13Jährige nach Trennung: „Ich will keinen Umgang mehr mit Papa“

Trennungsvater

Foto: pixabay

Hallo! Ich heiße Chloe, komme aus München und bin 13 Jahre alt. Das letzte Mal habe ich meinen Vater vor fünf Jahren gesehen. Hier habe ich ein paar Fragen zu dem Thema Kontaktabbruch zum Vater beantwortet und wenn es euch interessiert, dann lest euch gerne mal durch!

Liebe Chloe, warum hast du den Kontakt zu deinem Vater damals abgebrochen?

Ich war acht Jahre alt und sollte an dem Tag bei meinem Vater schlafen (davor habe ich vor den Treffen geweint und wollte nicht dahin). Am Morgen hatte ich meiner Mutter schon gesagt, dass ich da nicht hinmöchte. An dem Tag waren wir noch bei der Arbeit von meiner Mutter und als wir dann zum Fahrstuhl gelaufen sind, um zum Auto zu kommen, habe ich nicht aufgehört zu weinen und hatte richtig schlimme Bauchschmerzen. Meine Mutter hat dann abgesagt und mich gefragt, warum ich da nicht hinmöchte. Es gab einige Gründe und somit fing es an, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe. Das mit den Bauchschmerzen und der Angst dahinzugehen hat sich nicht von heute auf morgen entwickelt, sondern wurde von Zeit zu Zeit immer schlimmer.

Welche Gründe waren das zum Beispiel?

Ich wurde zum Beispiel freitags in der Kita vergessen abzuholen. Oder er wollte mich sonntags schon früher wieder abgeben. Hat mich an seinen Wochenenden alleine zu Hause sitzen lassen, weil er mit dem Hund rausgegangen ist (warum ich nicht mitkonnte, weiß ich nicht). Außerdem hat er andauernd über meine Mutter und meinen Stiefvater gelästert, obwohl ich dabei war.

Wie hat dein Vater darauf reagiert?

Er fand und findet es nicht toll. Er hat immer behauptet, dass ich nicht zu ihm gehe, weil meine Mutter mir das verbietet (was zu 100% nicht stimmt, weil mir meine Mutter nicht sagt, wen ich treffe oder wen eben nicht J) Eine Zeitlang haben wir Briefe geschrieben und ich habe ihm dort alles erklärt. Er glaubte sogar der krakeligen, unförmigen und auf Pferdepapier geschriebenen Handschrift nicht. Ich habe ihm dort alles geschrieben, was ich gedacht und empfunden habe. Ich habe sogar versucht, Kompromisse zu machen. Nein. Meine Mutter hat es mir verboten (laut ihm). Ich verstehe es bis heute nicht.

War das so einfach oder haben die Jugendamtsmitarbeiter noch versucht dich umzustimmen?

Nein, eigentlich nicht. Allerdings haben meine Eltern (meine Mutter und Stiefvater, aber für mich ist mein Stiefvater mein Vater) vor ein paar Jahren geheiratet. Ich wollte auch den Nachnamen meiner Eltern haben. Ich kann mich noch dran erinnern, wie ich mit 8 nicht in der Schule war, weil ich irgendwelchen Leuten erzählen musste, warum ich diesen Nachnamen möchte. Sie kamen sogar zu mir nach Hause. Im Endeffekt haben die Leute dann gesagt, dass ich nicht richtig traurig wirke und wahrscheinlich nicht darunter leide, nicht den Nachnamen zu haben. Auch das verstehe ich bis heute nicht.

Wie lang waren deine Eltern da schon getrennt?

Ich glaube ich war ein Jahr alt, als sie sich trennten. Also waren sie ca. 7 Jahre schon nicht mehr zusammen. Somit kann ich mich daran nicht erinnern.

Was hat deine Mutter dazu gesagt, dass du den Kontakt nicht mehr willst?

Als ich meiner Mutter von meinen Sorgen erzählt habe, hat sie mir zugehört und mir geholfen. Ich habe meinen Vater dann nicht mehr gesehen, aber meine Mutter wollte, dass ich wenigstens am Geburtstag, Weihnachten etc. ohne Übernachten dahingehe. An den Tagen, an denen ich dann dahin sollte, habe ich zuhause auch die ganze Zeit geweint, hatte Bauchschmerzen und ich habe mich geweigert. Irgendwann hat meine Psychologin dann gesagt, dass ich da nicht mehr hinsollte und dann hat meine Mutter nachgegeben.

Wurdest du dann weiter gefragt, ob deine Mutter dich beeinflusst hat und was hast du darauf geantwortet?

Ja, das wurde ich sehr oft gefragt. Sogar mein Vater behauptet das. Ich kann nur sagen, dass das nicht stimmt und ich mich nicht von jemanden beeinflussen lasse. Aber bis heute frage ich mich, wie ich das beweisen kann.

Vermisst du durch den Kontaktabbruch was?

Nein, gar nichts.

Was würdest du anderen Kindern raten, die keine Lust mehr auf Umgangswochenenden mit der Mutter oder dem Vater haben?

Also als Erstes müsst ihr mit der Person reden, der ihr am meisten vertraut. Und wenn es wirkliche Probleme sind und nicht, dass ihr sauer auf eure Mutter oder euren Vater seid, weil ihr die Barbie oder das Spielzeugauto nicht mitnehmen durftet, dann wird euch die Person helfen. Ich kann euch nur sagen: Bleibt stark, seid mutig, hört auf euch und lasst euch nicht beeinflussen! Wenn ich es geschafft habe, dann könnt ihr das auch!

(An die Eltern: Wenn ihr merkt, dass es eurem Kind nicht gut geht, es Angst hat oder sowas in der Art, dann nehmt es ernst, hört eurem Kind zu, haltet zu eurem Kind und nicht zum anderen Elternteil, versucht das Kind zu verstehen und helft ihm/ihr bitte!) 

Wie geht’s dir denn fernab dieser Corona-Zeit als 13jährige?

Mir geht es super! Ich finde Homeschooling super!! Ich arbeite einfach Montag und Dienstag die kompletten Tage durch und habe dann den Rest der Woche frei und schlafe ewig lange aus :-))) Wir haben nämlich kaum Konferenzen. Außerdem darf ich mittwochs noch reiten gehen und donnerstags in die Hundeschule mit unserem neuen Hundebaby. Ich habe eine feste beste Freundin, die ich treffen darf. Irgendwie läuft es gerade ganz gut.

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8 comments

  1. Ich kann das Mädchen sehr gut verstehen, denn ich als Vater konnte nach einigen Jahren auch Verständnis für meinen Sohn aufbringen, der in einem eigenen Prozess für sich u einen Umgangsausschluss von mir kämpfte. Jahrelang habe ich der Mutter Beeinflussung unterstellt, aber musste doch einsehen, dass es meine unzureichende Sorge u Zugewandtheit u Ernsthaftigkeit der Verantwortung gegenüber war, die ihn über Jahre von mir abwandten. Ich hatte nie richtig Zeit, war ständig unzuverlässig, habe ihn oft gesundheitsgefährdet u wichtige Ops fast boykottiert, u ich habe mich auch nie finanziell beteiligt, habe nie die wirklich eigentlich gut sorgende Mutter entlastet o mal nett über sie gesprochen, er hatte nie ein Zimmer o richtig Platz bei mir, geschweige denn nur ein eigenes Bett o einen Arbeitsplatz für seine Schulaufgaben. Er musste überall einfach mit dazu, auch wenn meine Beziehungen sehr impulsiv u unstet abliefen. Er hatte dann sogar Angst, dass wir eskalieren…Ich habe das nur verlacht. Wie sollte er das auch besser einschätzen können als kleiner Kerl, wenn es laut schrie, krachte u das Baby schrie, während sie sich im Zimmer einschlossen? Mir tut heute mein starrsinniger Egoismus u meine blinde, aber nie böse gemeinte Rücksichtslosigkeit enorm leid, ich habe die Ausmaße für ihn nicht erkannt, aber ich habe mein Kind dadurch verloren. Und leider hat er Recht mit dem erkämpften Abstand von mir. Auch wenn ich es gerne irgendwie wieder gutmachen wollen würde.

  2. Armes Mädchen, so stark instrumentalisiert, dass sie ihren eigenen Vater ablehnt. Bevor ihr Mama‘s dieser Geschichte glauben schenken wollt, rate ich Euch die Doku „Scheidungskinder: Wenn die Trennung zum Krieg wird. WDR anzusehen.

    1. So ein Unsinn. Das ist ausserdem ganz offiziell festgestellt worden. Der “ Vater“ verleugnet es vor sich selbst weil er sich sonst der Wahrheit stellen müsste. Feige ist der Vater, und auch schwach, wer sich selbst belügt weil er mit der Realität nicht leben kann.
      Danke an M. für die ( leider späte) Einsicht und Offenheit. Kinder sind keine Anhängsel sondern Menschen die genauso behandelt werden möchten.
      Und ich bin nicht nur Mama sondern selbst Scheidungslind habe meinen Papa live erlebt und mit 18 kam er wieder an um seine Rechtfertigungen anzubringen und Vernachlässigungsgeschenke. Als ich vorsichtig die Wahrheit angesprochen habe ( ich war ja schließlich dabei..) war sofort Ende. Zuhören hat er schon nicht mehr geschafft er hatte sich eine eigene Wahrheit gebastelt. Und hat damit selbst so unendlich viel Ekel, Fremdscham und Abwehr bei mir erzeugt, wie mir ein anderer Mensch unter Zwang nie hätte einreden können.

  3. Auf mich wirkt dieser Text nicht von einer 13 Jährigen verfasst sondern auch tatsächlich als hätte man ihr vieles eingetrichtert ich wage auch mal zu bezweifeln, dass sich 8 jährige haargenau an alles erinnern könne
    Wie kam es überhaupt, dass sie erst mit 8 Jahren bei ihrem Vater erstmalig übernachtet.
    Ich denke hier fehlt sehr viel Hintergrund Info.

    Es ist sehr traurig, dass Kinder den Kontakt zum anderen Elternteil abbrechen und sollte kein Standart werden nur in absoluten Ausnahmen der Verwahrlosung und Gewalt dazu kommen.

    1. Mir scheint der Text viel zu kurz, um die Glaubwürdigkeit einzuschätzen. Von Standard redet doch auch niemand, nur von Respekt gegenüber dem Willen des Kindes nicht zum Vater zu wollen.

    2. Lea
      Kinder sind eigene Menschen, bewusste Erinnerungen haben wir ab ca.4 Jahren (+-) und daß das Mädchen sich besser ausdrücken kann als manche Erwachsene? Der Kommentar sagt viel über eine frustrierte ( stutenbissige) Dame. Und wer denken und lesen kann hat gelesen das offenbar vorher kein Kontaktwunsch vom Vater bestand ( neue Frau, Kleinkind zu anstrengend? ).

  4. Ist ein bisschen offtopic, aber: ich fand den letzten Absatz, wie es Chloe jetzt zu Corona-Zeiten geht, sehr interessant. Gerade auch im Hinblick auf die interessante Diskussion zum Thema von gestern. Vielleicht könntet ihr noch mehr Kinder dazu interviewen? Ich würde da gern etwas mehr über den Tellerrand schauen, denn die Situation gestaltet sich ja auch für Kinder sehr unterschiedlich.

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