Kurswechsel ins Blaue: Eine Familie auf großem Segel-Abenteuer

Kurswechsel ins Blaue

Ihr Lieben, Familien, die sich aufmachen, faszinieren uns seit jeher. Auf Katrin Links wurden wir durch eine andere ausgewanderte Familie aufmerksam und sie war sofort bereit, uns von ihren Abenteuern an Bord mit Zwillingen samt Homeschooling zu berichten. In ihrem Buch Kurswechsel ins Blaue: Eine Familie auf großem Segel-Abenteuer geht sie noch mehr in die Tiefe.

Liebe Katrin, als deine Zwillinge zur Welt kamen, war dir da schon klar, wie die nächsten Jahre für euch aussehen würden?

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Als die Kids geboren wurden war der Segeltraum in den Hintergrund gerückt. Wir haben viele Jahre vorher bereits davon geträumt ein Boot zu haben aber es fehlte immer am Geld.

Wann habt ihr beschlossen „Es reicht jetzt, Wir kaufen einen Katamaran und segeln in die Welt raus. So kann Kindheit auch gehen!“?

Die OceanTwins

Ein „Es reicht jetzt“ gab es nicht, eher einen Aufwachmoment: Wenn wir es jetzt nicht tun, dann wird es in diesem Leben vermutlich nichts mehr mit der Weltbesegelung. Hintergrund: Dank Corona waren die Bootspreise gefallen und die Kids durften wir selbst unterrichten.

Für uns ein Glücksfall: Sie waren 1. Klasse und wir haben durchs Beschulen unserer Kinder die Angst davor verloren, dass wir das nicht hinbekommen würden. Sorge hatten wir allerdings schon, ob wir gute Lehrkräfte sein können. Dank Corona hatten die Jungs auch keine so gewachsenen Freundschaften, so dass wir uns nochmals bestätigt sahen, dass 2022, damals inzwischen in der 3. Klasse, allerhöchste Eisenbahn ist, dass wir lossegeln! Vielleicht würden die Jungs ein bis zwei Jahre später gar nicht mehr mit wollen.

Ihr seid 10.000 Seemeilen von Griechenland übers Mittelmeer und den Atlantik bis in die Karibik. Kannst du sagen, welcher der magischste Ort war?

Einkaufen auf Grenada

Der magischste Ort war das Meer. Es hat so unendlich viele Gesichter… Es ist wie eine Katze: schmeichelt dir um die Beine und fährt plötzlich seine Krallen aus… Der magischste Moment: Nachts vor dem spanischen Festland- eine Delfinschule jagte Sardinen und das Meer sowie die Körper der Delfine glitzerten dank Phytoplankton und Lumineszenz in tausenden Lichtpünktchen.

Du bist Meeresbiologin und Wissenschaftsjournalistin. Konntest du vom Schiff aus weiter arbeiten?

Ja wir haben unterwegs als Autoren gearbeitet. Es war eine sehr große Herausforderung! Den 24/7 mehrere Jobs gleichzeitig – unsere Arbeit, Lehrkräfte für die Kinder sein, für Freizeitspaß sorgen, Boot reparieren, Haushalt und Einkaufen – das ist ein explosiver Cocktail für uns als Paar gewesen.

Wie habt ihr all das finanziert und welche Bedenken hattet ihr vorab?

Wir haben einen Kredit auf unser Haus aufgenommen. Und die Oma hat uns ihr Erspartes geborgt. 

Ihr habt dreieinhalb Jahre Schul- und Arbeitsalltag an Bord erlebt, mir hat ja schon Corona mit der engen Betreuung und Beschulung der Kinder gereicht, wie habt ihr das gemacht? Wie kamt ihr an Material, wie habt ihr euch verstanden?

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Schulmaterial  habe ich jede Menge mitgenommen, es gibt ja Lernhefte für alle Klassenstufen. Ab der 5. Klasse waren die Bücher „Gymnasium, quer durch die 5./6. Klasse“ die Grundlage. Die Bücher haben wir uns in die Karibik schicken lassen. Wir haben uns auf Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Englisch konzentriert, weiteres Wissen hat die Reise an sich gesponsert.

Die Kinder gaben Impulse, beispielsweise auf Curacao ein Wakeboard zu bauen und wir haben versucht, es zu ermöglichen. Geografie und Geschichte gab’s entlang der Route, z.B. Sklavengeschichte auf der Atlantiküberquerung (sehr gut nachvollziehbar für die Kinder). Alles in allem haben wir uns gut verstanden, auch wenn wir stressmäßig oft an unsere Grenzen kamen. Die Zeit mit den Kindern ist/war aber jede Sekunde wert!!! Es gibt nichts Schöneres als teilzuhaben, wenn sie staunen oder sich freuen. <3

Ihr habt auch wilde Stürme überlebt, wie ging das mit Kindern an Bord? Wurde es irgendwann auch mal richtig brenzlig?

Kurswechsel ins Blaue

Die Kids haben die meisten Stürme und Unwetter verschlafen. Es gab einige Gewitter, die haben mich das Fürchten gelehrt! Das Schlimmste war allerdings eine allergische Reaktion eines der Kinder auf Ibuprofen mitten auf dem Atlantischen Ozean – es gab kein Zurück und drei Wochen See lagen vor uns… 

Gab es weitere Dinge, die euch total überrascht haben und mit denen ihr nicht gerechnet habt?

Es hat uns überrascht, wie oft an einem Boot etwas kaputt geht und wie viel Zeit und Geld für die Reparaturen drauf geht. Uns war klar, dass ein gebrauchtes Boot Marotten hat, aber dass man sich „um die Welt repariert“ hat uns etwas überrascht. Die schlechte Qualität vieler Ersatzteile hat uns ebenso erstaunt – ein Boot muss sicher sein und das Material sollte dafür sorgen… Wir wollten ökologisch um die Welt, doch bezüglich Solarsystemen und E- Technik sind wir ebenso enttäuscht.

endlich ein ordentliches Dingi

Du erzählst von Delfinschulen, was genau ist das?

Delfinschulen sind einfach Delfingruppen im Wasser.

Wie ging es für euch und die Kinder nach der Reise weiter? Oder seid ihr noch unterwegs?

Wir sind zurück in Deutschland – eines der Kids wollte mit 13 in die Schule. Der zweite Zwilling weniger, doch wir hatten einen Familienvertrag gemacht: Wenn einer zurück will, ist die Bootszeit beendet. Die Boys gehen jetzt in die Schule, haben die 7. Klasse erfolgreich absolviert. Derzeit reisen wir im Wohnmobil gen Norwegen und freuen uns über den Szenenwechsel, sind gespannt, was uns am Ende besser gefällt – Boot oder Bus. Das Boot wartet noch etwas in Panama auf uns – wer weiß? Vielleicht setzen wir ja doch bald wieder Segel? 

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