Die große Liebe: Sie wollte nie heiraten, dann traf sie IHN in einem albanischen Bergdorf

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Ihr Lieben, manchmal dreht sich das Leben in wenigen Wochen oder Tagen. Bei unserer Leserin Annette war das ein bisschen so, ihre Geschichte liest sich wie ein wunderschöner Roman mit Happy End. Naim sollte ihr Leben auf den Kopf stellen – und sie seines. Hier erzählt Annette, wie sie sich trafen, verliebten und wie heute alles klappt, denn es kam bald noch jemand dazu…

"Ich bin 34, habe einen Mann aus einem kleinen Bergdorf in Albanien und wir haben zusammen eine wundervolle Tochter mit 8 Monaten. Hätte man mir vor fünf Jahren erzählt, dass diese Zeilen von mir stammen, ich hätte es niemals geglaubt.

Kennen gelernt haben wir uns in den Pfingstferien 2013 in Albanien, also ich dort mit einer Freundin mit dem Rucksack herumgereist bin.

Das Jahr 2013 hatte für mich mit Prüfungen begonnen, die es in sich hatten. Ich saß nach der Arbeit immer bis spät abends und am Wochenende dran. Als mir irgendwann die Motivation komplett ausging, träumte ich etwas weg und dachte an die ersten Ferien ohne Prüfungsstress. Dabei erinnerte ich mich, dass ich vor vielen Jahren mal auf dem Balkan unterwegs gewesen war und ich damals dachte: Irgendwann will ich mal nach Albanien, denn über dieses Land weiß ich eigentlich nichts, außer, dass es jahrzehntelang hermetisch abgeriegelt war und ich niemanden kenne, der bisher dort war. Inzwischen kannte ich immer noch niemanden, der dort war. Dabei, so stellte ich schnell fest, lag es nur knapp zwei Flugstunden von uns entfernt und hatte eine traumhafte Natur und überaus gastfreundliche Menschen zu bieten. Am nächsten Tag hatte ich eine Freundin davon überzeugt, in den Pfingstferien mitzukommen (ich hatte ihr ein Bild vom Koman-Stausee geschickt und das reichte ihr).

Ich buchte die Flüge und durch die anstehenden Prüfungen vergaß ich unsere Urlaubsplanung auch fast wieder.

Im Flieger merkten wir dann plötzlich, dass wir zwar das Hostel in der richtigen Stadt (in Tirana) gebucht hatten, unser Flieger aber in die Hauptstadt des Kosovo, nämlich nach Prishtina, ging. Dazwischen lagen 4 ½ Stunden Fahrt, und Busse gebe es zu unsere Ankunftszeit keine mehr, wie uns unsere Nebensitzer bereitwillig Auskunft gaben. Dies sei aber überhaupt kein Problem, denn sie würden von Verwandten abgeholt und könnten uns ein Stück mitnehmen und danach würde sich sicher auch wieder jemand finden.

Da wir ja sowieso keine Alternative hatten, ließen wir es einfach auf uns zukommen und, es klappte! Zu 5. Quetschen wir uns samt Gepäck in einen alten verbeulten Golf. Wir kamen noch am selben Abend im Hostel an. Diese überwältigende Hilfsbereitschaft zog sich durch den ganzen Urlaub, so dass wir auf Umwegen dann irgendwann in einem kleinen abgeschiedenen Bergdorf in einem schnuckeligen Guesthouse landeten. (Manche Freunde sagen daher auch, ich hätte mich zuerst in das Land verliebt und mir einfach nur daher einen Mann von dort ausgesucht. 😉

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Tja, und wie es der Zufall so will, dort traf ich meinen Mann. Er kommt aus diesem Dorf und hatte ein paar Tage frei und half seinem Cousin in dem Guesthouse etwas aus.

Wir sahen uns, redeten 2 Abende lang ununterbrochen über Gott und die Welt, und es fühlte sich für uns beide an, wie angekommen sein. Dann war der Urlaub auch schon wieder vorbei und meine Freundin und ich mussten die Heimreise antreten. Wir wussten, wir wollen uns wieder sehen. Da wir beide aber extrem schüchtern waren/sind, traute sich niemand so wirklich, dies auch auszusprechen. Daher legte ich ihm einfach meine Kontaktdaten in den Schuh, bevor wir frühmorgens aufbrachen.

Es dauerte keine zwei Tage und wir schrieben uns fast ununterbrochen Nachrichten, bis wir uns dann nach 4 ½ Monaten endlich wieder sehen konnten. Meine Eltern waren anfangs natürlich skeptisch, dass mich jemand besucht, den ich gerade mal ein paar Stunden kennen gelernt hatte und der dann auch noch für 3 Monate bleibt. Uns war es aber ernst damit und jegliche skeptischen Einwände wurden vom Tisch gefegt. (Obwohl ich sie im Nachhinein natürlich gut verstehen kann, vor allem, seitdem wir selbst eine Tochter haben).

Nachdem ihn meine Familie kennen gelernt hatte, war es aber kein Thema mehr. Eifrig überlegten wir nun, wo wir unseren gemeinsamen Lebensmittelpunkt in Zukunft haben könnten. Das Problem war: Ich sprach kein Albanisch und bin auch aufgrund meines Berufs nicht wirklich flexibel, mein Mann sprach kein Deutsch und konnte seinen Beruf so eigentlich auch nur in Albanien ausüben, und nach England (das war unsere gemeinsame Sprache) zog es uns beide nicht. Es war also klar, einer muss sehr viel aufgeben. Ich liebe meinen Beruf sehr und ich bin meinem Mann heute noch dankbar dafür, dass er anbot, nach Deutschland zu kommen und nicht erwartete, dass ich nach Albanien ziehe, obwohl es dort üblich ist, dass der jüngste Sohn (das ist er) mit seiner Frau bei den Eltern bleibt. Sowieso lernte ich schon bald seine Großfamilie kennen und lieben. Obwohl ich nach wie vor kaum albanisch spreche, ist es ein sehr inniges Verhältnis und ich hatte noch gar nie das Gefühl, dass ich ihnen ihren Sohn weggenommen habe oder dass ich komisch angeschaut werde, da ich ja schon einen komplett anderen Hintergrund habe. Auch die Tatsache, dass wir unverheiratet quasi zusammen lebten, wenn er mich besuchte, war kein Problem.

Ziemlich genau 1 Jahr nach unserem Kennenlernen verlobten wir uns. Auch das, also dass ich mal heiraten würde, war davor immer völlig außerhalb meiner Vorstellungskraft gewesen. Aber plötzlich fühlte es sich richtig an.

Es folgte eine lange und nervenaufreibende Zeit, in der wir bei vielen Behörden sehr unschöne Erfahrungen machten. So wurde uns nicht nur einmal unterstellt und dies auch sehr direkt gesagt, dass es sich um eine Scheinehe handle und sie erst schauen müssten „ob ich mir den auch leisten könne“. Für mich, die bis dahin nie Diskriminierung erlebt hatte, war dies schwer zu ertragen. Mein Mann blieb immer erstaunlich gelassen (er ist einfach der ausgleichende, ruhige Part). Neben seiner Arbeit lernte er zusätzlich Deutsch um dann, nachdem wir alle Papiere beisammen hatten, auch das Heiratsvisum zu bekommen. Bis zwei Wochen vor der Hochzeit war nicht klar, ob die Genehmigung auch erteilt wird, weshalb wir dann auch im kleinen Familienkreis im Herbst 2015 heirateten. Die Feier sollte dann ein Jahr später folgen, aber was folgte, war im Herbst 2016 unser kleiner Sonnenschein. Dies ist auch insofern besonders, da es lange nicht klar war, ob ich überhaupt Kinder bekommen kann. Als wir den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten, waren wir überglücklich!

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Schnell stellte sich aber auch die nächste Frage: Wie schaffen wir das finanziell? Mein Mann musste, um in Deutschland bleiben zu dürfen, den Integrationstest machen und natürlich schnell mehr Deutsch lernen, was ihm auch gut gelang. Womit wir aber nicht gerechnet hatten, war, dass ihm sein Abitur und Studium nicht anerkannt wurden. Das heißt, er muss hier mit Mitte 30 nochmals komplett von vorne beginnen.

Es war also klar, dass ich nach dem Mutterschutz wieder mit 100% einsteigen werde und mein Mann die komplette Elternzeit nimmt, bis er dann im Herbst diesen Jahres mit seiner Ausbildung beginnen wird. Also quasi ein Rollentausch. Und was soll ich sagen: Mir fällt es wesentlich schwerer als ihm. Er liebt unsere Tochter über alles uns sie ihn. Auch wenn ich sehr gerne arbeite, vermisse ich sie doch auch sehr und es ist ziemlich anstrengend, das Arbeiten und Muttersein unter einen Hut zu bekommen (und das Stillen kann mir mein Mann ja auch nicht abnehmen).

Was ich an meinem Mann absolut bewundere, ist diese Selbstverständlichkeit, mit der er Gleichberechtigung lebt. Ich hatte ihm ganz zu Beginn unserer Beziehung einmal gesagt, dass ich doch sehr emanzipiert aufgewachsen sei und man dies als Partner (von mir) auch wollen muss. Er schaute mich dabei nur unverständlich an, denn für ihn war es einfach kein Thema. So trägt er unsere Tochter auch in Albanien selbstverständlich in der Trage, auch wenn er dort weit und breit der einzige Papa ist. Windeln wechselt eigentlich auch nur er, denn wenn ich das mache, beschwert sich unsere Tochter. Dafür bringe ich sie jeden Abend zu Bett, da hat er dann frei und darf sich auch mal erholen. Und der Haushalt wird einfach am Wochenende gemeinsam erledigt oder auch mal sein gelassen. 😉

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Ich habe mich immer gefragt, woher das kommt, dass zwei Menschen, die nicht unterschiedlicher sozialisiert sein könnten, so gut zusammen passen. Und ich denke, das Elternhaus spielt einfach eine große Rolle. Die Eltern meines Mannes sind schon 8o Jahre alt (mein Mann ist ein absoluter Nachzügler) und gingen damals nur wenige Jahre in die Schule und heirateten sehr jung einen für sie ausgewählten Partner. Beide sind jedoch äußerst liebevolle und herzliche Menschen, die zusammen sieben Mädchen und zwei Jungs großzogen. Dabei wurden die zwei Jungs den Mädchen nie vorgezogen sondern die Eltern achteten sehr darauf, dass gerade die Mädchen unabhängig und selbstständig werden. Meine Eltern vermittelten mir immer das Gefühl (und lebten mir dies auch vor), dass alle Menschen, unabhängig ihrer Herkunft und ihres sozialen Status gleich viel wert sind. Auch ist es für sie total normal, dass mein Mann mit unserer Tochter zu Hause ist. Das Lustige ist, dass die Familie meines Mannes manchmal sogar fast zu sehr auf „meiner Seite“ steht. So werde ich, wenn wir dort zu Besuch sind, umsorgt wie eine kleine Prinzessin und mein Mann wird dauernd dazu angehalten, dies auch zu tun.  Einmal hatten wir dort einen kleinen Streit (wegen einer Nichtigkeit) und was tat meine Schwiegermutter: Sie kam dazu und drängte meinen Mann, sich zu entschuldigen, obwohl sie nicht einmal verstand, um was es geht.

Natürlich gibt es in Albanien nach wie vor sehr patriarchale Strukturen, vor allem auf dem Land, aber was gerade in der Familie meines Mannes deutlich wird, ist, dass man eben nicht verallgemeinern kann und dass es immer auf die einzelnen Menschen ankommt.

Klar haben wir als Paar auch unsere Auseinandersetzungen, aber der kulturelle Unterschied bzw. die Herkunft spielen dabei eigentlich keine Rolle. Es ist sogar eher so, dass ich als Deutsche die temperamentvolle, impulsive bin und mein Mann der ruhende, ausgleichende Pool. Daher sind es  auch die üblichen Dinge, wie Ordnung in der Wohnung oder wer jetzt am Wochenende doch mal den Staubsauger schwingt. Insofern sind wir eine fast total normale kleine Familie."

 

Zum Weiterlesen:

Sandkastenliebe: Hier erzählen drei Leserinnen ihre Liebesgeschichte, die sooo früh begann

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4 comments

  1. Liebe Lisa,

    Liebe Lisa,

    ich befinde mich in einer ähnlichen Lage. Nur lässt man meinen Freund nicht nach Deutschland. Die einzige Möglichkeit wäre heiraten. Ich möchte jedoch nichts überstürzen.
    Kannst du mir weiterhelfen? Wie war das damals bei euch ?

    LG

  2. Danke für die Inspiration
    Wir haben letztes Jahr etwas ähnliches durchgemacht. Ich habe meinen albanischen Mann im Urlaub auf Korfu kennengelernt und wir haben im September in Deutschland geheiratet. Zwei Tage vor seinem Flug macht deutschland und damit vier Tage vor der Hochzeit kam die E-Mail von der Botschaft, dass das Visum fertig sei. Eine wahnsinnig aufregende Zeit und ein riesiger Papieraufwand. Während der Wartezeit hat mein Mann ganz viel Deutsch gelernt, sodass er sobald er seinen Aufenthaltstitel hatte gleich arbeiten konnte. Anfang Dezember haben wir in Deutschland kirchlich geheiratet und Ende Dezember in Albanien eine muslimische Trauung mit riesengroßer Party gehabt. Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen, ich war zunächst sehr skeptisch da ich nichts über das Land und die Kultur wusste. Ich war auch sehr überrascht, dass Gleichberechtigung für meinen Mann selbstverständlich ist und auch die verschiedenen Religionen keinerlei Probleme darstellen. Bevor der muslimische Pfarrer zu seinen Eltern nach Hause kam, wurden nur schnell die Schnapsgläser weggeräumt, aus Respekt ;-). Mein Vater war auch mit in Albanien und sagt, er habe noch nie so eine herzliche gastfreundliche Familie erlebt. Wir sind alle einfach überglücklich.
    Dein Artikel hat mich in der langwierigen Wartezeit auf das Visum wirklich motiviert, vielen Dank!

  3. Hallo, fand deinen Artikel
    Hallo, fand deinen Artikel sehr nett. Wie du eventuell bereits weißt, war Shkodra das kulturelle Zentrum Albaniens und die meisten Menschen dort sind sehr emanzipiert ( die richtigen Shkodraner). Leider kennt man in Deutschland nur Albaner aus dem Kosovo, deshalb geht man davon aus, dass auch in Albanien die Männer sehr patriarkalisch sind. Abgesehen vom Norden des Landes sind sowohl Männer als auch Frauen sehr emanzipiert, vor allem in den Städten.
    Ich persönlich, komme aus dem Süden Albaniens und als ich 2000 zum Studium nach Deutschland kam, emfand ich Deutsche als sehr patriarkalisch. In gut situierten Familien bleibt die Frau zu Hause und kümmert sich um die Kinder und die Männer gehen arbeiten. Eine Mutter, die das Kind zur Krippe schickt, wird als Rabbenmutter gestempelt. In Albanien war das aber immer ganz normal, das beide Elternteile arbeiten gehen. Deutsche Männer sind nur oberflächlich modern, in Wahrheit sind sie ganz die alten. Auch durften albanische Frauen viel früher wählen als deutsche und schweizerische Frauen und mussten in den 60er Jahren ihre Männer nicht Fragen, ob sie arbeiten gehen dürfen oder nicht. Generell ist die Gesellschaft in Albanien matriarkalisch geprägt, auch wenn es manmach äußerlich anders ausschaut.
    Alles gute euch beiden!
    Ana

  4. Wow, welch eine schöne,
    Wow, welch eine schöne, berührende Geschichte! Es gibt so viele Vorurteile über Albanien und „die“ Albaner, und generell sind gerade binationale Paare viel Unwissen, Intoleranz und Häme ausgesetzt. Umso schöner, dass die Beiden es so toll hinbekommen. Ich wünsche eurer Familie von Herzen alles Gute!