Eltern-Kind-Entfremdung: Mein Mann darf seinen Sohn nicht mehr sehen

Liebe Julia, wir hatten auf Facebook einen Artikel zum Thema Entfremdung von Eltern und Kindern gepostet und darauf sehr viele Nachrichten erhalten. Auch du hast uns geschrieben. Dein Mann hat einen 12jährigen Sohn, den er seit Herbst nicht mehr gesehen hat. Seit wann ist er von der Mutter getrennt und wie war das Verhältnis zu dem Kind in der ersten Zeit?

Mein Mann ist seit Frühjahr 2013 von seiner damaligen Frau getrennt, gekriselt hat es laut Aussage meines Mannes schon ein ganzes Jahr zuvor. Am Anfang war das Verhältnis zu seinem Sohn noch richtig gut. Er hat ihn alle 14 Tage am Wochenende und auch zwischendurch öfter mal gesehen. Vater und Sohn haben sich beide auf diese Treffen immer gefreut. Geändert hat sich an der Situation erst, als ich ins Spiel kam. Das war dann im Herbst 2013.

Ab da hat die Mutter des Kindes immer wieder gegen Euch geschossen. Welche Äußerungen fielen da?

Das fing an mit solchen Standard-Aussagen "Die Neue von Papa ist dumm" an – und hat sich immer mehr gesteigert bis es echt unter die Gürtellinie ging. Als dann bekannt wurde, dass mein Mann und ich heiraten möchten kamen, hat sie zu dem Jungen auch gesagt:  „Jetzt hat der Papa eine neue Frau und hat dich nicht mehr lieb“ oder "Die neue Frau ist jetzt wichtiger als Du."

Der Junge hat mehrmals gesagt, dass er eigentlich lieber bei uns wohnen will. Als mein Mann das bei seiner Ex angesprochen hat, wurde er nur ausgelacht. Doch der Junge wiederholte seinen Wunsch und so ging die Sache vor Gericht. Dort hat er aber seine Meinung wieder geändert – seine Mutter hatte ihm kurz vorher zwei riesige Lego-Sets gekauft….

Dann bist Du schwanger geworden. 

Ja, und die Ex hat das weiter gegen uns benutzt. Der Junge erzählte uns, dass sie Sätze gesagt hat wie „Jetzt hat der Papa eine neue Familie und braucht dich nicht mehr“, oder „Wenn das neue Baby erstmal da ist, interessieren die sich nicht mehr für dich.“ Zu meinem Mann sagte sie einmal am Telefon: "Wenn Du zwei Kinder willst, mach noch eins mit deiner Neuen. Der Große gehört mir." 

Wie geht es dem Jungen bei diesem ganzen Streit?

Der Junge leidet ganz eindeutig. Er hat ein riesigen Loyalitätskonflikt zwischen Mama und Papa. Natürlich will er als Kind beiden gerecht werden und er hat ja auch beide lieb. Ich habe einmal am Telefin mitbekommen, wie die Mutter ihn richtig erpresst hat. Sie sagte: "Entweder du telefonierst jetzt mit Papa oder du isst mit mir Abendessen. Beides geht nicht. Entscheide dich." 

Auch Dein Mann leidet sehr unter der Situation. 

Mein Mann leidet schon länger an Depressionen, aber seit die Situation mit seinem Sohn eskaliert ist, sind die Depressionen so schlimm wie nie zuvor. Er wird bald stationär in Therapie gehen, wir wissen uns einfach nicht mehr zu helfen.

Welcher Vorfall löste aus, dass dein Mann sein Kind nun so lange nicht sehen durfte?

Die ganze Situation hat sich immer weiter hochgeschaukelt, auch dadurch, dass der Sohn meines Mannes extreme Defizite in der Schule hat. Mein Mann und ich sind immer sehr dahinter dass er Hausaufgaben macht und lernt – bei der Mutter klappt das scheinbar aber nicht. In seinem Hausaufgabenheft war zum Beispiel vermerkt, dass er von 22 Schultagen 17 mal keine Hausaufgaben hatte. Als mein Mann die Mutter darauf ansprach hieß es: "Nein das kann nicht sein. Die Lehrerin lügt!" Der Auslöser war dann schließlich ein Elterngespräch, zu dem die Lehrerin, die die Situation kennt, dem Sohn von meinem Mann zwei Einladungen mitgegeben hat: eine für Mama und eine für Papa. Mein Mann hat diese Einladung aber nie erhalten und so ging die Mutter alleine zu dem Gespräch.

Als mein Mann das mitbekam, wurde der Streit schon etwas lauter – woraufhin der Junge seine Mutter in Schutz nahm und sagte, dass er uns nicht mehr sehen will. Seitdem kommen wir nicht mehr an ihn ran. Alle Kontaktversuche scheitern. Was genau dahinter steckt, ob die Mutter wieder irgendwas erzählt hat, wissen wir nicht.

Für Dich ist das sicher auch nicht leicht. Wie würdest du deine Beziehung zu dem Jungen beschreiben?

Meine Beziehung zu dem Jungen war immer gut. Ich werde nie vergessen, wie er einmal vor mir stand und gesagt hat: „Weißt du, meine Mama findet dich total doof, aber ich hab dich lieb“. Ich glaube, das beschreibt die ganze Situation ziemlich gut.

Ihr habt ja noch ein gemeinsames Kind – wie ist der Sohn deines Mannes mit seinem Bruder umgegangen?

Der Umgang mit dem Baby war immer zuckersüß. Schon als er ihn im Krankenhaus besucht hat und ihn jemand anderes auf dem Arm hatte, kam von ihm der Satz „Kann ich jetzt auch mal wieder mein Bruder halten?!“. Also im Grunde genommen war es ein schönes inniges Geschwisterverhältnis. Natürlich gab es auch Eifersucht. Und er wurde ja auch negativ von seiner Mutter beeinflusst – hat aber über die Monate gelernt, dass nichts davon eintraf, was seine Mutter ihm angekündigt hatte. 

Habt Ihr externe Hilfe?

Mein Mann hat Hilfe beim Jugendamt gesucht, aber so richtig geholfen hat das nicht. Der Junge war aufgrund der Trennung auch einige Zeit bei einem Psychologen, aber das hat die Mutter abgebrochen. Leider. 

Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Ich würde mir für Papa und Sohn wünschen, dass sie es schaffen wieder Kontakt zueinander aufzubauen und zwar auf einer stabilen Basis. Auch würde ich mir wünschen, dass die Mutter des Jungen erkennt, dass nicht alles richtig ist, was sie da in der Vergangenheit getan hat.

Und für die Geschwister würde ich mir wünschen, dass auch zwischen ihnen beiden Kontakt besteht. Ich selbst habe einen Bruder und ein sehr sehr inniges und gutes Verhältnis zu ihm – das würde ich mir für die beiden, trotz zehn Jahre Altersunterschied, auch wünschen. Und ganz egoistisch würde ich mir für mich wünschen, nicht immer in die Schussbahn zu geraten.


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8 comments

  1. Einfach unglaublich wie mit den Vätern umgegangen wird!!!!

    Dass man soo leicht sein eigenes Fleisch und Blut verliert und nicht mehr sehen darf (meistens wegen Lügengeschichten der Müttern!)!!!

    Und das wird noch von Ämtern unterstützt…

    Das ist doch einfach nur krank!!!

  2. Ich finde die Kommentare hier ganz traurig, weil hier nicht die Situation der Entfremdung verstanden wird. Entfremdungen passieren häufiger als man glaubt und sieht. Oft haben Außenstehende nur wenig Einblick oder sehen nur Dinge, die schnell zu Urteilen führen ohne das Details oder das ganze Bild zu sehen. Entfremdung geschieht auf beiden Seiten, jedoch sind Väter häufiger betroffen als Mütter. Meine beste Freundin hat das alles durchlebt. Ihr Ex-Mann hat ihr das Kind entfremdet. Sowohl Mutter als auch Kind kommen mit der Situation nicht zurecht. Kennt man die jahrelange Geschichte, die zu dieser Situation geführt hat, das unfassbare Versagen von Familiengerichten und Jugendämtern, fängt man an an diesem Rechtssystem zu zweifeln und fragt sich, ob man noch in der Realität lebt. Es geht hier nicht um partnerschaftliche Eifersucht, ansonsten würden die entfremdeten Elternteile nicht in eine solche Depression verfallen. Da steckt viel mehr dahinter und das Interview war nur ein Ausschnitt dessen, daher finde ich diese urteilenden Kommentare nicht angebracht. Leider wird über Entfremdung viel zu wenig gesprochen und ich finde es toll, dass dieses Thema hier aufgegriffen und mitgeteilt wird. Nicht nur in meinem Bekanntenkreis ist mir dies bekannt, sondern es ist mir auch schon im Schulalltag begegnet.
    Danke für das Interview. Das war bestimmt nicht einfach.

  3. Ich kann deine Gesichte nicht Kritiklos stehenlassen. Es gibt immer zwei Seiten und viele Wege nach Rom. Es wird so berichtet als wenn die Mutter des Kindes allein schuldig ist. Für mich ergeben sich viele Fragen. Die Haltung der Schreiberin reflektiert nur die Fehler der Mutter. Ich wundere mich bei der einseitigen Sichtweise nicht das kein Kontakt besteht.

  4. Und jetzt die andere Seite. Ich wurde vor 5½ Jahren getrennt. Zwei Kleinkinder und ich mussten alles allein schaffen. Haben wir hingekriegt.
    Durch andere habe ich mitgekriegt, wieviel Leid die Kinder getrennt noch streitenden Eltern empfinden. Ich habe mich immer bemüht, es anders hinzubekommen, bin in Therapie gegangen, zur Kur gefahren, freundlichen Umgangston usw.zu allen Änderungen des kv hab ich zum Wohle der Kinder ja und amen gesagt. Wie wurde es mir gedankt?
    Aktuell gibt es den zweiten Umgangsausschluss, weil ich mal nein gesagt habe und Grenzen setze. Die Kinder leiden.
    Ich werde niedergemacht, dass das alles nur meine Schuld ist und ich schrecklich bin. Eie Kinder hören auch angeblich nicht, weil ich nicht erziehe usw.
    Was ist jetzt besser? Ich halte die klappe, gelebtes Modell wird wie immer nach anderthalb Jahren wieder geändert, ich werde erpresst (wenn du nicht machst, wie ich es will, dann findet kein Umgang statt) und muss mir noch anhören, ich bin schlecht?

    Oder ich setze die Grenzen jetzt, es wird alles bearbeitet und die Kinder haben die Chance auf einen vielleicht später ruhiges Leben, wo beide Eltern gemeinsam entscheiden können.

  5. Oh Gott ich finde diesen Artikel schrecklich. Ich finde die Beziehung der beiden geht dich überhaupt nichts an und es ist für eine Frau nicht leicht verlassen zu werden und sich “ ausgetauscht“ zu sehen.
    Ich finde diesen ganzen Artikel auch überhaupt nicht neutral,
    alleine diese Aussage “ weißt du meine Mama findet dich doof aber ich habe dich lieb“also alle gegen die Mutter selbst das eigene Kind. .. Es tut mir leid aber es liest sich als wäre Mutter die alleinig böse und ihr macht ja alles richtig.
    Vielleicht lässt du das künftig deinen Mann regeln, ich finde die neuen Partner sollten sich da nicht einmischen schon gar nicht, einen Artikel in einem öffentlichen Magazin posten. Du scheinst gegenüber der Situation und der Mutter auch keinen Respekt zu haben. Klären können das nur die beiden, du kannst deinen Mann unterstützen aber ob dieses einseitige Interview um drei Ecken denn du bist ja nicht die direkt Betroffene so hilfreich ist…ist fraglich.

  6. Vaterfreuden.de
    Schwer zu bewerten. Es gibt bestimmt auch viel Verletztheit bei der verlassenen Mutter und das kommt bestimmt nicht von ungefähr. Als Kind steht man immer zwischen den Stühlen. Aber es ist auch wichtig, dass die Eltern über den getrennten Partner sagen können, welches Verhalten sie nicht gut finden. Gefühle zum Wohl des Kindes überspielen, ist auch nicht die Lösung. Also am besten immer über Gefühle sprechen: Nicht: „Dein Papa ist dumm!“ Sondern: “ Ich hätte das nicht so gemacht wie er, weil ich es nicht richtig finde. Aber wir müssen alle unsere Entscheidungen treffen. Du magst bestimmt auch einige Entscheidungen nicht , die wir getroffen haben, aber du hast uns ja trotzdem noch lieb.“

    Beste Grüße
    Von Vaterfreuden

    1. Moment mir ist noch eingefallen.
      Was hast du denn dem Kind geantwortet als es diesen Satz “ ich hab dich lieb aber Mama findet dich doof gesagt ? “ Vielleicht auch “ ja mama ist schwierig??“
      So liest sich das einfach alles.
      immer der gute Papa die gute neue Freundin und die böse böse Ex die ihre Gefühle nicht sortieren kann. Vielleicht ist aber auch generell keine gute Basis zwischen euch und dein Mann sollte das dringlich abklären. Das Jugendamt ist keine gute Adresse vor Gericht ist auch keine gute Wahl. Er sollte direkt den Kontakt suchen oder es gibt offene Sprechstunden, Mediatoren etc. Versteh mich nicht falsch, das Kind nicht zu sehen ist natürlich keine Lösung aber dieser Anti Mama Artikel auch nicht, das zeigt mir zum Beispiel, dass ich finde, dass du diese Frau auch nicht akzeptierst und ihr alle keine Wertschätzung untereinander habt. Niemals würde man einen Artikel veröffentlichen wenn man einander wertschätzt. Meiner Meinung nach ist dies keine Hilfe sondern nur ein “ schaut her die böse mama “ Aufschrei typisches Klischee eben, Nur hinter die Fassade schaut eben niemand.

  7. Schade
    Es ist wirklich schade, dass die Mutter es nicht geschafft hat, ihren Sohn zu liebe ein neutrales Verhältnis zum Ex zu haben. So macht sie sehr viel kaputt. Natürlich liest man nur eine Sichtweise, aber wenn es wirklich so ist, dann sollte der Mann externe Hilfe bekommen und seinen Sohn wirklich Öfter sehen. Viel Glück der Familie!

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