Einzelgänger: Mein Kind will sich nie mit Freunden verabreden

Hallo zusammen, ich heiße Inga. Mein Sohn ist 10 Jahre, geht in die vierte Klasse – und verabredet sich nicht. Nie.

Dabei spielt er eigentlich gerne mit anderen Kindern, auch wenn er sich dabei nicht immer geschickt verhält…. Aber im Hort spielt er durchaus mit seinen Klassenkameraden.

Zu Hause spielt er immer mit seinem kleinen Bruder, der acht Jahre alt ist und in die dritte Klasse geht. Wenn der sich mal verabredet, kann der Große nichts mehr mit sich anfangen und hängt nur rum.

Daher hat der Große angefangen, dem Kleinen seine Verabredungen schlecht zu machen oder umwirbt selbst dieses Kind und will unbedingt sein Freund sein.

Wir haben schon oft mit unserem Großen gesprochen und gesagt, dass er sich selbst Freunde suchen soll und dass wir gerne auch Freunde bei uns haben oder ihn zu Freunden bringen. Aber es nützt nichts. Er will nicht – sondern er hängt an meinem Rockzipfel wie ein Dreijähriger.

Kennt das jemand? Was habt Ihr gemacht? Und gibt sich das vielleicht mit der Zeit?

Foto: Pixabay



4 comments

  1. Ich denke, dass es wichtig wäre, dass mit Ingas älterem Sohn überhaupt erstmal darüber gesprochen wird, dass da ein Problem vorhanden ist: nämlich, dass es nicht in Ordnung ist, wenn er seinem jüngeren Bruder seine Verabredungen madig macht, und dass es Inga stört, wenn er an Nachmittagen ohne seinen jüngeren Bruder „an ihrem Rockzipfel hängt“. Statt ihm den Vorschlag zu machen, dass er sich Freunde suchen soll, würde ich ihn eher mal fragen, was er sich denn wünschen würde an Nachmittagen, wenn sein jüngerer Bruder verabredet ist. Vielleicht hat er nach der Schule einfach in erster Linie den Wunsch nach Kontakt zu vertrauten Personen aus der Familie. Wenn dem so wäre, müsste in einem nächsten Schritt geschaut werden, wie dieser Wunsch nach Nähe zumindest in Teilen erfüllt werden kann – und wie Ingas älterer Sohn sich seine Zeit am Nachmittag aber auch selbst strukturieren kann. Je nachdem, wie es Inga zeitlich möglich ist, könnte sie ihm den Vorschlag machen, dass sie nachmittags mit ihm ein (kurzes) Spiel macht o.ä., wenn sein Bruder weg ist und er sich den Rest der Zeit selbst beschäftigt. Hier wäre es dann die Verantwortung von Ingas Sohn, sich zu überlegen, was er machen möchte (und auch das sollte ihm so vermittelt werden): Alleine drinnen spielen oder je nach Wohnsituation draußen, ein neues (oder altes) Hobby aufgreifen und dem nachgehen – oder sich ja vielleicht sogar doch mit jemandem aus seiner Klasse treffen? Ich denke, mit 10 ist es schon auch ein wichtiger Teil der Autonomieentwicklung, dass man lernt, seine Zeit selbst zu gestalten und selbst auf Möglichkeiten zu kommen, wie man eine schöne Zeit verbringen kann. Ob das zusammen mit anderen Kindern ist oder eben allein. Denn wie hier schon jemand geschrieben hat: Manche Kinder/Menschen haben einfach kein so großes Bedürfnis nach allzu vielen unterschiedlichen Kontakten.

  2. Hallo, bei uns ist die Konstellation ähnlich. Großer Bruder mit Kontaktschwierigkeiten und kleiner Bruder mit vielen Verabredungen. Was sind unsere Strategien:
    Akzeptanz: Jeder Mensch ist anders, nicht alle brauchen nach Schule und Hort noch weitere Kontakte.
    Getrennte Verabredungen: Versuchen, Verabredungen zB zu treffen, wenn der andere beim Sport ist.
    Jüngere Spielpartner suchen: Für Kinder mit Kontaktschwierigkeiten ist der Austausch mit Gleichaltrigen oft frustrierend. Daher könntest Du gezielt jüngere Kinder einladen, um positive Spielerlebnisse zu fördern.Vielleicht gibt es irgendwo Geschwister, zB 3. und 2. Klasse? Da freuen sich auch die anderen Eltern :).
    Sport bzw. stärkende Hobbies: Selbstbewusstsein und Kontakt fördern.
    Mit dem jüngeren Kind reden: Die Schwierigkeiten benennen und einen Raum schaffen, auch über die Themen des Kleinen zu sprechen.

    Vielleicht machst Du das schon, vielleicht ist etwas für Dich dabei? Alles Gute für Dich und Deine Kinder!

  3. Liebe Inga,

    ganz wichtig und am Wichtigsten: wie geht es denn Deinem Sohn?

    Würde er(!) sich selbst aktuell mehr Kontakte zu Gleichaltrigen wünschen, einen „besten Freund“, weiß vielleicht nicht so recht wie er das anstellen soll, traut sich nicht ran? Leidet vielleicht darunter?

    Oder mag er das eigentlich selbst gerade gar nicht, ist vielleicht mal eifersüchtig auf den extrovertierten Bruder aber lieber mit sich?

    Das ist sicher nicht so einfach herauszufinden. Aber mE sehr sehr wichtig.

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