Elternwille zählt? Fast fanden wir keine weiterführende Schule

Weiterführende Schule

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Ihr Lieben, die Empfehlungen der LehrerInnen der ViertklässlerInnen für die Schulform der weiterführenden Schule folgen in jedem Bundesland anderen Regeln. Unsere Leserin Margit kommt aus NRW. Dort steht im Schulgesetz unter anderem folgender Satz: „Weicht der Elternwunsch von der Schulformempfehlung ab, bieten die weiterführenden Schulen Beratungsgespräche an. Letztlich entscheidet aber im Rahmen vorhandener Aufnahmekapazitäten der Elternwille.“

Für Margit war also erstmal Entspannung angesagt, sie würde selbst für ihren Sohn entscheiden können. Oder vielleicht doch nicht? Es war für sie und ihren Sohn ein richtiger Ritt, um eine Schule zu finden. Nach zwei Absagen gab es dann zum Glück aber doch noch ein Happy End. Hier schreibt sie uns ihre Geschichte.

Von wegen der Elternwille zählt! 

Wir haben einen aufgeweckten, aber verträumten Sohn. Zur Zeit der Empfehlung für die Form der weiterführenden Schule war er gerade mal gut neun Jahre alt und körperlich klein, noch sehr verspielt. Kognitiv fit, er hatte auch immer gute Noten ohne zu lernen. Sicherlich in puncto Arbeitsorganisation unreif. Ein Trödler und Bummler, der häufiger Dinge vergisst und unordentlich umgeht mit seinen Schulsachen. Typisches Jungsproblem vielleicht, so jedenfalls das Klischee.

Ausmalen in der Grundschule hat er auch immer gehasst und da wird verdammt viel gemalt. Selbst bis in die vierte Klasse zog es sich rein mit dem Malen. Frei schreiben, das konnte er trotz „Schreiben lernen nach Gehör“ ganz gut. Das wurde aber kaum verlangt. Ich war erstaunt, konnte er zu Hause Diktate doch mit sehr wenigen Fehlern schreiben. Diktate gibt es aber nicht mehr in den Grundschulen, zumindest nicht in NRW. Stattdessen ständig Lückentexte ausfüllen.

Unser Sohnemann langweilte sich und hatte keine gute Zeit in der Grundschule. Was seine schriftlichen Noten anbelangte, konnte man nichts aussetzen. Er war gut, wenngleich nicht sehr gut, aber alles im guten Zweierbereich, keine Schwachstellen. Aber eben verträumt, unordentlich. Er litt darunter, dass in der Grundschule häufiger seine Klassenlehrerinnen wechselten.

Ständig wechselnde LeherInnen

Die Fluktuation des Lehrpersonals ist neben vielen anderen strukturellen Problemen ein sehr häufiges Problem bei allen Schulformen leider auch schon in Grundschulen. Seine liebgewordene Klassenlehrerin ging am Anfang der zweiten Klasse, eine nette Vertretung kam. Auch sie verließ die Klasse wieder, die erste Lehrerin kam zurück. Wir atmeten auf, jetzt würde Ruhe einkehren, dachten wir. Pustekuchen, wenig später der nächste Wechsel.

Die Lehrerin, welche schließlich im ersten Halbjahr der vierten Klasse die Empfehlung ausgesprochen hat, kannte ihn erst kurze Zeit. Sie sagte mir im Gespräch, sie hätte sich mit den anderen Lehrerinnen vorher abgesprochen. Sie wäre auch unsicher bei unserem Sohn und könne ihn nicht gut einschätzen.

Sie sähe durchaus seine kognitiven Stärken, z.B. dass er sehr gut komplexe Aufgabenstellungen bewältigen kann, die anspruchsvoll sind. Sie sieht aber auch, dass er sich häufiger abholen lässt mit Bauchschmerzen und sensibel ist. Und natürlich, dass er unordentlich ist, nicht gerne malt und eine „Sauklaue“ hat.

Eingeschränkte Gymnasialempfehlung

Gymnasium eher nicht, sagt sie. Er ist zu sensibel und zu schlecht organisiert. Realschule auch eher nicht, da wäre es unterfordert. Ja, was denn jetzt? Sie sieht ihn an der Gesamtschule. Finden wir gar nicht schlecht, die Idee. Aber was, wenn wir den Platz nicht bekommen, werfe ich direkt ein. Ich argumentiere folgendermaßen: Ich hätte gerne zur Sicherheit die Gymnasialempfehlung (uneingeschränkt), falls es nicht klappt mit der Gesamtschule. Dann haben wir keine Probleme, ihn an einem Gymnasium unterzubekommen“.  

Wir leben in einer recht großen Stadt mit deutlichen Wachstumstendenzen. Schulplätze sind begehrt, gute Schulen erst recht. Gesamtschulen gibt es viel zu wenige. Jedes Jahr liest man in der Zeitung von hunderten Absagen. Die Lehrerin zögert.

Sie ist jung, unerfahren, sie spricht das erste Mal Empfehlungen eigenverantwortlich aus. Sie betont noch mal die Vorteile der Gesamtschule für unseren kleinen Träumer und sagt, eine Gymnasialempfehlung stellt sie uns nicht aus, dafür wäre er zu unreif. Ja, soll es denn nicht um das Potential gehen, frage ich? Es zählt doch nicht nur der Status quo, sondern auch die Zukunft? Sehen sie das denn nicht bei ihm?

Problemloses Anmelden an der Schule auch ohne Empfehlung?

„Ja, doch, das sehe ich“, argumentierte sie etwas verunsichert, aber momentan könne sie guten Gewissens kein Gymnasium empfehlen. Und flötete sie mir zu „Vertrauen Sie mir, der Elternwille hat oberste Priorität, Sie alleine entscheiden. Auch am Gymnasium können sie ihn damit problemlos anmelden“.

Hmmmh, also ist es ja egal, was für eine Empfehlung das Kind bekommt? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich fühle mich hilflos. Ich willige ein und unterschreibe am Ende des Gesprächs einen Wisch, auf dem die Empfehlung vereinbart wird.

In der Anmeldungsphase haben wir dann alles gegeben für einen Platz auf der Gesamtschule. Im Anmeldegespräch hat sich unser Sohn sehr gut geschlagen und den Direktor der Gesamtschule beeindruckt, indem er das Konzept ausführlich erörtert hat und genau erklären konnte, warum er gerne diese Schule besuchen möchte.

Die Absage der Schule kommt per Brief

Der Rektor schätzte unsere Chancen gut ein, wir hatten Hoffnung, auch wenn im Monat zuvor am Tag der offenen Tür Schlange stehen angesagt war. Eltern und Kinder quetschten sich in die Klassenräume, um beim Unterricht zu hospitieren. Eine Vorahnung überkam mich da schon, das würde nicht leicht werden mit einem Platz.

Und so kam es dann auch ein paar Wochen nach dem Anmeldegespräch: Absage per Brief. Entschieden durch ein Losverfahren. Okay, wir waren enttäuscht, aber das war zumindest fair gelaufen. Dachten wir. Wir ließen uns auf die Warteliste setzen. Unser Sohn war enttäuscht. Er weinte. Er wäre gerne dorthin gegangen. Eine zweite Chance auf einen Gesamtschulplatz gibt es nicht. 

Alternativ konnten wir ihn jetzt am Gymnasium oder an der Realschule anmelden. Zwischenzeitlich hatte sich auch lerntechnisch unser Sohn unter der neuen Lehrerin in der Schule stabilisiert, schrieb nur noch Einsen. Wir sahen, er blühte auf und trauten ihm das Gymnasium zu.

Beratungsgespräche an weiterführenden Schulen

Wir wollten ihn nach der Absage der Gesamtschule an einem beliebten Gymnasium in der Nähe anmelden und erfuhren dort: Geht doch gar nicht einfach so. Nur mit Beratungsgespräch, er hatte ja keine reine Gymnasialempfehlung. Also gut, wir machten einen Termin aus.

Ich nahm mir frei, schon wieder ein Tag Urlaub futsch. Unser Sohn verkaufte sich gut. Dennoch war das Gespräch unangenehm. Man wurde ziemlich auseinandergenommen und die gymnasiale Eignung des Kindes ziemlich in Frage gestellt. Warum wollten wir hier anmelden, auch ohne Empfehlung, wurden wir gefragt.

Die Unterstufenkoordinatorin war stutzig, sagte, das Zeugnis sei ja ziemlich gut. Warum er denn nur die eingeschränkte Empfehlung habe, wo seine Baustelle sei. Ich erzähle von den ganzen Wechseln der Lehrerinnen. Sie glaubt mir nicht. Ich spüre es an ihrem geringschätzigen Blick. Sie zielen ab aufs Sozialverhalten. Wahrscheinlich vermutet sie, dass er ein Sozialhonk ist. Dabei ist er ein sehr nettes, liebes, überhaupt nicht streitsüchtiges Kind mit sehr guten Sozialkompetenzen.

Wochenlanges Warten: Wieder eine Absage

Wir geben die Anmeldung ab und warten. Wochenlang. Aus seiner Klasse haben sich insgesamt neun Kinder an diesem Gymnasium angemeldet. Ich bin optimistisch. Diesmal klappt es. Anfang Mai liegt ein Brief im Kasten mit Absender von unserem Wunschgymnasium. Wir öffnen ihn euphorisch. Schon wieder eine Ablehnung.

Ich kann es nicht fassen. Sowohl Erstwunsch als auch Zweitwunsch klappen nicht. Ich telefoniere abends mit den anderen Müttern und bin überrascht, alle anderen Kinder (alle mit uneingeschränkter Gymnasialempfehlung) wurden aufgenommen. Unser Sohn als Einziger aus seiner Klasse nicht.

Er war eben auch der Einzige mit eingeschränkter Empfehlung. Angeblich hat wieder das Los entschieden. Unser Sohn ist am Boden zerstört. Er mag gar nicht mehr zur Schule. Alle reden darüber, auf welche Schule sie gehen und er gehört nicht dazu.

Die uns zugeteilte Schule ist marode

Ich höre ein paar Tage später von zwei anderen Jungen, die ebenfalls abgelehnt wurden. Auch sie hatten eine eingeschränkte Empfehlung. Wir bekommen eine Schule zugewiesen. Ein marodes Gymnasium mit schlechtem Ruf, das die nächsten Jahre in Container verlagert wird. Weil die Schule völlig sanierungsbedürftig ist und baulich auseinanderfällt.

Wir schauen uns die Schule an und sind entsetzt. Das geht gar nicht. Wir legen Widerspruch ein und beauftragen einen auf Schulrecht spezialisierten Anwalt. Er räumt dem Widerspruch nur geringe Chancen ein und macht uns nicht viel Hoffnung. Also muss Plan B her.

Ich mache mich auf die Suche nach einer alternativen Schule. Telefoniere herum, frage überall in den Schulsekretariaten nach, ob es noch freie Plätze gibt. Wir haben Glück. Ein anderes Gymnasium hat einen Zug mehr aufgemacht und gibt uns einen Platz. Aber auch hier müssen wir erst zittern. Müssen uns im Gespräch vom Unterstufenkoordinator anhören, dass sie uns ja eigentlich nicht annehmen dürfen, weil die Gymnasialempfehlung fehlt. Aber letzten Endes bekommen wir den Platz. Und sind damit zufrieden.

„Wir legen Widerspruch ein“

Unserem Widerspruch wird von der Bezirksregierung wie erwartet nicht stattgeben. Und das, obwohl der Anwalt herausgefunden hat, dass von den 14 abgelehnten Kindern insgesamt 12 Kinder eine eingeschränkte Empfehlung hatten, nur zwei Kinder nicht.

Es ist für mich offensichtlich, dass hier nicht gelost wurde, sondern dass Kinder mit eingeschränkter oder ohne Empfehlung „ausgelost“ werden. Beim Losverfahren gibt es – genau wie bei den Empfehlungen – keine Transparenz. Durchgeführt wurde es vom Rektor und Zeugin war die Unterstufenkoordinatorin. Nicht sehr vertrauenswürdig.

Letzten Endes wird nach Aussage unseres Anwalts vor Gericht erst die Ungleichbehandlung von Kindern mit eingeschränkter Empfehlung geahndet, wenn ausschließlich Kinder mit eingeschränkter Empfehlung abgelehnt wurden. Da es ja zwei „Alibi-Ablehnungen“ von Kindern mit uneingeschränkter Empfehlung gab, reicht das aus. Aber wir haben uns ja mit Glück eine neue Schule gesucht. Klappern gehört zum Handwerk. 

Happy End an neuer Schule

Und unser Sohn? Er hat sich prima eingelebt an der neuen Schule, auch wenn er kein einziges Kind kannte und immer alleine mit der Bahn hinfahren muss. Er fühlt sich wohl und hat bislang prima Noten. Den Rest wird die Zeit zeigen. Er denkt nicht mehr an die Schulplatzsuche zurück. Seine Grundschulzeit ist für ihn insgesamt eher mit unangenehmen Erinnerungen verbunden. Ende gut, alles gut. 

Tipps für Eltern, die vor den „Beratungsgesprächen“ für die Schulform-Empfehlung stehen: 

– Setzt euch sehr gut mit eurem Kind, den Stärken und Schwächen, im Vorfeld zum Gespräch auseinander. Überlegt, was ihr wollt und was das Kind möchte. 

– Geht zu zweit (beide Eltern) in das Gespräch, nie alleine (den Fehler habe ich gemacht). 

– In begehrten städtischen Lagen, in denen ein Überhang an Anmeldungen vorliegt (also in vielen Großstädten) ist eine „Einschränkung“ durchaus mit Nachteilen bei der Aufnahme verbunden und man hat es schwerer einen Platz zu finden, zumindest am Gymnasium. Auch wenn alle Lehrkräfte sagen, es ist nicht so. So ähnliche Geschichten wie unsere habe ich häufiger gehört. 

– Im Gegenzug ist es so, dass Gesamtschulen nicht Kinder mit eingeschränkter Empfehlung bevorzugen, sondern lediglich nach dem Notenschnitt gehen, um leistungsstarke und leistungsschwächere Schüler/-innen in der Klasse zu haben. 

– Wenn der/die Lehrer/-in die Gesamtschule empfiehlt, so sollte man darauf hinweisen, dass diese Schulform bei jeder Empfehlung automatisch enthalten ist und die Plätze sehr begehrt sind. 

– Bei einer eingeschränkten Empfehlung ist es häufig so, dass man, wenn man sich z.B. am Gymnasium anmelden möchte mit eingeschränkter Gymnasialempfehlung, dieses nicht ohne ein sog. Beratungsgespräch machen kann. Hier gibt es sicherlich unterschiedlichste Erfahrungen zu. Bei uns war das für das Kind eine ziemliche Stresssituation und ausgesprochen unangenehm. 

– Und noch was: Sicherlich kennt die Grundschullehrkraft, mit der ihr das Gespräch führt, sehr gut und grundsätzlich sollte man auch immer der soliden Meinung der Lehrerin vertrauen. Aber gerade weil es eine sehr hohe Fluktuation an Schulen gibt und gleichzeitig auch die Kriterien für die Empfehlung für die weiterführende Schule so schwammig sind, sollte man auch immer hinterfragen, ob alles so für einen passt oder nicht. Vertraut auf euch, Eltern.  

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21 comments

  1. Schon bei der Überschrift hatte ich ein Déja Vu. Es gibt sehr viele Parallelen zu meinen Erfahrungen.
    Bei uns ist es so, dass wir in einem Stadtteil mit der größten Dichte an Gymnasien – höchstwahrscheinlich deutschlandweit – wohnen. Auf 32 km² zwei städtische (und noch eins direkt an der Stadtteilgrenze) und drei private Gymnasien, für die auch noch gesonderte Aufnahmekriterien gelten – d.h. sie sind freier und willkürlicher in Ihrer Entscheidung. Es wird nicht gefragt:“ Auf welche weiterführende Schule gehst Du?“, sondern „Auf welches Gymnasium gehst Du?“ Dumm nur, wenn man keine uneingeschränkte Empfehlung bekommt, was ja bei einer Gleichverteilung von Intelligenz und Fleiß gar nicht mal unwahrscheinlich ist und in den besten Familien vorkommen kann. Und ja, jeder möchte für sein Kind das Beste – vermeintlich das Gymnasium. Viele Eltern ziehen alle Register von Klagedrohungen bis zu verdeckter Bestechung durch großzügige Geldzuwendungen – funktioniert besonders gut bei den Privatschulen – um ihr Ziel zu erreichen. Manchmal dient auch ein bedeutender Familienname als Eintrittskarte zum Gymnasium.
    Für alle Kinder, deren Eltern dies aus verschiedensten Gründen nicht tun oder tun können oder haben, bleibt eine Gesamtschule, und eine Realschule, die zweite wurde bereits geschlossen. Ebenso wie die Hauptschule. Jetzt kann sich jeder vielleicht denken, wie die Situation an der Gesamtschule ausfällt. Dem Grundgedanken einer Gesamtschule wird das nicht mehr gerecht. Sie ist ein Auffangbecken für alle Haupt- und Realschüler und eben die mit eingeschränkter Gymnasialempfehlung.
    Dann lieber so wie in Bayern, wo nur die Noten zählen oder wie in Hamburg, wo es beratende Gespräche mit den KlassenleherInnen gibt, die Familien letztendlich aber wirklich selbst entscheiden können, auf welche Schule ihr Kind geht. Ich finde, dass die Empfehlung der LehrerInnen durchaus Sinn macht, schließlich kennen die unsere Kinder im Idealfall von der ersten Klasse an und wissen auch, wie sie schulisch ticken. Allerdings gibt es den Idealfall kaum. Jährliche Lehrerwechsel sind keine Seltenheit, und wenn das Kind eine(n) LehrerIn hat, mit dem es nicht zurecht kommt, hat es auch verloren. Die meisten LehrerInnen sind sehr jung, haben kaum Erfahrung und wissen vor allem meist nicht (auch nicht aus eigener Erfahrung) wie ein Aufnahmegespräch an weiterführenden Schulen läuft.
    Die Kinder, meist 9-10 Jahre alt, durchlaufen einen Auswahlprozess wie später bei einem Bewerbungsgespräch. Oft werden Suggestivfragen gestellt, deren Hintergrund und Ziel, die Kinder noch gar nicht erfassen können. Es werden perfekte hochsoziale kleine Menschen gesucht, die mindestens ein Instrument spielen und regelmäßig einer Sportart nachgehen. Das Kind mit Potential und als potentieller Leistungsträger, mit dem sich die Schule schmücken kann, ohne viel Arbeit damit zu haben. Natürlich zählen auch gute und bessere Noten, die heutzutage fast inflationär vergeben werden. Wer von uns erinnert sich an MitschülerInnen, die fast in jedem Fach Eins standen? Da gab es vielleicht EineN an der gesamten Schule. Heute gibt es davon erstaunlich viele.
    Es ist eine schwierige Entwicklung und es bleibt nur die Hoffnung und die Gewissheit dass jedes Kind seinen Weg macht. Und wir müssen mit liebevoller Unterstützung dafür sorgen, dass es das zufrieden und entspannt machen kann. Was die schulische Laufbahn angeht, braucht es eine Portion Glück, dass die richtigen LehrerInnen zur richtigen Zeit da sind. Für den Rest sorgen wir und dazu gehört eine riesige Portion Gelassenheit, und das sage ich aus eigener Erfahrung. Ich musste mir das auch erst erarbeiten und bin immer noch nicht so gelassen, wie ich mir das wünschen würde. Ich hätte nie gedacht, dass die Schule für mich als Mutter einen solch großen Stellenwert einnimmt.

    „Lass Dich nicht unterkriegen – sei frech und wild und wunderbar.“ – Astrid Lindgren

    Miriam Hardt

  2. Oh das klingt ja furchtbar anstrengend und subjektiv. Da bin ich froh, dass es hier bei uns auf dem Land (noch) besser läuft und man einfach einen Platz an der nagelten Schule bekommt.

  3. Hallo Zusammen, mit der Grundschule hatte wir bei unserem Sohn auch massive Probleme, ähnlich wie ganz oben erzählt. Glücklicherweise erkannte unsere damalige Dirktorin, das Potenzial von meinem Sohn und hat dafür gesorg, dass er schon in der 3. Klasse für´s Gymi vorgemerkt war.
    Das krasseste war jedoch die Verabschiedung der Klassenlehrerin:
    „Wenn Se denken ihn aufs Gymnasium zu schicken dann tun sie es, aber aus dem wird eh mal nichts.“
    Heute ist mein Sohn 33 und hat in Astrophysik mit summa cum laude Promoviert und er arbeitet im Bundesministerium…
    Also lasst euch nicht von Grundschullehrern verrückt mache.

  4. Ich frage mich, ob wirklich erwartet wird, dass DIE Wunschschule nun JEDEN Schüler aufnehmen könnte? Wie sollte so etwas denn finanziert und organisiert werden?
    Es gab ja dann sogar einen angebotenen Gymnasialplatz! Der Elternwille wurde also erfüllt.

    Ein Auswahlverfahren, bei dem nicht nur auf z.B. Schulnoten abgestellt wird, wird m.E. immer (teils gefühlte) „Ungerechtigkeiten“ hervorrufen.

    Aber es gab ja in diesem Fall ausreichend Zeit&Geld in der Familie, um zu klagen (Zeit die auch bei der beklagten Schule nun „fehlt“…..), womit aber festgestellt wurde, dass alles rechtmäßig abgelaufen ist.

    Was mir fehlt, ist der realistische Vorschlag, wie so etwas organisatorisch, räumlich und personell den geregelt werden sollte?

    1. Also ich finde nicht dass es sich um eine Helikopter Mutter handelt, nur weil sie sich Urlaub nimmt und engagiert darum bemüht für ihr Kind die bestmögliche Schule zu suchen. Kinder verbringen schließlich sehr viel Zeit dort und es ist für die weitere Lebensplanung (Berufswunsch, etc) nicht unerheblich. Ich denke der Mutter ging es darum Ihre Erfahrungen (gegenteilige Aussagen, unverständliche Entscheidungen) zu teilen und andere Eltern dafür zu sensibilisieren. Ich bin übrigens in einer Kleinstadt aufgewachsen wo es nur drei Schulen gibt und der Notenschnitt entscheidet, auf welche man geht. Kinder- oder Elternwunsch gabs da gar nicht, für mich hat es allerdings gut gepasst, so wie es war.

    1. Einerseits kann ich die Sorgen der Eltern verstehen. Andererseits finde ich solche Urteile „marode Schule – da geht mein Kind nicht hin“ schwierig: Andere Kinder gehen ja auch hin?

  5. Hier (ländliches Bayern zwischen Nürnberg und Regensburg) hat man noch nicht mal die Auswahl. Es gibt je eine Knaben- & eine Mädchenrealschule (Willkommen in der Steinzeit! Nur heute mit Drogen, Messerstechereien, Mobbing bis in den Suizid…), zwei Gymnasien (blöd, wenn die Kinder zwar begabt, aber ADHSler sind) und eine Mittelschule (mit Sprengelpflicht unf mobbendem Rektor!). That’s it! Unsere Kinder pendeln daher täglich 90 Minuten mit dem Bus zur nächstgelegenen privaten Montessori Schule. Btw: Gymnasium und Realschule haben in Bayern den gleichen Notenschnitt zum Übertritt und Elternwille gibt’s quasi nicht. So gesehen: ich finde es schade, wenns mit der Wunschschule nicht klappt, aber wir zahlen für drei Kinder einen hohen vierstelligen Betrag pro Jahr um sie nicht dem staatlichen Schulsystem aussetzen zu müssen. Da ist das bisschen Schulplatzsuche und drei verbratene Urlaubstage doch echt zu verkraften.

    1. Liebe Amy,
      hier ist Bayern ist es so, dass für den Übertritt ans Gymnasium ein Notendurchschnitt von 2,33 gebraucht wird und für die Realschule 2,66. (Es zählen nur die Fächer Deutsch, Mathe und HSU.)
      Erreicht das Kind diesen Durchschnitt nicht, kann der Übertritt auf Wunsch der Eltern dennoch stattfinden, um auch Kindern den Übertritt zu ermöglichen, die – aus welchen Gründen auch immer – den Notendurchschnitt nicht geschafft haben, aber geeignet sind.

      Wollte das nur nochmal erklären, weil du meintest die Übertrittsnoten seien für Gymnasium und Realschule gleich.
      Liebe Grüße Lilu

  6. P.S.
    Ich möchte aber auch, als realistische Mutter, mal anmerken das der Text auch sehr viele Unterstellungen ( die Anderen oder dieses und jenes ist schuld…) enthält. Und mit diesem ( oft elterntypischen) Verhalten erntet man beim Gegenüber natürlich Abwehr. Das haben die alles schon tausendmal gehört. Also bitte auch bisschen Einsicht! Und natürlich haben die Kinder mit uneingeschränkter Empfehlung den Vorrang. Und man gibt nicht umsonst 3 Wunschschulen an, sondern gerade in größeren Städten passiert das aus gutem Grund. Ebenso wie zur Bildungsempfehlung schon Infos zum genauen Ablauf bekannt sind ( Beratung und Test bei eingeschränkter Empfehlung) das kommt eben nicht aus heiterem Himmel. Da steht sogar schon der eventuelle Testtag der jeweiligen Schule dabei.
    Deshalb bitte auch ein bisschen Selbstreflektion und Verständnis warum das Lehrpersonal teilweise so reagiert ( die können es schon nicht mehr hören).
    Und von der Grundschullehrerin finde ich es klasse das sie Unsicherheiten benennt und auch zugeben kann, gerade nach so kurzer Zeit schon diese Einschätzung treffen zu müssen. Das ist sehr ehrlich.

    1. Was bitte ist den eltentypisches Verhalten? Die Verfasserin beschreibt einfach Ihre Unsicherheit mehr auch nicht.Behörden, Schule sind nun mal dazu da, einen zu unterstützen und nicht rückzumelden “ hm ich weiss ja auch nicht“.Nicht alle Eltern sind Rasenmäher oder Helikopter Eltern, wie nicht alle Eltern irgendwelche Assis sind. Warum wird hier von einigen Kommentatoren immer rückgemeldet eigentlich selbst schuld.Mit Absicht wird das Haar in der Suppe gesucht. Wir Eltern sollten zusammen halten und nicht immer nur beurteilen und verurteilen.

      1. Grundschullererinnen sind in der absoluten Mehrzahl und daher müsste es eine Quotenregelung für männliche Kollegen geben.Schon um die stark Fluktation einzudämmen(Schwangerschaft)und auch zur Gewährleistung einer gerechteren Beurteilung den Jungens gegenüber. Ich glaube,dass Jungs da einen erheblichen Nachteil erfahren,weil sie nun mal anders sind und anders lernen.Die feministische Grundschule ist Gift,auch wenn man um Gerechtigkeit, seitens der Lehrerinnen ,bemüht ist und es sicherlich nicht Absicht ist.Und doch ist die Ungleichbehandlung oftmals traurige Realität.Übrigens nicht erst seit gestern,sonder schon viele Jahre.Mein Sohn ist aufgeblüht im Gymnasium,wo es ein ausgeglichenes Verhältnis gab,zwischen männlichen und weiblichen Lehrpersonal.Ich würde das für enorm wichtig halten,zum Wohle der männlichen Schüler.

        1. Die „feministische“ Grundschule, was soll das sein? (Backlash-AFD- Rhetorik?)
          Das soll nicht wirklich eine Unterstellung sein, aber was soll das denn bitteschön genau bedeuten? Und wieso sollte eine Schule, zumindestens vom verwendeten Adjektiv her gesehen, die darauf ausgerichtet wäre, allen Beteiligten die GLEICHEN Rechte zu garantieren, Gift sein?
          Als Mutter von zwei Jungen meine ich, dass nicht der Frauenanteil das Problem ist, sondern dass manche der Lehrer:innen sich an ihrem leider ganz und gar nicht emanzipierten Vorstellungen abarbeiten, wie Schüler:innen zu sein haben. Das tut keinem Kind gut, egal welchen Geschlechts.
          Woher kommt da die Garantie, dass männliche Lehrer das anders handhaben? Auf dem Gymnasium ist doch die Beziehungsgestaltung und die Altersstruktur der Schüler:innen eine ganz andere.
          Und wo genau sind jetzt die Horden männlicher Grundschullehrer, die bisher nicht zum Zug gekommen sind? Damit unsere Jungs endlich erlöst werden vom „toxischen Feministinnentum“ :-))).

          Und zum Thema: ehrlich gesagt, mir wäre es tausendmal wichtiger, wie das Sozialleben an der Schule aussieht als der zu erreichende Schulabschluss. Zumindestens in Ba-Wü ist es so, dass es keinen Abschluss ohne Anschluss gibt. Und natürlich ist mir auch sehr wichtig, wie sich das sonstige Leben meines Kindes gestaltet. Ob eine sehr lange Anfahrt und die mangelnde Möglichkeit, unkomplizierte Kontakte zu pflegen, jetzt die gammelige Einrichtung einer Schule überwiegen und ob ein straight gemachtes Abitur ausschlaggebend für eine glückliche Lebensführung ist – Ansichtssache. Aber weder kenne ich dieses Kind noch die beschriebenen Schulen.

        2. An Gabriele: Es gibt kaum Männer, die diesen Beruf ausüben wollen. Deswegen braucht man auch keine Quote, die Männer werden ja nicht diskriminiert und deswegen nicht eingestellt. Übrigens gibt es inzwischen auch zu wenig Frauen, die sich für diesen Beruf entscheiden. Vielleicht wäre es sinnvoll über die Rahmenbedingungen zu diskutieren, dann gäbe es vielleicht auch wieder Männer, die den Job machen wollen. Er gilt als anstrengend (heterogene, zu volle Klassen+teilweise sehr anspruchsvolle Eltern, die keinerlei Respekt vor den Lehrern haben und ihren Kindern diesen Respekt auch nicht vermitteln), nicht besonders gut bezahlt (am Gymnasium verdient man deutlich besser)und das gesellschaftliche Ansehen ist auch eher schwach (Lehrer jammern, sind faul und haben dauernd Ferien) Oh Wunder tut sich das kaum noc h ein Mann an, diese Jobs werden schön an Frauen durchgereicht,die sich dann bitte für relativ wenig Geld, hoch engagiert aufarbeiten sollen.

        3. Wünschenswert aber eben bloßes Wunschdenken. Was nutzt eine Quote, wenn es keine männlichen Interessenten gibt?Männer schauen nach Prestige-deshalb findet man sie fast nur am Gymnasium (oder in Schulleitungen). Kaum in Kitas oder Grundschulen.

  7. Ach, ich sehe unseren Sohn vor mehr als 20 Jahren. Wie arrogant war die Grundschul-Lehrerin “ er schafft nur die Realschule“. Unser Sohn promovierte vor kurzem, hat jetzt Doktortitel. Liebe Eltern bleibt stark und kämpf für eure Kinder!!!

  8. Da erkenne ich meinen Jüngeren wieder (sensibel, bisschen unorganisiert). Aber auch ganz klar mit sehr guten Noten und Sozialkompetenz ( um das auszudrücken ist normalerweise das Schriftfeld im Zeugnis gedacht). Bei eingeschränkter Empfehlung ist auch hier ein Beratungsgespräch üblich und ein Test vorher zu absolvieren. War für den Klassenkameraden meines Sohnes kein Problem, wir sind aber auch Kleinstadt. In der Großstadt kann es leider, aufgrund der Anzahl der Bewerbungen, so sein das ausschließlich Kinder mit Durchschnitt 1,0 berücksichtigt werden und der Rest ungünstigerweise auf der Realschule landet. Das liegt aber im kaputt gesparten Bildungssystem.
    Ich wünsche Ihrem Sohn eine schöne, erfolgreiche Restschulzeit! Machen alle Ihren Weg, nur Mut und Vertrauen! Aber es braucht auch so starke Eltern, wenn man das nicht leisten kann, geht das heutzutage leider zu Lasten dieser Kinder.

  9. Vielen Dank für diesen Bericht! Und ich dachte tatsächlich, wir hier in Bayern hätten Pech, da nur die Note zählt. Nach diesem Text sehe ich das aber positiv, denn mit der passenden Note erhält man hier wenigstens automatisch die Gymnasialempfehlung, auch wenn man häufiger Schulsachen vergisst und/oder keine schöne Schrift hat (diese Probleme scheinen grds viele Kinder in dem Alter zu haben, das wird später aber eigentlich immer besser). Es ist zwar auch nicht immer einfach hier in München einen Platz am Wunschgymnasium zu bekommen, aber bei uns hat es geklappt – schön, dass es bei Euch doch noch geklappt hat und das es Deinem Sohn mit dieser Schule gut geht! Alles Gute Euch!

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