„Halt die Fresse!“ Von Schimpfworten und Kraftausdrücken im Familienleben

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Es sind Sommerferien und wir, die Kinder und ich, verbringen viel Zeit miteinander. Papa ist arbeiten, ich arbeite gerade nur ab und zu mal zwischendurch, bin zu Hause. So viel Zeit miteinander zu verbringen, fördert Situationen zutage, die sonst vielleicht nur abgeschwächt geschehen würden, nun aber mit voller Wucht ausgetragen werden können.

"Bitte geh nicht runter, wir bleiben jetzt oben."

Taps, taps, taps, höre ich die Treppenstufen.

Sie probieren das jetzt aus. Jetzt, wo ich Zeit habe, probieren sie aus, wie weit sie gehen können, wie ich reagiere. Ich befinde mich als Mutter also in einer Testphase. die Kinder probieren sich und mich aus. Wenn ich das weiß, kann ich damit umgehen. Aber manchmal trifft es mich dann doch unvorbereitet.

„Verpisst Euch“, schallt es durchs Treppenhaus und das kann ich dann doch nicht so stehen lassen. „Arschloch!“ Ich greife ein.

Seit auch die Kleinsten zur Schule gehen, bringen sie plötzlich Schimpfwörter hervor, die mir die Ohren schlackern lassen. „Fxxxt Euch“ zum Beispiel. (Ich kann das kaum schreiben, ich krieg schon dabei erhöhten Blutruck). Meine Babys! Waaas? Das gibt´s doch alles nicht.

Das geht so nicht. Das ist verboten. Das wird auch so nicht gesagt, egal wo man ist, egal mit wem man gerade ist. Nie.

Wir sind sehr sauer geworden, als wir das hörten. Sehr sauer. Auch laut. So nicht. Das nicht. Nein.

Also haben wir uns mit den Kindern hingesetzt und überlegt, wie wir reagieren können, wenn wir das Gefühl haben, fluchen zu müssen. Also mussten „schöne“ Schimpfwörter her. Die haben wir uns, nachdem der Ärger abgeklungen war, zusammen überlegt.

„Du Platt-Pfannkuchen“ etwa.

„Gepfefferter Kartoffelbrei!“

„Du Grünspecht-Schnabel, verdammt!“

„Du Ziegenkäse, gütiger…“

„Arrgh, Du Knautsch-Rosine.“

Die Situation ging vom Ärger über ins Lachen. Immer neue Wörter erfanden wir. Schimpfwörter, die bei uns erlaubt sind und nicht auf der roten Liste der Familie stehen.

Es war ein schönes Ende dieser Geschichte und mein Blutdruck konnte sich beruhigen. Mal sehen, wie lange es hält. Aber bald, schon bald beginnt ja auch wieder die Schule…  

 

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3 comments

  1. Immer aktuell…
    … und deshalb fänd ich ein Update mal interessant… ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass „wir denken uns lustige Alternativen aus“ wirklich dauerhaft funktioniert, oder?
    Bei uns kommt morgen auch der Kleine in die Schule (der Große kommt in die 3.) und das Ausmaß (nicht nur die Menge, auch die Härte) der Schimpfworte steigt seit Ende des letzten Schuljahres exponentiell an. Ich schwanke zwischen Ignorieren, Humor, sachlicher Deeskalation („Was heisst das denn was du grade sagst?“ „Du möchtest doch auch nicht, dass jemand so mit dir spricht.“ „Wo hast du das denn her?“ etc. ) bis hin zu „Jetzt reichts… lebenslanges ipadverbot, Hausarrest, keine Süssigkeiten bis Weihnachten und sofort ab auf dein Zimmer.“ oder „Alle sofort Klappe halten, selber Hirnspatz…RUUUHE!“
    Einen wirklichen Plan hab ich irgendwie noch nicht…

  2. Meine Schwester meinte mal zu
    Meine Schwester meinte mal zu meiner Mutter: Ich weiss gar nicht, warum A…loch ein Schimpfwort ist. Alle Menschen haben doch eins. Daraufhin viel meiner Mutter auch nicht mehr viel ein. 🙂

  3. Schwierig
    Ich finde das mit dem Schimpfwörtern echt schwierig. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, konnte ich damals (ich war denke ich 11 oder 12) nicht verstehen, warum meine Mama „geil“ gar nicht g*** fand. Inzwischen kann ich sie ganz gut verstehen. Vor allem, wenn so ein kleiner 4-jähriger Mensch vor dir steht und alles total g*** findet. Ich war schockiert und fand es total schrecklich. Das habe ich auch versucht auszudrücken, aber es fruchtete nicht, vor allem nicht, weil „Mama das nicht schlimm findet und auch sagt!“ Bums! Also, klare Ansage: Was bei Mama gilt ist mir egal, in meinem Haus gibt es das nicht! Ich weiß, dass es hart ist und ich weiß, dass es schwierig ist für ein Kind das auseinander zu halten, aber ich möchte das nicht, genauso wenig, wie ich möchte, dass beim Essen aufgestanden wird o.ä.
    Von daher haben wir öfter mal diese Kämpfe, aber im Allgemeinen klappt es ganz gut – und bestimmte Worte gibt es bei uns nicht. Mal sehen, wie es wird, wenn er ab September in die Schule geht.
    LG Stephi