Interviews

08/05/2019 - 06:00

Stadt-Mama Katharina

Eltern-Kind-Entfremdung: Mein Mann darf seinen Sohn nicht mehr sehen

Liebe Julia, wir hatten auf Facebook einen Artikel zum Thema Entfremdung von Eltern und Kindern gepostet und darauf sehr viele Nachrichten erhalten. Auch du hast uns geschrieben. Dein Mann hat einen 12jährigen Sohn, den er seit Herbst nicht mehr gesehen hat. Seit wann ist er von der Mutter getrennt und wie war das Verhältnis zu dem Kind in der ersten Zeit?

Mein Mann ist seit Frühjahr 2013 von seiner damaligen Frau getrennt, gekriselt hat es laut Aussage meines Mannes schon ein ganzes Jahr zuvor. Am Anfang war das Verhältnis zu seinem Sohn noch richtig gut. Er hat ihn alle 14 Tage am Wochenende und auch zwischendurch öfter mal gesehen. Vater und Sohn haben sich beide auf diese Treffen immer gefreut. Geändert hat sich an der Situation erst, als ich ins Spiel kam. Das war dann im Herbst 2013.

Ab da hat die Mutter des Kindes immer wieder gegen Euch geschossen. Welche Äußerungen fielen da?

Das fing an mit solchen Standard-Aussagen "Die Neue von Papa ist dumm" an - und hat sich immer mehr gesteigert bis es echt unter die Gürtellinie ging. Als dann bekannt wurde, dass mein Mann und ich heiraten möchten kamen, hat sie zu dem Jungen auch gesagt:  „Jetzt hat der Papa eine neue Frau und hat dich nicht mehr lieb“ oder "Die neue Frau ist jetzt wichtiger als Du."

Der Junge hat mehrmals gesagt, dass er eigentlich lieber bei uns wohnen will. Als mein Mann das bei seiner Ex angesprochen hat, wurde er nur ausgelacht. Doch der Junge wiederholte seinen Wunsch und so ging die Sache vor Gericht. Dort hat er aber seine Meinung wieder geändert - seine Mutter hatte ihm kurz vorher zwei riesige Lego-Sets gekauft....

Dann bist Du schwanger geworden. 

Ja, und die Ex hat das weiter gegen uns benutzt. Der Junge erzählte uns, dass sie Sätze gesagt hat wie „Jetzt hat der Papa eine neue Familie und braucht dich nicht mehr“, oder „Wenn das neue Baby erstmal da ist, interessieren die sich nicht mehr für dich.“ Zu meinem Mann sagte sie einmal am Telefon: "Wenn Du zwei Kinder willst, mach noch eins mit deiner Neuen. Der Große gehört mir." 

Wie geht es dem Jungen bei diesem ganzen Streit?

Der Junge leidet ganz eindeutig. Er hat ein riesigen Loyalitätskonflikt zwischen Mama und Papa. Natürlich will er als Kind beiden gerecht werden und er hat ja auch beide lieb. Ich habe einmal am Telefin mitbekommen, wie die Mutter ihn richtig erpresst hat. Sie sagte: "Entweder du telefonierst jetzt mit Papa oder du isst mit mir Abendessen. Beides geht nicht. Entscheide dich." 

Auch Dein Mann leidet sehr unter der Situation. 

Mein Mann leidet schon länger an Depressionen, aber seit die Situation mit seinem Sohn eskaliert ist, sind die Depressionen so schlimm wie nie zuvor. Er wird bald stationär in Therapie gehen, wir wissen uns einfach nicht mehr zu helfen.

Welcher Vorfall löste aus, dass dein Mann sein Kind nun so lange nicht sehen durfte?

Die ganze Situation hat sich immer weiter hochgeschaukelt, auch dadurch, dass der Sohn meines Mannes extreme Defizite in der Schule hat. Mein Mann und ich sind immer sehr dahinter dass er Hausaufgaben macht und lernt - bei der Mutter klappt das scheinbar aber nicht. In seinem Hausaufgabenheft war zum Beispiel vermerkt, dass er von 22 Schultagen 17 mal keine Hausaufgaben hatte. Als mein Mann die Mutter darauf ansprach hieß es: "Nein das kann nicht sein. Die Lehrerin lügt!" Der Auslöser war dann schließlich ein Elterngespräch, zu dem die Lehrerin, die die Situation kennt, dem Sohn von meinem Mann zwei Einladungen mitgegeben hat: eine für Mama und eine für Papa. Mein Mann hat diese Einladung aber nie erhalten und so ging die Mutter alleine zu dem Gespräch.

Als mein Mann das mitbekam, wurde der Streit schon etwas lauter - woraufhin der Junge seine Mutter in Schutz nahm und sagte, dass er uns nicht mehr sehen will. Seitdem kommen wir nicht mehr an ihn ran. Alle Kontaktversuche scheitern. Was genau dahinter steckt, ob die Mutter wieder irgendwas erzählt hat, wissen wir nicht.

Für Dich ist das sicher auch nicht leicht. Wie würdest du deine Beziehung zu dem Jungen beschreiben?

Meine Beziehung zu dem Jungen war immer gut. Ich werde nie vergessen, wie er einmal vor mir stand und gesagt hat: „Weißt du, meine Mama findet dich total doof, aber ich hab dich lieb“. Ich glaube, das beschreibt die ganze Situation ziemlich gut.

Ihr habt ja noch ein gemeinsames Kind - wie ist der Sohn deines Mannes mit seinem Bruder umgegangen?

Der Umgang mit dem Baby war immer zuckersüß. Schon als er ihn im Krankenhaus besucht hat und ihn jemand anderes auf dem Arm hatte, kam von ihm der Satz „Kann ich jetzt auch mal wieder mein Bruder halten?!“. Also im Grunde genommen war es ein schönes inniges Geschwisterverhältnis. Natürlich gab es auch Eifersucht. Und er wurde ja auch negativ von seiner Mutter beeinflusst - hat aber über die Monate gelernt, dass nichts davon eintraf, was seine Mutter ihm angekündigt hatte. 

Habt Ihr externe Hilfe?

Mein Mann hat Hilfe beim Jugendamt gesucht, aber so richtig geholfen hat das nicht. Der Junge war aufgrund der Trennung auch einige Zeit bei einem Psychologen, aber das hat die Mutter abgebrochen. Leider. 

Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Ich würde mir für Papa und Sohn wünschen, dass sie es schaffen wieder Kontakt zueinander aufzubauen und zwar auf einer stabilen Basis. Auch würde ich mir wünschen, dass die Mutter des Jungen erkennt, dass nicht alles richtig ist, was sie da in der Vergangenheit getan hat.

Und für die Geschwister würde ich mir wünschen, dass auch zwischen ihnen beiden Kontakt besteht. Ich selbst habe einen Bruder und ein sehr sehr inniges und gutes Verhältnis zu ihm - das würde ich mir für die beiden, trotz zehn Jahre Altersunterschied, auch wünschen. Und ganz egoistisch würde ich mir für mich wünschen, nicht immer in die Schussbahn zu geraten.

Tags: Trennung, Ehe, Konflikt, Kind, Scheidung, Jugendamt

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Kommentare

Julia — Mi, 05/08/2019 - 13:44

Es ist wirklich schade, dass die Mutter es nicht geschafft hat, ihren Sohn zu liebe ein neutrales Verhältnis zum Ex zu haben. So macht sie sehr viel kaputt. Natürlich liest man nur eine Sichtweise, aber wenn es wirklich so ist, dann sollte der Mann externe Hilfe bekommen und seinen Sohn wirklich Öfter sehen. Viel Glück der Familie!

Vaterfreuden — Mi, 05/08/2019 - 21:27

Schwer zu bewerten. Es gibt bestimmt auch viel Verletztheit bei der verlassenen Mutter und das kommt bestimmt nicht von ungefähr. Als Kind steht man immer zwischen den Stühlen. Aber es ist auch wichtig, dass die Eltern über den getrennten Partner sagen können, welches Verhalten sie nicht gut finden. Gefühle zum Wohl des Kindes überspielen, ist auch nicht die Lösung. Also am besten immer über Gefühle sprechen: Nicht: "Dein Papa ist dumm!" Sondern: " Ich hätte das nicht so gemacht wie er, weil ich es nicht richtig finde. Aber wir müssen alle unsere Entscheidungen treffen. Du magst bestimmt auch einige Entscheidungen nicht , die wir getroffen haben, aber du hast uns ja trotzdem noch lieb." Beste Grüße Von Vaterfreuden

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