Brief ans Schulsystem: „Sorry, mein Kind hat leider keine Lust auf Dich“

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Ihr Lieben, wie viel Zeit und Aufwand die Schule mal in unserem Leben einnehmen würde, hatte ich vor den Kindern auch nicht geahnt. Dass das Homeschooling uns nochmal neu über das derzeitige Schulsystem hat nachdenken lassen ist wohl auch kein Wunder. Eine Generalüberholung wünschen sich viele Eltern. Unsere Leserin hat ihrem Frust über das System einfach mal Luft gemacht. In einem Brief.

„Liebes Schulsystem, mein Kind hat einfach keine Lust auf Dich. Es tut mir leid, Dir das so unverblümt sagen zu müssen, aber Du machst meinem Kind einfach wenig Freude.

Aus Vorfreude wurde Frust

Bereits in der 1. Klasse wo die Aufregung und Vorfreude auf Dich so groß war, hast Du es sehr schnell – zu schnell! – geschafft, dass mein Kind diese Vorfreude verlor. In den mittlerweile fünf Jahren konntest Du dies nicht wieder aufholen und ich befürchte, auch in den folgenden Jahren wird sich daran nicht mehr viel ändern. Aber Du darfst mich natürlich gerne eines Besseren belehren…

Statt die Wissbegier zu nutzen und auf vielen bunten Wegen Deine Themen näherzubringen, hast Du durch wenig abwechslungsreiche Übungen Langeweile und Unlust geschaffen.

Langes Stillsitzen half dabei bisher wenig. Warum bist Du nicht auf den Schulhof gegangen und hast so den Kindern die Möglichkeit zur Bewegung mit gleichzeitigem Lernen gegeben? Bist durch die Natur gelaufen und hast die Umwelt gemeinsam entdecken lassen? Bist mit ihnen Einkaufen gegangen, hast einen Flohmarkt veranstaltet… (nur ein paar wenige Ideen eines Laien auf dem Gebiet, aber es gibt zahlreiche Fachleute, die Dir hier sicher weiterhelfen können).

Gruppen, Projekte, Teamarbeit: Warum denn nicht?

Warum hast Du jedes Kind für sich alleine arbeiten lassen, statt in gemeinsamen Gruppen und Projekten die Kompetenzen der verschiedenen Kinder zusammenzubringen, so dass sie gemeinsam voneinander profitieren, gemeinsam lernen und gemeinsam entdecken?

Warum nutzt Du nicht die bunte Vielfallt der Kinder, damit sie gegenseitig voneinander profitieren?

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Stattdessen beschäftigst Du Dich am liebsten mit den Kindern, die sich gut anpassen können, eine schnelle Auffassungsgabe haben, in Deinen Augen unkompliziert sind und schnell selbstständig Aufgaben abarbeiten können. Viel zu früh stempelst Du die Kinder, die nicht dem vorgegebenen Tempo entsprechen, die mehr Zuspruch und Motivation benötigen, die andere Lernmethoden gebrauchen könnten, ab.

Gnadenloses Schulsystem: Wenn ein Kind unangepasst ist

Allzu schnell hast Du festgestellt, dass mein Kind nicht so funktioniert, wie Du es gerne hättest. Mein Kind lief nicht einfach in der Masse mit, sondern zeigte, dass es keine Lust auf Dich hat. Es wollte erst einmal ankommen, neue Menschen kennenlernen, sich mit einer vollkommen neuen Situation anfreunden und sehr gerne lernen. Aber Dir war und ist mein Kind zu langsam und manchmal auch zu zeitintensiv.

Daher war für Dich klar, es braucht Förderung. Noch mehr langweilige Stunden mit eben denselben Methoden, die nicht auf die verschiedenen Lerntypen und schon gar nicht auf die Kompetenzen der Kinder eingehen.

„Liebes Schulsystem, es gibt doch verschiedene Lerntypen!“

Liebes Schulsystem, ist Dir bewusst, dass es viele verschiedene Lerntypen gibt? Dass Du viel mehr Kinder erreichen kannst, indem Du verschiedenste vielseitige Methoden anwendest, die sowohl visuell, auditiv, motorisch als auch kommunikativ, die Lernlust der Kinder fördern. Weil sie verstehen, was Du ihnen thematisch näher bringen möchtest? Dass du diverse Medien nutzen kannst, um eben diese Typen anzusprechen, ihre Lust einzufangen?

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Auch wenn es Dir bewusst sein mag, habe ich den Eindruck, dafür ist kein Platz. Wie Du anscheinend schnell (entschuldige, dies ist mein persönlicher Eindruck), vielen motivierten und engagierten Lehrkräften aufzeigst. Die sich dann häufiger als gewünscht Deinen Vorstellungen ganz- oder teilweise ergeben (müssen) oder sich umorientieren.

Stempel und Schubladen für Kinder, die anecken

Du willst kategorisieren und jedes Kind einem vorgegebenen Ordnungssystem unterwerfen. Du verteiltest Stempel für alle Aufgaben und entweder erhält man ein Krönchen oder einen traurigen Smiley. Du bewertetes tägliches Verhalten mit den Farben rot, gelb, grün. Du benotest beständig Leistungen und dies ist das Einzige was zählt.

Ehrlich? Was denkst Du, was dies mit kleinen Menschen macht?

Stelle Dir einmal vor, wir würden Dich tagtäglich in dieser Form bewerten? Wenn Du immer einen grünen Stempel, ein Krönchen bekommst oder Einser-Kandidat wärst, würdest Du Dich sicherlich freuen und wärst stolz. Was jedoch, wenn dies nicht der Fall ist? Du durchschnittlich mangelhaft bewertet wirst oder einen orangenen, traurigen Smiley Stempel erhältst? Wie würdest Du Dich dann fühlen?

Lernlust und Selbstwertgefühl statt gehorsame Roboter

Würde es Deine Lernlust steigern, Dein Selbstwertgefühl? Oder kann es sein, dass Dich dieses Demotivieren gar in der Selbstwirksamkeit einschränken würde?

Je länger mein Kind Dich besucht, desto häufiger frage ich mich: Ist dir bewusst, dass eine Gesellschaft von der Vielfalt der Menschen und ihren Kompetenzen lebt? Dass Du und die Gesellschaft davon profitieren, wenn es kleine und große Menschen mit künstlerischen, handwerklichen, sozialen, mathematischen, naturwissenschaftlichen, musikalischen, literarischen, sprachlichen und anderen Fähigkeiten gibt?

Dass Du nicht eine graue Masse brauchst, die besonders anpassungsfähig ist, Dir alles recht macht und so wenig zeitintensiv ist wie möglich?

Ermutigen und Kompetenzen fördern: Wäre das nicht toll?

Liebes Schulsystem, ganz ohne Deine Mithilfe übernehme ich tagtäglich meine Aufgabe als Elternteil, mein Kind in seiner Selbstwirksamkeit, seinem Sein zu bestätigen. Seine Kompetenzen zu fördern, es zu ermutigen, es in all seinen Facetten zu lieben und anzunehmen. Meinem Kind zu sagen, dass es eben genau so wie es ist, gut ist und dass Deine Kategorisierungen und Einordnungen nichts über es als Menschen und seine Kompetenzen aussagen.

Liebes Schulsystem, erinnere Dich, Du hast jeden einzelnen Tag die Chance Dich zu verändern, von kleinen Menschlein und ihren Bedürfnissen zu lernen.

Chancen nutzen und Kindern individuell begegnen

Bisher hast Du die vielen Chancen nicht bzw. zu wenig genutzt, die Dir mein Kind, und viele andere Kinder, aufgezeigt haben. Doch leider bleibst Du allzu oft starr und leider viel zu zeitintensiv.

Schade. Traurig. Und irgendwie zum Verzweifeln.“

Dieses Schreiben ist ohne Unterschrift gültig.

P.S. Eine Benotung möchte ich Dir mit heutigem Stand gerne ersparen. Ich denke dies wäre für Dein Selbstbewusstsein nicht unbedingt förderlich.

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43 comments

  1. Ich bin in der Lehrerausbildung tätig und arbeite auch parallel als Lehrkraft an einem Gymnasium.

    Der Artikel regt natürlich zum denken an. Letztendlich ist unser Bildungssystem die Summe der politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte. Das System Schule wurde in der letzter Zeit durch Abwälzen vieler Aufgaben in die Schulen kaputt gemacht. Viele Lehrer würde gerne etwas ändern, denn die Zeit ist reif, aber die Gegebenheiten sind nicht da. Die Belastungen mit anderen Sachen, die mit Unterricht wenig zu tun haben, sind zu groß. Unterricht ist selbst am Gymnasium mittlerweile nur noch Nebensache. Die Sache ist mit den Ressourcen, die die Politik zur Verfügung stellt, nicht zu stemmen.

    Für einen Wandel muss sich die Gesellschaft ändern. Denn nur eine Gesellschaft, die den Kindern den nötigen Freiraum gönnt und einräumt um individuell zu lernen (und das bedeutet eben auch massiv Geld zu investieren) wird die Früchte dafür ernten. Dann braucht man auch nicht mehr auf gute Lehrer warten, die kommen dann von alleine, denn:

    Viele meiner Absolventen bleiben lieber arbeitslos oder machen Vertretungsstellen, anstatt sich an eine Schule zu binden, wo die Zustände nicht gut sind. Um neue Lehrer zu bekommen brauchen wir keine bessere Bezahlung und auch keine Leistungsbezahlung, denn Geld ist nicht das Problem. Die meisten Akademiker, die gerne Lehrer werden würden, werden es nicht weil man nicht 40 Jahre als Sündenbock der Gesellschaft dienen will.

    Mein Fazit: Wir brauchen bessere Lernbedingungen für die Schüler, dann kommen auch die Lehrer. Und dann kommt auch der Wandel. Dazu muss aber unsere Gesellschaft bereit sein massive Ressourcen zu investieren – und das ist sie eben in der breiten Masse nicht. Tja, man kann nicht alles haben. Hauptsache wir versenken Steuergelder in die Rettung der Banken! 😉

    1. In welcher Fantasiewelt lrbt denn die Briefschreiberin?! Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.
      Vielleicht wäre es besser das Kind irgendwo zum Häschenstreicheln anzumelden!

  2. Ich finde den Artikel sehr gut. Der Autor schreibt genau das, was mir schon lange auf dem Herzen liegt. Meine Kinder sind beide mit Vorfreude und Wissbegierde in die Schule gestartet und haben nach kurzer Zeit jegliche Motivation auf lernen verloren. An unserer Schule wurden alle Kinder in ein Korsett gedrückt. Wer seine Aufgaben schnell bearbeitet hat, hat noch mehr langeweile Übungen zum gleichen Thema bekommen. Wer zu lange gebraucht hat, musste über das Wochenende alles nacharbeiten. Wer nicht mitgekommen ist, wurde zurück gelassen und von der Lehrerin ausgelacht. Der Lernstoff musste monoton durchgeprügelt werden ohne Rücksicht auf jemanden. Auch die Arbeiten dürften nicht zu leicht sein. Wenn es in der Grundschule mehr als eine eins gab, wurde die nächste Arbeit noch schwerer gestaltet. Das hat rein gar nichts mehr mit Leistungsüberprüfung zu tun. Wir haben Lehrer erlebt die sich daran erfreuen Kinder zu erniedrigen, weil sie sich so überlegen fühlen. Warum wird bereits auf Grundschulkinder so ein Druck von Seiten der Schule aufgebaut? Auf Interessen der Kinder wurde null eingegangen. Meine Kinder haben in der Schule resigniert und für sich entschieden diese Zeit nur so lange wie nötig durchzustehen. Beide Kids haben einen hohen IQ und lernen. Jedoch gibt es an unserer Schule keinen Platz für Kinder die auch mal hinterfragen, Themen vertiefen oder eigene Ideen einbringen möchten. Das Schulsystem verprellt systematisch Schüler die sich nicht anpassen und von der Norm abweichen obwohl so viel Potential genau darin liegt. Ich kann es nicht verstehen und hoffe, das wir es als Familie schaffen unseren Kindern zu helfen diese Zeit hinter sich zu bringen ohne sich selbst darin zu verlieren.

    1. Danke für diesen leider so wahren Kommentar. Meinem Enkel erging es ähnlich. 10 Jahre schleppte er sich durch dieses langweilige System.
      Auf die Bedürfnisse junger Menschen einzugehen, auf ihre Fragen und Wünsche respektvoll und angemessen zu reagieren, in Verbindung mit Humor und viel Bewegung in der Natur… Das wäre schon so viel mehr.

      1. Leider so wahr! Verzweiflung trifft auch unser Gefühl, wenn das Kind beschreibt, wie ungern es zur Schule geht. Eine kleine Ergänzung, auch Kinder die etwas schneller lernen und gerne mehr möchten, passen nicht gut ins System.

  3. Ich muss eine Lanze für die Schule brechen:
    Unsere Kinder gehen auf eine normale Grundschule in Bayern.
    Da gibt es alles – Gruppenarbeit, Aufführungen, Unterricht im Garten, Spendenlauf, einkaufen, Sportfest, etc.
    Bei Problemen hilft eine tolle Sozialpädagogin.
    Wir können uns wirklich nicht beschweren.

    1. Vielen Dank. Auch meine Kinder besuchen die Ganztagesklasse einer ganz normalen Grundschule in Bayern und die Schule ist super. Auch wir merken natürlich den Lehrermangel, aber wir haben eine unglaublich engagierte Rektorin und ein ebenso engagiertes Kollegium, die mit vielen Projekten, Aktionen und Ausflügen den Schulalltag auflockern. Aber ja, natürlich lernen meine Kinder auch den normalen Schulstoff und manche Sachen fallen ihnen leichter und manche schwerer. Aber auch das gehört für mich dazu.
      Ich weiß nicht ob es in anderen Gegenden so viel schlechter ist, aber ich finde das Beklagen über unser Schulsystem an sich nicht gerechtfertigt.

  4. Wenn man hier mitliest bekommt man echt das Gefühl, dass das Schulsystem Kinder kaputt macht. Das mag in einigen Einzelfällen au h so sein, aber in meinem Umfeld gehen die Kinder eigentlich alle sehr gerne in ihre Grundschule, haben tolle und engagierte Lehrerinnen, lernen lesen schreiben und rechnen, spielen in der Pause und in der Mittagsbetreuung nach der Schule mit ihren Freunden. Sicherlich könnte man an dem System einiges verbessern, aber diese generelle Weltuntergangsstimmung bei dem Thema kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Meine Kinder gehen in die stinknormale Sprengelschule ( Klassen 1+3)in einer deutschen Großstadt mit sehr heteterogenem Klientel und sie gehen wirklich gerne. Habe mir fest vorgenommen, aufzuhören zu Elternthemen auf sozialen Medien zu lesen. Diese unglaubliche Negativität, dieser Pessimismus und dann immer die Verzerrungen. Wahrscheinlich sind über 90 Prozent der Kinder glücklich in ihren Grundschulen.Ja, es wäre toll, wenn das 100% Prozent wären. Aber es ist halt auch nicht einfach immer alles scheiße und genau diesen Eindruck bekommt man, wenn man hier mitliest. Nein, Kinder müssen nicht auf Privatschulen gehen, um glücklich zu sein. Nein, man muss seine Kinder nicht beim Schule schwänzen unterstützen, um sie vor der „bösen“ Schule zu schützen.

  5. Ich stimme in allen Punkten zu. Und mein Kind geht noch nicht einmal in die Schule. Warum soll es denn so erstrebenswert sein, dass die Schule einen auf eine Gesellschaft vorbereitet, in der man sich vor allem anpassen und bis zum Umfallen Arbeiten soll? Das ist offenbar das, was einige von der Schule erwarten. Eine tolle Gesellschaft und Realität haben wir, auf die uns die Schule angeblich vorbereiten soll. Klima komplett vor die Wand gefahren, Gesundheitssystem vor die Wand gefahren, Bildung, Betreuung, und so weiter und so fort. Ein ‚weiter so‘ darf es nicht geben! Es kann sich aber nur etwas ändern, wenn Kinder eben nicht lernen, sich ständig anzupassen und bitteschön zu tun, was der Lehrer sagt, Hauptsache still sitzen, still sein, Leistung stimmt. So wird unsere Gesellschaft in einigen Jahrzehnten nicht mehr existieren, da wir mit dieser Einstellung die heutigen Krisen nicht meistern werden. Wir brauchen Raum für Kreativität. Wir brauchen Menschen, die ihre eigenen und die Bedürfnisse anderer Menschen wahrnehmen und ernst nehmen. Wir brauchen Menschen, die ihre Gefühle erkennen und äußern können. Natürlich ist es wichtig, lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Das kann man aber auch auf eine respektvolle Art und Weise. Es kann nicht Sinn der Sache sein, von klein auf bewertet und beurteilt zu werden. Zumal die Bewertung ohnehin subjektiv und unfair ist. Menschen haben individuelle Talente, die erkannt und gefördert werden sollten. Nur so kann eine Gesellschaft meiner Meinung nach gut funktionieren.

    1. Es ist so leicht, die Verantwortung von sich weg auf die Institutionen zu schieben. Im Endeffekt ist die Familie doch hundertmal entscheidender als die Schule. Macht euch mal locker: wer seinem Kind mit Liebe und Struktur zur Seite steht, bietet ihm mehr, als die Schule je zerstören kann. Die Schule soll grundlegende Bildung und soziales Miteinander bieten (und nebenher den Eltern den Rücken freihalten), mehr zu erwarten bei einem Betreuungschlüssel von ca 1:25 ist utopisch.
      Frag mich auch immer, warum die fleißigen „So ist es“-Kommentarschreiber nicht Lehrer werden und es besser machen 😉

      1. Genau das ist doch das Problem. Bei einem 1:25 oder 1:30 Betreuungsschlüssel kann man es als Lehrer*in nicht besser machen. Die Autorin schreibt ja auch an das Schulsystem als System und nicht an einzelne Lehrer. Mein Mann ist Lehrer und versucht Vieles anders zu machen. Wird aber gezwungen, sich an ‚Ampel-Systeme‘ und Ähnliches zu halten. Es gibt außerdem Schulen, die es anders machen. Aber das sind wenige. In unserer Großstadt gibt es keine. Natürlich sind in erster Linie die Eltern in der Verantwortung für ihre Kinder. Die Kinder verbringen aber viel Zeit in der Schule. Und nicht, weil die Schule die Kinder bespaßen oder betreuen soll, sondern weil es Pflicht ist.

        1. Ich glaube halt, die Schule ist gar nicht so schlecht, wie es oft herbeigeschrieben wird. Deshalb ärgern mich solche Meinungsbeiträge oft. Hat man ja gemerkt, wie schlimm es für die Familien war, als Schule und damit Struktur und Rahmen im Corona-Lockdown wegfiel. In der Schule sind Kinder nunmal nur einer unter vielen und das muss man gar nicht so negativ sehen. Dass Einzelne Anpassungsschwierigkeiten haben, ist ein anderes Thema und der Umgang damit ein Problem der Ressourcen.

    2. Stimme ich voll und ganz zu. Diese Schwarzmalerei der ach-so-furchtbaren Schulen in Deutschland kann ich nicht nachvollziehen. Meine Kinder gehen auf die normale, öffentliche Grundschule um die Ecke in einer Großstadt in BaWü. Und wir sind auf ganzer Linie zufrieden. Die Lehrer*innen machen einen tollen Job und meine Kinder gehen sehr gerne in die Schule.

    3. Es sind eben nicht 90% zufrieden. Das ergibt sich aus der Normalverteilung nach Gauß, es sind höchstens 80%.
      Aber daran will ich mich nicht stoßen. Selbst wenn es nur 1% sind, die nicht klar kommen, reden wir, bei 11 Millionen Schülern incl. Berufsschule, von 110.000 jungen Menschen. Die Zahl alleine ist schon eine Großstadt. 110.000 durch 1,5(Kinder pro Frau)×2(Eltern)+ 110.000~250.000 direkt Betroffene!! Und jetzt nehme ich nur die 10% unzufriedenen, dann sind wir bei 2.500.000 Einzelschicksalen! Das sind München und Köln zusammen.
      Was nun? Ausgrenzung? Es ist ja eine Minderheit. Oder hinzu, mehr Möglichkeiten geben Bildung auch außerhalb eines Schulgebäudes zu legalisieren. Was übrigens ein Kinderrecht ist, was Deutschland unterschrieben hat und seit 30! Jahren nicht umsetzt.

  6. Kein Wunder, dass keiner mehr Lehrer werden will. Da sitzen bis zu 30 kleine Individualisten vor einem, denen ihre (höchst unterschiedlichen natürlich) Bedürfnisse doch bitte gleichzeitig erfüllt werden sollen, gleichzeitig soll man die Corona-Defizite ausbügeln, sie auf Schulübergänge oder Abschlüsse vorbereiten und die 60 Eltern im Nacken zufriedenstellen, die alle fantastische Ideen haben. Es ist do gruselig. Ich bin selbst Lehrerin und habe das Gefühl, noch nie so unkonzentriert, unmotivierte und leistungsschwache Schüler gehabt zu haben. Ist daran nun die Schule schuld oder das Elternhaus?

  7. Mit den Schülern, die sich anpassen, beschäftigt sich das Schulsystem nicht, die sollen funktionieren und werden dafür gelobt, dass sie ihre Bedürfnisse für sich behalten. Die anderen bekommen negative Aufmerksamkeit. Dadurch lernen alle schlecht… Das System ist 100 Jahre alt, was soll man erwarten? Wer es nicht auf eine Privatschule schafft, hat eben Pech. Nicht, dass Privatschulen besser sind, aber da wird das Kind respektiert, angehört, unabhängig ob es schüchtern ist oder laut. An Privatschulen werden Kinder weniger psychisch kaputt gemacht.

    1. Wie wäre es mal das Schulsystem zu hinterfragen und Bücher von Tayler Gatto zu lesen oder Hirnforschern wie Gerald Hüther zuzuhören? Oder sich mit der Bindungsforschung zu beschäftigen. Viele Kinder haben durch die Zwangspause erfahren, das Bildung auch anders stattfindet. Und wie sollen sie das äußern außer durch Unlust oder Krankheit?

  8. seit Jahrzehnten wird unser Schulsystem immer weiter verschlimmbessert. zu meiner Zeit schon hatten die Lerninhalte nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Viel auswendig gelernter Stoff zu allen möglichen Themen aber nichts, was man im realen Leben auch gebrauchen könnte. Bei unseren Kindern stellten wir dann fest, dass die Wege, etwas zu lernen gerne noch erschwert wurden. Frei nach „warum einfach, wenn es auch umständlich geht“. Warum? Nebenbei hat man das Gefühl, dass die Kids heute zwar länger in der Schule sind als wir damals, wir aber weit mehr Stoff vermittelt bekamen.
    Skandinavien zeigt uns seit Jahrzehnten, wie Schule und lernen mit guten Ergebnissen aussehen kann. Genauso, wie die Niederlande zB zeigen, wie ein vernünftiges Rentensystem aussehen kann. Warum kann sich Deutschland nicht mal was abschauen, was woanders offensichtlich gut funktioniert?

  9. Gelesen und für gut befunden. Erst wollte ich es teilen aber unsere Situation und die einer großen anderen Menge an Schülern beschreibt es leider gar nicht.
    Ich motiviere meine Kinder mittlerweile zu Hause zu bleiben, wenn sie zu Hause (oder anderswo) besser lernen können als in der Schule. Wir haben zwei von denen die meistens lachende Smileys hatten und jetzt auch gute Noten schreiben aber, und das ist das traurige, sie fragen sich wofür sie xyz lernen. Das meiste langweilt sie zu Tode und interessiert sie nicht. Sie würden lieber etwas lernen was sie auch gebrauchen können, was zeitgemäß ist oder zumindest in zeitgemäßer Art vermittelt wird. Letzteres ist wohl durchgehend unakzeptabel von der 1. bis zu letzten Klasse. Der eine ist 11.Klasse, der andere 8.Klasse. Mittlerweile helfe ich ihnen eher dabei auf welche legale und halblegale Art sie sich vom Unterricht abmelden können. Der Große ist letzte Woche nur zu den Klausuren in die Schule, hat die hervorragend absolviert und dann ist er wieder heim, hat sich seiner Art der Bildung gewidmet. Videos von erfolgreichen Unternehmern geschaut und einen Onlinekurs über Businessaufbau und Webdesign in der Hälfte der vorgesehenen Zeit bearbeitet, weil er Bildung so möchte. …. und, er war mit der Woche überglücklich, fast euphorisch. Es ist so wichtig, darauf zu achten, was es mit der Lebensenergie unserer Kinder macht. Wenn das System nicht funktioniert, passe es an oder kreiere ein neues System!

    1. Anja
      Diese Art mit schwierigen Anforderungen umzugehen wird KEIN zukünftiger AG schätzen, geschweige denn die Kollegen. Und ab einer gewissen Anzahl von Fehltafen wird man zu Prüfungen ( Abi…) garnicht mehr zugelassen.

      1. Wir machen das schon so, dass es passt. Ich hab ja nicht geschrieben, dass dies die Regel ist. Aber die Möglichkeiten die es für unterforderte oder überforderte Kinder gibt, sind ähnlich den Möglichkeiten im Erwachsenenleben. Man kann sein ganzes Leben versuchen sich unsinnigen Bedingungen anzupassen, um schön in die Vorstellungen anderer oder eben in diese Gesellschaft zu passen oder man versucht die Dinge positiv zu beeinflussen. Wenn man aber auf unflexible Grenzen, Unwillen oder andere Hindernisse trifft, sollte man mutig genug sein, einen neuen Weg zu beschreiten, der weder anderen schadet und dessen Konsequenzen vollumfänglich in der eigenen Verantwortung liegen.

        1. Also keiner meiner Kollegen ( oder ich) sehen blau-machen als super Arbeitsauffassung oder kollegial an. Schwänzer (und ja das fällt auf!) brauchen alle nicht. Und gerade Freischaffende/ Selbständige müssen ihre Termine einhalten können und das allein können. ( weiß auch nicht was ohne Leistung- Job- Geld… so toll sein soll am Leben?)

          1. nix kapiert. Ordnung muss sein sonst greift der Zwang bis zur polizeilichen Zuführung. Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt. Was für ein krankes Verständnis von wie Bildung funktioniert. Selbst die Bundesregierung hat ein Gutachten erstellen lassen und das schon 2001(?) über informelle Bildung und die Möglichkeiten. Mal übern Tellerrand schauen. In Kanada bekommen Eltern sogar Geld fürs zu Hause lernen. 80% der amerikanischen Nobelpreisträger sind Freilerner oder Homeschooler. Es muss sich was ändern und es wird sich was ändern. Jetzt erfolgreich eine Petition zur ETABLIERUNG INFORMELLER BILDUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR JUNGE MENSCHEN IN THÜRINGEN stattgefunden. Es tut sich was. Wir können doch nicht mehr so weiter machen und Familien zum Auswandern zwingen, wenn man andere Bildung will.

  10. Das Schulsystem antwortet:

    Liebe Mutter,

    es gibt nun einmal gesellschaftliche Verpflichtungen, bei denen „keine Lust haben“ nicht zählt. Eine dieser Verpflichtungen ist die Schulpflicht.

    Das Erlernen notwendiger Kompetenzen funktioniert nicht nach dem reinen Lustprinzip, denn dieses führt dazu, dass sich Kinder sich nur mit den Dingen beschäftigen an denen sie Spaß haben und die notwendigen Kompetenzen vernachlässigen, bei denen sie sich selbst schwerer tun.

    Auch wenn ein Kind lieber Rechnen als Lesen und Schreiben mag, muss es am Ende doch Deutsch und Mathe gleichermaßen beherrschen und hier braucht es manchmal einen gewissen Druck.

    Einmal stillsitzen können und seinem Bewegungsdrang nicht in jeder Situation nachgeben zu müssen ist übrigens auch eine Kompetenz.

    Außerdem gibt es nun einmal formalisiertes Wissen, welches man nicht bei einem Waldspaziergang oder auf dem Flohmarkt lernt, sondern für das man ganz klassisch pauken und büffeln muss.

    Natürlich gibt es ein „Richtig“ und ein „Falsch“. Wer „2 + 3 = 6“ rechnet, der hat nicht einen „interessanten neuen Lösungsweg gefunden“, sondern schlicht falsch gerechnet. Und wo es ein klares „Richtig“ und ein klares „Falsch“ gibt, da kann es auch Leistungskriterien und Bewertungen geben.

    Auch das Unterworfensein unter Bewertungsmechanismen ist Teil unseres Lebens und Wirtschaftens. Schule soll auf das Leben in der Realität vorbereiten und nicht auf das Leben im Glücksbärchiland.

    Der Antrag auf eine besonders fluffige Wohlfühlatmosphäre für Dein Kind muss hiermit abschlägig beschieden werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dein Schulsystem

      1. Ich bin sehr für Gruppenarbeiten usw, aber lesen, schreiben und rechnen lernen nur in der Gruppe durch den Wald rennen, stelle ich mir schwer vor… ein Schultag hat in der Volksschule 4-5 Stunden, auch da muss man heutzutage nicht permanent still sitzen. Der Rest des Tages ist noch sehr lange, um sich auszutoben. Wenn das Kind gar nicht still sitzen kann, frage ich mich, ob es denn schulreif ist bzw. andere Probleme vorliegen…

    1. Lieber Flo, dass vielleicht das Prinzip dieser Gesellschaftsordnung auch überdenkenswert ist, ist vielleicht auch die Antwort, warum ihre und die Meinung der Mehrheit hier in den Kommentaren, so auseinander geht. Vielleicht haben die Eltern die hier für eine Reform des Schulsystems wirken erkannt, dass diese Art des Schulsystems nicht mehr zu den Anforderungen der sich wandelnden Welt passt? Vielleicht geht es nicht darum, Bildung abzuschaffen, sondern das „Wie und wo bildet man sich?“ anzupassen und vor allem das Interesse, sich Wissen aneignen zu wollen, zu fördern, statt es zu ersticken. Würden wir immer dafür sprechen, dass Alte ist gut so wie es ist, würden wir heute noch auf Schiefertafeln kritzeln. Die Vielfalt im 21.Jh ist enorm breiter, die Anforderungen extrem höher und trotzdem lernen unsere Kinder nach einem System, welches aus dem 19.Jh. ist. Kann das funktionieren oder kann es sein, dass man das System neu denken sollte?
      Viele Grüße

      1. Anja es geht nicht um alt oder neu. Es geht um die Grundlagen die wir alle fürs Leben brauchen. Und auch Ziele, Wünsche… erreiche ich nur durch Fleiß, Anstrengung. Und zur Realität gehört auch zu versagen, Fehler machen und lernen und nicht zuletzt ANPASSUNG. Nur so funktioniert eine Gesellschaft, mit Werten und Strukturen. Für die Freizeitgestaltung sind Eltern und Kind selbst zuständig.

      1. Liebe Mama! Werde gerne Lehrerin und mache es besser! Du würdest damit einen Teil zu deinen eigenen Vorschlägen leisten und ins System einbringen können! Wer so unzufrieden ist, muss sich das ganze mal aus einer anderen Perspektive ansehen und dann bitte den Text noch einmal überarbeiten 😉

    2. EXAKT!!!!!!!!
      Vielen Dank, ich hätte sonst genau das auch geschrieben! Schule ist doch kein Spielparadies, da wird gelernt und eben such mal das, worauf man kein Bock hat. So ist das im Leben und das dürfen Kinder mit der Schule gerne erfahren. Sie lernen dadurch die Strukturen der Gesellschaft kennen und die sind keinesfalls abgrundtief böse.

    3. Liebe(r) Flo!

      Bin völlig bei dir. Es geht nicht immer nach Lustprinzip und im Gummibärchenland sind wir auch nicht, aber:
      Es ist schon frustrierend, dass es nicht möglich ist die allesamt tollen neuen Erkenntnisse der Pädagogen und Psychologen seit Jahren einmal umzusetzen und sich die Frage zu stellen:
      Macht der Lehrplan von vor X Jahren noch Sinn? Sind langsame Schüler dennoch intelligent und kann man ihnen eine uneingeschränkte Gymnasialempfehlung geben? Müssen alle zur angepassten Masse gehören, um durchs System zu kommen, brav machen was verlangt wird und nicht anecken?
      Ich habe hier eines dieser recht schlauen und versierten Exemplare. Wie schwächere Schüler auch hat das System keine Antwort für ihn, wenn er schnell fertig ist oder schier etwas schon kann. Die einzige Antwort sind noch mehr Arbeitsblätter oder andere Arbeiten „auf dem Papier“.
      Seine Schule liegt umgeben von Wald. Es wäre ein Leichtes raus zu gehen und sich auf die Lauer zu legen, um Vögel zu beobachten und so die Arten kennenzulernen oder Blätter zu bestimmen. Das macht man aber lieber auf einem Blatt Papier in der Klasse. Immerhin müsste dafür vermutlich jemand im behäbigen Beamtenapparat einen Antrag stellen und wer kann den schon bearbeiten, dessen Befugnis nicht an anderer Stelle durch irgendein Amt beurkundet wurde…
      Ganz ehrlich?! Ja, Bullerbü ist hier alles nicht und Vorbereitung ist wichtig, aber solange meinem Sohn gesagt wird, dass er sich permanent melden muss, auch wenn man ihn nicht mehr drannehmen kann, um seine Leistung zu halten, so lange zweifel ich doch an Hirn und Verstand.
      Liebes Schulsystem: Finde einige Mutige, die vorangehen und deine Katakomben einmal aufräumen, dir frischeren Wind einhauchen und dir zeigen, dass es anders geht, gehen kann und perspektivisch auch muss, denn um deiner Argumentation zu folgen:
      Die von dir betriebene Vorbereitung wird sonst irgendwann nicht mehr ausreichen, da sie auf veralteten Denkweisen und Strukturen basiert. Habe Mut zur Veränderung, liebes System! Schaue in unsere Nachbarländer und -ja, man glaubt es kaum – lerne! Sitz ggf. mal länger still und schaue und lausche. Und wenn du es brauchst nimm dir ein Blatt und schreibe dir Notizen. Und vielleicht bist du dann auch vorbereitet für den Vergleich im Kontext der reellen heutigen Umstände.

      Ich drück dich. Keine Angst: an dir ist nicht alles schlecht, aber du ruhst dich aus und Stillstand ist bekanntlich der Tod…

      Liebe Grüße
      Maschi

      1. Maschi, das möchte ich auf Plakaten vor den Bildungsministerien und quer durch die ganze Presse lesen dein „Liebes Schulsystem“, denn genau SO ist es. Das schwächste Glied der Kette, die Kinder, soll sich ein System von annodunnemal überstülpen lassen, weil …äh…ja weil das so ist und das ist das System und das kommt vor jedem und steht über allen und halt so oder so. Bevor man mit dem Finger auf die missratenen Kinder, die erziehungsunfähigen Eltern und die schlechten Lehrer zeigt, muss das System bei sich selber anfangen. Deine Worte könnten, wenn das System wollte, ein Gedankenanstoss sein. Danke!

  11. Total traurig aber in vielen Punkten die Realität:( An unserer Grundschulen herrscht eine schlechte Lernumgebung. Zum Lehrerwechsel zur 3. Klasse fiel die neue Klassenlehrerin aus und jetzt gibt es drei Lehrer, die sich die Klassenenpflegschaft teilen… Die Kinder sind unruhig und einige benehmen sich „schlecht“. Mein Kind ärgert die Lehrerin und wir müssen zum Elterngespräch. „Haben Sie mit meinem Kind über die Situation gesprochen?“, frage ich. Dazu hätte sie keine Zeit, bekomme ich als Antwort. Die Lehrer dort sind dermaßen am Anschlag, dass keine Zeit für den persönlichen Beziehungsaufbau bleibt. Geburtstage der Kinder werden mitunter vergessen und dann nicht gefeiert. Wenn ein Kind zum Geburtstag Süßigkeiten mitbringen muss es nicht mit allen Kindern teilen, sondern wählt aus, wer etwas bekommen soll… Wenn ich im Büro nicht eingeladen würde, wenn meine Kollegin Kuchen verteilen, oder mein Chef nach sechs Monaten noch keine Zeit für 2-3 persönliche Gespräche mit mit gehabt hätte würde ich den Job wechseln! Mein Kind kann das nicht! Ich sage ihm jeden Morgen, er solle Geduld und Verständnis mit den Lehrer haben, versuchen nicht aufzufallen und sich ruhig verhalten. Fordern oder Fördern ist an unserer Schule nicht möglich, die Lehrer müssen schließlich den Unterricht „schaffen“. Schule ist nicht einfach und schon gar kein Ponyhof. In sechs Monaten haben wir einen Termin beim Psychsichiater, dann machen wir mal die komplette Diagnostik und schauen, was mit meinem Kind nicht stimmt!!! Mit der Situation in der Schule und den Lehrern haben die Probleme ja sicherlich nichts zu tun!!!

  12. Ich stimme zu, das Schulsystem gehört revolutioniert. Das fängt bei der Haltung an, den Lehrinhalten und geht hoch bis zur Zentralisierungen von Bildung auf Bundesebene…. Ein furchtbarer Zustand für ein Bildungsland wie Deutschland. Aber: viele der genannten Punkte hängen für mich auch an der Schule und vor allem den Lehrern/Lehrerinnen. Wir haben glücklicherweise eine Lehrerin, die alle Kinder gleichermaßen fordert und fördert, tolle Projekte macht, den Unterricht anschaulich und abwechselnd gestaltet und die gesamte Klasse geht sehr gerne zur Schule. Das ist eine Freude und ich wünsche jedem Kind so engagierte und umsichtige Begleitpersonen, die das Beste aus den Rahmenbedingungen machen.

  13. Alles sehr schön und richtig geschrieben, eine tolle Sache wenn das so wäre und auf jeden mehr eingegangen werden würde und unterschiedlichste Lernwege gewählt werden würden.

    Aber in einem Satz schreibst du es, und zwar den mit der anpassungsfähigen grauen Masse… genau die ist doch da draußen in der Wirtschaft auch unterwegs und da wird Leistung abverlangt und bewertet bzw. mit Geld belohnt. Da die Schule ja als Vorbereitung auf das (Berufs-) leben gilt, passt das doch wieder irgendwie. Obwohl es natürlich vollkommen traurig ist. Aber später überleben auch nur die wirklich gut, die sich der Leistungsgesellschaft anpassen und da liegt, wie man so schön sagt, finde ich, der Hund begraben!

  14. Ich bin vollumfänglich mit dem Geschriebenen einverstanden. Als Lehrerin versuche ich immer wieder, durch Bewegung, Spiel, Musik und vielseitige Lernangebote die Kinder abzuholen doch der Stoffdruck bleibt, das System ist nicht mehr zeitgemäss. Als Mutter hadere ich damit, dass meine Kinder so viel Zeit sitzend in der Schule verbringen, dass der Schulstoff häufig einfach auswenig gelernt werden muss, die Inhalte nach kurzer Zeit wieder vergessen werden weil sie wenig Berührungspunkte mit der Lebenswelt der Kinder haben. Die Homeschoolingzeit war für uns eine wunderbare, freie und lustvolle Lernzeit. Fahrrad fahren, Feuer machen, die Natur erkunden, gemeinsam Einkaufslisten schreiben, kochen, backen, lesen, spielen… das Lernen fand ganz natürlich im Alltag statt. Während der Schulzeit bleibt häufig wenig Zeit für das gemeinsame Alltagslernen, stattdessen wird seitenweise Wissen gepaukt, das wenig Relevanz im Leben des Kindes hat. Ich wünsche mir ein Umdenken.

    1. Ich bin auch Lehrerin (GS) und nur teilweise einverstanden.
      Allergisch reagiere ich darauf, dass Kinder in der Schule nur „Sachen lernen sollen, die sie nicht interessieren“. Das ist für mich Bildungsferne, die immer häufiger auch bei Akademikern vorkommt: Was soll mein Kind mit Mozart oder mit Goethes „Faust“ – das hilft ihm nicht beim Geldverdienen und ist damit in den Augen vieler Eltern wertlos. Deshalb bin ich aber da – um den Kindern zu zeigen, dass es auch Dinge gibt, die keinen finanziellen Leistungswert haben und es mindestens genauso wert sind, gelernt zu werden!

      Ich backe auch mit meinen Kinder – und bin damit die Verbindung zwischen der Theorie (Zahlen, Gewichte), die in der Schule gelernt wird und der Praxis. Muss die Lehrerin mit 15(oder 30) Kindern in der Schule backen? Ist das nicht Aufgabe der Eltern?
      Ich habe einen Erstklässler zuhause und viele Zweitklässler in meiner Klasse… aktuell gebe ich eher den Eltern (auch denen in der Klasse meines Sohnes) die pauschale schlechte Note und nur bedingt dem Schulsystem.

    1. Ja das Schulsystem ist furchtbar, aber warum sehe ich keine Demos von frustrierten Eltern auf den Straßen,die dem Staat zeigen, dass sie unzufrieden sind. Es wird immer nur an den Lehrer:innen, den Inhalten und den Umständen gemeckert. ich verstehe nicht warum sich all die genervten und frustrierten Eltern nicht endlich Mal zusammen finden und eine Schulreform fordern, die den Namen verdient hat. Davon wäre ich Mal wirklich überrascht. Der 1000 Artikel was alles schlecht ist, hilft überhaupt nicht.

  15. Liebe Mutter,
    Für verschiedene Lerntypen gibt es ja auch verschiedene Schulen!? Das bedeutet allerdings due Mitarbeit bzw vorher informieren für die Eltern. Förderschule ( wo gerade jedes Kind mitgenommen werden kann aufgrund kleiner Klasse) und Grundschule funktionieren wenn ein Kind vorher schon weiß, dass das auch Lernbereitschaft, Ausdauer voraussetzt. Schule ist keine Bespassung. Auch das Kind muss wollen und darf keine irre Erwartungshaltung ala “ nun begeistert mich mal“ haben. Und was Du über die Elternarbeit ( Förderung, Facetten…) schreibst sollte eigentlich auch so sein. Das gehört vor allem ins Elternhaus damit sich Kinder dann in der Schule auch ( weiter)entwickeln können. Oder widerspricht das Schulsystem hier nur Deiner Realität, Deinen Erwartungen ans Kind?

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