Wege durch die Krise: So schaffen wir es, im Lockdown nicht durchzudrehen

Nicht verzweifeln

Foto: pixabay

Ihr Lieben, es gibt nur eine Person, die sowohl in Wow Mom 1* als auch in Wow Mom 2* zu Wort kommt, weil sie den Gedanken des Mütter-Entlastens einfach so verinnerlicht hat, wie wir es uns das mit unseren Büchern auch wünschen. Es geht um die Kölner Kinderärztin Dr. Karella Easwaran, die nicht nur ihre kleinen Patienten im Blick hat – sondern auch das Wohl ihrer Eltern. Mit ihrem Buch Das Geheimnis ausgeglichener Mütter* legt sie einen weiteren Bestseller vor, der konkrete Hilfen für ein besseres Leben bietet. Wir haben sie für den ernueten Lockdon nun um Rat für uns alle gebeten. (*Affiliate Links)

Dr. Karella Easwaran: Das Geheimnis ausgeglichener Mütter*

Liebe Frau Dr. Easwaran, nun kommt also – wie viele befürchtet hatten – ein neuer harter Lockdown. Wie geht es den Müttern, die gerade in Ihre Praxis kommen?

Für viele Familien war das Jahr sehr anstrengend. Sie sind jetzt froh, dass das Jahr zu Ende neigt und hoffen auf bessere Zeiten.

Die meisten finden die Planungsunsicherheit am schlimmsten. Diese führt zur Angst und Orientierungslosigkeit. Wie soll ich die Zeit einplanen? Wer darf kommen und wen können wir besuchen? Kann ich die Großeltern besuchen oder sind wir eine Gefahr für sie? Wie sollen wir die Feiertage planen? Was ist mit Heiligabend? Wer mit wem und wie? Vorher auf das Corona Virus testen lassen oder nicht? Und die Oma im Heim, was machen wir da…. so viele Fragen, und keine eindeutigen Antworten.

Das was einen fertig macht und zermürbt ist dieses Unwissen, nicht in der Lage sein, Dinge klar einzuschätzen und zu entscheiden – und die ewige Unklarheit und Planungsunfähigkeit.

Wie haben Sie die Nachricht über den erneuten Lockdown aufgenommen?

Auch ich muss sagen, als es am Sonntag dann offiziell wurde, dass wir uns wirklich NOCHmal mehr einschränken müssen, hat sich bei mir erstmal wieder ein Loch aufgetan. Ich bin ein so geselliger Mensch, ich musste erstmal weinen… immer und immer wieder diese „Rückschläge“ dieses Jahr, die Angst um die Liebsten, die Geduld, die Unplanbarkeit – vor allem für uns Eltern. Was macht das mit uns?

Am Ende können wir selbst entscheiden, ob wir es zulassen, dass die Einschränkungen uns fertig machen oder nicht. Und mein Vorschlag ist es, die Dinge immer in eine für uns und unsere Mitmenschen und Umwelt vorteilhaftere Richtung zu drehen. Das können wir lernen und üben.

Wie denn?

Ich habe dafür eine Methode entwickelt, die ich „Beneficial thinking“ nenne. Bevor ich in einer Verzweiflung lande, atme ich tief Luft ein und denke. Das bedeutet in diesem Fall zu denken: Die Einschränkungen richten sich nicht gegen uns. Sie sind für uns gemacht. Sie beschützen uns und helfen, gesund zu bleiben und uns nicht anzustecken. Wenn wir das akzeptiert haben, wirken die Umstände weniger bedrückend.

Dr .Karella Easwaran. Foto: Amanda Dahms

Bei mir sitzt auch die große Überforderung des Homeschoolings dreier Kinder an weiterführenden Schulen während ich auch arbeiten musste aus dem ersten Lockdown noch in den Knochen, ich reagiere fast körperlich, wenn ich jetzt wieder Schulmails im gleichen Duktus und in den gleichen Farben (die Überschriften sind blau und rot) bekomme. Manchmal habe ich richtige Fluchtgedanken. Wie komm ich denn da raus aus der Spirale?

Das kann ich so gut nachvollziehen! Wir Mütter fürchten immer den Anruf oder die Mails aus der Schule, denn die bedeuten selten gute Nachrichten. Wir kommen aus der Spirale, indem wir uns klar machen, dass die Schule nicht das Virus ist, Hausaufgaben bzw. Homeschool-Aufgaben sind nicht lebensgefährlich, das Virus aber schon.

Wir können die negativen Gedanken aus dem Kopf stoßen, indem wir uns vorher einen Plan schmieden. Was mache ich, wenn die Schule anruft, was mache ich, wenn ich zwei Wochen mit meinen Kindern in die Quarantäne muss? Wie gestalte ich dann den Tag? Und was tue ich, wenn doch wieder Homeschooling angekündigt wird? Denn Stress kommt häufig durch die Orientierungslosigkeit. Und natürlich durch die Angst die daraus entsteht. Dann geraten wir in Panik, zum Beispiel wenn wir die Mails oder Anrufe bekommen.

Es hilft immer, wenn Sie sich gerade in diesen Situationen klarmachen, dass Sie handlungsfähig sind, ihren Alltag gestalten können und nicht von der Schule oder sogar Covid-19 fremdbestimmt sind.

Stellen Sie sich vor, wie viel schlimmer es wäre, wenn Sie oder ihre Liebsten jetzt im Krankenhaus liegen würden. Allein diese Vorstellung hilft, eine persönliche Referenz zu haben, oder eine Messlatte zu entwickeln, die mir dann zeigt, dass die Dinge nicht so schlimm sind, wie sie eigentlich noch seien könnten.

Entlastung ist hier das Stichwort. Gedankliche Entlastung. Sie haben auch ein Buch zum Geheimnis ausgeglichener Mütter geschrieben, mögen Sie uns vielleicht das Geheimnis verraten bzw. hier schon mal andeuten?

Eine innere Ausgeglichenheit führt zur weniger Stress und mehr Gelassenheit, und das Geheimnis liegt im Gehirn. Es liegt in die Art und Weise, wie wir bewusst mit unser Gedanken umgehen. Hier liegt die Möglichkeit, unsere Zukunft zu gestalten.

Es sind nie die Zustände, die unser Stress System anregen, sondern immer unsere Gedanken und unsere Bewertung der jeweiligen Situation. Das ist ein wichtiger Punkt, weil wir dadurch lernen können, unseren Stress im Griff zu halten. Denn jedes Mal, wenn wir Stress empfinden, schütten wir Stresshormone in unserem Körper aus.

Diese Wirkstoffe sind ungesund und haben viele Nebenwirkungen. Sie „vergiften“ uns langfristig. Das führt dann zu stressbedingten Krankheiten wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Erschöpfungssyndromen und/oder Burnout.

Wenn ich diesen Vorgang verstehe, kann ich mich viel besser auf stressige Situationen einstellen. In meinem Buch zeige ich, wie wir kurzfristig aber auch langfristig unsere Gedanken und unsere Persönlichkeit weiter in eine gute Richtung entwickeln können.

Sie bauen sehr auf Zuversicht und Solidarität. Kann man Resilienz – also das Immer-wieder-Aufstehen nach Rückschlägen – denn lernen?

Resilienz bedeutet „Ein gesunder innerer Widerstand“. Den kann und sollte jeder von uns anstreben. Zuversicht und Hoffnung sind kein Traum, sondern Realität. Denn wir müssen Zuversicht haben, um uns auf die Zukunft einzustellen und uns weiterzuentwickeln. Ohne Hoffnung auf Verbesserung und Zuversicht wird eine weitere Entwicklung nur schwer möglich, weil wir den Stress nicht loswerden. Und das kann jeder lernen.

Die hektische Vorweihnachtszeit strengt viele Familien eh schon an, nun kommen also die neuen Regelungen noch hinzu. Das macht Menschen teils auch aggressiv oder verständnislos, das merken Sie in Ihrer Praxis deutlich. Deswegen appellieren Sie an alle: „Wir dürfen uns nicht gegenseitig bekämpfen, sondern müssen zusammen gegen das Virus halten. Habt Respekt, Zuversicht und Vertrauen, dass alles mit der Zeit ein Ende findet.“ Wie erklären Sie sich das Phänomen des Um-sich-Beißens-in-Notsituationen? Und wie können wir das ändern?

Verständnislosigkeit kommt von Unwissen, weshalb manche Menschen nicht nachvollziehen können, warum manche Regelungen so beschlossen werden. Das ist häufig so. Dagegen hilft Aufklärung. Aggression ist wiederum eine Kampfreaktion und führt nicht zur Verbesserung der Situation, sondern nur zur Verschlechterung.

Wir schaffen es nur, wenn wir zusammenhalten im Kampf gegen dieses Virus, wenn wir gemeinsam agieren statt gegeneinander. Denn nicht die Regierung, die Schulen, oder die Mitmenschen sind das Grundproblem, sondern allein das Corona-Virus. Und das besiegen wir nur, wenn wir zusammenhalten.

Auch wenn es schwer zu glauben ist, jeder hat die Fähigkeit sich zu beruhigen und seine Anstrengung im Griff zu halten. Die Regelungen dienen am Ende unsere Gesundheit, sie sind dafür da, dass wir gesund aus der Pandemie rauskommen, dass unsere Liebsten und Mitmenschen geschont bleiben. Das müssen wir einfach verstehen. Und das ist nur möglich mit gewissen Einschränkungen.

Zum Thema Zusammenhalt können wir auch eine schöne Anekdote aus der Krise beisteuern. Wir haben hier bei „Stadt Land Mama“ eine Spendenaktion für Mütter gestartet, die grad Hilfe mit Kinderkleidung und Spielzeug brauchen können – und eine nie dagewesene Hilfsbereitschaft erfahren dürfen. Sind das Dinge, die Sie meinen, wenn Sie sagen, Gutes tun tut gut? Überlisten wir damit unser Gehirn, indem wir etwas Positives mit der Krise verbinden?

Oh ja!!! Was für eine tolle Tat! Wir können kollektive Spenden einsammeln oder direkt unseren Mitmenschen helfen. Diese Pandemie hat viele Familien richtig hart getroffen. Wer nicht betroffen ist und die Möglichkeit hat, etwas abzugeben, sollte dies tun, weil es nicht nur den Beschenkten guttut, sondern auch den Schenkern.

Krisen zwingen uns zur Veränderung, ja, aber das muss nicht immer schlecht sein. Als Familie verbringen wir viel Zeit miteinander – viel mehr als vor der Krise. Da sollten wir uns beim Abendessen fragen: Was ist dadurch denn vielleicht besser geworden? Und die Dinge auch mal auflisten. Es ist erstaunlich, was alles aufgeschrieben werden kann. Trotz oder gerade wegen der aktuellen Umstände. Versuchen Sie es einmal.  

Welche konkreten Tipps haben Sie für uns Mütter nun für den erneuten Lockdown? Wenn wir merken, unsere Nerven brennen durch? Oder vielleicht schon davor?

Tipp Nummer Eins lautet „SADH“: Stopp, Atmen, Denken, Handeln. Diese Abfolge sollte zur Gewohnheit werden. Es hilft mir, die Kontrolle nicht zu verlieren und mich menschlicher zu verhalten, wenn die Nerven blank liegen. Stopp, Atmen, Denken, Handeln.

Tipp Nummer Zwei ist der „Notfall-Gedanke“: Denken Sie an Kaiserschmarrn oder Linsensuppe – wie bereiten wir diese Speisen vor? Oder denken Sie als Frau ans Reifenwechseln, wie geht das denn eigentlich? Das klingt jetzt vielleicht witzig, aber es hilft immer in Stress-Situationen! Diese Notgedanken lenken mich ab und reduzieren die Stresshormonausschüttung. Dann fühle ich mich etwas weniger gestresst und bin lösungsorientierter und weniger kampfbereit.

Vergessen Sie nicht: Stress führt zu Kampf- oder Fluchtreaktionen und in der Regel führt das immer zu einem Verlust. Wenn wir lernen zu denken statt uns zu ärgern oder uns Sorgen zu machen, ist das so, als ob wir ein Licht einschalten. Ein Licht, mit dem wir den Weg nach vorn beleuchten. Wir finden gute Lösungen und entwickeln Spaß am Leben, selbst wenn es immer wieder herausfordernde Situationen für uns bereithält.

Bleiben Sie gesund!

Zum Weiterlesen! Dr. Karella Easwaran: „Ich sehe seit Jahren Mütter, die sich in der Liebe zu ihren Kindern selbst vergessen.“

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