Stottern, Räuspern, Augenblinzeln – unser Sohn kann nicht damit aufhören

Stottern

Ihr Lieben, vor einiger Zeit hatten wir ja schon mal einen Beitrag zum Thema Tics. Weil sich damals so viele Mütter über unsere Facebook-Seite gemeldet hatten, gibt es heute nochmal ein Interview dazu. Stottern kann auch ein Tic sein – so wie bei Helens Sohn. Er räusperte sich in den heftigsten Zeiten alle drei Sekunden, auch ein Tic, den er nicht mal „eben einfach so“ abstellen kann. Helen hat mit uns über ihr Kind gesprochen. Vielen Dank dafür!

Liebe Helen, Dein achtjähriger Sohn hat Tics. Wann sind sie das erste Mal aufgetreten und welche Tics waren das?

Im Alter von fünf Jahren trat bei meinem Sohn das sogenannte Entwicklungsstottern auf. Es gehört nicht zum „echten“ Stottern, sondern tritt nur dann auf, wenn er einen Entwicklungsschritt macht. Später, mit 6 und 7 Jahren, kamen dann ständiges Räuspern und Augenblinzeln dazu. 

Wie hast du ganz am Anfang darauf reagiert?

Ich hatte mich mit der Thematik bis dahin gar nicht befasst, wusste nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Ich war anfangs sehr besorgt, habe viel gegoogelt und es hat mich sehr viel Geduld gekostet, das Stottern auszuhalten. Das ständige Räuspern verlangte ebenfalls viel „Aushalten“ meinerseits. An ganz schlimmen Tagen, an denen er es nahezu alle drei Sekunden machte, konnte ich dieses Geräusch kaum noch ertragen. 

Welche Tics hat er heute und wie oft und ausgeprägt sind sie?

Heute hat er phasenweise noch das Augenblinzeln und das Räuspern. Letzteres allerdings sehr schwach ausgeprägt. Das Augenblinzeln ist wochenlang da, dann verschwindet es wieder. 

Wie geht es deinem Sohn mit den Tics? Nervt ihn das?

Das Entwicklungsstottern hat er selbst erst gegen Ende selbst registriert. Wenn er Wortanfänge fast zehn Mal neu begonnen hat, war es gegen Abend oft so schlimm, dass er mit den Worten „Ich kann nicht mehr“ aufgab.

Nach Rücksprache mit Erzieher*innen fällt den Kindern das umso weniger auf, je früher es auftritt. Wir sollten dennoch ein Auge drauf haben, denn sobald es dem Kind selbst auffällt, besteht die Gefahr, dass er aus Angst oder Scham weniger spricht. Zum Glück war das nicht der Fall. 

Das Räuspern hat er bisher nie selbst registriert, das Blinzeln merkt er schon. Oft legt er sich z.B. beim Fernsehschauen eine Hand an die Wange. Dann blinzelt er in der Tat weniger – so als würde es ihn beruhigen. 

Wie reagieren Außenstehende auf die Tics?

Als wir uns mit dem früheren Babyspielkreis getroffen haben, hatte ich den Eltern vorab Bescheid gegeben, dass er aktuell stottert, damit keiner „blöd“ fragt, vor allem nicht in seinem Beisein. Seine Klassenlehrerin habe ich über das Räuspern und Blinzeln informiert und sie darum gebeten, dass sie es in der Klasse evtl. thematisieren sollte, falls sich Kinder darüber lustig machen. 

Habt ihr euch mal professionell beraten lassen?

Da seine Oma Kinder- und Jugendpsychiaterin ist, haben wir – wenn nötig – eine Anlaufstelle bei solchen Dingen. Bezüglich des Entwicklungsstotterns war der Kinderarzt entspannt und wir sind den Weg „Beobachten – und wenn es gar nicht besser wird, wiederkommen“ gegangen. 

Viele Eltern wissen nicht, wie sie auf Tics reagieren sollen. Was meinst du, ist der schlimmste Fehler?

Das Kind darauf anzusprechen oder ihm zu sagen, es solle sofort damit aufhören, weil es nervt. Tics sind keine schlechte Angewohnheit und nicht steuerbar. Daher kann das Kind damit „nicht einfach“ aufhören. Man muss es ignorieren – auch wenn es schwerfällt. 

Was wünschst du dir für dein Kind?

Ich wünsche ihm, dass alle Tics verschwinden. Mangelndes Selbstbewusstsein ist bei ihm sowieso ein großes Thema – Tics würden die Situation in unserem Fall schwerer machen. 

f3d95d2ca19d418eaa9952422588a16e
Stottern

Du magst vielleicht auch

2 comments

  1. Ich finde das Interview zu dem Thema leider etwas oberflächlich…und ich bin eigentlich meistens jemand, der hier häufig positiv kommentiert!
    Ich arbeite selbst therapeutisch mit Kindern und würde mir wünschen, dass zu solchen Themen Betroffene zu Wort kommen, aber das dann anschließend auch durch Fachleute beleuchtet wird.
    Ich finde den beschriebenen Ansatz sehr gut, das Verhalten vor dem Kind nicht zu pathologisieren und das Kind natürlich nicht bloßzustellen… Dennoch verstärken sich Tics in der Regel in Stresssituationen und der Ursache sollten Eltern schon auf den Grund gehen…
    …alles gute für die Familie und den Jungen!

    1. Danke, da stimme ich zu. Der Junge hat einen großen Leidensdruck und artikuliert dass er das ( logischerweise) nicht selbst “ hinkriegt“ und die Eltern tun NICHTS? Einfach mal beobachten? ( wieviele Jahre noch?) Der Junge braucht therapeutische Hilfe und vor allem Ursachenforschung. Nicht um das Kind zu verunsichern aber das ist nichts was von allein weggeht. Bitte endlich mal handeln!? ( mal gucken ob das auch wieder zensiert wird weil keine rosa Regenbogenmeinung)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert