Gastbeiträge

15/04/2018 - 09:15

Stadt-Mama Katharina

Interview mit Melli: Ich bin alleinerziehend und Pflegemutter

Liebe Melli, Deine Tochter ist fast 7 - ihr Vater hat sie erst zwei Mal gesehen. Wie lange wart ihr zusammen, als Du schwanger wurdest?

Der Vater meiner Tochter und ich kennen uns schon ewig, wir sind in der gleichen Gegend aufgewachsen und hatten einige gemeinsame Freunde. Wir haben uns immer gut verstanden, waren lange Freunde. Nach meinem Abitur haben sich unsere Wege getrennt. Nach einigen Jahren hat man sich wieder getroffen und irgendwann festgestellt, dass wir gut zusammenpassen, zumindest was das Körperliche anging. Wir haben uns über die Jahre immer mal getroffen und hatten einfach unseren Spaß. Das war auch ok für uns beide, zwischen unseren Lebensmittelpunkten lagen auch 400km.

Dann bist Du schwanger geworden.... Wie ging es weiter?

Mit dem Blick auf dem positiven Schwangerschaftstest ändert sich schlagartig alles. Nach dem ersten Schockmoment habe ich mich auf das Baby gefreut. Dem Vater habe ich dann einen Brief geschrieben und ihm mitgeteilt, dass ich schwanger bin. Für ihn brach eine Welt zusammen, denn er wollte keine Kinder. Das war bisher allerdings auch nie Thema für uns.

Seine Antwort lautete dann irgendwann, wir können weitermachen wie bisher und du machst das Kind weg. Oder du bist allein verantwortlich, denn ich will damit nix zu tun haben.

Wie ging es Dir damit? 

Es war im ersten Moment sehr hart zu lesen: er oder das Kind. Aber auf der anderen Seite wusste ich, dass ich mein Kind nie für irgendwen aufgeben würde. 

Wie habt Ihr den Umgang und alles Rechtliche geregelt?

Innerlich habe ich vielleicht gehofft, dass wenn die Kleine da ist, dann das Interesse irgendwann von Ihm an seiner Tochter kommt. Aber es kam nie, heute haben wir vielleicht 2mal im Jahr Kontakt per Handy. Ich habe nur auf 2 Dinge bestanden: 1. dass es die Vaterschaft anerkennt und 2. dass er auf der Geburtsurkunde steht. 

Wie erklärst Du deiner Tochter, dass Ihr Vater nicht da ist?

Meine Tochter hat während ihrer Kindergartenzeit erlebt, wie die Eltern ihrer Freundin sich getrennt haben. Dies zum Teil auch sehr öffentlich in der KiTa. Danach kam von ihr schon mal die Frage auf, ob ihr Papa und ich uns auch so gestritten hätten. Und der Papa deswegen nicht bei uns wohnt. Ich habe ihr dann versucht, kindgerecht zu erklären, dass es manchmal besser ist, wenn die Erwachsenen nicht zusammenleben. Ich habe ihr bisher nie erzählt, dass ihr Vater kein Interesse an ihr hat, denn das würde sie jetzt noch nicht verstehen und das muss kein Kind in dem Alter hören.

Du bist voll berufstätig und alleinerziehend - das ist eine hohe Belastung. Wie schaffst Du das und bleibt da noch Zeit für Dich?

Ich gehe seit dem ersten Geburtstag meiner Tochter wieder Vollzeit arbeiten. Sie ging mit einem Jahr zur Tagesmutter, dann in die Kita und nun nutzen wir das Betreuungsangebot der Schule, z. B. Frühhort voll aus. Ich muss dazu sagen, wir sind beide Frühaufsteher und haben damit kein Problem, dass die Tage von Montag bis Freitag sehr früh beginnen. Dadurch das ich kurz nach 6 Uhr zu arbeiten beginne, habe ich wiederum gegen halb drei Feierabend und ab 15 Uhr gehört der Nachmittag mir und meiner Tochter, unserem Hund und den Hobbys, die sie so hat.

Nach 20.30 Uhr ist meine Zeit, die gehört mir und die nutze ich auch nur für mich, da bleiben andere Sachen dann auch mal liegen. Niemand brauch gebügelte Socken und Unterwäsche, wenn Mama sich erholen kann. ;-) 

Ich denke für Alleinerziehende ist eine Struktur immens wichtig, sonst würde das alles nicht funktionieren und natürlich ein guter Freundeskreis, auf den man sich verlassen kann.

Jetzt wird Eure Familie vermutlich noch größer - erzähl mal, wie es dazu kam!

Seit einigen Wochen habe ich die Anerkennung zur Eignung einer Pflegemutter in der Tasche. Diesen Gedanken einem Kind, dass es in seinem Leben bisher nicht so guthatte, eine Familie zu bieten, habe ich seit Jahren im Kopf.

Dazu kam es durch ein Ereignis noch vor dem 2. Geburtstag meiner Tochter. Sie ging damals zur Tagesmutter und dort wurde auch noch ein Mädchen betreut, das mit ihrer Mutter in einer Mutter-Kind-Einrichtung lebte. Es kam nun durch verschiedene Umstände dazu, dass die Mutter das Kind an einem Montagfrüh gebracht hat und es dann an einem Montagnachmittag nicht mehr abgeholt hat. Da brach für mich etwas zusammen, das hätte ich mir bis dahin nicht vorstellen können, dass eine Mutter so etwas machen könnte. Das klingt vielleicht naiv, aber es war so und es hat mich lange beschäftigt. Das Mädchen blieb bei der Tagesmutter und diese nahm es als Pflegekind auf. Die beiden Mädchen sind heute noch gute Freunde. Und ich sehe ein Kind, dass durch die Pflegefamilie Möglichkeiten bekommen hat, die ihr die eigne Mutter nie so hätte bieten können.

Aber den Anstoß für die ganze Sache, dass auch wir Pflegefamilie werden, kam von meiner Tochter. Irgendwann fragte sie: "Mama gibt es viele Kinder die eine Bauchmama haben und dort nicht wohnen können?" Sie sagte, wir wären für so ein Kind doch eine tolle Familie und könnten dem zeigen, wie man als Familie lebt. Es dauerte bestimmt nochmal ein halbes Jahr bevor, ich mich mit dem Jugendamt in Verbindung gesetzt habe und das Verfahren zur Anerkennung begonnen habe.

Nun warten wir seit einigen Wochen auf den Anruf, dass sich unsere Familie erweitert.

Wenn der Anruf kommst, wirst du aber wohl erstmal nicht mehr Vollzeit arbeiten gehen können...

Das stimmt. Wir haben uns für eind Kind im Alter von 0 bis 18 Monaten beworben, Ich würde dann ein Jahr in Elternzeit gehen und danach mit reduzierter Stundenzahl wieder einsteigen. 

Würdest Du Dich gerne wieder neu verlieben? Wie müsste der wie müsste der Mann sein?
 
Einen neuen Mann in meinem Leben kann ich mir gerade so gar nicht vorstellen. Bisher ist auch nie etwas zu Stande gekommen, zum einen kann es daran liegen, dass ich es so überhaupt nicht gewohnt bin, Verantwortung und Kontrolle in meinem Leben abzugeben. Ich habe immer alles allein organisiert und nie mit irgendjemanden Kompromisse eingehen müssen und daher ist es schwierig, für einen Mann Platz in unserem Leben zu finden.

Und zum anderen fehlen mir auch die Gelegenheiten, Frau/Kind hat ja auf dem Spielplatz kein Schild um, auf dem steht: Neuer Mann/Vater gesucht.

Welche Hilfe würdest Du Dir für Alleinerziehende wünschen?
 

Ich wünsche mir für alle Alleinerziehenden, dass auch Ihnen der Spagat zwischen Beruf und Betreuung ihrer Kinder nicht so schwergemacht wird. Ich weiß, dass ich in unserer Gegend Glück hatte mit den Betreuungsangeboten, denn diese sind nun mal der Grundstein dafür, dass ich mein Leben so leben kann.

Tags: Pflegemutter, Pflegekind, Alleinerziehend, Vater, Mutter, Erziehung

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