Matheschwäche: „Die Kinder stärken statt Druck zu machen“

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„Mama, ich schaff es nicht!“, wiederholt Jonas hilflos. Seine Mama reagiert nicht, denn neben Anne gibt der Dampfkochtopf ein ohrenbetäubendes Zischen von sich. Sie bereitet das Abendbrot zu. Jonas sitzt daneben am Tisch und verzweifelt.

Er besucht die 3. Klasse und hat Mühe in Mathe. Damit ist er eines von durchschnittlich ein bis zwei Kindern in jeder Schulklasse, die grundlegende Rechenschwierigkeiten belasten. Oft werden ihre Probleme auch als Dyskalkulie oder Rechenschwäche bezeichnet. Vor ihm liegt ein Zusatzheft mit unzähligen Rechenaufgaben. „Jonas, lös die 10 Aufgaben auf der Seite. Dann gibt es Essen“, kündigt Mama Anne an. Entmutigt lässt Jonas den Kopf sinken.

Spürst du es? Nicht nur im Kochtopf steigt der Druck. Auch bei Jonas. Anne folgt einem Mythos zum Rechnenlernen. Unbewusst. Damit setzt sie Jonas zusätzlich unter Druck.

Plagen dein Kind ebenfalls Matheschwierigkeiten? Und du möchtest es entlasten? Dann ist dieser Beitrag für dich:

Wir zeigen dir 5 weitverbreitete Mythen, mit denen du als Mama oder Papa unbewusst Druck auf dein Kind mit Rechenschwierigkeiten ausübst. Zudem verraten wir dir, wie du diese Mythen umdrehen und so für dein Kind einsetzen kannst.

Mythos #1: Mehr ist besser! oder: Der Elefant auf dem Kinderteller.

Ein grauer Berg. Das ist alles, was Jonas vor sich sieht. Sein Kinderteller, sein Besteck und sein Becher – alles ist verschwunden. Unter dem riesigen Hinterteil eines Elefanten. Dieser hat sich frech auf Jonas Essplatz gesetzt. Eigentlich hat Jonas einen Heißhunger. Doch wie soll er diesen Elefanten verspeisen?

Natürlich ist diese Geschichte unserer Fantasie entsprungen. In ihr steckt die Frage: Wie kannst du eine scheinbar unüberwindbare Herausforderung meistern? Jonas steht genau vor so einer. Das Zusatzheft ist voller Aufgaben, die er nicht lösen kann. Die vielen Übungen überfordern ihn. Sein Mut sinkt auf den Nullpunkt. Du möchtest wissen: Lernt Jonas beim Üben mindestens etwas?

Die ernüchternde Antwort lautet: NEIN! Üben bedeutet etwas Verstandenes zu festigen. Wie wenn Jonas sein Instrument übt. Er kennt die Noten und weiß, wie das Stück klingt. Durch die Wiederholung entwickelt er Sicherheit und Routine.

Beim Rechnen ist es anders: Jonas versteht nicht, wie er die Aufgaben rechnen kann. Er verwendet den zählenden Weg und kommt rechnerisch zu keinem Ergebnis. Deshalb bringen ihm die vielen Zusatzübungen nur eines: mehr Überforderung, mehr Scheitern. Und keine Fortschritte.

Zurück zum Elefanten auf Jonas Teller. Wie isst er nun diesen Elefanten? Die banal einfache Antwort lautet: Biss für Biss. Genauso ist es auch in Mathe. Jonas braucht weniger Aufgaben, und gleichzeitig solche, die er rechnen kann. Am besten gelingt ihm Mathe aufgeteilt in „mundgerechte“ Bissen. Wir laden dich ein: Leg die Stapel mit Arbeitsblättern und Zusatzheften weg. Gib deinem Kind mit Rechenschwierigkeiten wenige, dafür passgenaue Aufgaben. Weniger ist hier viel mehr.

Mythos #2: Nur die Schule zählt! oder: Was 2500 Klopapierrollen bewirken.

Sie ordneten alle in Reih und Glied. Ganze 2500 Klopapierrollen. Darauf schichteten die Schülerinnen und Schüler an der Bullock Creek High School in Midland, Michigan weiter Rolle um Rolle. Bis die Pyramide aus 27434 Klopapierrollen fertig war. Damit knackten sie den Guinness Weltrekord für die höchste Klopapierrollen-Pyramide. Mit den 2500 Rollen zuunterst schufen die Schülerinnen ein sicheres Fundament. Sie verliehen der Konstruktion so Stabilität.

Bei Bauwerken ist es einleuchtend: Solides Fundament = hohe Stabilität. Bei Mathe vergessen viele Eltern dieses Prinzip. Ihr Blick hängt am aktuellen Schulstoff fest. Das darunter liegende Fundament beachten sie wenig. Lass uns das am Beispiel von Jonas verdeutlichen.  Er ist in der 3. Klasse und soll Aufgaben im großen Zahlenraum rechnen. Seine Mama übt mit ihm deshalb Aufgaben wie 726 + 138 oder 865 – 249.

Doch Jonas schafft sie nicht. Wie soll er denn auch?  Er kann mit den Mengen 6 und 8 nichts anfangen. Bei 6 + 8 verwendet er den zählenden Weg. Bei 26 + 38 bleibt er auf dem Rechenweg hängen. Und bei 65 – 49 geht gar nichts mehr.

„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“ Anton Bruckner

Deshalb: Erst wenn Jonas sichere Grundlagen hat, wird ihm der aktuelle Schulstoff gelingen. Das dauernde Üben des aktuellen Matheschulstoffs überfordert ihn. Zudem verschlingt es viel Zeit und Kraft. Diese fehlt Jonas, um sichere Rechengrundlagen zu entwickeln.

Wir laden dich ein: Verschiebe deinen Blick weg vom aktuellen Schulstoff auf die Grundlagen – solange dein Kind das braucht. Damit nimmst du deinem Kind mit grundlegenden Matheschwierigkeiten den Druck und schaffst Raum, damit es ein solides Fundament entwickeln kann.

Mythos #3: Noten sind der Gradmesser! oder: Warum du täglich feiern darfst.

Er steht auf den Zehen. Macht sich lang und länger. Fast sind seine Fingerchen am Ziel. Doch es reicht nicht. Der Dreikäsehoch kommt nicht an sein Spielzeug auf dem Tisch. Frustriert beginnt er zu weinen. Auch Kindern mit grundlegenden Matheschwierigkeiten geht es so. Sie üben und üben. Vergeblich. An Prüfungen erzielen sie doch wieder ein ungenügendes Ergebnis. Bei Jonas ist es genauso.

Seine Eltern üben mit ihm intensiv vor Tests. Sie erklären immer wieder; auch wenn Jonas die Rechenwege wieder vergisst. Sie geben ihm große Mengen an Aufgaben; auch wenn er damit überfordert ist. Wenn er wieder mit einer 5 nach Hause kommt, sieht er den traurigen Blick seiner Mama. Seine Eltern signalisieren: Mathenoten sind für uns wichtig. Er spürt das – auch wenn sie es nicht aussprechen.

Gleichzeitig kann er diesem Anspruch nie genügen. Das verstärkt sein Gefühl des Scheiterns. Wir laden dich ein: Richte deinen Blick auf das, was deinem Kind bereits gelingt. Übersehe das viele Rot und die 5 auf dem Prüfungsblatt. Schau auf die kleinen Fortschritte: die 4 Aufgaben, bei denen dein Kind den ersten Rechenschritt geschafft hat. Freue dich darüber, dass dein Kind 10 von 20 Aufgaben alleine bearbeitet hat. Bestärke dein Kind mit den vielen kleinen Dingen, die positiv laufen.

So hat es Erfolgserlebnisse. Zudem nimmst du ihm eine große Last: Du schenkst ihm die Freiheit, sein Bestes zu versuchen. Mit einem guten Gefühl.

Mythos #4: Nur alleine geht es! oder Warum Einzelkämpfer untergehen. 

Schließ die Augen. Stell dir eine Hausaufgabensituation aus deiner Kindheit vor. Vermuten wir korrekt? Du sitzt in deinem Zimmer am Pult und bearbeitest die Aufgaben alleine. Dieses Bild haben viele Erwachsene abgespeichert. Sie glauben: Richtiges Üben und Lernen kann nur alleine stattfinden.

Dahinter steht der Glaubenssatz: Wenn ich meinem Kind helfe, dann lernt es nichts. Dann wird es die Aufgaben in der Schule auch nicht eigenständig schaffen. Das macht dann Sinn, wenn Kinder etwas sicher beherrschen. Dann dürfen sie bei den Hausaufgaben zeigen, was ihnen selbständig gelingt.

Bei Kindern mit grundlegenden Matheschwierigkeiten ist das anders: Sie kommen in Mathe alleine nicht zurecht. Jonas schafft es nicht, eine einzige Rechenaufgabe verstehend zu lösen. Wie soll ihm denn ein ganzes Arbeitsblatt alleine gelingen? Ohne Mamas Hilfe traut er sich gar nicht mehr an die Aufgaben. Denn zu häufig ist er bereits gescheitert.

Wir laden dich ein: Begleite dein Kind mit Matheschwierigkeiten ganz eng. Zeige ihm die Rechenwege Schritt für Schritt vor und bestärke ganz viel. Deine Präsenz gibt ihm Sicherheit und bewahrt es davor, seinen Mut zu verlieren.

Mythos #5: Das kommt schon! oder Wieso du ungeduldig sein darfst.

„Haben Sie Geduld!“ Das sagte Jonas´ Lehrerin vor einem Jahr. Damals besuchte er die 2. Klasse. Seine Mama bemerkte, dass Jonas immer häufiger verloren vor einem Mathearbeitsblatt saß. Im Elterngespräch sprach sie die Lehrerin darauf an. Diese beschwichtige: „Jonas braucht einfach noch etwas mehr Zeit. Das kommt schon!“ Diese Prognose hat sich nicht bewahrheitet.

Im Gegenteil: Inzwischen ist Jonas in der 3. Klasse. Und die Mathesituation hat sich zugespitzt. Er verwendet immer noch den zählenden Weg. Nur kommt er damit im großen Zahlenraum überhaupt nicht mehr zurecht.

Jonas Erfahrung zeigt es: Abwarten bringt nichts. Denn der zählende Weg wächst sich nicht aus. Sichere Rechengrundlagen entwickeln sich nicht von alleine. Kinder, die Mühe mit den Rechengrundlagen haben, brauchen gezielte Unterstützung.

Wir laden dich ein: Gehe die Situation deines Kindes mit Matheschwierigkeiten aktiv an. Denn erst mit sicheren Grundlagen kann es wieder mit Freude und Selbstvertrauen an Mathe rangehen.

Ein Riesensprung für dein Kind

Gerade wenn die Situation festgefahren und überwältigend scheint. Dann ist eine Veränderung besonders wertvoll. Dann können wir Mamas und Papas einen großen Unterschied für unsere Kinder machen.

Du hast gerade 5 Mythen zum Rechnenlernen kennengelernt. Zudem hast du erfahren, wie du sie umdrehen und für dein Kind mit Dyskalkulie einsetzen kannst.

Wir laden dich ein: Starte im Kleinen. Beginne dort, wo dir eine Veränderung am leichtesten gelingt.

Vielleicht indem du dein Kind heute bei den Hausaufgaben eng begleitest. Oder ganz bewusst auf die kleinen Dinge achtest, die es bereits selbst hinbekommt. Dieser erste Schritt ist ein riesiger Sprung für dein Kind. Es spürt: „Meine Mama und mein Papa sind auf meiner Seite. Sie verstehen mich!“ Das gibt ihm Vertrauen und Sicherheit. Damit entsteht Raum für dein Kind und dich, um die Ursachen der Matheschwierigkeiten anzugehen.

Wir sind gespannt: Welchen ersten Schritt nimmst du, um die Mathesituation bei deinem Kind zu entspannen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar.

Monika & Thomas sind Lerncoaches spezialisiert auf Rechenschwierigkeiten, Dyskalkulie & LRS. In ihrem kostenlosen eBook zeigen sie Eltern, wie sie die Mathesituation mit ihrem Kind rasch und spürbar entspannen können.

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21 comments

  1. Ich lese hier nur mehr, mehr, mehr..? In der Überschrift ist doch alles gesagt, NICHT noch mehr Druck, mehr Übungen und auch noch die wichtige Freizeit/ Entspannung zuballern! Akzeptiert eure Kinder einfach mal, den Überdruck schaffen nur die Eltern. Und das heißt auch gegenüber der Schule/ Lehrer fürs Kind eintreten wenns da überhand nimmt. Zumal ja wohl niemand von uns ihnen Fehler und Schwächen ist?

  2. ich möchte an dieser Stelle anfügen, dass es zum erlernen von „Alltagsmathematik“ eine ganz tolle Methode gibt, wie „zählende Kinder“ auch über den 10er-Raum hinaus mit dem material, was sie immer dabei haben (ihre Hände) bis in den 1000er Raum rechnen können. Leider ist diese Methode („yes we can- rechnen mit Links und rechts“ ) noch nicht allzu bekannt, es lohnt sich aber, sich damit näher zu beschäftigen, wenn man ein Kind hat, dass sich mit den Grundlangen schwer tut.
    Ursprünglich wurde sie entwickelt für Trisomie 21- uns hat sie überzeugt:
    Unsere Eigene Tochter (12 Jahre, Trisomie 21) ist mit Hilfe dieser Methode in der Lage, plus und minus Aufgaben im 100er Raum ohne Hilfe zu lösen, im 1000er Raum mit wenig sprachlicher Unterstützung – aufgrund ihrer Beeinträchtigung ist das mehr, als ich jemals erwartet habe.

    1. Also ich habe mit den Fingern zählend Mathe LK und ein Ingenieurstudium Bachelor, Master an der Uni in Regelstudienzeit absolviert. Ich habe ein gutes mathematisches Verständnis, aber kann sehr schlecht Kopfrechnen… und ohne Finger gar nicht. Daher wurde ich in der Schule auch immer wieder von manchen Lehrern als sehr schlecht in Mathe eingeschätzt. An der Uni waren einige Dozenten entsetzt wenn sie mich in der Klausur (ohne Taschenrechner) mit den Fingern zählen sahen. Ehrlich gesagt habe ich mir da nie große Gedanken gemacht, da ich ja auch so zurecht kam. Aber der Artikel und die Kommentare machen mich gerade etwas nachdenklich. Und die Rechtschreibung war bei mir auch immer kurz vor diagnostizierter Rechtschreibschwäche. Warum ist aus mir nur trotzdem was geworden? 😉 Bin mal gespannt wie das bei meinen zwei Kindern sein wird, wenn sie in die Schule kommen.

    2. Lieben Carmen
      Vielen Dank für deine eindrückliche Schilderung und deine Empfehlung. Es ist wunderbar, dass deine Tochter selbständig im 100er-Raum rechnen kann. Das ist eine ganz tolle Leistung und wird ihr im Leben eine grosse Hilfe sein.
      Die Hände sind für deine Tochter ein wertvolles Hilfsmittel, damit sie auf Ergebnisse kommen kann.
      Viele Kinder mit grundlegenden Rechenschwierigkeiten brauchen etwas anderes: Sie brauchen Unterstützung, um vom zählenden Weg loszukommen. Sie brauchen Strategien, damit sie eine Vorstellung für Mengen, Zahlzerlegungen, Rechenwege etc. entwickeln können. So schaffen sie den Schritt weg vom Zählen zum sicheren Kopfrechnen.

  3. Hallo

    Zum Thema eine Frage die ich mir seit zwei Jahren stelle. Meine Kinder sind jetzt in der zweiten Klasse. Warum lernen Kinder hier in deutschen Klassenzimmer das Abzählen im Mathe- Unterricht? Erst mit bunten Lege-Formen bis 10 und dann weiter. Fragt sich kein Mathe Lehren warum in z.B. Indien und Asien es weniger Dyskalkulie als in good old Germany gibt? Vielleicht ist hier ja eine Mathe-Lehrerin oder Lehrer der das Beantworten kann

  4. Bin da ganz bei Sina. Mein Kind, 14, hat eine starke ausgeprägte Rechenschwäche, die leider jetzt erst eindeutig von Fachleuten diagnostiziert wurde. Trotz intensivem Lernen und Nachhilfe seit der 7. Klasse, blieb es bei schlechten Leistungen in dem Fach. Eine Matheschwäche bedarf einer angepassten Lerntherapie, die hier aufgeführten Handlungsstrategien werden nix bringen ausser zusätzlichen Frust und Stress für alle Beteiligten. Kürzlich erst ein Gespräch mit der Leiterin des Lernninstituts gehabt, die mich sogar explizit gebeten hat, alles zusätzliche Üben zuhause einzustellen da kontraproduktiv. Ob Nachhilfe zur Lerntherapie weiterhin sinnvoll ist, muss auch noch geklärt werden. Schlimm, was hier an gefährlichem Halbwissen verbreitet wird…. Ach so, was auch wichtig zu wissen ist: Kosten für die therapie werden vom Jugendamt übernommen.

    1. Liebe Laura
      Es ist wunderbar, dass du eine passende Unterstützung für dein Kind gefunden hast und ihr seine Mathesituation so aktiv angehen könnt.
      Du hast recht: Bei grundlegenden Rechenschwierigkeiten brauchen die Kinder gezielte und fachkundige Unterstützung. Halbwissen hat hier nichts verloren und ist gefährlich. Deshalb sind wir speziell auf dem Gebiet ausgebildet und arbeiten nach mathematikdidaktischen Ansätzen. Wir verwenden dieselben Ansätze wie in einer klassischen Lerntherapie. Nur üben im Mathecoaching nicht wir als Therapeuten einmal wöchentlich mit den Kindern, sondern die Eltern täglich in kurzen Einheiten von 10 Minuten. Sie erhalten genaue Instruktionen für die Durchführung und werden von uns eng begleitet. Das Ganze findet also in der vertrauen Umgebung der Eltern-Kind-Beziehung statt. Der wunderbare Begleitumstand ist, dass so viel schnellere Fortschritte möglich sind als in einer Lerntherapie.
      Bei Kindern mit grundlegenden Matheschwierigkeiten kommt eine schwierige Mathesituation und eine angespannte psychische Situation zusammen. Viele Kinder erleben Angstzustände und verlieren ihr Selbstvertrauen. Wir richten in unserer Arbeit mit den Familien ein grosses Gewicht darauf. Denn die Eltern können hier ganz viel für ihr Kinder tun, um schädlichen Druck von ihnen abzuhalten und sie zu stärken. Damit eröffnen sie ihren Kindern Raum, so dass eine fachliche Unterstützung in der Form einer Lerntherapie, eines Mathecoachings oder wie auch immer möglich wird.

      1. “Sie erhalten genaue Instruktionen für die Durchführung und werden von uns eng begleitet“
        – Das setzt aber das nötige Mathewissen seitens der Eltern voraus, was ja in der Grundschule vielleicht noch gegeben ist, in höheren Klassen evtl aber nicht mehr. Was macht man da? Neben Beruf und sonstigen Alltagspflichten, sich das nötige Mathewissen aneignen? Davon bin ich ganz schnell abgekommen, es gibt für dieses Problem Profis.

        “ Das Ganze findet also in der vertrauen Umgebung der Eltern-Kind-Beziehung statt.“
        – Ach ja, die heilige Eltern-Kind-Beziehung, mit der meist immer noch die heilige Mutter-Kind-Beziehung gemeint ist, da ist sie wieder. Ich verfolge den Blog hier nur sporadisch und auch nur aus beruflichen Gründen, aber gab es hier nicht in den letzten 2 Jahren etliche Beiträge dazu, wie schädlich sich das Homeschooling auf das Familienklima/Eltern-Kind-Beziehung auswirkt??? Vor allem, wenn hier von der bürgerlichen Kleinfamilie ausgegangen wird.

        „Der wunderbare Begleitumstand ist, dass so viel schnellere Fortschritte möglich sind als in einer Lerntherapie.“
        – Zahlen und Studien dazu bitte. Wieviel kostet das Ganze überhaupt? Mit dem kostenlosen E-book ist es doch sicher nicht getan. Gibt es eine Möglichkeit zur Kostenübernahme?

        1. Liebe Laura
          Vielen Dank für deine Rückmeldung. Kinder mit grundlegenden Matheschwierigkeiten haben Mühe mit den Grundlagen – meist im Zahlenraum bis 20 und 100. In vielen Fällen verwenden sie den zählenden Weg und kommen davon nicht los. Sie brauchen ganz spezielle Hilfestellungen, damit sie das schaffen. Dies sind kleine, passgenaue Übungen, die Eltern einfach mit ihren Kindern im Alltag durchführen können – eine detaillierte Anleitung und fachliche Begleitung vorausgesetzt. Dafür braucht es kein vertieftes Mathewissen. Der Weg ist für Eltern, die ihre Kinder selbst begleiten möchten. Viele Familien, die wir begleiten, haben gerade in der Homeschooling-Zeit gemerkt, wie gut ihr Kind in der Eltern-Kind-Beziehung lernt. Deshalb wollen sie ihr Kind auch so beim Rechnenlernen unterstützen.
          Melde dich gerne, wenn du noch weitere Details erfahren möchtest. Sende uns dazu einfach eine E-Mail an: [email protected]

          1. Vielen Dank für das Angebot, diese Methode ist aber für uns vollzeitarbeitende Eltern nix. Die derzeitige Lerntherapie trägt zudem bereits Früchte, da wäre es ungünstig und riskant, in den Prozess einzugreifen.

  5. Es gibt spezielle Dyskalkulie-Kurse am Nachmittag, wo Kinder aus verschiedenen Schulen zusammengefasst werden. Das wird meist vom Schulamt organisiert.

    Wenn es das nicht geben sollte, müsste die Lehrerin einen speziellen Förderplan erstellen, in dem ein Kind andere Aufgaben bekommt als den „normalen“ Klassenstoff. Das setzt aber natürlich voraus, dass das Kind tatsächlich Dyskalkulie hat und nicht einfach nur halt nicht gut in Mathe ist.

    Das Ganze ist ein komplexes Thema, bei dem sehr individuell geschaut werden muss, wo genau das Problem des Kindes liegt.
    Deshalb macht mich dieser unglaublich banale vereinfachende Text so sauer.

  6. Hallo,
    wir haben in letzter Zeit die App https://www.meistercody.com/ für uns entdeckt. Seid dem übt das Kind freiwillig Mathe. Ein Wunder. Die App wurde für rechenschwache Kinder entwickelt und passt sich dem Wissenstand des Kindes an. Auch innerhalb der Übung. Mein Kind ist noch bei den Vorläuferfähigkeiten der Mengenerfassung. Zum Rechnen kommt man erst, wenn die entwickelt wurden.
    Der Nachteil der App ist, dass sie ziemlich teuer ist.
    LG

    1. Viele Kinder mit massiven Matheproblemen können sich gar nicht mehr auf Mathe einlassen. Sie haben zu viele schmerzhafte Erfahrungen gemacht, dass sie den Schritt nicht mehr wagen. Hier ist die Beziehungsebene, das enge Belgeiten und das Bestärken durch uns Eltern extrem wertvoll.
      Zudem fehlt Kindern mit Dyskalkulie meist die Vorstellung fürs Mathematische: Die Mengen, den Zahlenraum und so weiter. Sie haben andere Lernbedürfnisse und kommen mit den vielen Arbeitsblättern in der Schule nicht zurecht. Deshalb arbeiten wir viel mit Alltagsmaterialien wie Steinen und Nudeln und viel mit Bewegung – Bälle werfen, am Kreidestrich hüpfen usw. Diese Lernformen erlauben den Kindern, durchs Experimentieren und Erleben einen eigenen Zugang zur abstrakten Mathematik zu entwickeln. Deshalb empfehlen wir Apps nur dann, wenn Kinder bereits sicher Kopfrechnen können und setzen voll auf das enge Begleiten.

      1. Mein Sohn ist auch in der 3.Klasse und hat Dyskalkulie. Festgestellt haben wir es dank Homeschooling auch schon am Ende der ersten Klasse. Es ist ein harter und anstrengender Weg. Unser Sohn besucht seit über einem Jahr eine Dyskkalkulie-Therapie und diese hilft ihm sehr gut. Zum Glück bezahlt diese auch das Jugendamt. Wir machen Zuhause nur das nötigste in Mathe. Mehr ist Gift für unsere Mutter-Kind -Beziehung. Die täglichen Hausaufgaben reichen da auch schon. Sein Selbstbewusstsein ist leider schon ganz klein. Unser oberstes Ziel ist daher die Schulfreude zu erhalten und den Druck raus. Wir haben z.b. einen Nachteilsausgleich für ihn in Mathe. Die Tipps in dem Artikel sind zwar nett aber einem Kind mit Dyskalkulie hilft auf die Dauer nur eine Lerntherapie!Wir wollen auch kein Lehrer für unseren Sohn sein. Das Homeschooling war wirklich die Hölle für uns…ich bin so froh daß unser Sohn eine Lerntherapeutin hat die er mag und vertraut und das sie ihm Mathe mit Freude vermittelt.

        1. Liebe Manu! Vielen Dank für deine Schilderung. Es ist wunderbar, dass du mit der Lerntherapie für deinen Sohn einen passenden Weg gefunden hast. Jedes Kind, jede Mama und jeder Papa ist anders. Deshalb ist wertvoll, verschiedene Wege zu haben. Für einige Eltern ist die Lerntherapie genau das richtige.
          Für andere Eltern ist der Weg nicht stimmig: Sie wollen ihren Kindern die langwierigen Abklärungen, Diagnosen und der Gang in eine Lerntherapie ersparen. Für sie gibt es heute zum Glück Möglichkeiten, ihr Kind selbst zuhause zu begleiten. Mit den selben Übungen wie in einer Lerntherapie und enger fachlichen Begleitung. Diesen Weg bieten wir den Eltern mit dem Mathecoaching an.

  7. Ich bin Grundschullehrerin und sehe es NICHT als die Aufgabe von Eltern ihrem Dyskalkulie-Kind Mathe „beizubringen“!!! Gar nicht!!! Das kann nur schiefgehen! Der Artikel ist fürchterlich!
    Eltern sollten natürlich ihr Kind schulisch bestärken und unterstützen und sehen, was es schon kann! Aber hauptsächlich sollten Eltern Eltern für ihr Kind sein dürfen und nicht Mathe-Therapeuten!!!

    Jonas Eltern müssen dringend mit der Mathe-Lehrerin sprechen. Wenn ein Kind aber tatsächlich so rechnet/denkt wie Jonas, hat sich in der 3. Klasse die Lehrerin sicher auch bereits mit den Eltern in Verbindung gesetzt und ganz sicher nicht einfach nur ein Übungsheft mitgegeben. So ein Quatsch!

    Das ärgert mich richtig, dass hier so getan wird als könnten Mama&Papa mit ein bisschen bestärken und begleiten und ein paar anderen Aufgaben mal schnell eine Rechenschwäche auflösen?!

    1. Liebe Sina
      Vielen Dank für deine Schilderung. Du hast recht: Eigentlich sollten wir Eltern unseren Kindern nicht Mathematik beibringen. Das ist eigentlich die Aufgabe der Schule.
      Die traurige Realität ist jedoch, dass vielen Eltern überhaupt nichts anderes übrigbleibt. Wir begleiten Eltern, die verzweifelt Hilfe gesucht und mehrfach um Unterstützung gebeten haben. Sie fühlen sich nicht ernst genommen oder bekommen Hilfe, die die Situation nicht verbessert. Gleichzeitig gibt es Eltern, die ihre Kinder bewusst selbst begleiten möchten. Viele haben während den Corona-Schließungen gemerkt, wie ihr Kind zuhause in der Eltern-Kind-Beziehung aufblüht und Fortschritte erzielt, die in der Schule nicht möglich waren. So gibt es einfach ganz verschiedene Situation und Bedürfnisse. Für viele Familien und ihre Kinder ist es ein Segen, die Mathesituation selbst anzugehen und einen Weg aus der zermürbenden Abwärtsspirale zu schaffen.
      Natürlich reichen ein wenig Bestärken und Aufmuntern nicht. Kinder mit grundlegenden Matheschwierigkeiten brauchen ganz gezielte Unterstützung. Genau diese können Eltern auch selbst ihren Kinder geben, wenn sie dabei eng von spezialisierten Fachpersonen begleitet werden. Wir erleben das tagtäglich in unserer Arbeit mit den Familien.

      1. Vielen Dank für den tollen Artikel,

        unsere Kinder leiden nicht unter Dyskalkulie, haben aber durch Hochbegabung einfach ganz andere Bedürfnisse und sind für ständige Wiederholungen in der Schule nahezu blockiert (Wäsche Korb prinzip). Die Fehler stellen sich vor allem durch den Konzentrationsabfall bei überbordendenen Wierderholungsaufgaben ein.
        So anstrengend die Schulschließungen waren, so schön war für uns auch die Erfahrung, wie die Kinder aufblühten, als wir uns auf das Verstehen konzentriert haben und nicht auf das Abarbeiten.

        Mit manchen Lehrern war es ein Kampf,bis die Kinder bekamen was sie bräuchten, weil die Vorstellung, den Unterricht so „wie schon immer“ durchführen zu müssen ziemlich festgefahren ist.

        Die mangelnde Kreativität hat natürlich nicht nur unsere Kinder sondern auch die Mitschüler mit Förderbedarf betroffen.

        1. Liebe Becca
          Vielen Dank für deine wundervolles Feedback. Es freut uns riesig, dass du so für die Bedürfnisse deiner Kinder einstehst.
          Deine Geschichte zeigt: Es ist hilfreich sehr nah an den eigenen Kindern dran zu sein und ihre Bedürfnisse zu kennen. Die besten Lösungen entstehen natürlich immer in Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern. Da zahlt sich ein enger Austausch und auch ein gewisser „Biss“ aus. Das sehen wir auch bei Familien mit Kindern, die in Mathe, beim Lesen oder auch anderen Förderbedarf haben.

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