Misophonie: Mein Kind erträgt Schluckgeräusche nicht

Misophonie

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Guten Morgen ihr Lieben, vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen? Ihr habt ja so eine unfassbar tolle & große Community. Daher versuche ich mein Glück. Ich bin derzeit ein wenig verzweifelt und würde mich gerne mit Eltern austauschen, deren Kinder Misophonie haben.

Misophonie: Mein Kind erträgt Schluckgeräusche nicht

Mein Kind empfindet also Schmerzen, wenn es Ess-/Schluck-/Trinkgeräusche von anderen oder sogar mittlerweile auch schon bei sich selbst empfinden. Mein Sohn ist 10 alt. Angefangen hat es mit 9 und wird stets intensiver.

Es erschwert unseren Alltag zuhause so unfassbar. Kinobesuche mit Popcorn etc. undenkbar. Abends auf der Couch mit Chips undenkbar. Darauf könnte man ja aber verzichten, wenn das alles wäre 🙂 Meine Sorge ist sooo groß, dass er seine sozialen Kontakte deswegen irgendwann verliert.

Vielleicht habt ihr ja selbst sogar schon einmal davon gehört oder Erfahrungen damit gesammelt? Es würde mir sehr helfen, mich da mal auszutauschen. Bin noch realtiv unwissend auf dem Gebiet und wir erarbeiten noch Strategien, wie wir den Alltag am besten bewältigt bekommen. Liebe Grüße


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5 comments

  1. leider kann ich dir nicht wirklich Tipps geben. ich habe erst jetzt im Erwachsenenalter festgestellt das ich als Kind und Jugendliche das wohl hatte. bis heute reagiere ich auf viele Geräusche sehr empfindlich.
    meine Eltern haben sich scheiden lassen und wenn sie bei meiner Mutter waren waren wir nur zu dritt, und als meine schwester auszog nur zu zweit. meine mutter wollte nie radio oä laufen lassen und gut unterhalten haben wir uns auch nicht. die essens situation empfand ich immer mehr sehr unangenehm und auch gezwungen weil meine mutter darauf bestand. ich fand es immer furchtbar beim essen ihre kau und schluckgeräusche zu hören, und ihren kaffe hat sie immer geschlürft…. mich macht es bis heute absolut genervt wenn jemand schlürft.
    ich weiß aber nicht ob das durch meine mutter so schlimm wurde oder evtl auch bei der tagesmutter ausgelöst wurde ( da war die essenssitiation auch alles andere als schön und entspannt) oder. ganz woanderst her kommt.
    von daher kann ich deinen sohn sehr gut verstehen und für ihn ist das auch alles andere als schön! das dauerhaft die ganze familie dadurch eingeschränkt ist ist natürlich aber auch kein zustand!
    wie ist denn bei euch die essens situation?
    mein mann hört zb immer radio, das mildert etwas die geräusche. oder es wird zb nicht die ganze zeit vor dem tv gegessen sondern nur jeder isst wieviel er kann / mag und dann nicht mehr ( also nicht während des ganzen filmes) oä?

  2. Ich hatte gestern schon versucht zu kommentieren, aber das hat scheinbar nicht geklappt. Ich habe selbst Misophonie. Ich kann Schnarchen, aber auch schon normale Atemgeräusche nur schwer ertragen. Das habe ich auch schon seit der Kindheit. Später kam noch Heizungsklopfen dazu. Was ich gelernt habe ist, dass man seine Trigger so gut wie möglich vermeiden sollte und nicht, wie man vllt vermuten könnte, sie auszuhalten um sich daran zu gewöhnen. Das kann das Ganze nur noch verschlechtern und auch neue Trigger auslösen. Ich schlafe zb immer in einem eigenen Zimmer. Ich würde euren Sohn fragen wie die Essenssituation für ihn am angenehmsten ist und mich dementsprechend soweit wie möglich anpassen, auch wenn es bedeutet, dass ihr getrennt esst. Evtl helfen auch Musik, Ohropax, Kopfhörer. Ansonsten würde ich ihn generell ermutigen, dass er sich unangenehmen Situationen entziehen darf. Das fällt mir immer noch schwer und ich quäle mich dann damit meinen Trigger zu ertragen.
    Ich fand das Buch Misophonie verstehen und überwinden von Dozier gut um Misophonie besser zu verstehen, aber die Beispiele sind schon sehr abschreckend und stellen die schlechtesten Szenarien dar. Die Methoden zur Überwindung haben mir auch nicht wirklich geholfen.
    Ich wünsche eurem Sohn viele verständnisvolle Menschen, die auf ihn Rücksicht nehmen und eine möglichst gute Entwicklung des Ganzen!

  3. Hallo,
    Ich verstehe dich gut und war selbst auch auf Antworten gespannt. Ich kann dir nicht wirklich Tipps geben, aber unser Kind erträgt auch keine Essgeräusche- bei anderen. Chips knabbern geht zum Glück, solange es selbst gleichzeitig auch welche isst ; ) Ansonsten haben wir inzwischen entweder Musik an beim Essen oder es hat die Kopfhörer drin, inzwischen eigentlich Dauerzustand. Finde ich fast angenehmer als die Musik, denn sich darüber mit sechs Menschen zu unterhalten treibt die Lautstärke nach oben. Wenn unser Kind sehr erschöpft ist, dann isst es auch einfach lieber allein. Und ja, es kann ganz schön nerven – auch uns. Aber nützt ja nichts.
    Liebe Grüße

  4. Wenn zu Kinderarzt/ärztin ein guter Kontakt besteht, würde ich es als niedrigschwellige erste Maßnahme erstmal dort ansprechen. Ansonsten wäre ein Termin in einer psychosozialen Kinder- und Jugendlichen- bzw. Familienberatungsstelle (z.B. Pro Familia) eine Möglichkeit.

    Ich bin selbst Verhaltenstherapeutin für Erwachsene, kenne mich im Kinderbereich weniger gut aus. Interessant finde ich, dass die Symptomatik deines Sohnes das Familienleben sehr stark zu beeinflussen scheint – „unfassbar erschwert“ wird der Alltag dadurch, schreibst du.
    Bei der Reflexion der Problematik wären für mich folgende Fragen relevant: Gab es zum Zeitpunkt des Auftretens der Problematik irgendwelche Veränderungen für deinen Sohn oder für eure Familie (Schulwechsel, Geburt eines Geschwisters, Probleme im Freundeskreis, Krankheit eines Familienmitglieds etc.)? Hatte dein Sohn schon früher mal mit längerfristigen Symptomen irgendwelcher Art zu tun? Wie viele Kinder habt ihr und an welcher Stelle der Geschwisterreihe steht dein Sohn? Welche Rolle hatte er bisher im Familiengefüge? Ist er schon öfter mit irgendwas „aufgefallen“ oder war er vielleicht bisher eher angepasst und „pflegeleicht“? Und: Wie stark ist der Leidensdruck deines Sohnes? Empfindet er, dass er selbst ein Problem hat, oder sind aus seiner Sicht eher diejenigen das Problem, die für ihn unschöne Geräusche produzieren? Gibt es Personen, bei denen die Kaugeräusche für ihn unangenehmer sind als bei anderen – oder gibt es vielleicht Situationen, in denen die Kaugeräusche anderer für ihn gar nicht belastend sind?

    Alles Gute für dich und deine Familie.

  5. Ich habe selbst Misophonie. Ich kann Schnarchen, aber auch schon normale Atemgeräusche nur schwer ertragen. Bei mir ging es auch in der Kindheit los. Ich habe gelernt, dass man versuchen sollte seine Trigger so gut wie möglich zu vermeiden. Also nicht wie man vielleicht denken könnte, sich ihnen aussetzen um sich daran zu gewöhnen, das kann das Ganze nur noch schlimmer machen und neue Trigger auslösen. Ich schlafe IMMER in einem eigenen Schlafzimmer, auch im Urlaub. Also versucht euch auch beim Essen anzupassen und fragt ihn wie es für ihn am besten ist. Ich würde auch getrennt essen in Kauf nehmen, wenn er sich das wünscht. Ansonsten kann man mit Kopfhöreren, Ohropax, Musik etc versuchen die Geräusche für ihn zu übertönen. Das hilft aber auch nur bedingt. Ich würde ihn darin bestärken, dass er sich unangenehmen Situation entziehen darf. Das fällt mir bis heute schwer und ich kämpfe dann immer damit meinen Trigger auszuhalten.
    Das Buch Misophonie verstehen und überwinden von Dozier fand ich gut, um Misophonie besser zu verstehen. Die Beispiele sind allerdings sehr abschreckend und stellen schon die schlimmstmöglichen Szenarien da. Die Methoden zur Überwindung bzw Besserung haben mir auch nicht wirklich geholfen.
    Ich wünsche ihm, dass er verständnisvolle Menschen in seinem Leben hat, die darauf Rücksicht nehmen und hoffe dass es sich bestmöglich entwickelt. Alles Gute!

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