanke war schon seit einigen Jahren da, allerdings wurde er von mir immer zur Seite geschoben und als nicht so dringend empfunden. Durch viele offene Gespräche mit meinem Mann wurde uns aber beiden klar, dass wir eine gemeinsame große Angst haben: Noch ein weiteres Kind! Dies war auch mit ein Grund, weshalb ich mich immer öfter zurückgezogen habe und eben keinen Sex wollte.

Erst das offene Reden hat da geholfen und ich wollte für mich diesen Schritt gehen. Er war zuerst dagegen, eher aber wegen des Risikos der Vollnarkose. Ich habe mich aber durchgesetzt und er hat es akzeptiert. Der Eingriff ist jetzt ein paar Wochen her und ganz ehrlich: Mir war nicht klar, wie schön und intensiv der Sex sein kann, wenn man sich um das Thema Verhütung nicht mehr kümmern muss. 

Ich fühle mich begehrter als vorher, ich liebe es, wenn er von der Arbeit heimkommt und mich in den Arm nimmt. Wir stellen jetzt den Wecker morgens zehn Minuten früher, einfach um uns Zeit für uns zu nehmen, uns vor dem Aufstehen in den Arm zu nehmen und langsam gemeinsam wach zu werden.

Geht es euch nur in der Liebe besser nun oder insgesamt? Spüren auch Außenstehende Veränderungen? Merkt ihr es im Job? Was sagen die Kinder?

Die Kinder haben es sofort bemerkt, vor allen Dingen unser ältestes. Im Job? Ne, da spielt es keine Rolle, ich glaube nicht, dass meinen oder seinen Kollegen da etwas aufgefallen ist, zumindest hat mich noch keiner drauf angesprochen 😉

Hast du noch einen letzten Mutmacher für die Wiederbelebung einer langjährigen Beziehung?

  • Reden, reden reden! Vor allen Dingen, wenn es um die eigenen Bedürfnisse geht. Keine Angst haben, denn man kann da nur gewinnen. 
  • Sich Zeit nehmen als Paar und dies ohne schlechtes Gewissen. Wenn man Familie oder Freunde in der Nähe hat, die als Babysitter mal übernehmen können, dann fragt sie! Nehmt euch ein Wochenende oder nur eine Nacht, ein schönes Abendessen oder sonst etwas, was nur euch beiden dient. Ich genieße diese Momente so sehr, es gibt mir ganz viel Kraft, Zuversicht und Vorfreude auf das nächste Date. 
  • Kramt mal alte Tagebücher oder Liebesbriefe raus und lest sie euch noch mal vor, es ist so schön zu sehen, wie sich alles entwickelt hat, zu lesen, welche Sorgen und Vorstellungen man damals hatte und wie es sich entwickelt hat. 

Ich bin jetzt verliebt wie vor 20 Jahren, habe Kribbeln im Bauch, wenn er von der Arbeit kommt. Freue mich einfach auf uns und das, was hoffentlich in den nächsten Jahren auf uns zukommt. Ich kann mir keinen besseren Menschen an meiner Seite vorstellen, er ist mein Buddy, mein Kumpel, mein Freund, mein Mann, mein Herzmensch, mein Geliebter, mein Zuhörer…. Die Liebe meines Lebens halt.

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