Kontaktabbruch: „Ich habe geghostet, bin aber kein emotionales Miststück“

Kontaktabbruch

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Ihr Lieben, als wir neulich bei Facebook fragten, wer schon Erfahrungen mit Ghosting, also dem plötz.ichn Kontakabbruch in einer Freundschaft (oft) ohne erkennbaren Grund für die oder den andere/n, lief unser Postfach fast über. Uns war gar nicht klar, wie oft das passiert.

Liebe Fabienne, bei uns haben sich viele Leserinnen gemeldet, die selbst geghostet wurden, für die von einem auf den anderen Tag jemand nicht mehr da war. Bei dir war es anders herum, du warst diejenige, die den Kontakt abbrach…. Wie kam es dazu?

Ja. Ich war damals 15 Jahre alt. Sie war meine allerbeste Freundin… der Kontaktabbruch fiel mir sehr schwer, aber damals war es die einzige Möglichkeit für mich… ich hatte mich in ihren Bruder verliebt. Ich weiß nicht, ob es ihm auch so ging, aber mir tat es schon weh. Heute, 14 Jahre später, würde ich einfach mit ihr (und ihm) darüber reden… aber damals war es für mich die einzige Lösung.

Was war das für eine Freundschaft? Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie lang wart ihr befreundet?

Wir waren, wie gesagt, beste Freundinnen. Wir gingen durch Dick und Dünn, haben allen möglichen Blödsinn getrieben… wir gingen vier Jahre gemeinsam zur Schule. Fast drei Jahre waren wir dicke.

Was verband, was unterschied euch?

Uns verband ganz klar, dass wir gegen alle Regeln waren 😉aber auch die gleiche Musik… sie kommt aus einem ganz anderen Haus, als ich. Ihre Familie ist geordnet und intakt, während meine genau das Gegenteil davon ist. Ich denke, dadurch haben wir uns super ergänzt.

Ab wann dachtest du: Hui, das nimmt aber jetzt Ausmaße an, die ich nur noch schwer ertragen kann?

Ich begann knapp vor den Sommerferien immer mehr für ihren Bruder zu empfinden. Irgendwann konnte ich nicht mehr… er war absolut tabu für mich und ich für ihn. Daher musste ich einen Schlussstrich ziehen.

Warum war der Bruder tabu für dich?

Weil meine beste Freundin es nicht gut gefunden hätte… und ich glaube, es hätte die Dynamik total verändert.

Wann und wie hast du gemerkt: Okay, jetzt muss ich da raus, jetzt bekomme ich keine Luft mehr und fühle mich eingeengt?

Tja, als es mit der Liebe unerträglich wurde… ich habe mich immer weiter von ihr entfernt. Und dann sagte ich, dass ich das nicht mehr kann und hab sie quasi sitzen gelassen.

Wieso hast du dich nicht getraut, ihr davon zu erzählen?

Ich war 15… alles war peinlich 😅und, sie hätte es nicht gut gefunden.

War es dann eine bewusste Entscheidung, sie auf allen Kanälen zu blocken? Oder eher spontan? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Ich habe sie nirgends blockiert. Ich habe sie ignoriert… und ja, es war sehr hart.

Wie konntest du sie ghosten, wart ihr nicht in einer Klasse?

Wir waren bereits mit der Schule fertig. Ich meine, ich habe da beinahe meine Ausbildung gestartet.

Hast du das Gefühl, das hat sie sehr überrascht oder meinst du, sie ahnte, was in dir vorgeht?

Nein, sie wusste gar nichts. Nur, dass es scheinbar mit uns nicht mehr passt. 

Du hättest mit ihr sprechen können. Du hast dich aber gegen den Konflikt entschieden. Warum? Was hat dir Angst gemacht?

Ja, hätte ich… weil sie dann mich vermutlich abgeschossen hätte. Das wollte ich mir ersparen. Allerdings war das leid, dass ich dann durchgemacht habe, um einiges schlimmer. Schließlich bin ich kein gefühlloses Miststück.

Wie lang ist der Kontaktabbruch jetzt her? Hattet ihr nochmal Kontakt? Ist sie dir nochmal real oder digital über den Weg gelaufen? Denkst du noch manchmal an sie und wie es ihr geht?

Fast 15 Jahre. Und ja, als wir Kinder bekommen haben, hatten wir nochmal kurz Kontakt. Sie hat ein halbes Jahr nach mir eine Tochter bekommen. Ich habe ihr gratuliert… sie hat sich bedankt… ich denke sehr oft an diese Zeit. Wie schön es war und wie furchtbar ich mich damals verhalten habe.

Das Leid der Verlassenen ist riesig, das haben wir an den Rückmeldungen gesehen. Sie können mit der Sache nicht abschließen, weil sie nicht wissen, was los ist. Das macht auch was mit dem Selbstwert. War dir das klar? Hast du manchmal auch ein schlechtes Gewissen oder schon mal darüber nachgedacht, dich in einem Brief zu erklären?

Ja, mein schlechtes Gewissen ist groß… und teilweise echt präsent. Ich habe oft gedacht, ich schreibe ihr mal. Aber keine Worte würden das wieder gut machen.

Kannst du mit jemanden darüber sprechen?

Ich spreche oft mit meinem Freund darüber. Er meint, dass man es mir verzeihen kann, schließlich war ich erst 15 Jahre alt… dem kann ich nicht zustimmen.

Würdest du wieder so entscheiden oder würdest du beim nächsten Mal etwas anders machen?

Ich würde definitiv das nächste Mal mit allen Beteiligten offen sprechen. Denn das Schlimmste ist ohnehin eingetroffen: Unsere Freundschaft ist zerbrochen. Ich kann nur einen guten Rat an alle Ghoster(innen) weitergeben: REDEN REDEN REDEN. Das haben alle Beteiligten verdient.

Ist dir sowas später nochmal passiert?

Nein.

Was hast du eurem Umfeld als Erklärung genannt, dass ihr nicht mehr befreundet wart?

Dass es einfach nicht mehr gepasst hat. In dem Alter nichts Besonderes. Alle in meiner Umgebung dachten, dass unsere Wege sich halt jetzt trennen, wie es so oft ist, wenn man die Schule beendet.

Hättest du Lust, ihr heute alles zu erklären?

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann auf alle Fälle.

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9 comments

  1. Und genau aus diesem Grund, den Meryem hier dankenswerterweise offen nennt, ist es einfach feige und gemein, die eigene Unfähigkeit zu angemessener Kommunikation auf andere abzuwälzen. Ehemalige Freunde, die sich dann womöglich lange mit unbeantwortbaren Fragen quälen. Es sei denn, man verfolgt ganz gezielt die Absicht, die ehemalige Freundin in ihrem Selbstwert herabzusetzen. Damit hätte man sich dann allerdings als toxische Person geoutet…
    Hier kann die Ex-Freundin im Grunde über den Kontaktabbruch froh sein, auch wenn das im ersten Moment wenig tröstet. Aber mit der Zeit reift die Erkenntnis…

  2. Wenn eine 15jährige sowas macht, kann ich es irgendwie verstehen.

    Bei Erwachsenen finde ich es einfach feige. Was kostet es denn einem Menschen auf den man keinen Bock mehr hat einfach ruhig und sachlich zu sagen „Pass mal auf, Du nervst mich aus Grund XYZ, deshalb kann ich Dich nicht mehr leiden. Ruf hier nicht mehr an.“?

    Dann weiß die andere Person doch wenigstens woran sie ist und man bekommt auch nicht noch tausend Nachrichten von der Person. Die Leute sind zwar manchmal ein Bisschen geschockt, wenn man das so direkt sagt, aber es spart Zeit und Nerven für alle Seiten.

    1. Flo
      Also DIE Aussage von Ihnen klingt sehr unreif/ kindlich bockig!? Ich kann Dich nicht mehr leiden ( und spiele nicht mehr mit dir) sagen die Meisten nur in ihrer Kleinkindphase. Erwachsene haben meist bessere/ empathischere Formulierungen?

      1. Wenn man eine Person loswerden möchte, ist es wenig sinnvoll zu versuchen der Person das mit Samthandschuhen beizubringen, bzw. führt das nur zu unnötigen Diskussionen. Oder die Gegenseite macht sich dann doch noch irgendwelche Hoffnungen, ruft dann doch noch an etc.

        Wenn ich eine Person nicht mehr treffen will, dann hat das ja meistens den Grund, dass 1. etwas gravierendes vorgefallen ist und 2. ich die Person nicht mehr mag. Warum sollte man da um den heißen Brei herumreden im Sinne von „blabla… das liegt nicht an Dir… blabla… ich brauche nur etwas Abstand“? Das ist doch heuchlerisch, feige und letztlich auch viel unfairer der anderen Person gegenüber, weil sie dann nicht weiß woran sie ist.

        Wenn ich eine Person nicht mehr mag, sage ich der Person das auch so ins Gesicht, wenn es drauf ankommt.

        P.S. Wer Leute in einer Kommentarspalte auf einem Blog siezt, muss schon ein ganz besonderer Mensch sein.^^

  3. Ich habe auch öfter in meinem Leben geghostet. Jedoch immer mit vorherigen Versuchen, etwas in den jeweiligen Beziehungen ändern zu möchten (Mutter, einige Bekannte). Da keine Veränderungen zustande kamen, ich weiterhin verletzt wurde, brach ich ohne Drama die Kontakte ab. Es ging stets darum, mich vor Falschheiten und Erniedrigungen zu schützen. Es brachte mir ja nie etwas, die Dinge beim Namen zu nennen. Also brach ich die Kontakte ab.

    Fabienne war eine Jugendliche, da handelt man in seiner Angst und Verletzlichkeit immer noch anders als wenn man jahrzehntelange Erfahrungen mit sich trägt. Nach fast 15 Jahren immer noch deswegen so an sich zu zweifeln, deutet auf andere Probleme hin. Und doch, ich denke, dass man nach dieser Zeit die Chance hat, das anzusprechen und mit der betroffenen Person (hier die ehemalige beste Jugendfreundin) das zu klären.

    1. Die Versuche etwas in den jeweiligen Beziehungen zu ändern machen mich hier stutzig. Ändern kann man eben nur etwas über wirklich offene Gespräche. Damit meine ich aber nicht solche Gespräche, in denen schon das „Damoklesschwert“ der drohenden Trennung über allem hängt. Ich meine auch keine Erklärungsgespräche, damit man selbst sich besser fühlt. Sondern ein Gespräch mit konstruktiven Absichten. Wenn das dann wirklich nichts bringt, kann jede(r) Beteiligte der Beziehung immer noch Konsequenzen ziehen. Alles andere ist in meinen Augen Feigheit und faule Drückebergerei. Eine Verbesserung einer Beziehung wird niemals durch bloße Abwarten vom Himmel fallen…

    2. Sarah
      Sie haben aber versucht etwas zu ändern. Dort können sich die geghosteten Personen denken woran es liegt. Das ist ein großer Unterschied in der Reife.

  4. Liebe Fabienne,
    Auch nachträglich helfen erklärende Worte ( schriftlich? ) sehr viel. Und Sie selbst haben damit noch nicht abgeschlossen weil Sie selbst merken/ wissen das noch etwas fehlt. Weiterhin wünsche ich Ihnen weniger Selbstzweifel, warum sollten Sie denn “ weniger“ wert sein als Andere!?

    1. Ich bin eine Frau, die geghosted wurde. Ich hab sie auf facebook angeschrieben und gefragt, woran es gelegen hat. Sie hat geantwortet: Ich weiss es nicht,lass es gut sein! Es fällt mir jeden Tag schwer, nicht daran zu denken!

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