Weg mit dem Mythos – eine Kinderärztin klärt auf!

Mythos

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Ihr Lieben, mit den Kindern kommen die Mythen. Sicherlich kennt ihr zu fast jedem Thema eins. Ich fang mal mit einem Mythos an: „Wenn du das Baby zu viel trägst, dann verwöhnst du es“ oder „Cola und Salzstangen helfen bei Magen-Darm-Erkrankungen.“ Und wie das Mythen so ist – man ist sich nie ganz sicher, ob nicht doch ein Funken Wahrheit drin steckt. Jedenfalls als Laie. Deshalb hat sich die Kinderärztin Dr. Celine Schlager 115 Mythen zum Thema Kindergesundheit angesehen und kompetent beantwortet, aufgedröselt oder widerlegt. Wir dürfen hier fünf Mythen veröffentlichen:

Mythos 1: DAS KIND ISST ZU WENIG.

Einige von uns hören diesen Satz ständig und beziehen ihn auf sich, haben ein schlechtes Gewissen. Dabei ist es so: Je nach Alter des Kindes variieren die Essensmengen der unterschiedlichen Nahrungsmittel. Auch Schwankungen in der Essensmenge von Kindern pro Tag sind völlig normal und brauchen euch nicht zu beunruhigen. Neben dem Alter beeinflussen auch noch andere Faktoren, wie viel ein Kind isst:

  • Geschlecht: Jungen essen oft mehr als Mädchen.
  • Bewegung: Kinder, die aktiv sind, essen mehr als ruhigere Kinder.
  • Körperbau: Kleinere Kinder mit eher zartem Körperbau essen weniger als größere Kinder mit eher kompakterem Körperbau.
  • positiver/negativer Stress – freudiges Aufgeregtsein oder eine Konfliktsituation können dazu führen, dass Kinder mehr oder auch weniger als gewöhnlich essen.
  • Ablenkungen – Bildschirmmedien sollten bei den Mahlzeiten ausgeschaltet sein. Spielzeug und Bücher gehören nicht in Tischnähe. Kinder nehmen sonst nicht richtig wahr, was und wie viel sie essen.Wenn euer Kind eher ein Wenig-Esser oder eine Wenig-Esserin ist, könnt ihr ihn oder sie gern ein- bis zweimal zum Essen animieren. Möchte euer Kind dann immer noch nicht essen oder beendet es eine Mahlzeit von sich aus frühzeitig, dann solltet ihr dies akzeptieren. Mit Belohnungen, Bestrafungen oder Tricks solltet ihr nicht versuchen, euer Kind vom Essen zu überzeugen. Kinder sind, was die Ernährung betrifft, sehr intuitiv und wissen meist am besten, was sie brauchen. Sie holen sich die Nähr- stoffe, die sie brauchen, dann zu einem anderen Zeitpunkt

Mythos 2: DAS BABY HAT KALTE HÄNDE UND FÜSSE – ES FRIERT.

Anders als bei uns Erwachsenen hat die Temperatur von Händen und Füßen bei Babys keine besondere Aussagekraft. Sie sind meistens kälter. Das ist jedoch ganz normal und liegt daran, dass die Feinsteuerung der Durchblutung noch nicht fertig entwickelt ist. Die Wärmeregulation ist bei Babys eben noch nicht stabil.

Kalte Füße bedeuten bei Babys und Kleinkindern darum nicht unbedingt, dass ihnen zu kalt ist. Solange der Rest des Körpers warm ist und die Hände und Füße nicht blau oder marmoriert sind, ist dem Baby in der Regel trotzdem warm genug. Wenn ihr unsicher seid, kontrolliert doch einmal im Nacken eures Babys seine Temperatur. Ist der Nacken kalt, solltet ihr dafür sorgen, dass eurem Baby wärmer wird. Die Haut sollte dort warm, aber trocken sein. 

Mythos 3: OHNE MÜTZE BEKOMMT DAS BABY EINE MITTELOHRENTZÜNDUNG

Es wird von vielen Leuten tatsächlich angenommen, dass durch kalte Luft Krankheitserreger in die Ohren (und anderswohin) gelangen und dort eine Mittelohrentzündung auslösen können. Diese Krankheitserreger, so die Vorstellung, lassen sich durch Ohrenschützer, Mützen oder gar einen Verschluss des Gehörganges mittels Watte abhalten. Tatsächlich ist allerdings nur bei einem perforierten Trommelfell möglich, dass die Erreger vom äußeren Gehörgang direkt ins Mittelohr gelangen können.

In der Regel entsteht eine Mittelohrentzündung jedoch durch das „Hochwandern“ von Bakterien und Viren ins Mittelohr, meist im Rahmen eines aufsteigenden Atemwegsinfektes. Natürlich sollen die Kinder an den Ohren nicht frieren; ein direkter Zusammenhang von kalten Ohren und Mittelohrentzündungen besteht jedoch nicht.

Bei Wind oder niedrigen Temperaturen ist es immer ratsam, eine Kopfbedeckung zu tragen. Sie schützt davor, dass Stirnhöhle oder Ohren auskühlen und empfindlicher für Krankheitserreger werden. Denn bei Kälte verengen sich die Blutgefäße, und der Blutfluss verlangsamt sich. Die Schleimhäute unserer Atemwege und der Ohren sind dann schlechter durchblutet und verfügen entsprechend über weniger Abwehrstoffe. So können Bakterien und Viren leichter in den Körper eindringen und zu Entzündungsreaktionen führen

Mythos 4: WENN DAS BABY FIEBER HAT, BRAUCHT ES FIEBERSAFT

Zuerst einmal vorneweg: Kinder dürfen Fieber haben, auch Babys. Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es zeigt an, dass der Körper auf Krankheitserreger reagiert und seine Abwehrkräfte mobilisiert. Denn bei hohen Körpertemperaturen können sich Viren und Bakterien nicht so gut vermehren. Fieber ist also ein wichtiger natürlicher Schutzmechanismus des Körpers, dem nicht gleich durch fiebersenkende Maßnahmen entgegengewirkt werden muss. Und auch gar nicht sollte.

Wenn ein Kind fiebert, so bedeutet das erst einmal nichts anderes, als dass es sich quasi selbst hilft. Das Kind kann jedoch bei Fieber ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl haben; Appetitlosigkeit, Schwächegefühl und Trinkverweigerung können die Folge sein. Wichtig ist immer der Allgemeinzustand, nicht die absolute Höhe der Temperatur. Übrigens gilt es bei Säuglingen ab 38 °C als Fieber, bei Kleinkindern ab 38,5 °C.

WIE KANN MAN DEM KIND BEI FIEBER HELFEN?

Das Kind sollte, wenn möglich, Bettruhe halten. Wadenwickel können Linderung verschaffen, allerdings sollten diese nur angewendet werden, wenn der komplette Körper, inklusive Händen und Füßen, warm ist. Auch Abwaschungen oder ein lauwarmer Waschlappen auf die Stirn können helfen. Übrigens sind fiebernde Kinder oft zu warm angezogen.

Fiebersenkende Maßnahmen mit Fiebersaft sind in der Regel erst notwendig, wenn die Temperatur über 40 °C steigt, das Kind starke Schmerzen hat oder ein großes Krankheitsgefühl. Hier kann man dem Kind dann Paracetamol oder ab dem dritten Lebensmonat auch Ibuprofen geben. Wichtig ist hierbei, die Dosierung zu beachten; diese wird angepasst an das Körpergewicht des Kindes. Acetylsalicylsäure (Aspirin) darf bei Kindern nicht gegeben werden!

Wichtig: Fieber ist nur ein Symptom; die dahinterstehende Krankheit wird durch die Maßnahmen nicht therapiert. Deswegen wendet euch bitte im Zweifel an euren Kinderarzt oder eure Kinderärztin.

EIN KIND SOLLTE ZUM ARZT BEI FOLGENDEN PUNKTEN:

  • Alter unter drei Monaten
  • Trinkverweigerung
  • Fieber lässt sich nicht senken
  • Fieber dauert länger als drei Tage an
  • sehr hohes Fieber (>39 °C)
  • Fieberkrampf
  • Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Atemnot,bläulicher Hautfarbe, Schreien
  • weitere Symptome (Erbrechen, Durchfall, Husten,Ohrenschmerzen)

Mythos 5: HEISSE MILCH MIT HONIG HILFT BEI HALSSCHMERZEN

Der Hausmittel-Tipp von Oma. Aber hilft er wirklich? Studien, ob heiße Milch mit Honig bei einer Erkältung wirklich hilft, gibt es kaum. Es lässt sich aber sagen, dass Honig tatsächlich nachweislich eine antibakterielle Wirkung hat. In einer US-Studie zum Thema „Hustenmittel“ schnitt das Bienenprodukt sogar besser ab als ein gängiger Hustensaft.

Das Problem dabei: Seine wirkaktiven Substanzen vertragen keine Hitze – zumindest keine über 40 Grad. Wird Honig also mit heißer oder gar kochender Milch übergossen, verliert er seine Wirkung. Daher sollte zur medizinischen Anwendung ausschließlich kalt geschleuderter Honig verwendet werden. Und wer den Honig unbedingt in Milch oder Tee zu sich nehmen möchte, sollte die Flüssigkeit vor dem Einrühren abkühlen lassen, bis sie lauwarm ist. Besser aber ist: einfach ein bis zwei Löffel Honig vor dem Schlafengehen im Mund zergehen lassen. Das kann auch gut einen starken Hustenreiz stillen. Denkt nur daran: Babys unter einem Lebensjahr dürfen noch keinen Honig zu sich nehmen


COVER Dr. Celine ISBN 978 3 910509 06 1 3D

Wer noch mehr rund um die Kindergesundheits-Mythen lernen will, sollte sich das Buch „Kindergesundheit heute – Schluss mit überholtem Halbwissen“ von Dr. Celine Schlager kaufen. Ideal für alle, die fundiertes Wissen schätzen und vielleicht auch mal dem Halbwissen der Großeltern kontern wollen 🙂

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