Stadtleben

18/06/2018 - 06:00

Stadt-Mama Katharina

Neuer Mitbewohner! Bei uns lebt ein kleiner Wutzwerg!

Ihr Lieben, wer zwei oder mehr Kinder hat, erwischt sich vielleicht manchmal bei Vergleichen zwischen den Kindern. Hat Nr. 1 das damals auch so gemacht? Konnte Nr. 2 um die Zeit nicht schon laufen? Warum schläft das kleine Kind immer noch nicht durch, obwohl das erste Kind in dem Alter schon längst 12 Stunden am Stück seelig schlummerte?

Manchmal legen wir Eltern eine Schablone auf die Geschwisterkinder und denken: "Wenn das bei einem Kind geklappt hat, sollte es doch auch bei den anderen gehen." Ich kenne diese Schablone, ich hab sie gedanklich auch schon öfter gezückt. Natürlich sind diese Vergleiche völliger Quatsch. Jedes Kind ist einzigartig. Jedes Kind hat seine ganz besonderen Talente und Stärken, jedes Kind reagiert anders, jedes Kind hat seine eigenen Baustellen. 

Als Mutter von drei Kindern denke ich oft: Was soll mich bitte schön noch überraschen? Ich habe doch alles schon zig mal durch. 

Das Gute am Leben mit Kindern: Sie zeigen uns, dass wir nie auslernen. Unsere Kinder sind ein buntes Durcheinander, sie müssen sich nicht so verhalten, wie wir uns das vorstellen oder wie wir das gewohnt sind. Sie gehen ihren eigenen Weg. Es nimmt uns eine Menge Druck, wenn wir das einfach akzeptieren. 

Gerade lerne ich wieder eine Menge Neues. Immer, wenn ich bisher Artikel über die Trotzphase im Kleinkindalter gelesen habe, wusste ich nicht so recht, was damit gemeint ist. Meine beiden Großen haben sich nie schreiend auf den Boden im Supermarkt geschmissen. Sie waren nie richtig wütend, haben auch nie die totale Verweigerungshaltung eingenommen. Sie haben mich an anderen Stellen gefordert, aber trotzig waren die im zweiten Lebensjahr nicht. 

Ganz anders meine Kleinste. Sie war ja von Beginn an "anders" als die Großen. Sie hat viel mehr geschrieen, wollte nie im eigenen Bett schlafen (das klappt zum Glück heute gut), wollte viel gestillt werden und hat wohl meine Ungeduld geerbt. 

Momentan ist sie ein richtig kleiner Wutzwerg. Weil sie ja noch nicht richig sprechen kann, zeigt sie oft auf Dinge und macht mit Geräuschen klar: Das will ich. 

Manchmal aber weiß ich nicht genau, was sie meint oder bin nicht schnell genug - und dann geht die kleine Bombe hoch. Die Tochter wird wütend, stampft auf und schließlich schmeißt sie sich auf den Boden und schreit. Wenn ich sie wieder aufrichten möchte oder sie beruhigen will, strampelt sie und kreischt weiter. 

Diese Wutszenen sind neu in unserer Familie und deshalb stehen die Großen oft entgeistert vor ihrer Schwester. Ich muss mir oft ein Lachen verkneifen, weil das Ganze irgendwie irre niedlich aussieht. 

Heute morgen, als wir die Großen zur Kita und Schule mit dem Auto weggefahren haben, wollte meine Tochter unbedingt die Schuhe ausziehen. Weil ihr das nicht gleich gelang, wurde sie sauer. Weil ich ihr nicht helfen konnte, wurde sie richig sauer und zog so lang an den Schuhen rum, bis sie sie endlich in der Hand hatte. Wütend schrie sie erst die Schuhe an und schmiss sie dann quer durchs Auto. Oder wenn sie Lego baut und die Steine nicht aufeinander bekommt - Alarm! Wenn sie aufs Bett klettern will und es nicht schafft - Auweia! Oder wenn sie noch einen Keks haben möchte, den aber nicht bekommt - Achtung, Ohren zu!

Ich frage mich dann immer, wie ich regaieren soll. In den letzten Tagen habe ich mich für Lässigkeit entschieden. Ich kann und möchte nicht auf jeden Wunsch eingehen, aber ich kann ihr zu verstehen geben, dass sie sich auch mal ärgern darf. Meist setze ich mich einfach zu ihr und warte, bis der Rauch verzogen ist. 

Die schönste Lektion ist übrigens für mich, wie toll die Großen damit umgehen. Wenn die Kleine einen Wutanfall hat, ruft die Große: "Komm, ich kuscheln mit dir!" und der Mittlere macht Hampelmänner oder schneidet Grimassen, um den Wutfloh zum Lachen zu bringen. Beides besänftigt meine Kleine meist viel schneller als meine Anwesenheit. 

Und so ziehe ich aus der neuen Situation wieder mal ganz viele Erkenntnisse: 

1. Auch bei Kind Nr. 3 gibt es noch viele Überraschungen für Mama

2. Schimpfen oder "Jetzt hör doch mal auf" bringt so gar nichts in diesen Situationen. Wenn ich cool bleibe, regt sich die Kleine ganz schnell wieder ab. 

3. Es gibt die Trotzphase wirklich

4. Egal wie oft die Kids sich streiten, die drei passen gut aufeinander auf und sind, wenns drauf ankommt, ein tolles Team. Und das ist meine absolut schönste Erkenntnis. 

 

Tags: Wut, Trotzphase, Kind, Geschwister, Liebe, Familie

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Kommentare

Maru — Mo, 06/18/2018 - 07:58

Haben auch gerade so eine kleine Wutzwergin hier. Genau wie bei euch. Kannte ich allerdings von ihrer großen Schwester schon. Doch die Kleine iat gefühlt noch ausdauernder im Schmpllen und Wüten. Und dann bloß nicht Lachen, auch wenn es noch so niedlich aussieht. Soll sich ja ernst genommen fühlen. Manchmal gar nicht einfach...

Alexandra — Mo, 06/18/2018 - 12:11

Unsere Wutzwergin ist genau so. Kein großer hatte das zwar auch und immer noch (gestern erst der große Anfall :) ) aber er hatte das nicht mit 17 Monaten... Da bin ich auch etwas baff manchmal. Vorgestern hatte ich so meiner kleinen dann gesagt, weißt du was, du bist eine kleine Zicke, da hat sie ganz laut NEIN geschrien und wurde richtig böse. Ich konnte mir ein Lachen einfach nicht verkneifen (hinter einem Kissen versteckt) Zu süß einfach. Mit ca 6 Jahren soll die Trotzphase vorbei sein...da haben wir noch einige Jahre vor uns haha Liebe Grüße

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