Schulischer Druck: Warum zählt für viele Eltern nur das Gymnasium?

Mein Name ist Mimmi. Bald gibt es Halbjahreszeugnisse und ich habe deshalb schon ein wenig Bauchkribbeln. Nicht wegen „schlechten“ Noten, sondern wegen den anderen Eltern….

Mein ältester Sohn ist in der 4. Klasse und er wird nach der Grundschule nicht aufs Gymnasium wechseln, sondern „nur“ auf die Gesamtschule gehen. Das ist für ihn und uns Eltern völlig in Ordnung so. Nicht aber für die anderen Eltern. Immer wieder werde ich gefragt, warum ich ihn nicht zur Nachhilfe schicke, ihn nicht so fördere, dass er doch noch aufs Gymnasium gehen könnte.

Manchmal sagen die Eltern dann auch, wenn sie hören, dass mein Sohn auf die Gesamtschule wechselt: „Naja, wir brauchen in Deutschland ja auch gute Handwerker.“ Das ärgert mich sehr. Mein Sohn ist 10 Jahre alt und hat noch keine Ahnung, was er später machen will. Vielleicht macht er eine Ausbildung, vielleicht macht er das Abi über den zweiten Bildungsweg, wer weiß das schon.

Mich ärgern diese Eltern, die ständig erzählen, wie begabt ihre Kinder seien und die nicht verstehen, warum wir unser Kind nicht mit aller Macht aufs Gymnasium bringen wollen. Ich liebe mein Kind so, wie es ist und bin mir sicher, dass es seinen Weg gehen wird…

Jetzt frage ich mich: Wie sehen das die Eltern hier? Kann mich jemand verstehen? Oder bin ich die Einzige, die so tickt?

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70 comments

  1. Ich freue mich, dass offenbar so viele so wohnen, dass sie eine vernünftige Alternative zu einem Gymnasium haben. In meiner Stadt ist das nicht so (300.000 Einwohner). Ich bin selbst Lehrer und kenne wegen verschiedener Vertretungsstellen einige Schulen der Stadt. Alle Gesamtschulen haben einen katastrophalen Ruf, die Oberstufen sind überhaupt nicht mit Gymnasien vergleichbar. Die guten Abiturschnitte der Gesamtschulen lassen sich – nach meiner Erfahrung – durch die Vornoten erklären und nicht durch die Abiturprüfungen selber. Da gibt es Abweichungsprüfungen noch und nöcher, weil die Schülerinnen und Schüler in den zentralen Prüfungen so schlecht abschneiden. Das müsste mal erhoben werden, nicht nur die Abiturschnitte.

    Die Realschulen sind in weiten Teilen keine mehr. Die Eltern der Kinder, die für ihre Kinder eine gute nicht-gymnasiale Schulbildung gewünscht haben, versuchen häufig mit Händen und Füßen die Kinder da wieder wegzubekommen. Ich würde meine Kinder (hier) nicht an einer Gesamt- oder Realschule wissen wollen. Eltern, die sich nicht interessieren, ein grauenvoller Umgangston, Lehrer und Lehrerinnen, die aufgegeben haben, extreme Lautstärke, ein (zu) niedriges Niveau, Unverschämtheiten… Ich habe selbst Realschulklassen am Rande der Beschulbarkeit erlebt oder Achtklässler, die nicht richtig lesen und schreiben können. Hauptschulen gibt es nicht mehr.

    Wenn mehr Menschen wüssten, was in den Schulen eigentlich los ist, gäbe es einen riesigen Aufschrei und eine Bildungsreform.

  2. Ich habe das ganz genauso erlebt. Ich MUSSTE damals (vor über 40 Jahren) aufs Gymnasium gehen obwohl ich niemals studieren wollte und auch nicht der Lerntyp fürs Gymnasium war. Es war die Hölle für mich und ich bin heute noch täglich froh, dass ich ein Jahr vor dem Abi zugunsten einer Ausbildung abgebrochen habe.
    Meine drei Kinder sind auch alle drei nicht aufs Gymnasium gegangen. Und bei allen drei hatte ich Diskussionen mit den Lehrern und auch mit anderen Eltern. Aber mir war es immer wichtiger, daß meine Kinder glücklich sind als daß sie die Erwartungen anderer Menschen erfüllen. Heute gehen alle drei ihren Weg.

  3. Ich bin Lehrerin an einem Gymnasium. Das ist eine tolle Schulform für bestimmte Schüler/innen. Aber die Menge an Leid, die ich sehe, weil Kinder mit Gewalt am Gymnasium bleiben müssen, egal was es kostet… Das tut jeden weh, wenn man in Klasse 5/6 schon richtig schlechte Noten geben muss, weil Kinder es (zu diesem Zeitpunkt) halt nicht schaffen. Dann hasse ich meinen Beruf ein bisschen. Als wäre eine Realschule schlecht. Ist doch viel besser, die Kinder gehen mit Freude zur Schule und haben gute Noten, für die nicht die gesamte Freizeit draufgeht. Wer dann einen guten Realschulabschluss hat und ein gutes Gefühl gegenüber Schule, kann dann immer noch ein Abi machen. Geht zumindest in Ba-Wü ganz einfach. Meine eigene Tochter wird wohl auch nicht aufs Gymnasium gehen. So what?

    1. Ich selbst bin weder Mutter noch arbeite ich als Lehrerin, jedoch war ich auch Mal auf der Schule und das ist noch nicht lange her. Ich habe sogar Erfahrungen mit dem 2. Bildungsweg machen können, jedoch habe ich bei beides keine guten Erfahrungen machen dürfen. Meine Mutti drängte mich nie zu guten Noten und das ist auch besser so.

      Ich war auf der Realschule und hatte starke Probleme, nicht nur mit den Noten. Ich hing eigentlich von Anfang an meinen Mitschülern hinterher, schon in der Grundschule saß ich meistens als letztes im Hausaufgaben Raum im Hort, und auch Zuhause mit den Hausaufgaben war es nicht leichter für mich. Nach der 7. Klasse wechselte ich die Schule, jedoch wurde es ab da dann auch deutlich schwerer für mich. Ab der 4. Klasse bis zu diesen Zeitpunkt war ich nach der Schule immer bei einer Freundin und wir machten die Hausaufgaben zusammen. Jedoch ab der 8. Klasse dann nicht mehr und ab da merkte man es deutlich das ich nicht klar komme. Die 8. Klasse schaffte ich zwar trotzdem jedoch ging es in der 9. Klasse dann schlagartig bergab. Ich saß ewig an den Hausaufgaben, für was anderes blieb mir kaum Zeit, das legte sich natürlich auch auf meine Laune, so war ich jeden Tag mies gelaunt. In der Zeit war es so schlimm das ich Angst hatte ohne Hausaufgaben zur Schule zugehen, so das ich auch Nachts natürlich wenig schlief. Und trotz der Bemühungen schrieb ich nie gute Noten. Als ich dann einen Leistungstest machte sagte man mir das ich in den Hauptschulbildungsgang wechseln sollte. Ich war wirklich froh darüber. Leider hielt die Freude nicht lange. Denn die Schule bekam keine eigene Hauptschulklasse zusammen, so das die Hauptschüler nur in Mathe und Deutsch in anderen Unterrichtsräumen als der Rest Unterrichtet wurde, ansonsten bekamen wir nur andere Bewertungen. Der Höhe Punkt für mich war als wir Englisch Unterricht hatten und ein Realschüler die Englische Frage nicht verstand, was sagte die Lehrerin „Dann Wechsel bitte in den Hauptschulbildungsgang.“ Ich war Hauptschüler und saß in der selben Klasse wie dieses Mädchen. Nach dem Praktikum ging ich nicht mehr hin. Ich blieb 1 Jahr lang Zuhause, und die meiste Zeit schlief ich. Und ich habe gemerkt das ich das brauchte. Ich habe das nicht bereut das ich abgebrochen habe, was ich bereue ist das ich es nicht früher tat. Nach dem Jahr Zuhause ging ich ins bvj (Berufs Vorbereitung Jahr) und zum 1. Mal in meinen Leben machte mir Schule Spaß. Leider war ich im 2. Halbjahr lange Zeit krank, weswegen der Abschluss nicht funktionierte, auch bei der Wiederholung wurde ich krank und danach hieß es leider wegen meinen Alter das ich nicht mehr ins bvj kann (nur bis man volljährig ist). Ich wollte aber unbedingt meinen Schulabschluss nachholen. Also saß ich dann beim Amt und wurde wiederwillig ins bvb gesteckt. Und damit war ich nicht glücklich. Keiner von den dortigen Bereichen gefiel mir so das ich es mir beruflich vorstellen konnte und leider bekam ich den Abschluss nur wenn ich eine 3 Jährige Ausbildung bei denen absolviere. Das empfand ich als sinnlos, und hörte auf. Abgesehen davon hatte ich eigentlich schon etwas was ich machen wollte, leider wird das bei uns aber nicht Ausgebildet weswegen das Amt sofort meinte „Da musst du dir etwas anderes suchen da kann ich dir nicht helfen“. Danach konnte mir das Amt nicht mehr helfen. Also mussten wir selbst uns kümmern das taten wir auch. Das einzige was wir fanden war die nicht-Schülerprüfung, denn die Abendschule gibt es bei uns nicht mehr. Also nahm ich das, meine Mutti informierte sich über eine Bildungsgruppe dazu, wo ich dann rein sollte. Als es dann so gut wie so weit war machte das Amt mir ein Strich durch die Rechnung. Ich bekam den Bildungsgutschein nicht den ich für diese Gruppe brauchte, weil ich unter 25 Jahre alt bin und in der Reha Abteilung bin, da gäbe es andere Dinge. Naja, ich versuchte es dennoch was nicht funktionierte. Ich saß dann mit dem ganzen Kram alleine Zuhause. Ich hatte weder ein Ansprechpartner dazu noch sonstiges. In der Zeit die ich zur Vorbereitung hatte, hätte ich die Prüfung nie geschafft, nicht ohne jede Hilfe. Man kann sagen der 2. Bildungsweg ist gut solange es beim 1. Versuch funktioniert. Wäre ich im bvj nicht krank geworden hätte ich die Probleme danach nie gehabt.

      Wenn ich Mutter wäre würde ich mein Kind nur aufs Gym schicken wenn wirklich „Begabung“ vor liegt. Ansonsten reicht die Realschule aus, in jeglicher Hinsicht. Sollte das Kind dann doch mehr wollen kann es nach der Realschule immer noch weiter machen. Dann kann es selbst entscheiden. Ich habe kein Verständnis für Eltern die ihre Kinder auf gute Noten drängen. Das geht nur so lange gut solange keine Probleme auftreten oder das Kind begabt ist, ansonsten geht es auf die Psyche des Kindes. Und das ist letztendlich wichtiger als ein Gymnasium Besuch.

  4. Sie machen das absolut richtig. Man muss den Kindern nicht unnötig Druck machen. Lieber gute Noten in der Hauptschule/ Realschule haben, als grade mal so ein mittelmäßig bis schlechtesAbitur. In Baden-Württemberg gibt es keinen Abschluss ohne Anschluss, das heißt jedes Kind kann über eine berufliche Schule immer noch einen höheren Abschluss erreichen. Natürlich muss man dafür etwas tun, aber viele Arbeitgeber anerkennen durchaus, wenn jemand sich von der Hauptschule bis zum Abitur hochgearbeitet hat, wenn man es denn wollte. Es zeigt Einsatzwillen und Durchaltevermögen. Nach der 4. Klasse ist es unmöglich vorauszusagen, welchen Weg ein Kind gehen wird. Immer entspannt bleiben.Meine beiden waren auf der Hauptschule, hatten Einser Abschlüsse und dann auf beruflichen Gymnasien mit Abitur. Ohne sich je plagen zu müssen, das ist das Wichtigste!

  5. Mein Sohn ist mit einer Hauptschulempfehlung auf die Oberschule gewechselt.Er hat sich dann etwa jedes Jahr um 1 Schulnote verbessert.Am Ende hat er dann einen Realschulabschluss gemacht,mit einem Notenschnitt von 2,8. Ich bin unheimlich stolz auf ihn.
    Er wird Erzieher.
    Auch ich habe in der Grundschule Druck auf ihn ausgeübt.Was mir im Nachhinein echt leid tut.
    Grund waren aber die Lehrer.Am Ende bin ich zu keinem Lehrergespräch gegangen, weil mir gesagt wurde wie dumm mein Kind ist. Mittelmaß gab es nicht. Entweder
    Förderschule oder Gymnasium.Ich mußte mir bei meinem jüngsten anhören,was denn aus ihm werden soll.In der 6.Klasse.Ich habe natürlich geantwortet,das er auf die Oberschule geht.Als wäre das eine Strafe. Albern.Natürlich wird Faulheit von mir nicht unterstützt.Aber man sollte immer realistisch Einschätzen,wo die Möglichkeiten des eigenen Kindes sind.Denn wir kennen es am besten. Wenn es auf dem Gymnasium ist,und keine Freizeit mehr hat,weil es nur noch lernen muss,um mitzukommen.Dann sollte man die Notbremse ziehen.

  6. Hallo Mimi
    Vielen Dank für deinen offenen Beitrag. Ja, wir können dich vollkommen verstehen. Unsere Kinder sind noch etwas jünger. Wir wollen bei ihnen gar nicht diesen Druck aufkommen lassen: Es gibt nur einen Weg zu einem „guten Beruf“. Das stimmt nicht: Heute gibt es viele Wege in ein erfülltes Berufsleben. Wir lesen ja immer, dass unsere Kinder veränderungsbereit sein sollen, zu Portfolio-Workern werden sollen, und so weiter. Deshalb wird es zukünftig noch mehr verschiedene Wege durchs Leben geben. Wir dürfen vertrauen: Unsere Kinder werden ihren Weg gehen, auch wenn er nicht ins Gymnasium führt.
    Herzliche Grüße, Monika & Thomas

    1. Das sehe ich ganz genauso. Es gibt nur noch schwarz und weiß. Meine Tochter hatte eine Realschulempfehlung bei Gyminoten, für uns war klar, dass die Realschule dann auch infrage kommt, wieso auch nicht. Es gab aber auch einige Eltern die es nicht verstehen konnten, dass wir den Weg aufs Gymi nicht wenigstens versuchen. Meine Tochter sagte dann von sich aus dass sie da nicht hinwill, weil sie auch noch freie Zeit mit Freunden und ihren Hobbys haben will. Sie schaute sich dann eine Waldorfschule an, die ihr so gut gefiel dass sie noch im 4.Schuljahr wechselte. Das war die beste Entscheidung, einfach weil sie selbst aussuchen konnte. Sie geht total auf und ist gerne in der Schule bei sehr guten Leistungen, mit deutlich weniger Druck und mehr Freude am Lernen weil sehr vielschichtig.
      Welches Argument ich ebenfalls hören musste war, dass außerhalb des Gymis doch quasi“eh nur der Abschaum“sein würde, ich war entsetzt!!!!!
      Ich denke jedes Kind muss da abgeholt werden wo es steht, nur so kann eine angenehme Schullaufbahn entstehen. Sowieso stehen danach doch immernoch alle Türen offen.

      VG Maike

  7. Ich hab drei Kinder. Einer i der Mittelschule, einer in der Realschule und einer i Gymnasium. Jedes Kind dort, wo es sich am besten entfalten kann. Ich verstehe nicht, warum jedes Kind um jeden Preis ins Gym sollte. Wenn ein Grundschüler dafür schon Nachhilfe bräuchte, ist es halt nicht der richtige Schulweg. Vergesst nicht, es sind Kinder. Die brauchen auch Freizeit, die müssen sich auch mal langweilen können und dürfen. Es ist sowieso schon schrecklich, dass in der 4. Klasse so eine Entscheidung (wir sind aus Bayern) zu treffen ist. Wenn dein Kind tatsächlich später einen Berufswunsch hat, für den es einen höheren Schulabschluss braucht, gibt es viele Möglichkeiten, den nachzuholen.
    Lasst unsere Kinder wieder Kindef sein und nicht in der Grundschule schon kleine Erwachsene.

  8. Hallo,

    Ich bin selbst erst auf die Realschule gegangen und habe dann im Anschluss erst das Abi gemacht.
    Mein Sohn (11) geht jetzt auch zur Realschule, was uns völlig reicht.
    Wie du schon schreibst, man weiß mit 10 – 11 überhaupt noch gar nicht genau, was man beruflich machen möchte.
    Aber ich beobachte eigentlich, dass dieser Druck langsam abnimmt und immer mehr Eltern umdenken.

    Alles Gute für euch!
    Claudia

  9. Wir haben unsere Tochter auf eine Gesamtschule geschickt. Sie hatte am Ende der vierten Klasse ziemliche Defizite, wir sind halt nun mal keine Lehrer und der Lockdown mit Homeschooling war seeehr herausfordernd. Sie hat daher nur eine Hauptschulempfehlung bekommen. An der Gesamtschule kann sie je nach Fähigkeiten ihr Niveau wählen und auch dort Gymnasialaufgaben erledigt. Mittlerweile konnte sie in fast allen Fächern auf Realschulniveau wechseln und in Mathe vermutlich bald auf Gymnasialniveau. Das alles wäre nicht möglich, wenn wir sie auf eine Hauptschule geschickt hätten.

    1. Eins verstehe ich nicht: das Kind der Autorin ist in der 4. Klasse, sie lebt in Berlin. Nun ist aber der reguläre Wechsel zur Oberschule in Berlin nach der 6. Klasse. Ausnahmsweise kann man hier auch nach der 4. Klasse auf Antrag und mit Empfehlung der Klassenlehrerin wechseln – Auf ein grundständiges Gymnasium und auf eine ganz spezielle Gesamtschule (die glaube ich Japanisch ab Klasse 5 anbietet) oder auf eine Privatschule, die mit Klasse 5 startet. All dies hat mit einer der städtischen Gesamtschulen wenig bis gar nichts zu tun. Bin deshalb etwas verwundert, denn das Niveau all der von mir beschriebenen Schulen (leistungsmäßig und sozial) ist doch sehr viel höher als in der „normalen“ Gesamtschule hier in Berlin.

  10. Natürlich hört es sich immer gut an wenn jemand sagt, „Mein Kind geht auf ein Gymnasium „. Toll. Und? Unser Kind hat die Empfehlung für ein Gymnasium. Aber ich glaube wir Eltern kennen unsere Kinder am allerbesten und wissen ob sie die Bühne alleine rocken könnten oder ob sie sich mit Quälerei durchkämpfen…

    1. Hallo alle zusammen,
      unsere Tochter ist in der 6ten Klasse am Gymnasium (Bayern). Mein Mann und ich waren beide in der Hauptschule. Auch mich nervt dieser emense Druck von außen. Jeder wünscht sich für sein Kind nur das „Beste“. Keiner von uns Eltern weiß was unsere Kinder mal beruflichen für einen Weg einschlagen. Am aller wenigstens wissen es die Kinder selbst. Das wichtigste ist, dass sie Glücklich und Zufrieden sind. Natürlich ist die beste “ Mitgift“ eine gute Schulausbildung. Aber nicht um jeden Preis. Unsere Kinder sollen auch noch Kinder sein dürfen. Diese Zeit vergeht sowieso viel zu schnell und man hat sie auch nur einmal. In den letzten 2 Jahren wurde Ihnen eh so viel genommen, da muß man nicht auch noch von außen Druck aufbauen. Unsere Tochter werde ich immer lieben, egal mit welchem Schulabschluss. Wichtig ist für mich, dass sie weiß worauf es im Leben ankommt. Das sind sicherlich nicht irgendwelche Noten in irgendeiner Schule.

      1. Hallo alle zusammen,
        unsere Tochter ist in der 6ten Klasse am Gymnasium (Bayern). Mein Mann und ich waren beide in der Hauptschule. Auch mich nervt dieser emense Druck von außen. Jeder wünscht sich für sein Kind nur das „Beste“. Keiner von uns Eltern weiß was unsere Kinder mal beruflichen für einen Weg einschlagen. Am aller wenigstens wissen es die Kinder selbst. Das wichtigste ist, dass sie Glücklich und Zufrieden sind. Natürlich ist die beste “ Mitgift“ eine gute Schulausbildung. Aber nicht um jeden Preis. Unsere Kinder sollen auch noch Kinder sein dürfen. Diese Zeit vergeht sowieso viel zu schnell und man hat sie auch nur einmal. In den letzten 2 Jahren wurde Ihnen eh so viel genommen, da muß man nicht auch noch von außen Druck aufbauen. Unsere Tochter werde ich immer lieben, egal mit welchem Schulabschluss. Wichtig ist für mich, dass sie weiß worauf es im Leben ankommt. Das sind sicherlich nicht irgendwelche Noten in irgendeiner Schule.

  11. Ich denke, wichtiger als die Schulform, ist für die Kinder die Peer-Group, also die Kinder um sie rum. Ich würde meine Kinder hier bei uns nicht auf die Gesamtschule schicken, wenn es sich vermeiden lässt. Da sind bei uns einfach sehr viele Kinder aus sozial sehr schwachen Familien, und ich hab Angst, dass sie, bevor sie einigermaßen gefestigt sind,z.B. mit Drogen in Berührung kommen, oder gemobbt werden. Auf den Gymnasien hier im Umkreis ist eine andere Klientel, es wird viel tolles im Freizeitbereich angeboten, und es fühlt sich für mich besser an. Ich habe selbst schon an einer Gesamtschule unterrichtet (Religion, war echt ne Brennpunktschule), und hab versucht das beste draus zu machen, aber die paar Kids, die Lernen wollten, hatten wenig Chance ihr Potential zu entfalten, weil sie dafür von den Null-Bock-Kids gedisst wurden, und wir Lehrer natürlich auch bei den Anforderungen gucken mussten, alle irgendwie mitzunehmen…

    1. Elli
      Wenn Ihre Kinder doch so gefestigt sind und so einen stabilen Rückhalt haben wieso trauen Sie ihnen dann garnichts zu??? Und wie lange wollen Sie das Leben dann für Ihre Kinder übernehmen? Gehen Sie auch noch mit zum Bewerbungsgespräch? Erleben wir gerade bei Gymnasiasten die studieren wollen leider oft das Mutti mitkommt besonders wenn sie Lehrerin/ Erzieherin ist. Das sind dann die Peinlichsten. Und die, die Kinder aus “ unpassenden“ Verhältnissen mobben. Die Lehrer die eigentlich nicht mit Kindern können.

  12. Hallöchen! Ihr macht alles richtig. Lasst euch bloß nicht unter Druck setzen. Ich kann euch das Buch von Heidemarie Brosche „Warum es nicht so schlimm ist in der Schule schlecht zu sein“ wärmstens empfehlen. Der Titel ist, finde ich, eher leicht irreführend. Vielmehr ist es ein großartiges, äußerst hilfreiches Ermutigungsbuch für Eltern und Kinder! Das müsst ihr euch unbedingt besorgen 😉
    Liebe Grüße Helen

    1. Ich finde so ein Denken wirklich schade. Ich komme aus einer sozialschwachen Familie. 8 Kinder. Geschwister die Fordersvhilen besucht haben usw. Ich habe zunächst eine Hauptschule besucht. Diese aber mit Qualifikation für das Gymnasium erhalten. Dann Abi. Ganz ehrlich! Es liegt doch daran, wieviel wir einem Kind zutrauen. Anfangs bin ich in einem FörderKindergarten gegangen. Weil meine anderen Geschwister ebenfalls dort waren, und auf Förderschulen. Also war das Schema weg. Die Familie ist so. Meine Mutter musste kämpfen, dass ich in einen normalen Kindergarten kam, und der Rest lag daran, dass es Menschen hm gab, die an mich geglaubt haben und ich an mich geglaubt habe. Meine Kinder gehen heute ihren Weg auf der Gesamtschule mit Real- und Gymnasiumempfehlung und es ärgert mich schon, dass auch bei uns auf der Grundschule Druck vorhanden war. Aber man findet sein Weg auch auf dem zweiten Bildungsweg.( Gesamtschule ermöglicht unterschiedliche Wege, ohne dann wechseln zu müssen, wenn es mal nicht so läuft.) Klar, etwas schwieriger. Aber in ihrem eigenen Tempo. Mit Vertrauen und Unterstützung. Im Übrigen zum Klientel Gymansuim, auch da herrscht Konsum von illegalen Substanzen, weil einige den Druck nicht aushalten, der auf ihnen ausgeübt wird.

  13. Ich kann das absolut nachvollziehen. Mein Sohn hätte mit seinen Noten zwar auf das Gymnasium gehen können, aber wir haben uns dagegen entschieden und er ist dann auf die Realschule. Auch seine damalige Klassenlehrerin hat uns in unserer Entscheidung bekräftigt. Nicht jedes Kind muss auf das Gymnasium gehen. Ich finde auch, sollte mein Sohn das Abi noch brauchen oder machen wollen, er es später einfach auch noch nachholen kann. Ansonsten kann er sich auch einfach aussuchen ob er eine Ausbildung machen möchte. Aber mit 15/16 hat er da selbst auch eine bessere Vorstellung davon was er machen möchte später. In unserem Umfeld sind wir damit allerdings auch oft auf Unverständnis gestoßen und mussten uns Kommentare wie: Ihr verbaut dem Kind die Zukunft usw. anhören. Aber dennoch sind wir, vor allem nach dem Homeschooling, sehr glücklich mit unserer Entscheidung.

    1. Seltsam, dass hier die meisten Kommentatoren schreiben mein Kind hätte von den Noten aufs Gymnasium gehen können und die Hinweise, Werdegänge doch immer wieder beim Abitur landen.Lese hier nicht, dass jemand schreibt bin Bürokauffrau und voll zufrieden…ist das Abitur dann doch wichtig.Deutschland braucht nicht nur Akademiker sondern auch Handwerker, aber das soll nicht mein eigenes Kind sein…wir lügen uns doch selber in die Tasche!

      1. Ich bin den klassischen Weg über Gymnasium, Abitur, Studium bis hin zu Finanzjob in der IT-Branche gegangen und hadere damit, dass mein Job gefühlt keinen Beitrag zur Gesellschaft leistet, kein greifbares Ergebnis erzeugt und substanzlos ist. Ich hätte lieber etwas handwerkliches gelernt. Doch natürlich ist der Druck durch Eltern, Familie, Lehrer und Gesellschaft größer mit Abitur eher eine „höhere Laufbahn“ zu verfolgen, die meist in einem Büro- oder Leitungsjob mündet. Jedenfalls habe ich das damals so empfunden und habe mich dem gebeugt.

  14. Bei meiner Tochter war völlig klar, dass ich sie in die Realschule gebe. Notentechnisch hätte sie ohne weiteres ins Gymnasium gehen können, allerdings war sie sehr schüchtern und meiner Meinung nach emotional noch nicht bereit dazu. Auf der Realschule entwickelte sie der Ehrgeiz, da sie immer zu den Besten gehörte. Sie machte ihren Abschluss mit 1,09. Heute geht sie mit großem Selbstbewusstsein in die FOS. Sie ist sehr zufrieden und hat Spaß am Lernen. Ich empfehle jedem diesen Weg einzugehen. Das war die beste Entscheidung die wir getroffen haben. Wir hatten nie den Stress wegen schlechten Noten (obwohl ich mir manchmal gewünscht hätte, dass sie diese Erfahrung auch mal gemacht hätte), ihr machte die Schule Spaß! Klar haben uns andere Eltern auch anfangs schief angesehen, Da ich aber immer sehr selbstbewusst gesagt habe, daß es die beste Entscheidung ist, legte sich das Gerede sehr schnell.

    1. Hallo, ich hab Abitur und abgebrochenes Studium und bin gelernte Köchin. Ich hab erst auf dem zweiten Weg meine wahre Berufung gefunden – im Handwerk. Mein Sohn hat den Wunsch, den Arbeitswillen und, ja, auch die Noten und wird im nächsten Schuljahr aufs Gymmi wechseln. Letztlich entscheiden doch die Kinder, was sie lernen, studieren und werden möchten. Er will Koch werden, ich soll ihn ausbilden 🙂 Allerdings darf man Kinder nicht herunterstufen, nur weil sie eine andere Schulform besuchen. Viel zu leicht wird vergessen, dass der Hauptschüler seinen Realschulabschluss machen kann und der Realschüler auch auf ein weiterführendes Gymnasium wechseln kann oder, wie ich, eine Abiturientin mit sehr guten Noten einen handwerklichen Beruf lernt. Viel mehr sollten Kinder bestärkt werden, dass man heute seinen Beruf selbst aussuchen kann und dass man auch die Möglichkeit hat, wenn man nicht so gut mit der Wahl zurecht kommt, auch einfach das ändern kann. Es ist nicht mehr so, dass eine lange Beständigkeit super wichtig ist im Lebenslauf.

  15. Es ist noch keine Entscheidung fürs Leben, denn das deutsche Schulsystem ermöglicht sehr individuelle Laufbahnen und letztendlich sollte man jeden Schüler, egal wo, ermutigen, seinen Weg zu gehen. Mit einem gesunden Selbstbewusstsein, Fleiß und Zuverlässigkeit kann man fast alles erreichen. Dafür muss man nicht aufs Gymnasium gehen, wenn es nicht passt. Sicher ist der Druck dort etwas höher, aber es gibt Kinder, die brauchen diesen Anspruch, andere machen alles mit Leichtigkeit. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Eltern mich als Kind aufs Gymnasium geschickt hätten, aber meine Grundschullehrerin meinte, ich wäre zu ruhig. Der Schulleiter des Gymnasiums meines Sohns sieht darin kein Hindernis, wenn die Leistungen sonst fürs Gymnasium sprechen. Ich würde aber auch nie ein Kind mit Nachhilfeunterricht aufs Gymnasium zwingen. Diesen Stress sollte man wirklich keinem Kind antun. Man sollte das Thema auch etwas gelassen angehen, denn es sind alles nur Schulen und die meisten Schüler gehen gerne zu ihrer Schule und machen Schritt für Schritt ihren Weg.

  16. Ihr macht es genau richtig!
    Es gibt doch ganz viele unterschiedliche Wege, nicht nur den einen zum Gymnasium! Wenn es passt, kann Euer Kind später immer noch das Abitur machen – das ist doch nicht nur möglich, wenn man von Anfang an das Gymnasium besucht.
    Aus eigener Erfahrung (Sohn 8. Klasse Gymnasium, Tochter 4. Klasse) weiß ich, dass viele Eltern ihr Kind um jeden Preis zum Gymnasium boxen, auch gegen die Empfehlung der Lehrer. Und dann tun sich die Kinder dort unglaublich schwer, und statt einer recht unbeschwerten Schulzeit (zumindest in den ersten Jahren) ist alles nur von ständigem Lernen, Druck, Nachhilfe etc. geprägt. Das finde ich immer so schade.
    Lasst Eueren Sohn den für ihn richtigen Weg gehen und steht hinter ihm und lässt die Super-Eltern reden- dann ist doch alles okay!

  17. Moin,

    leider fordern viele Eltern von ihren Kindern das Abi. Selbst haben sie es nie soweit gebracht, aber nun MUSS das Kind auf das Gymnasium.
    Das Kind wird also versuchen den Eltern gerecht zu werden. Sind die Noten schlecht, kommt gleich Nachhilfe ins Spiel.
    Nur nicht hinterfragen ob das Kind vielleicht unglücklich oder überfordert ist. Den Eltern ist heute doch wichtiger was das Umfeld sagt… Wie? Dein Kind ist nur auf der Realschule?
    Am besten haut man seinen Kind dann noch Klavierunterricht etc in den Plan, so dass es kaum noch Platz hat für eigene Freizeitpläne hat.

    Sollte man da als Elternteil nicht lieber zum Wohle des Kindes entscheiden? Abi kann man wie schon gesagt wurde auch später machen.
    Und sollte das Kind irgendwann “ nur “ Handwerker werden, dann seid froh liebe Eltern. Ein Bankkaufmann etc. kann eure Heizung nicht reparieren. Zudem werden die Handwerker sich in einigen Jahren wirklich eine goldene Nase verdienen.

    Denkt zuerst an die Kinder! Was sie wollen und was sie können, und nicht daran was ihr gern hättet.

    LG
    Doci

    1. Hallo! Drei meiner Kinder waren auf dem Gymnasium, eins auf der Gesamtschule. Wer hatte das beste Abi mit 1,5 (Zentralabitur)? Besser auf der Gesamtschule eine schöne Schulzeit als im Gymnasium nur ein Leben aus Lernen und Nachhilfe.

    2. Meine Tochter habe ich damals nach dem Besuch einer Montessori Schule auch nur in einer Realschule angemeldet auch weil sie es wollte. Selbst ein Kind hat meine Tochter damals gefragt warum sie nicht auf eine bessere Schule gehen würde. So viele gingen aufs Gymnasium sie war eine der wenigen die zur Realschule wechselte. Ich kann nur sagen jeder macht seinen Weg und ich habe Jahre später gehört dass einige es dann doch nicht geschafft haben und auf die Realscjule wechseln mussten. Warum geben so viele was darum ihr Kind auch ohne Empfehlung aufs Gymnasium zu schicken. Lieber ein guter Realschüler als ein schlechter Gymnasiast. Als ob es nicht noch später die Möglichkeit gibt das Abitur nachzuholen.

  18. Mein Sohn geht auch auf eine Gemeinschaftsschule. Allerdings ist es sozial dort sehr schwierig. Daher überlege ich ihn auf ein Gymnasium umzuschulen. Das Problem ist einfach, dass es an den GMS wirklich sehr viele Kinder sind, deren Eltern sich um gar nix kümmern. An Elternabenden sitzen wir immer mit den gleichen 10 Eltern da . Die anderen 13 fehlen immer. Es ist traurig, dass es nix mehr zwischen GMS und Gymnasium gibt.

  19. Hm, ich denke ein bißchen Druck ist gar nicht verkehrt. Ich war als Kind selbst anfangs auf dem Gymnasium etwas überfordert, das hat mich aber eher motiviert, zu lernen und mich richtig anzustrengen. Bei meiner Tochter war Schule anfangs auch kein Selbstläufer, wir haben aber viel mit ihr geübt und dann hat es klick gemacht und inzwischen lernt sie gern, weil sie durch das viele Üben und sich anstrengen inzwischen auch richtig gut geworden ist. Auch wenn es vielleicht unpopulär ist, ich halte Druck, wenn er motivierend und nicht demütigend ausgeübt wird, für gut.

  20. Als Gymnasiallehrerin, die mit ganzem Herzen und aus voller Überzeugung an Gesamtschulen unterrichtet und dort auch das Abitur abnimmt, kann ich nur sagen: Genau richtig gemacht! Unsere Kinder sind so unterschiedlich und es ist gut, dass es verschiedene Schulformen gibt, die sich ihrer annehmen.
    Unser Kind geht auch auf eine Gesamtschule und wird dort das Abitur machen. Die lästigen Fragen aus dem sozialen Umfeld kenne ich. Mein Mann ist Professor. Man stelle sich das Raunen vor!

  21. Ich finde, wir sollten unsere Kinder fordern und fördern, aber nicht überfordern und wenn sich abzeichnet,
    dass sich ein Kind auf der Gesamtschule besser fühlen wird, dann soll es auch bitte dorthin gehen dürfen. Für das Selbstbewusstsein des Kindes ist es doch viel besser, auf der Gesamtschule gute Noten zu schreiben, statt auf dem Gymi mit Ach und Krach und Nachhilfe gerade so zu bestehen. Auch Gesamtschüler können es später weit bringen. Mein Mann hat früher auch „nur“ den Realschulabschluss gemacht, ist in die Lehre gegangen, hat danach sein Fachabi nachgeholt und hat jetzt einen Master im Maschinenbau. Für jedes Kind gibt es den richtigen Weg, aber der heißt nicht immer „Gymnasium“. Lass dir da nicht reinreden,
    du hörst auf dein Kind und machst es genau richtig!

  22. Ich denke, es lässt sich nicht immer so verallgemeinern. Es gibt tolle Gesamtschulen und grausame Gymnasien und umgekehrt. Letztlich ist es evtl. auch eine Frage, welche Schule dem Kind mehr zusagt. Wir haben uns sowohl Gymnasium als auch Gesamtschule bei uns angesehen und unseren Sohn entscheiden lassen. Aber ich verstehe alle Eltern, die ihrem Kind so lange wie es ihnen möglich ist, alle Möglichkeiten offen halten wollen. Allerdings ist das ein schmaler Grat zwischen „Chancen eröffnen“ und „überfordern“.

    1. Ich habe mir einige eurer Kommentare durchgelesen, und muss euch einwenig widersprechen. Klar gibt es diese supereltern für die nur das beste zählt und ja keine blöße geben.
      Aber es gibt auch Eltern wie meinen Mann und mich. Wir haben unseren beiden Jungs die Wahl gelassen: Private Realschule oder öffentliches Gymnasium. Sie haben sich beide fürs Gymnasium entschieden, weil beide Latein lernen möchten und es das an der Realschule nicht angeboten wird. Ich muss vielleicht dazu sagen,das unser großer (11 jahre) von einer förderschule zum Gymnasium wechselt und unser Junior ( 9 jahre) von der Grundschule aufs Gymnasium startet.
      Für unseren Junior haben wir von der Lehrerin nur eine Empfehlung für die Realschule bekommen. Wobei wir das Gefühl haben ,das die Lehrerin nach Sympathie entschieden hat und nicht nach realistischen Können. Auch wenn das immer noch ein tabuthema ist, wir haben leider eine Lehrkraft, die ihre Lieblinge in der Klasse hat. Und der Rest muss zusehen, wo er bleibt.
      Tut mir also bitte den Gefallen und verteufelt nicht nur die Eltern. Und ja für viele Handwerksberufe braucht man tatsächlich abi oder sogar ein Studium.

  23. Grundsätzlich sollte man Kinder natürlich auf die Schulform bringen, die den Fähigkeiten der Kinder entspricht.

    Trotzdem gilt für mich auch: Wer auf das Gymnasium kann, sollte auf das Gymnasium gehen. Der Grund ist für mich die Mentalität mit der den Schülern begegnet wird.

    Etwas überspitzt lassen sich die Mentalitäten der Schulformen im Umgang mit den Schülern folgendermaßen zusammenfassen:

    Gymnasium- „Ihr könnt alles erreichen und alles werden, egal ob Raumfahrtingenieurin, Neurochirurg, Staranwalt oder Philosophieprofessorin. Sky is the limit!“

    Realschule- „Ihr werdet bestimmt mal tolle Krankenpfleger, Installateurinnen, Einzelhandelkaufleute oder Kfz-Mechaniker, aber bildet Euch bloß nicht ein, Ihr könntet das Rad neu erfinden.“

    Hauptschule- „Schaut, dass Ihr halt irgendwas werdet. Auf Euch hat da draußen keiner gewartet.“

    Diesen letzten Satz „auf Euch hat da draußen keiner gewartet“ habe ich übrigens vom Direktor einer Hauptschule im Rahmen einer Doku über Hauptschüler in Deutschland gehört. Er sagte das bei der Verabschiedungsrede nach dem Abschluss zu seinen Schülern.

    Daher Gymnasium, wenn es irgendwie geht (bei meinen Kindern mache ich mir da aber aktuell auch wenig Sorgen).

      1. Ich habe hier die gesellschaftliche Erwartung, die sich mit den Schulformen verbindet dargestellt.
        Das dreigliedrige Schulsystem ist nun mal ein System mit drei Schubladen.

        Ich habe diese Schubladen nicht gemacht, aber mir ist bewusst, dass sie existieren. Und da ich sie auch nicht abschaffen kann, möchte ich meine Kinder eben gerne in der besten dieser Schubladen unterbringen.

        Man mag die Realität ganz dolle schrecklich finden, aber man muss sich mit ihr arrangieren.

        1. Die ja wohl ganz eindeutig auch deine Haltung widerspiegelt!
          „Daher Gymnasium, wenn es irgendwie(!) geht“ – ich wünsche deinen Kindern eine tolle Kindheit. Ich meine, irgendwie heißt das doch, dass du deine Kinder auf Biegen und Brechen auf das Gymnasium schicken möchtest, oder? Damit gehörst du auch zu denjenigen, die dieses Schubladendenken befeuern.

    1. Das sind die Eltern die nichts Eigenes haben zum rumprotzen und deshalb die Kinder vorschieben müssen ( aber zu feige sind den Direktor direkt auf so einen Kommentar anzusprechen).

  24. Hast du denn mal gefragt warum das Kind unbedingt aufs Gym soll ?
    Bin auf einer Gesamtschule gewesen (2000er in SH), wir haben alle die Realschulprüfungen gemacht und die die wollten konnten bleiben und noch das Abi machen….
    In sofern kann ich aktuell auch nicht nachvollziehen warum da bei euch so ein Stress ist….ich könnte mir vllt vorstellen, dass da noch veraltete Klischees sind die noch aus der Zeit stammen wo es noch 3 verschiedene Systeme gab und Wechseln aufwendig war.

  25. Hallo,
    Meiner Meinung nach soll jedes Kind sich so entfalten wie es mag und kann. Ich halte nichts vom Nachhilfeunerrichrt ab der Grundschule. Wenn die Kinder in dem Alter Nachhilfe bräuchten um auch eine bestimmte Schulform zu gehen ist es meist nur Qual. Im Gegensatz zur Oberstufe. Ich wollte mit 15/16 gerne Nachhilfe nehmen, aber ich durfte nicht, meine Mutter (Lehrerin) hielt da nichts von. Wer weiß, vielleicht hätte ich dann ein besseres Abi und doch meinen Traumberuf studiert.

    Das Problem ist aber eigentlich die Politik, die mit allen Mitteln „alle“ Gymnasium tauglich haben soll, dadurch senkt sich zwar das Niveau auf dem Gymnasium, führt aber auch dazu, das zu.b. Realschule und Gesamtschule total entwertet werden. Hauptschule gibt es hier quasi nicht mehr. Das heißt, willst du „nur“ einen „guten“ Handwerksberuf musst du zumindest das Gymnasium schaffen, sonst wird es schwierig.

    Diese Einstellung der politischen Seite ist eine Katastrophe und wird zu einem riesigen Fachkräfte Mangel führen. Vor allen auch weil viele, die ein Handwerk lernen damit nicht mehr zufrieden sind, und nochmal studieren, auch weil die Bezahlung nicht stimmt.

    Ich finde Eltern schrecklich, die immer erzählen wie toll ihre Kinder sind. Ich denke Jede Mutter ist stolz auf ihre Kinder und ich hoffe es reicht, wenn meine Kindee wissen, das, bzw was sie gut machen. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber, weil andere Eltern einfach nicht gesagt bekommen wie toll sie sind.

    Liebe Grüße Constanze

    1. Mein Sohn geht auch auf eine Gemeinschaftsschule. Allerdings ist es sozial dort sehr schwierig. Daher überlege ich ihn auf ein Gymnasium umzuschulen. Das Problem ist einfach, dass es keine an Den GMS wirklich sehr viele Kinder sind, deren Eltern sich um gar mix kümmern. An Elternabenden sitzen wir immer mit den gleichen 10 Eltern da . Die anderen 13 fehlen immer. Es ist traurig, dass es nix mehr zwischen GMS und Gymnasium gibt.

  26. Hallo! Ich war auf der Gesamtschule und habe dort ganz normal mein Abitur gemacht. Es gab dort eine gymnasiale Oberstufe (NRW). Inzwischen habe ich promoviert und meine Schulauswahl hat mir dabei nie geschadet. Wähle die Schule, die du für dein Kind am geeignetste hälst! Es stehen ihn dennoch alle Wege offen

  27. Hallo,

    ich habe die anderen Kommentare nicht gelesen, aber es ist noch wichtig, zu wissen, in welchem Bundesland ihr wohnt. Hier in Brandenburg geht zum Beispiel die Grundschule 6 Jahre, was ich sehr gut finde. Meiner Meinung nach sollten alle Schüler auf dieselbe Schulform gehen, bis zur 10. oder mindestens bis zur 8. Klasse, ich persönlich finde diese frühe Selektion furchtbar (bin selbst Lehrerin).
    Meine großen Kinder gehen aufs Gymnasium, der Kleinste ist 3. Klasse und wird sicher auch auf das Gymnasium gehen. Leider schlicht und einfach weil die Alternative fehlt, nicht, weil ich das so gut finden würde. Gesamtschulen sind hier auf dem Land zu weit weg, Privatschulen lehne prinzipiell ab, und die Oberschulen sind leider keine Alternative, die sind wirklich, böse gesagt, nur noch Resteschulen, als Förder-, Haupt- und Realschule in einem aber mit Klassenstärken nah am Gymnasium. Das Gymnasium ist zur Schulform für die bessere Hälfte der Schüler geworden, nicht mehr für eine Elite. Eine gute Gesamtschule finde ich das Beste.

    1. Ich denke das, was Franzi schreibt, ist genau der Kern des Problems: Das Gymnasium wird als alternativlos angesehen, denn alles andere sind „Resteschulen“. Und genau deswegen wollen so viele Eltern ihre Kinder auf dem Gymnasium sehen.

      Da braucht es einen besseren Ruf für andere Schulformen! Und in vielen Fällen sicher einfach bessere Schulen. Das ist ja auch ein Teufelskreis bzw. eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn die Schule erstmal einen schlechten Ruf hat…

  28. Hallo. Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Meine Tochter hat vor 1,5 Jahren den Schulwechsel gehabt. Sie geht nun auf die Realschule. Es war das Beste, was wir hätten tun können. In der Grundschule war sie zwar gut, aber auch noch sehr verträumt und extrem schüchtern. Das Gymnasium und der Druck hätten sie mit Sicherheit negativ beeinflusst. Jetzt schreibt sie eine gute Note nach der anderen und sie hat einen enormen Entwicklungsschub, gerade was das Selbstbewusstsein angeht, durchgemacht. Die Lehrer fragen zwar ab und zu, ob sie nicht doch noch wechseln möchte, aber sie selbst sagt, es ging ihr noch nie so gut in der Schule wie jetzt. Sie will später aber auf jeden Fall ihr Abi machen sagt sie, aber erst später:-)
    Als wir diesen Schritt damals machten, kamen wir auch um die Kommentare der anderen nicht herum und fühlten uns schon fast als schlechte Eltern. Es ist traurig, dass Kinder heutzutage so wenig Kind sein dürfen. Wir hatten früher definitiv mehr Kindheit. Heute sind es kleine Menschen mit vollen Terminplanern und einem Haufen Präsentationsaufgaben in der Schule. Sie werden in meinen Augen immer mehr zu Statussymbolen, so traurig das auch klingen mag.

  29. Hallo, ich war erst auf der Hauptschulen, habe dann die Realschüler und später die Fachhochschulreife gemacht, für mich wäre das Gymnasium nichts gewesen und ich denke das war genauso so richtig. Mein Sohn ist sieben und geht in die 2.Klasse und ich bin sehr dafür das er auf die Gesamtschule geht. Das Gymnasium mag für einige Kinder richtig sein, andere macht es kaputt.

  30. Ich kann es nicht verstehen, warum es so vielen Leuten so wichtig ist, dass ihre Kinder aufs Gymnasium gehen! Auf einer Gesamtschule oder auch Sekundarschule stehen einem doch auch alle Möglichkeiten offen! Es gibt inzwischen so viele Schulen, die auch nach der mittleren Reife viele Möglichkeiten bieten!
    Ich kann nur sagen, dass wir froh sind, die Entscheidung getroffen zu haben, unseren Sohn nicht wie viele andere aufs Gymnasium „geprügelt“ zu haben! Er ist zufrieden, schreibt dort recht gute Noten und hat somit schöne Erfolgserlebnisse!
    Bei den Kindern, die aufs Gymnasium gehen, wird das Wochenende durchgelernt, damit das Pensum geschafft wird! Den Stress kann man sich doch wirklich sparen!
    Die ewigen Versagensängste auf dem Gymnasium sollte man auch nicht unterschätzen.
    Leider wird er von seinen ehemaligen Mitschülern ein wenig gehänselt, dass er der Looser ist! Zum Glück hat er genug Selbstbewusstsein und weiß was er kann!

    1. Ich kann es verstehen. Weil im Gymnasium die Kinder musikalisch gefördert werden, sie Latein lernen, die Kinder das richtige Atommodell lernen (kein Witz, ich musste auf dem Wirtschaftsgymnasium erstmal das richtigeModell lernen), in Mathematik Algebra ganz anders gelehrt wird und Informatik gelernt wird. Leider wird bei uns viel zu früh selektiert. Ich bin auf Wunsch meiner Eltern auf die Realschule gegangen und finde das nicht immer noch schade. Auf dem Wirtschaftsgymnasium habe ich sehr viele Inhalte nicht gelernt, die ich sonst gelernt hätte.

  31. ich kann das sehr gut verstehen. meine kinder sind 6 und 3, mein sohn kommt erst nach den sommerferien in die schule. uns steht das also alles erst noch bevor. noch vor den kindern hatte ich bei meiner arbeit (ergotherapeutin) eine sehr eindrückliche erfahrung. eltern, die unbedingt wollten das ihr kind aufs gymnasium geht, beide frisöre mit eigenem geschäft. es lastete so ein druck auf dem kind, das niemals pause bekam, auch sonntags lernen musste. und die eltern partout nicht wollten das es auf die gesamtschule oder realschule geht. das ganze familienleben hat darunter gelitten. mein mann hat „nur“ die hauptschule besucht und ist handwerker. ich habe mich die ganzen jahre bis zum abitur gequält, auf einer anderen schule wäre ich besser aufgehoben gewesen. dauernd schlechte noten zu bekommen ist nicht sehr hilfreich für das selbstbewusstsein. ich habe auch „nur“ eine ausbildung gemacht. ich möchte für meine kinder das sie ihren weg gehen können und einen beruf finden der zu ihnen passt. natürlich hoffe ich das sie auch einen finden der sie ausreichend ernährt, aber was es dann am ende wird ist mir herzlich egal. ich sehe das bei so vielen die einen stressigen job haben, die haben zwar viel geld, am ende vom monat ist das aber auch weg. und zufrieden sind die meisten aber nicht. ich hoffe meine kinder bekommen nicht druck durch andere auf dem weg durch die schule. von uns werden sie den nicht bekommen.
    und was man nicht vergessen darf-wir brauchen handwerker, putzleute, verkäufer, therapeuten usw usf genauso dringend wie ärzte, bwler, manager oder andere studierte. für mich ist das alles gleichwertig, ohne den anderen läuft einfach der laden nicht.
    und es gibt viele die viele umwege gehen bis sie das finden was sie gerne machen.

  32. Wir sind auch gerade mit dem Thema welche Schulform ist für unser Kind die Richtig beschäftigt. Mir als Mama fällt es sehr schwer mich an den Gedanken zu gewöhnen, das mein Kind aufs Gymnasium möchte. Mir ist es nicht wichtig und ich möchte mein Kind gerne vor dem Druck schützen. Aber bei uns ist es ganz klar der Wunsch vom Kind. Den ich auch erst nehmen möchte, aber ich bin untersicher. Was tun?

    1. Hallo, dann lasse es das Kind versuchen. War bei meinem Großen auch so, noch dazu wollte er in die bilinguale Französisch- Klasse mit Aufnahmeprüfung. Und was soll ich sagen, das erste Halbjahr neigt sich dem Ende und unser Kind ist einfach glücklich auf „seiner Schule“. Ich finde es schon schön, wenn die Kinder selber für sich etwas wollen, dann machen sie es auch.

      1. Ja, lass dein Kind unbedingt mitentscheiden. Mein Sohn wollte auch aufs Gymnasium. Ich hätte für ihn die Realschule besser gefunden; in Bayern gibt es keine Gesamtschulen. Er schlägt sich wacker und fühlt sich wohl. Dabei hat er die Gewissheit, jederzeit wechseln zu können, wenn es zuviel werden sollte…..

  33. Hallo, ich stimme der Autorin des Artikels voll und ganz zu. Warum ein junges Kind auf Biegen und Brechen auf ein Gymnasium schicken, wenn es anders glücklicher wird. Ich war selber auf dem Gymnasium und hatte einige Klassenkameraden, die sich echt nur durch gekämpft haben und am Ende das Abitur nicht geschafft haben. Damals stand man da ohne Schulabschluss da, das war echt bitter. Sie mussten ihren Realschulabschluss dann extern auf einer Realschule machen. Sie sind ihren Weg gegangen, aber sie haben sich lange wirklich gequält, das würde ich meinen Kindern nicht antun wollen. Wir leben jetzt zum Glück in einer großen Stadt, meine Kinder gehen schon in der Grundschule auf einen großen Schulcampus, auf dem alle Schulformen vertreten sind. Leider muss man trotzdem schon in der 5. Klasse entscheiden in welche Schulform sie dann gehen werden. Aber die Hürden (Wege und soziale Durchmischung) sind niedriger und man kann besser auf sein Kind schauen. Mein Großer wollte auf das Gymnasium und ist dort auch komplett richtig, meine Kleine ist noch in der Grundschule.

    1. In Bayern erhält man mit Bestehen der 10.Klasse Gymnasium die mittlere Reife automatisch. Insofern kann man hier Gott sei Dank nicht ohne Schulabschluss nach 13 Jahren dastehen. Aber das mag in anderen Bundesländern so sein.

  34. In der vierten Klasse bekam meine Tochter eine Empfehlung für die Realschule. Also meldeten wir sie dort an (Gesamtschulkonzept mit Gymnasium, Real- und Hauptschule).
    Nach dem ersten Halbjahr in der fünften bekam sie die Empfehlung fürs Gymnasium. Sie haderte mit sich, aber ich sagte ganz klar nein. Dem Leistungsdruck dort hätte sie nicht standgehalten. Nach der sechsten sagte sie von sich aus, sie bleibt auf der Real. Das war für uns alle ok. Zumal auch die Option im Raum stand, mit einem erweiterten Realschulabschluss nach der 10ten einfach weiter und Abi zu machen.
    Sie ging dann doch nach der 10ten ab ( mit erweitertem Abschluss), machte ein freiwilliges soziales Jahr und macht nun ihr Diploma in Audio Engineering und, je nach dem wie sie sich entscheidet, eventuell den Bachelor of Arts.
    Sie ist weder dumm noch faul, aber den gymnasialen Druck muss man doch keinem Kind antun. Dieser Leistungsdruck, gerade schon so früh, sorry, der kotzt mich an.
    Ihr habt alles richtig gemacht.

  35. Ich selbst habe zuerst einen Realschulabschluss gemacht. Anschließend direkt auf dem Gymnasium die Allgemeine Hochschulreife gemacht. Anschließend studiert und heute arbeite ich in meinem Traumjob.
    Meine Noten waren auch schon in der Grundschule top (bis auf eine 2 alles Einser) aber ich hätte als Kind und Teenie den Druck nie stand halten können. Ich bin froh wie meine Eltern entschieden haben, auch wenn ich als Kind es zu Beginn gemein fande.
    Meine Geschwister waren nicht so gut in der Grundschule und machen jetzt aktuell ihren Realschulabschluss und haben einer sehr guten Einserschnitt.
    Manchmal braucht man auch noch Zeit um sich zu entwickeln und ich finde auch mit einer guten mittleren Reife hat man immer noch alle Türen offen stehen.
    Ach übrigens ein Hauptschulabschluss bedeutet auch keine Sackgasse, mein ehemaliger Vorgesetzter hat sogar den Doktortitel erreicht. Er hatte aber auch nur Hauptschulabschluss erreicht und alles weitere über Abendschule erledigt.
    Ich glaube er war damals Mitte dreißig und hatte den Dr. 😉

  36. Das ist hier ähnlich, habe zwei KInder mit reiner Gym.empfehlung, trotzdem gehen beide auf die Gesamtschule. Dort ist es entspannt, es fällt ihnen leicht, gute Noten beflügeln und geben Selbstvertrauen.
    Ich denke, unausgesprochen habe viele Eltern etwas gegen das sehr gemischte Publikum auf der Gesamt- oder Realschule. Sind halt nicht alles Akademikerfamilien dort. Für uns passt das alles so, aber wir ernten mit der Entscheidung durchaus immer mal wieder eine Gegenfrage oder zumindest hochgezogene Augenbrauen.

  37. Hallo Mimmi,

    Deine Gedanken kann ich gut verstehen – sogar aus zwei Perspektiven quasi.
    Perspektive eins:
    Ein Teil meiner Kinder geht aufs Gymnasium. Nicht, weil wir Eltern das UNBEDINGT so wollten, sondern weil sie einfach dort richtig sind.
    In den Klassen sind immer wieder Kinder, die klar keine Empfehlung fürs Gymnasium erhalten haben.
    Auf dem einen Gymnasium werden sie trotzdem „irgendwie“ mitgezogen, was zur Folge hat, dass eigentlich nicht mehr im gymnasialen Niveau unterrichtet wird. Schön für mein Kind, so muss es weniger tun. Blöd für mein Kind, so wird es nicht gemäß seiner Anlagen gefordert und gefördert. Die anderen Kinder tun sich trotzdem schwer.
    Auf dem anderen Gymnasium wird spätestens nach der 6. Klasse ausgesiebt. Entweder, du kannst das gymnasiale Pensum halten, oder du bist raus. Schön für mein Kind, so wird es ziemlich gefordert. Nicht schön, wenn du diesen Druck nicht halten kannst und dann noch mal woanders neu anfängst.

    Perspektive zwei:
    Ich habe noch ein Kind, dass kein 1A Gymnasiumkind ist. Klug vielleicht, aber das ist nun mal nicht alles. Die Arbeitshaltung muss stimmen, eine gewisse Ernsthaftigkeit der Schule gegenüber, die Fähigkeit, Druck auszuhalten usw. Warum soll man ein Kind aufs Gymnasium schicken, wenn es doch auch ein bisschen entspannter und langsamer zu einem Schulabschluss gelangen kann? Wer weiß denn mit 9/10 schon genau, was er später man machen will? Und ein Abitur kann man auch noch auf anderen Wegen erhalten, wenn man es dann doch braucht. Da wünsche ich mir mehr Gelassenheit von der gesamten Gesellschaft. Diese Fixierung auf UNBEDINGT Abitur geht nur zu Lasten der Kinder und des Lernniveaus.

    Aber: auch das letztgenannte Kind wird aufs Gymnasium gehen, einfach weil es vor Ort keine Alternative gibt. Eine Realschule gibt es nicht mehr und die Gesamtschule ist aufgrund des sozialen Klimas einfach keine Alternative. Da liegt auch der Grund, warum eben hier vor Ort viele Eltern von Mädchen oder zurückhaltenden, unreifen, schüchternen Jungs ihre Kinder zu erstgenanntem Gymnasium schicken. Klar könnte sich dort vielleicht auch eine andere Kultur entwickeln, würden einfach tapfer alle zur Gesamtschule gehen, die keine Gymnasialempfehlung erhalten. Aber keiner möchte mit seinem 9-10jährigen Kind den Anfang machen. Wer es sich zeitlich leisten kann, fährt Tag für Tag zur privaten Realschule im Nachbarort oder bemüht sich um einen Platz an der christlichen Gesamtschule in der Nachbarstadt. Das ist aber alles mit hohem Aufwand verbunden und so versuchen Eltern doch lieber, diesen Aufwand in eine möglichst lange Verweildauer auf dem Gymnasium für ihre Kinder zu erreichen. So schauts hier einfach aus – ganz abgesehen von den von dir beschriebenen Eltern, die einfach wahnsinnig fixiert sind auf Gymnasium/Abitur für ihre Kinder.

    1. Ich finde es super wie ihr das macht. Wir stehen jetzt auch vor dieser Entscheidung. Die Noten hat unsere Tochter für das Gymnasium. Aber da man im Grunde so viele Möglichkeiten später hat, Abschlüsse zu machen, soll sie noch Kind sein solange es geht, und mit 10 Jahren sind sich Kinder noch nicht im Klaren was sie später beruflich machen wollen oder wissen nicht, was im Gymnasium alles auf sie zukommt. Vor allem, unsere Tochter lernt nicht wirklich gerne und hasst eigentlich die Schule. Nun soll sie auf die Realschule und dann sieht man weiter.

  38. Wenn die Kommentare schon bei einer Gesamtschule so ausfallen. Wie wären sie dann erst bei einer Haupt- und Realschule oder bei einer reinen Hauptschule. Deutschland ist leider ein Land der Bildungsungerechtigkeit. Und ja, ein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg oder im Nachhinein ist immer anstrengender als ein Direktes. Aber Gymnasium ist ja viel Sozialisation. Also kann das Kind sich anpassen und ruhig sein, nicht wiedersprechen, ist es leistungsbewusst und strebsam? Wenn nicht, dann ist es meist auf dem Gymnasium sehr anstrengend. Zumal sich das Gymnasium absolut darauf verlässt, dass hinter jedem Kind eine Mannschaft steht, die es coacht, unterstützt, pampert und dafür sorgt, dass alles perfekt ist. Auf anderen Schulformen gibt es oft mehr Durchmischung und Offenheit für andere Lebensformen.
    Diese Kommentare sind nur ein Hinweis darauf, dass unsere Gesellschaft häufig sehr problematische Schwerpunkte setzt und Wege einschlägt die ihr nicht gut tun.

    1. Ach ja, ich möchte nicht das mein Kind aufs Gymnasium kommt.
      Ich kenne ihn und weiß er würde da gnadenlos untergehen. Er ist nicht dumm, aber sehr empathisch.. (sensibel) er geht nicht mit Ellenbogen durchs Leben.
      Und ich muss mich ständig bei irgendjemandem rechtfertigen. Das nervt.. Echt.
      Lg Astrid

  39. Ich verstehe dich sehr gut. Wir sind zwar erst in der dritten und die Noten passen, aber mein Kind müsste die Schule wechseln und ich bin mir sicher das er dort „untergehen“ würde weil dort viele Schulformen unter einem Dach sind. Ich schwanke zwischen privatschule (täglich 50km selber fahren) oder eben gesamt schule in unserem Dorf. Und ich finde eine gesamte Schule absolut nicht schlimm.wenn die noten gut sind ist es auch anschließend möglich ani zu machen und wenn nicht, dann eben nicht! Hauptsache dem Kind geht es gut und es geht SEINEN Weg.

    1. Hallo Mimmi,

      vorerst möchte ich mich für deine Offenheit bedanken. Finde es klasse, wie du damit umgehst. Trifft man heutzutage selten.

      Ich selbst bin eine Gymnasial-& Gesamtschullehrerin. Arbeite derzeit nicht(hab einen kleinen Sohn:)). War selbst auf einem Gymnasium und natürlich ist der heutige Leistungsdruck und die gesamte Situation anders als damals. Jedoch habe ich eins gelernt und zwar, dass derjenige, der vor allem einen gesunden Ehrgeiz an den Tag legt, Durchhaltevermögen aufweist und es tatsächlich möchte, in allen Schulformen seinen Weg gehen wird. Wenn auch durch Umwege manchmal, was sich ja oftmals am Ende als bereichernd erweist.

      Jedes Kind ist einzigartig und verdient die bestmögliche individuelle Unterstützung und zwar mit ganz viel Liebe, Verständnis und Freude am Leben. Das Land braucht vor allem Menschen mit Gewissen, humanistischen Werten, Liebe im Herzen und Respekt etc. Und wenn es am Ende ein Handwerker mit dieser Haltung wird, verdient dies ebenso den nötigen Respekt!
      Ich persönlich bin vielen Menschen begegnet, die zwar eine hohe Bildung genossen haben, aber sonst auch nichts!& krank waren, seelisch, einfach nur traurig und erschöpft. Ist das der einzige Sinn im Leben?!Zumal man auf einer Gesamtschule auch Abitur machen kann und auf dem Gymnasium die Quali nicht bekommen kann!

      Einer meiner Freundinnen hat auf der Gesamtschule ihr Abi gemacht und zwar mit einem großartigen Durchschnitt und ist eine erfolgreiche Ärztin geworden. Ich dagegen war zwar auf einem Gym., aber für ein Medizinstudium hat weder mein Durchschnitt ausgereichert noch meine damalige Arbeitshaltung;) Noch Fragen diesbez.?!;) Ah und mein Bruder ist Lehrer an einer Gesamtschule und erlebt auch großartige Schüler*innen. Und Problemfälle gibt es an jeder Schule!

      Ich wünsche Euch alles alles Gute auf Eurem weiteren Lebensweg.

      Beste Grüße, Bil

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