Leserfrage: Warum lehnt meine Tochter ihren Baby-Bruder ab?

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Mein Name ist Jule, mein Mann und ich haben bereits eine Tochter, die 2014 geboren wurde und seit 5 Tagen ist nun unser Sohn auf der Welt. Es ist herrlich und wunderschön, wäre da nicht die Frustration unser Tochter über den Einzug ihres Bruders.

Es fing schon ein paar Wochen vor der Geburt an, dass sie plötzlich immer wieder betonte, dass sie keinen Bruder haben möchte. Dabei hat sie oft geweint. Ich versuchte herauszufinden, was dahinter steckt, aber sie wollte oder konnte mir die Frage nicht beantworten. Einmal sagte sie, dass sie keinen Bruder will, weil ich dann ins KH muss und mein Bauch aufgeschnitten wird – der Kleine musste per KS geholt werden.

Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das wirklich der Grund ist. Nun sind wir seit ein paar Tagen zuhause und die Situation ist noch extremer geworden. Unsere Tochter lehnt ihren Bruder total ab, meidet es in seiner Nähe zu sein, spricht nur von "der Bruder" aber nennt ihn nie beim Namen.

Sie ist extrem launisch, weint viel, ist aggressiv, findet alle und alles doof. Wir haben ihr zu keinem Zeitpunkt weniger Aufmerksamkeit geschenkt, unternehmen viel mit ihr, teilen uns so auf, dass sowohl mein Mann als auch ich Zeit mit ihr haben. Aber es hilft alles nichts.

Ich bin überrascht, dass die Ablehnung bei uns von Beginn an bzw. schon vor der Geburt begonnen hat. Meine Tochter ist eigentlich sehr fürsorglich und einfühlsam. Ich hätte eher gedacht, dass sie in eine "Mutter-Rolle" verfällt und mithelfen möchte. Wenn die Ablehnung später erfolgt wäre, hätte ich mir das noch damit erklärt, dass die Kinder dann erkennen, dass jemand da ist, der auch nicht mehr weg geht. Und dann das anfänglich süße Baby dann irgendwann blöd finden.

Ich wüsste gerne mal, wie es in anderen Familien aussieht. Von den meisten höre ich immer nur, wie stolz die Erstgeborenen sind "großer Bruder" oder "große Schwester" zu sein. Ich würde mir das für unsere Tochter auch so sehr wünschen und es bricht mir das Herz, dass sie so leidet.

 

Foto: Pixabay

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12 comments

  1. Genau so!
    Liebe Jule,
    ich kenne das sehr gut. Unsere Töchter sind mit 22 Monaten Altersunterschied geboren und das erste Jahr zu viert war für uns alle hart. Die Große war schrecklich abweisend gegenüber ihrer kleinen Schwester und ließ uns ihre Wut mächtig spüren. Einmal sagte sie „Du bist jetzt nicht mehr meine Mama. Du bist ja jetzt X.s Mama.“ Das hat mich wahnsinnig hart getroffen. Unsere Kinderärztin zog folgenden Vergleich: „Stellen Sie sich vor, Ihr Mann bringt eine Frau mit nach Hause, legt sie in Ihr Ehebett und erwartet, dass Sie sie von nun an mögen.“ Auch wenn mir die schwierige Situation für unsere Gr0ße vorher schon bewusst war. Spätestens nach diesem Vergleich war ihr Schmerz in meinem Herzen angekommen. Wir haben uns die größte Mühe gegeben, ihre Gefühle mit ihr zusammen auszuhalten. Wir haben alles – außer körperliche Auseinandersetzung – zugelassen, was diese Gefühle ausdrückte. Es war wirklich nicht immer leicht, aber es hat sich gelohnt. Wir haben alle daraus gelernt. Nach einem Jahr war es dann vorbei. Die Kleine lächelte und scherzte mit ihrer großen Schwester. Sie wickelte sie mit ihrer Fröhlichkeit und ihrer Liebe regelrecht um den Finger. Mittlerweile sind die beiden ein Herz und eine Seele. Sie stehen füreinander ein, wie ich es nice für möglich gehalten hätte. Halte durch! Alles wird gut!

  2. Bei unseren Kindern (im
    Bei unseren Kindern (im Abstand von 2J 5M geboren) war es zwar nicht so, dass die Große den Kleinen abgelehnt hat. Im Gegenteil: sie hat sich fast zu sehr für ihn interessiert und man musste sehr aufpassen, dass sie ihm durch ihre ungestüme Art nicht wehtut. Jedoch Harman sehr deutlich gemerkt, dass sich ihre ganze Welt verändert hat. Sie wurde auch extrem anstrengend, launisch, hat das erste halbe Jahr keine Nacht mehr durchgeschlafen. Die Beziehung zu ihrem Bruder wurde besser, je älter der Kleine wurde. Mit dem ersten Lächeln nach ca 5 Wochen wurde es schon etwas besser. Da war er plötzlich kein „Ding“ mehr, sondern ein richtiger kleiner Mensch. Je mehr er mit ihr interagieren konnte, desto ausgeglichener wurde auch unsere Große wieder. Sie fand jetzt langsam einen Zugang zu ihrem Bruder.

    Was uns geholfen hat, war folgendes: ich habe irgendwo Mal gelesen, dass man sich noch einmal vorstellen muss, wie stark sich die eigene Welt verändert hat, als man das erste Kind bekam. Und genau das macht nun das große Kind beim Geschwisterchen durch. Deshalb: gebt dem ganzen Zeit. Und zwar viel Zeit. Auch wenn ihr eurer Tochter viel Aufmerksamkeit schenkt, ist doch vieles im Alltag und der Routine anders und das muss so ein kleines Kind erst einmal verarbeiten. Die Gewöhnung dauert einige Monate (so haben es jedenfalls viele Bekannte von uns nach der Geburt des zweiten Kindes berichtet und so war es auch bei uns)

  3. Sie hatte Angst um dich
    Alle beißen sich hier sehr an der Eifersucht fest, dabei schreibt du doch eigentlich was der Auslöser war. Du musstest ins KH, sie hat sich um dich gesorgt, wegen dem Bruder musste dir der Bauch aufgeschnitten werden. Für nicht wenige Kinder sind KH, Ärzte etc. eine sehr beängstigende Vorstellung, je nach dem was sie über KH bzw. Ops weiß, könnte ihr klar gewesen sein das dass auch durchaus nicht ohne ist. Manchmal denkt man ja auch das Kind wüsste dahingehend gar keine großen Details, und wenn Man dann mal nachfragt kommen mit der Zeit Details, Wissen zu Tage über die man überrascht ist, da sie Kinder sie wohl wo anders gehört haben. Sie wird ja in die Kita gehen, manchmal erzählen auch Omas,Opas, Tanten etc. ungünstige Geschichten. Ich würde versuchen ihr zu vermitteln das du ihre Sorgen ernst nimmst, vielleicht auch das Thema KH,Arzt noch mal durchgehen, Bücher etc. Besuchstage für Kinder im KH nutzen, wird ja von immer mehr KH angeboten. Ich glaube du hast da ein sehr Empatisches Kind das sich große Sorgen um dich gemacht hat.

  4. Aufmerksamkeit
    Bei uns war das genau so. Ich habe der Großen dann extra viel Aufmerksamkeit geschenkt, den Kleinen auch mal kurz weinen lassen, wenn ich gerne mit ihr etwas gemacht habe und sie spüren lassen, dass sich an unseren Gefühlen für sie nichts ändern wird.
    Das wir schon werden, es braucht einfach seine Zeit. Von jetzt auf nachher die Eltern teilen zu müssen ist ein großer Einschnitt für manche Kinder.

  5. Druck rausnehmen?
    Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht zu sagen, „ich sehe, dir geht’s nicht gut. Ich hab das Gefühl du magst keinen Bruder haben. Und das ist in Ordnung! Du musst dich nicht um ihn kümmern. Du kannst mir alles sagen was dir Sorgen macht. Ich hab dich lieb.“
    Geschrieben klingt das immer so doof aber für die Kinder nimmt es den Druck raus, auch wenn es dir das Herz bricht dass sie sich nicht freut. Eine Hebamme hat mir im GVK zum 2. Kind gesagt, erkläre dem älteren Geschwister dass das Baby kommt und für immer bleibt. Dass es sich nicht freuen muss und das Baby nicht liebhaben muss. Aber dass es immer bei euch bleibt.“

    Mein älterer Sohn war in den ersten Wochen recht gleichgültig seinem Bruder gegenüber. Ich habe die Leute innerlich verflucht die ihn ständig gefragt haben, freust du dich dass du jetzt einen Bruder hast? Das macht den kleinen Großen so viel Druck. Wir haben den Kleinen einfach „so nebenher“ in die Familie integriert ohne ein Riesenthema draus zu machen. Jetzt sind sie 4 und bald 7 und lieben sich heiß!!

  6. Hier hat man (sie war 2J und
    Hier hat man (sie war 2J und 4 Mon) auch stark gemerkt, dass sie sich zurück gesetzt fühlt. Sie liebt ihren Bruder, ist aber uns gegenüber oft sehr schwierig und nimmt ihm (jetzt 8 Mon) sehr häufig das Spielzeug weg.
    Ich würde sie nicht versuchen dazu zu bringen nett zu ihm zu sein. Viel Aufmerksamkeit ist sicher gut und auch Dinge, die man nur mit der großen macht und dann auch manchmal betonen, dass das ja jetzt nur für große Kinder ist.
    Es wird besser. Langsam, aber es wird und man muss immer dran denken: Geschwister sind das schönste Geschenk, was man einem Kind machen kann.
    Vielleicht hilft euch das aktive Zuhören vom gewünschtesten wunschkind: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2017/04/aktives-zuhoeren-nach-thomas-gordon-familienkonferenz-mit-kindern-erfolgreich-kommunizieren.html?m=1

    Viele Grüße und viel Erfolg

  7. Das wird bestimmt noch
    Ich glaube da darf man sich und das Kind bzw die Kinder gar nicht so sehr mit anderen vergleichen. Jeder Mensch und jedes Kind ist anders. Unsere Kinder sind auch 3 Jahre auseinander und auch wir hatten schon viel mit Eifersucht und Wut der Großen zu tun. Zu Beginn war sie erst stolz, doch dann kam auch bei ihr die Eifersucht, und das ist auch ganz normal und in gewisser Weise gesund. Inzwischen ist unsere kleine Tochter 8 Monate alt und es wird somit natürlich auch zunehmend interessanter für die Große etwas mit der Kleinen zu machen.
    Und übrigens : zu Beginn hat die Große auch immer nur „Schwester“ oder „Geschwisterchen“ gesagt, was ich aber damit begründen würde, dass wir bis zur Geburt nie den Namen genannt haben. Somit musste sich die Größe natürlich erst einmal umstellen…
    Also vielleicht versuchen nicht zu verzweifeln und die Zeit arbeiten lassen.
    Ganz liebe Grüße

  8. Nachtrag
    Was bei meinem 5 jährigen IMMER geholfen hat, wenn er sich benachteiligt gefühlt hat oder sich hinten angestellt fühlte: ich habe ihm immer gesagt, dass er uns volle 3 Jahre GANZ GANZ ALLEINE hatte und ihm das niemand mehr wegnehmen kann. Auch wenn er sich da nicht mehr so gut dran erinnert…aber Fakt ist, sein kleiner Bruder hatte das nie und wird das auch nie aufholen. Bei meinem Vernunftkind tröstet dieses Zahlenargument (weißt du wieviel Tage das sind…..über 1000….) als Schatz des Erstgeborenen wirklich gut.

  9. Zeit….
    Ich habe bereits 2 Kinder im Abstand von 3 Jahren und auch wenn ich deine Situation nicht hatte, würde ich sagen, gib‘ ihr auf jeden Fall Zeit. Bei meinem Großen war auf jeden Fall auch Gewöhnung angesagt. Jetzt sind die beiden extrem dicke und richtige Bärenbrüder.
    Bei uns hat es so ca. 3-6 Monate gedauert, bis wir uns wirklich zu viert eingespielt hatten und komplett aneinander gewöhnt haben. Da war auch die Phase „ach, echt, der bleibt jetzt ja tatsächlich“, mein Großer war zu dem Zeitpunkt knapp über 3. Wenn du und dein Mann das Gefühl habt, dass ihr gerecht seid, dann würde ich dem Thema, gerade bei einer 5jährigen, allerdings nicht zu viel Gewicht und emotionalen Raum geben. Wenn ihr Normalität ausstrahlt und Souveränität (“ es ist und bleibt so und ist das Normalste auf der Welt, Geschwister zu haben“) ausstrahlt, wird sie sich hoffentlich auch in diese für sie neue Welt einfügen.
    Von dem Vorschlag, sie mit einzubinden und sie immer regelmäßig auf ihren Bruder hinzuweisen, halte ich nicht so viel.
    Ich denke, eine 5jährige ist clever genug, das zu durchschauen. Ich würde ihr das Recht einräumen, den Bruder erstmal doof zu finden, sie hat sich den ja auch nicht ausgesucht! Mein Rat wäre, einfach mal machen und ihr Zeit und Raum geben, sich dran zu gewöhnen. Bloß nicht das Baby ständig zum Thema machen. So wie ich das lese, ist sie wahrscheinlich ziemlich sensibel und wird das sicherlich „riechen“. Veränderung ist für Kinder ja eh immer eine Herausforderung, aber je gelassener ihr damit umgeht, umso mehr Sicherheit gibt ihr das. Ich wünsche euch vieren viel Erfolg beim Zusammenwachsen als vierblättriges Kleeblatt.

  10. Bei uns gegenteil
    Hallo
    bei uns war es genau das Gegenteil. Die ersten 2 Tage zu hause mit der kleinen war für den großen schlimm, aber seit dem ist er einfach unglaublich stolz auf seine Schwester. Er beschützt sie in jeder Gelegenheit und hilft ihr den Schnuller in ihren Mund zu stecken haha.
    Aber ich würde auch sagen, mach Dir keine Gedanken. Es wird alles gut.
    Vielleicht versuchst du mal es zu probieren, das du ihr sagst das du unbedingt ihre Hilfe beim wickeln oder ähnliches brauchst. Versuch ihr immer zu sagen schau mal er lacht wenn er dich sieht oder sowas. Drücke die Daumen

  11. Bei uns war das auch so. Die
    Bei uns war das auch so. Die ersten 2 Wochen waren ganz schlimm für sie. Sie konnte kaum noch schlafen vor Kummer und hat wieder in die Hose gemacht. Ich habe mich dann sehr viel mit ihr beschäftigt. So konnte ich zwar weniger mit dem Baby kuscheln und hatte eine sehr anstrengende erste Zeit, aber ich glaube, es War richtig so. Erst als der kleine 1 Jahr wurde und laufen konnte und die ersten Worte gesagt hat, hat sie angefangen, ihn zu beachten. Jetzt isz er 1 Jahr 3 Monate und sie (jetzt 3,5 Jahre ) sagte neulich : mein Bruder ist mein liebster freund 🙂 also haltet durch. Es wird alles gut !