Nachwuchsfußball: Kicken wie die Profis! Wie der Traum vom Bundesligastar wahr werden kann

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Ihr Lieben, ihr wisst ja, dass ich eine begeisterte Soccermom bin 😉 Wir haben auch hier schon einmal über die 15 Dinge geschrieben, warum Nachwuchs-Fußball bildet und ich habe Ex-Profi-Fußballer Knut Reinhardt interviewt.

Fußballspiele meiner Jungs verpasse ich nur in den seltensten Notfällen und ja, ich fiebere dabei auch so mit, dass ich oft eine Armlänge Abstand zu anderen Zuschauern brauche. Nicht nur, um mich auf den Spielverlauf zu konzentrieren, sondern auch, weil ich ab und zu „mitkicke“. Es ist ein großer Spaß!

Ein Buch für begeisterte Nachwuchskicker und ihre Eltern

Heute sind wir deswegen superfroh, euch und allen weiteren Fußballbegeisterten eine neue Perle der Unterhaltung zu präsentieren. Wir durften nämlich Kai Psotta interviewen, der nicht nur die ganz großen Größen im deutschen Fußball persönlich kennt, sondern nun auch ein Werk für begeisterte Nachwuchskicker und ihre Eltern vorlegt, in dem er Fußballgranden wie Oliver Bierhoff, Toni Kroos, Miroslav Krose oder Julian Nagelsmann zu Wort kommen lässt:

Kicken wie die Profis: Alles, was du am dem Weg zum Bundesligastar wirklich wissen musst. Mit den wichtigsten Tipps und Tricks von den besten Profimachern.

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Kicken wie die Profis: Alles, was du am dem Weg zum Bundesligastar wirklich wissen musst.

Lieber Kai, viele Kinder in Deutschland träumen davon, mal in der Bundesliga zu spielen. Welche Skills brauchen sie wirklich, um den ganz großen Sprung zu schaffen?

„Die Frage kann man nicht einfach so beantworten, auch wenn es total schön wäre. Aber, und das ist ganz wichtig vorwegzustellen: es gibt keine Gebrauchsanleitung, nach der man sich richten muss, und schon wird man Profi. So einfach ist es leider nicht. Dazu gehören ganz, ganz viele unterschiedliche Aspekte.

Vor allem haben wir es ja auch mit Menschen zu tun, die ganz unterschiedliche veranlagt sind. Genau das ist ja auch der Ansatz des Buches. Ich habe mit absoluten Fachleuten aus dem Jugendfußball gesprochen – und ihre jeweiligen Empfehlungen und individuellen Ratschläge aufgeschrieben.

Jeder Gesprächspartner durfte wertfrei seine Sicht auf die Singe darlegen. Dieses Buch urteilt nicht über richtig oder falsch, es drängt keine Sichtweisen auf. Es lässt verschiedene Meinungen, Ansätze und Theorien zu und gelten. Es möchte helfen, Fußball-Talenten, deren Eltern und auch sämtlichen Menschen, die mit diesen Spielern arbeiten dürfen, die Augen zu öffnen und Denkanstöße zu liefern.

Es soll zeigen, wie der Nachwuchsfußball hinter verschlossenen Türen wirklich funktioniert und wie unterschiedlichste Protagonisten arbeiten. Und das aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sieh mal, Profi-Trainer Julian Nagelsmann sagte zum Beispiel: „Das Leben unserer Jugend wird in einem viel höheren Maße von Instagram und TikTok beeinflusst, als das noch vor fünf, sechs Jahren der Fall war. Diese Apps führen dazu, dass jungen Leuten heutzutage die Gabe fehlt, stetig an etwas zu arbeiten.

Sie starren ins Handy, werden mit einer unglaublichen Reizüberflutung konfrontiert, sodass sie wahnsinnig schnell ein Gefühl von Langeweile entwickeln. Sobald sie ein Video nicht mehr interessiert, wischen sie es weg und gucken sich das nächste für den Bruchteil von Sekunden an. Unsere Kinder, und das betrifft ja die gesamte Gesellschaft, rutschen in eine Wisch- und-Weg-Generation – mit einer sich stetig verkürzenden Begeisterungsfähigkeit.

Es ist gar nicht so lange her, da reichte ein Ball und eine Garagenwand, um sich stundenlang zu beschäftigen. Der Wille war da, den Ball länger jonglieren zu können als am Vortag. All das geht in unserer heutigen Zeit mehr und mehr verloren. Und entsprechend fehlt unseren Kindern und Jugendlichen die Freude und Beharrlichkeit, nachhaltig an etwas zu arbeiten, um sich einen Traum zu erfüllen. Das muss ich leider im Training vermehrt feststellen.“

Das ist ja viel mehr als ein Rat. Hier geht es ja um etwas, was sich nicht nur auf den Fußball bezieht. Daher wäre es mir zu einfach, Ihnen jetzt nur zu sagen: sie müssen gierig und beharrlich sein. Ich hoffe, dass das Buch von Talenten und Eltern mit einem Stift oder Textmarker gelesen wird und sich jeder genau das raussucht, was auf ihn zutrifft.

Die Intention beim Schreiben war, dass auf jeder Seite ein hilfreicher Gedanke oder eine Anregung steckt. Mal verpackt in lauten Tönen, mal leise. Mal verpackt in eine kleine Anekdote, mal klar und deutlich herauszulesen.“

Für dein Buch „Kicken wie die Profis“ hast du Tipps von etlichen Fußball-Größen wie Miroslav Klose geholt, das Vorwort ist von Oliver Bierhoff, der Epilog von Julian Nagelsmann. Welcher hat dich am meisten überrascht?

„Mich persönlich hat der Augsburger Marco Richter mit seiner Geschichte total überrascht. Als der 13 Jahre alt war, wurde ihm sein rechtes Bein unter ein Traktor-Hydraulik beinahe zerquetscht – und sein Traum vom Profi-Fußballer drohte zu platzen. Er war kurz zuvor bei Bayern München im Nachwuchsleistungszentrum quasi aussortiert worden.

In Augsburg hat er zunächst nicht die richtige Einstellung an den Tag gelegt. Und trotz mehrerer, heftiger Rückschläge hat er sich immer wieder zurückgekämpft und ist heute Bundesligaspieler und war bei der U21-EM vor zwei Jahren einer der deutschen Shootings-Stars. Der hat mir ein paar Sätze um die Ohren gehauen, die mich total beeindruckt haben.

Er sagte nämlich: „Ich habe viele harte Lektionen lernen müssen. Auch, dass es nicht nur darauf ankommt, seinen Körper zu trainieren, sondern auch im Kopf klar zu sein. Im Fußball stecken so viele Emotionen. Wunderschöne, aber auch brutale. Man darf nie die Kontrolle über die Emotionen verlieren. Man muss seine Emotionen kontrollieren und darf sich nicht von ihnen rumschubsen lassen. Man muss auch lernen, mit der Bank umzugehen. Und ein „Nein“ oder ein „Später“ zähneknirschend zu akzeptieren.

Ich habe ein paar Arschtritte gebraucht, um Lektionen zu begreifen. Und ich habe verstanden, dass man kein Profi wird, wenn man nur den leichten Weg geht. Profi-Fußball ist knallhart. Und neben zahlreichen schönen Momenten gibt es auch welche, die scheiße sind. Aber am Ende lohnt es sich, wenn man immer wieder aufsteht und weiterkämpft.“

Das sind so wichtige Worte, die hoffentlich vielen Talenten helfen, auch dann weiter für den Traum zu kämpfen, wenn es schwierig erscheint.“

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Schuss und Tor! Kleiner Nachwuchskicker ganz groß. Foto: pixabay

Mir hat aber auch etwas gefallen, was Julian Nagelsmann gesagt hat. Er schrieb in seinem Schlusswort nämlich: „Wenn ihr schon ins Handy starrt, dann guckt euch diesen Kimmich an, wie er schreit und brüllt und kämpft und niemals nachlässt.“ Und dann hat er, und das passt vielleicht zu Ihrer ersten Frage, erklärt, warum er Kimmich so bewundert.

Aus Sicht von Nagelsmann ist der Bayern-Star nämlich „das Paradebeispiel für Willen und Leidenschaft. Der braucht keinen Beinschuss beim Gegner, um zu glänzen. Sein Elixier ist der Sieg. Dafür zerreißt er sich, obwohl seine Titelsammlung schon längst das Dutzend voll hat, er den Champions-League-Pokal in die Luft stemmen durfte. Er ist Millionär – aber mit unbändiger Lust am Gewinnen. So müssen Sportler sein. Diese Gier fehlt mir bei vielen Talenten, die ich aktuell sehe.“

Verlieren, mit Enttäuschungen umgehen, wieder aufstehen. Kann man das lernen? Und falls ja, was lehrt uns der Fußball hier über das Leben? Und wie können wir unsere Kinder da gut begleiten?

„Oh, gerade hier möchte ich ein bisschen ausholen, und erstmal die wörtlichen Aussagen von zwei Experten zum Thema Verantwortung wiedergeben. Zum Einen hat Ernst Tanner, einer der größten Nachwuchsexperten, den es in Deutschland gibt, folgendes beschrieben:

„In einem Nachwuchsleistungszentrum wandelt man immer auf einem sehr schmalen Grat. Einerseits hat man ab dem Moment, wenn man einen Spieler übernimmt, eine unglaubliche Aufgabe. Du hast eine Fürsorgepflicht dem Spieler gegenüber. Du hast eine erzieherische Pflicht dem Spieler gegenüber. Du musst Sorge dafür tragen, dass sich die Jungs vernünftig ernähren. Dass sie diszipliniert durchs Leben gehen. Eltern vertrauen dir ihre Kinder an – und übergeben damit auch verdammt viele Pflichten, denen man gerecht werden muss.“

Auf der anderen Seite dürfe man, so Tanner, die Kinder auch nicht zu sehr verwöhnen. „Ein Nachwuchsleistungszentrum ist kein Jugendhotel. Wir müssen die Talente so unterstützen, dass sie sich vernünftig auf Fußball konzentrieren können. Aber wir sollten sie nicht verhätscheln. Wir müssen also auf der einen Seite aufpassen, dass wir den Spielern nicht zu viel abnehmen. Gleichzeitig dürfen wir sie aber auch nicht überfordern.

Die Jungs haben auch nur eine begrenzte Aufnahmekapazität. Die meisten verbringen sechs oder sieben Stunden in der Schule, dann kommen täglich drei, vier, manchmal fünf Stunden rund um den Fußball hinzu. Essen und Hausaufgabenbetreuung kosten auch noch Zeit. Und ein Leistungssportler sollte dann auch noch acht Stunden schlafen. Das kann dann auch mal ein pickepackevoller Tag werden, der extrem anstrengend ist und eine große Herausforderung an den Kopf darstellt.“

Und Erik ten Hag, Cheftrainer von Ajax Amsterdam, hat auch etwas ganz Wichtiges dazu gesagt: „Das Talent eines Spielers ist nicht Eigentum des Trainers oder des Vereins, sondern es gehört dem Jungen ganz allein. Und wenn mir ein Spieler dieses Talent anvertraut, dann habe ich als Trainer in der Ausbildung eine verdammt hohe Verantwortung.“

Aber jetzt mal zurück zu deiner eigentlichen Frage: das Thema Widerstände zu überwinden ist ein ganz wichtiges für diese Kinder. Das hat auch nahezu jeder Protagonist im Buch angesprochen.

Ernst Tanner sagte darüber zum Beispiel: „Diejenigen, die alle Steine aus dem Weg geräumt kriegen, die schaffen es eher nicht. Aber das wissen die Eltern nicht. Eltern, die alle Hindernisse wie so ein Bulldozer aus dem Weg räumen und denken, sie tun etwas Gutes, machen das Gegenteil. Wenn die Jungs nicht im Jugendbereich lernen, Hindernisse zu überwinden, dann schaffen sie es später auch nicht.“

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Autor Kai Psotta

Oder hör Dir mal an, was der frühere Stuttgart-Trainer Tim Walter diesbezüglich gesagt hat: „Heute gibt es so eine große Anzahl von Nachwuchsleistungszentren und Beratern, dass Spieler sich einfach ganz schnell anders orientieren, sobald ihnen irgendetwas mal nicht in den Kram passt. Sie rennen weg und glauben, dass es woanders besser ist. Anstatt sich zu hinterfragen, sind immer die anderen schuld. Aber weil wir diese Akademien so austauschbar gemacht haben, funktioniert es.

Die Welt der Nachwuchsleistungszentren (NLZ) ist wie ein Selbstbedienungsladen geworden. Wenn mir ein Verein nicht mehr gefällt, dann nehme ich halt einen anderen. Oder wenn mir der Berater nicht gefällt, dann nehme ich halt den Berater, der mir sagt, was ich hören will. Talenten und auch deren

Eltern ist eine Fähigkeit abhandengekommen: Zufriedenheit! Ihnen ist nichts gut genug. Anstatt auf sich zu achten, befinden sie sich auf einer ständigen Suche, in einer permanenten Unruhe, weil vermeintlich etwas anderes ja besser sein könnte. Kaum jemand kann mit dem, was er hat, zufrieden sein. Dabei wäre das in der Ausbildung entscheidend.““

Ein großes Vorbild vieler junger Fußballer ist Toni Kroos, auch er kommt in deinem Buch vor, du hast ihn zur B-Jugend des 1. FC Köln begleitet, erzähl mal, was ihr da erlebt habt.

„Das war ganz klasse. Es war ein Termin, der abseits des Medienrummels vor der Kino-Premiere von Tonis Film stattgefunden hat. Er hat die Kölner U17, die Deutscher Meister geworden ist, zum Austausch eingeladen. Und die Jungs haben Toni mit genau den Fragen gelöchert, die ihnen am meisten auf der Seele gebrannt haben.

Eigentlich haben sie ganz einfache Fragen gestellt. Und Toni hat klasse Antworten gegeben. Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Einer der Jungs fragte, was Kroos alles gemacht habe, um Profi zu werden. Und er sagte: „Ich habe akzeptiert, dass der Weg nach oben auch mal wehtut. Vor allem, weil man auf Dinge verzichten muss. Freunde kommen viel zu kurz. Man willigt ein, eine andere Jugend als die Mehrzahl zu erleben. Man muss bereit sein, fleißig zu sein.

Ich weiß noch, wie es mir irgendwann aus den Ohren rauskam, wieder und wieder und wieder und wieder die Ballannahme und Ballmitnahme zu üben. Das musste ich ja nicht einmal, nicht zehnmal, nicht tausendmal, sondern ein paar zehntausend Mal machen, obwohl ich anfangs dachte: Das kann ich doch jetzt. Obwohl mir nachgesagt wurde, großes Talent zu haben, musste ich vor allem sehr, sehr viel Arbeit und sehr, sehr viele Extrastunden investieren. Das ist elementar notwendig auf dem Weg zur Perfektion.

All diese Extraschichten lassen mich heute in diesem schnellen Fußball bestehen, weil mir die perfekte Ballannahme diese extra Zehntelsekunde Zeit vor meinem Gegner verschafft. Ich habe es zum Glück irgendwann kapiert, dass es unabdingbar ist, viel trainieren zu müssen. Und ich habe es dann gemacht, weil ich diese Perfektion auch erlangen wollte.

Der Wille muss von einem selber kommen. Wenn euch jemand dazu zwingen oder überreden muss, mehr zu tun, wird es nicht funktionieren. Ihr müsst für euch ganz allein entscheiden, ob ihr wirklich bereit seid, mehr zu machen. Euer Kopf muss bereit für ständige Extras sein.“

Was hältst du von Nachwuchsleistungszentren, werden die Spieler da nicht eher alle gleich gemacht? Glattgebügelt? Hätte ein Messi dort eine Chance? Ein Max Kruse?

„Da triffst Du exakt den Kern des Problems. Oliver Bierhoff, der ja das Vorwort geschrieben hat, hat dort genau auf diesen Punkt angespielt und selber zugegeben: „Ab dem Jahr 2000 waren wir mit diesem System sehr erfolgreich, für mehr als zehn Jahre auf einem richtig guten Weg. Doch anstatt im Nachwuchsbereich immer weiter den Mut für notwendige Anpassungen zu haben, ruhten wir uns auf dieser Erfolgsserie aus.

Wir räumten den kontinuierlichen Feinjustierungen am System nicht die notwendige Priorität ein. So haben wir über Jahre nach den immer gleichen Mustern sehr »gleichförmige« Spieler produziert, die nun im Überfluss auf unseren Fußballplätzen aktiv sind.

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Lisas Söhnchen beim Kicken. Auch er träumt natürlich von der Profikarriere.

Wir haben heute viele Spieler, die den Ball in Perfektion zirkulieren lassen können, also diese Tiki-Taka-Typen. Aber uns fehlt es an echten Führungsspielern, die Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen können. Uns fehlen die Kreativspieler und Individualisten. Wir haben zu wenige dynamische Außenverteidiger und klassische Mittelstürmer, und unsere Spieler weisen ein Manko in Sachen Torabschluss auf. Wenn man immer nur mit stark auf die Technik fokussierten Trainern trainiert und spielt, lernt man zum Beispiel nie, wie man sich gegen einen sogenannten »Holzfäller« – also einen knallharten Verteidiger – durchsetzt.

Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu sehr in dieses Mannschaftstaktische verliebt – und irgendwann vergessen, die rosarote Brille abzunehmen. Jeder Jugendtrainer kann heute – bewusst überspitzt gesagt – sechsundsechzig Varianten der Viererkette diskutieren. Und nach den Spielen wird analysiert, dass ein Fünfzehnjähriger einen halben Meter zu weit rechts gestanden hat, also nicht exakt auf der Position, wo er in der Theorie hingehört hätte. Wir alle haben es zugelassen – so selbstkritisch müssen wir in der Jugendarbeit sein –, dass dort teilweise junge Menschen wie Computer programmiert worden sind, ihnen taktische Systeme eingeimpft wurden, anstatt sie viel stärker mit Spaß und Freude zu besseren Fußballern zu entwickeln.

Daher habe ich beim DFB mit meiner „Direktion Nationalmannschaften und Akademie“ einen neuen Weg eingeschlagen. Wir möchten mit unseren Maßnahmen zurück an die Weltspitze. Es bedarf in unserer Ausbildung keiner Revolution, aber einer Evolution. In der deutschen Nachwuchsarbeit müssen wir gemeinsam in den nächsten Jahren kräftig die Ärmel hochkrempeln und mutiger und flexibler arbeiten.“

Die Fehler sind erkannt worden. Nun gilt es daran zu arbeiten. Was Kruse und Messi betrifft: das kann man so pauschal nicht beanworten. Es gibt in Deutschland immerhin 56 NLZs. Wir können ja nicht allen unterstellen, komplett gleich zu arbeiten. Wobei Levent Sürme, einer der begleiteten Trainer eine sehr ähnliche Behauptung aufgestellt hat.

Er sagt: „Jedes Jahr werden in Deutschen Nachwuchsleistungszentren Spieler aussortiert, die fußballerisch außergewöhnlich sind. Aber weil sie ihre Macken haben, Freigeister sind und nicht aalglatt durchs System flutschen, werden sie oftmals vertrieben. Viele NLZs wollen nur Jungs, die außerhalb des Fußballs keine Probleme bereiten.

Heißt: bei denen es in der Schule relativ glatt läuft. Die in der Freizeit keinen Scheiß bauen. Jungs, die neben dem Platz leise sind. Die den angestellten Sozialpädagogen wenig Arbeit machen. Jungs, die – bewusst etwas überspitzt – keine eigene Meinung haben.“ Gleichzeitig aber, so Sürme, »sind wir ständig auf der Suche nach Spielern, die in brenzligen Situationen auf dem Platz etwas Verrücktes machen, also Dinge, die in keinem Matchplan stehen.

Das machen zumeist aber Spieler, die von ihrer Persönlichkeitsstruktur her eher Freigeister sind. Diese Typen haben aber nun mal die Macke, dass sie nicht nur im fußballerischen Sinne Freigeister sind, sondern in allen Lebensbereichen. Das wiederum wollen wir nicht in Kauf nehmen. Und das beißt sich. Somit fliegen viele Spieler aus diesem System raus, weil sie sich in dieses Raster nicht reinbiegen lassen wollen.

Die NLZs sind doch Dienstleister der Spieler! Sie sollten auf deren individuelle Bedürfnisse eingehen. Dann bekomme ich auch einen Spieler, der am Ende bereit ist, auf dem Platz sein letztes Hemd zu riskieren. Aber viel zu oft ist es umgekehrt. Nur wenn der Spieler sich dem jeweiligen NLZ anpasst, dann wird er auch gefördert. Damit machen wir es uns zu einfach. Wir gehen teilweise nicht genügend auf diese besonderen Persönlichkeitsstrukturen ein.

Wir suchen ständig fußballerisch nach Spielern à la Mario Balotelli oder Zlatan Ibrahimović, weil sie nämlich Dinge garantieren, die nicht kalkulierbar, nicht erwartbar, sind. Aber gleichzeitig müssen sie halt lieb und nett und zuvorkommend sein und in unser NLZ-System passen.“

Welche Begegnung mit einem Fußballprofi hat dich selbst am meisten geprägt, ist dir am meisten in Erinnerung geblieben – und warum?

„Als ich noch Journalist war habe ich mal ein Selfie mit Cristiano Ronaldo gemacht. Das war ein ganz besonderer Moment, der Kerl hat mich in der Mixed Zone in der Münchner Allianz Arena irgendwie magisch angezogen. Diese Begegnung war dann auch der Einstieg in ein Buch über den „Mythos Real Madrid„.

Inzwischen ist es ja, auch wenn es doof klingt, aber ziemlich normal, viele Fußballer zu treffen, weil es zum Job dazu gehört. Ich durfte mal mit Toni Kroos auf einem Bolzplatz Fußball spielen. Da hatte ich die ganze Zeit total Angst, dass ich ihn irgendwie faulen und verletzten würde. Aus Angst davor, bin ich Zweikämpfen immer aus dem Weg gegangen ;-)“

Zu guter Letzt: Darf Fußball auch einfach Spaß machen und ein Hobby bleiben?  

Der Fußball muss immer Spaß machen. Auch hierzu noch mal kurz Toni Kroos, der nämlich genau auf diese Frage zu den Kölner Spielern folgendes gesagt hat. „Das A und O in meinen Augen ist, dass ihr immer in Erinnerung behaltet, warum ihr ursprünglich mit dem Fußball angefangen habt – und das ist der Spaß. Das ist ganz wichtig und etwas, was ich mir selber immer sage.

Wir alle hier haben ja nicht angefangen Fußball zu spielen, weil wir das beruflich machen wollten, sondern weil wir einfach verdammt viel Lust darauf hatten. Mit sechs, sieben, acht Jahren habe ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, wie sich Fußball anfühlt oder was er für mich bedeutet. Es war einfach nur ein überragendes Spiel und hat mich erfüllt. Und dieses Gefühl darf – ganz gleich in welcher Altersklasse und auf welchem Leistungsniveau – nie verloren gehen.

Der Spaß sollte immer die entscheidende Grundvoraussetzung sein, warum man Fußball spielt. Wenn es bei mir irgendwann losgehen sollte, dass ich mir den Kopf über Fußball zerbreche, ihn als Druck empfinde und mich davon negativ beeinflussen lasse, ab dem Moment ist Fußball nicht mehr das Richtige für mich.

Ich habe für mich festgelegt: Wenn ich keinen Spaß mehr an dem Spiel habe, dann höre ich auf. Auch aus Respekt dem Fußball gegenüber, weil er mir echt viel gegeben hat. Ich will nie das Gefühl haben, Fußball arbeiten zu müssen. Mich dazu zwingen zu müssen, ein Trikot anzuziehen.“

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