Mama macht ohne Kinder Urlaub – über das Glück, mal alleine zu sein

Ihr Lieben, in den letzten Monaten waren wir durch Corona alle sehr viel zusammen – denkt nur an die vielen Wochen im Lockdown, an denen man als Familie praktisch nonstop aufeinander hockte. Viele Eltern sehnen sich daher nach einer Auszeit – Zeit ganz alleine. Doch irgendwie ist Alleine-Verreisen immer noch mit einem komischen Gefühl verbunden. Was, wenn die anderen Leute denken, man hätte keine Freunde und müsste daher alleine verreisen. Und wie fühlt es sich an, wenn man die Mahlzeiten im Hotel alleine einnimmt? Genau das haben wir Nina vom Blog Frau Mutter gefragt, sie war gerade ein paar Tage ohne die Kids und den Mann unterwegs.

Liebe Nina, du hast gerade den ersten Urlaub ganz alleine hinter dir. Wie kam es dazu?

Wie wir wohl alle, hatte ich ein echt anstrengendes Jahr auf vielen Ebenen hinter mir. Ich habe mich im Sommer sehr ausgelaugt gefühlt, irgendwie als ob schon Ende Dezember wäre….Ich war nicht mehr bei mir und nur noch in einer einzigen Gedankenschleife…Mein Mann hat mir 3,5 Tage in einem Hotel für Erwachsene in der Nähe von Garmisch Partenkirchen geschenkt als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Früher hätte ich mich über so ein Konzept „Nur für Erwachsene“ aufgeregt- jetzt war es genau das Richtige. 

Wie war das Gefühl, als du dann alleine eingecheckt hast? 

Ich war total aufgeregt-als ich gefragt wurde, ob ich alleine reise, hätte ich am liebsten laut „Jaaa“gebrüllt. Als ich mein Zimmer bezog, ward ich mich giggelnd und jubelnd aufs Bett, so wie bei „Pretty Woman“ nur ohne Richard Gere;)

Was hattest du dir für diese Tage vorgenommen?

Ich wollte mal runterkommen, ganz selbstbestimmt sein und im Moment leben- ohne diese Gedankenschleifen. Ich wollte ganz bewusst auch mal alleine sein. Wir sind als Familie gut durch die Lockdowns gekommen, aber ich brauchte mal Abstand. Um mal einen anderen Film zu zitieren….Wenn der Mann ständig zu Hause ist, kann es schon mal wie bei „Pappa ante Portas“ werden;) 

Alleine wandern, alleine beim Essen sitzen – wie gut konntest du das?

Erstaunlich gut, alleine wandern, auch wenn sonst keiner im Wald ist- das fand ich richtig gut und hatte wider Erwarten auch keine Angst. Das war fast besser als eine richtige Meditation.

Alleine essen war morgens und mittags okay, aber am zweiten Abend wurde es dann schon lang. Gemeinsam Essen genießen macht halt doch mehr Spaß…

Wie haben die anderen Menschen auf dich reagiert – gab es auch mal „mitleidige“ Blicke?

Ich hatte das Gefühl, dass Servicemitarbeiter und Gäste besonders freundlich waren. Ich bin aber auch ein offener Mensch und komme schnell und gerne ins Gespräch.

Am dritten Abend wurde ich dann von zwei Gästen sehr höflich und respektvoll eingeladen, das Essen an ihrem Nebentisch fortzusetzen. Spontan habe ich dazu ja gesagt und der Abend endete dann in der Bar und am Klavier. Der Gast am Nebentisch entpuppte sich als begabter Hobby-Pianist und wir alle sangen irgendwann alle mit. Ein wunderbarer Moment, gerade nach so langer Zeit des zu Hause-hockens.

Was war der größte Unterschied zu einem Urlaub mit Kindern und Mann?

Die Selbstbestimmung! Nichts musste diskutiert werden und ich konnte mich komplett auf mich einstellen. Keiner wollte was von mir, außer meine Auswahl der Vorspeise! Obwohl wir als Familie gerne zusammen wandern und das dann meistens ein erfolgreicher Familienurlaub ist, gibt es ja doch immer unterschiedliche Bedürfnisse und dann natürlich auch Konflikte, die wirklich nicht gut für die Erholung sind. Bei meiner Soloreise war ich so selbstbestimmt wie zuletzt im Studium und konnte so auch ab Tag 1 super abschalten. 

Was hast du über dich selbst gelernt?

1. Ich brauche es wirklich, ab und zu alleine zu sein.

2. Ich mag Menschen, lerne gerne neue Menschen kennen und das gelingt mir auch gut.

3. Ich liebe, liebe liebe Hotels und werde mal meinen sonstigen Konsum überdenken, damit ich mir so etwas in Zukunft regelmässig machen kann.

4. Im Wald und in den Bergen ist alles gut. Die Natur ist wirklich therapeutisch für mich und das versuche ich jetzt auch in meinem Alltag in Berlin zu integrieren. 

Wie war dein Gefühl auf der Heimreise?

Sehr, sehr dankbar war ich. Ich habe einen Partner, der mich unterstützt, sich für mich freut und Kinder, die schon groß genug sind, dass dies überhaupt möglich ist. Das ist ein großes Privileg.

Wirst du wieder alleine in den Urlaub fahren?

Aber sowas von! Wie gesagt, werde ich wirklich jetzt jeden Monat was zur Seite legen Es gibt noch so viele Hotels, die ich gerne bereisen will.Ich würde es jeder Frau und besonders Müttern raten.

Gerade in den letzten Jahren haben sich viele von uns etwas verloren, auch viele Fragen kamen auf, wie man nach der Pandemieweiterleben möchte. In sich hinein zu hören, sich selbst zu spüren und sich auch zu erleben mit anderen Menschen außerhalb der Familie, das ist wirklich wichtig. Es ist auch für eine Partnerschaft gut, wenn jeder mal was alleine erlebt.

Wer noch mehr von Nina lesen möchte kann dies auf ihrem Blog Frau Mutter tun. HIER schreibt sie zum Beispiel auch über ihre Reise alleine und auch diesen berührenden Text über den Tod ihrer Mutter legen wir Euch sehr ans Herz.

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3 comments

  1. Es ist auch kein „Privileg“, dass eine Mutter das erste Mal (!) seit dem Studium (das ist doch mindestens 10/15 Jahre her!) alleine verreist (nur ein Kurztripp, wohlgemerkt) – und dann ihrem Partner für seine (hoffentlich selbstverständliche!) Unterstützung auch noch „dankbar“ ist. Aus welchen „Frau Mutter“-Verpflichtungen heraus war es denn ein Jahrzehnt lang nicht möglich, ihrem Bedürfnis nachzukommen?

    Ich würde vorschlagen, ihr tauscht mal probeweise Namen und Geschlecht der Interviewten aus.

    Holger von „Herr Vater“ spricht mit stadtlandpapa.de über seinen ohne Frau und Kind unternommenenen Wochenendtripp- gesponsert von der Ehefrau. Ob das alleine gut geht?! Das Essen und das Wandern? In Zukunft will Holger sich auf jeden Fall immer mal etwas (Haushalts-)Geld beiseitelegen, um öfter mal raus zu können/dürfen.

    Holger erscheint ganz sicher NICHT als männlich-selbstbestimmtes Role-Model – seinem weiblichen Pendant hingegen wird hier ob ihres vermeintlichen Mutausbruchs noch „Wie toll!!!“ aplaudiert.

    Warum wird einem derart konservativen und abhängigen Frauenbild bei stadtlandmama.de unkritisch Raum gegeben?

  2. Ich empfinde Euren Blog teils als sehr konservativ und unter feministischen Gesichtspunkten rückständig.

    So ein Interview würde noch nicht einmal in einer Alt-Damen-Zeitschrift platziert.

    Warum ist es eine Schlagzeile wert, dass eine Frau für 3,5 (!) Tage ohne Mann und Kind den Herd verlässt?

    So ein Interview, in dem die revolutionär abtrünnige Hausfrau gefragt wird, ob sie denn auch ohne Begleitung zurecht gekommen wäre (Nein?) – so ein Interview würde man mit KEINEM Mann führen, der seiner Familie mal kurz den Rücken kehrt!

    Und der garantiert kein „komisches Gefühl“ pflegt und mit stadtlandmama.de darüber diskutiert, was ohgott die anderen Leute denken?, wenn er alleine im Restaurant isst.

    Aber wahrscheinlich ist es immer noch für viele Frauen ein Thema, Freiheit für sich zu genießen. – natürlich nicht aus Eigeninitiative heraus beansprucht, sondern die paar lächerlichen Tage generös vom Mann zugestanden/geschenkt. Dafür hat sich die Interviewte sicher brav giggelnd bedankt.

  3. Wie toll!!! Ich (hier mitten im Kinder-Alltags-Chaos sitzend, noch dazu mit einer fetten Erkältung) kann mir aktuell nichts Schöneres vorstellen! Irgendwann mach ich das auch! Bin sehr neidisch:)

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