Wenn uns im Umgang mit Idioten die Worte fehlen: Das empfiehlt die Schlagfertigkeitsqueen

Ihr Lieben, wenn ich mir eine Eigenschaft wünschen könnte, wäre das Schlagfertigkeit. Denn leider leider bin ich null komma null schlagfertig. Zu allem Übel passiert es mir in Berlin öfter, dass ich von irgendwelchen Typen (ja, es sind leider meistens die Männer) angepöbelt werde. Sie zeigen den Stinkefinger, blaffen mich an und neulich hat mich wirklich ein Mann mit F***e- beschimpft – vor meinen Kindern.

Ich bin meist so überfahren und überfordert von so viel Frechheit, dass ich nach Luft schnappe …. und verstumme. Ich bin dann wie erstarrt, weil ich einfach nicht glauben kann, was sich mein Gegenüber da gerade leistet/herausnimmt. Letzte Woche gab es eine Situation, die wieder mal ganz typisch war. Der Mann beschimpfte mich zwar nicht, aber ich habe mich sehr über sein Verhalten geärgert. Über mich habe ich mich auch geärgert, weil ich mal wieder keinen guten Konter-Spruch parat hatte.

Also habe ich meine Geschichte DER Schlagfertigkeits-Queen, Nicole Staudinger, erzählt und sie gefragt: Wie kann ich in solchen Situationen reagieren?

Liebe Nicole, ich sitze hier und ärgere mich. Ich ärgere mich über den Typen, der mir die Laune vermiest hat. Und über mich, dass ich mich überhaupt ärgere und mal wieder keine schlagfertige Antwort parat hatte. Genau deshalb schreibe ich Dir jetzt – was hättest du gesagt? Das hier ist mir eben passiert:

Ich war mit den beiden kleineren Kindern unterwegs. Wir waren in einem kleinen Laden, wo ich mir einen Kaffee geholt habe und die Kinder sich eine Süßigkeit aussuchen durften. Während die Dreijährige sich die ausgesuchte Schokolade noch vor dem Bezahlen in den Mund stopfte, ging mein Sechsjähriger mit der Schokolade nach draußen, um sie auf den Stufen vor dem Laden zu genießen. Ich stand derweil noch an der Kasse und bezahlte.

Als ich dann den Laden verließ und zu meinen Kindern, die draußen auf der Treppe saßen, ging, kam ein Mann (Rentner, gepflegt) auf mich zu und sagte mit hochgezogenen Augenbrauen: „Das können Sie Ihrem Sohn mal abgewöhnen – dass er erstens nicht mit seiner Schwester teilen will und dass er sie dann auch noch tritt.“

Die Kinder saßen nebeneinander – die Kleine heulte nicht, was dagegen sprach, dass mein Sohn sie getreten haben soll (normalerweise kreischt sie nämlich schon los, wenn er sie antippt, weil sie natürlich schnallt, dass er dann Ärger kriegt).

Der herablassende Ton des Mannes machte mich sprachlos. „Das können Sie Ihrem Sohn mal abgewöhnen“ – empfand ich als heftige Einmischung. 
Ich setze mich neben die Kinder auf die Stufen und fragte, was passiert sei. Mein Sohn sagte, die Kleine habe ihn die ganze Zeit nach seiner Schokolade angebettelt, aber er habe ihr nichts geben wollen, weil ja ganz klar jeder sein eigenes bekommen hätte. Er habe sie aber nicht getreten, sondern habe ihr gesagt, sie solle sich verziehen und einen Kick mit dem Fuß angedeutet, sie aber nicht berührt. Die Kleine bestätigte das.

Ich frage mich also: Wenn die Szene tatsächlich so relativ harmlos gewesen ist, wieso mischt sich dieser wildfremde Mann ein und blafft mich so an? Wie kommt er darauf, mich belehren zu wollen? Und am Allerwichtigsten: Was hätte ich ihm darauf sagen können, was nicht eingeschnappt, arrogant oder schnippig ist? 

Liebe Katharina, weißt Du, was spannend ist und was ich auch immer wieder in meinen Seminaren erlebe? Dass Frauen in so einer Situation intuitiv oft ganz genau wissen, was sie antworten möchten. In deinem Fall hast du die Ansage des Herren als ganz klare Grenzüberschreitung und Einmischung empfunden. Und genau das war es ja auch. Du hättest deshalb sagen können: „Und Sie können sich mal abgewöhnen, sich in Sachen einzumischen, von denen Sie keine Ahnung haben.“ 

Wie schon gesagt, intuitiv lag Dir die richtige Antwort eigentlich auf der Zunge, aber du hast sie nicht gesagt – vielleicht, weil du dich nicht getraut hast oder nicht zickig sein wolltest. Bei so einer Ansage macht vor allem der Ton die Musik. Schön locker bleiben und dennoch bestimmt sein. 

Ganz wichtig: Die Situation ist schon vorbei, ärgere dich also nicht mehr. Denn dein Ärger ändert diese Situation nicht – und den alten Herren schon gar nicht. Deshalb nicht noch mehr Energie verschwenden und das nächste Mal in deine Intuition vertrauen! 

Nicoles passendstes Buch zum Thema: Schlagfertigkeitsqueen: In jeder Situation wortgewandt und majestätisch reagieren (Affiliate Link), Nicoles aktuellstes Buch: Männer sind auch nur Menschen. (Affiliate Link)

Porträt Nicole Staudinger
Schlagfertigkeits-Coach und Bestseller-Autorin Nicole Staudinger. Foto: Stolli/Raschke Entertainment

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12 Kommentare

  1. Ich pöble sehr gerne zurück und dabei setze ich mich nicht zusätzlich unter Druck dass meine Antwort kreativ, angemessen und niveauvoll sein muss. Für mich ist die Hauptsache, dass so ein Übergriff nicht unkommentiert bleibt. Ohne jetzt lange auszuholen warum ich das mache, nur so viel: ich habe eine Tochter und möchte ihr zumindest die Option aufzuzeigen, sofort und ggf laut auf Grenzüberschreitungen zu reagieren. Von verbalen übergriffigkeiten zu sexuellen ist es noch ein Stück, aber die Reaktion darauf läuft nach einem ähnlichen Muster und muss m. E. erlernt bzw wie ein Muskel trainiert werden.

  2. Ich kenne sowas auch, irgendwie meistens von älteren Männern. Ich war einmal mit meiner kleinen Tochter (damals knapp 1 Jahr) in der schwimmhalle. Dort war ich damals ständig, weil sie das so sehr geliebt und sofort vor Freude gequietscht hat, wenn sie das Wasser sah. Mich sprach dann auch ein älterer Mann (vermutlich knapp 80) an, wie egoistisch es wäre, so ein kleines Kind ins Schwimmbad mitzuschleppen, nur weil man selbst nicht aufs Schwimmen verzichten könnte. Ich war (leider) auch vollkommen sprachlos und habe mich den ganzen Nachmittag geärgert. Ich habe den Eindruck solche Kommentare kommen immer von alten Männern, die in ihrem Leben ziemlich sicher nicht eine Stunde mit Baby allein waren, denn „das Kind gehört ja zur Mutter“. Es ist auch kein klassisches Pöbeln (das wäre mir irgendwie egaler), sondern dieses extrem herablassende von oben herab behandeln, worauf ich wirklich sehr empfindlich reagiere…
    Ich wohne übrigens in einer beschaulichen Kleinstadt…

  3. Hallo zusammen,
    ich verstehe ehrlich gesagt die große Entrüstung nicht.
    Natürlich hat sich der alte Herr im Ton vergriffen. Das lag sicher am Alter.
    Dass er was gesagt hat, finde ich allerdings absolut in Ordnung.
    Unsere Kinder sind im gleichen Alter und dürfen nicht einen Kick andeuten. Das ist nämlich nichts anderes als Gewaltandrohung.
    Dass sich Mitmenschen bei Gewalt einmischen, nennt man Zivielcourage. Ich würde mir wünschen, dass ein Erwachsener einschreitet, falls Kinder sich treten.
    Dass sich die Eltern dabei auf den Schlips getreten fühlen, ist für mich absolut zweitrangig und ein Zeichen von Unsicherheit.
    Ich bin großer Fan von Nicole Steininger, aber Ihren Kommentar empfinde ich ebenfalls nicht hilfreich. So eine Antwort könnte nur noch zu mehr Pöbelei führen und ich würde nun wirklich nicht vor meinen Kindern mit einem alten Herr streiten wollen.
    Man muss doch gar nichts erwidern und kann die Situation danach einfach mit den Kindern in Ruhe besprechen und sein Verhalten erläutern.

    1. Liebe „N“.

      Ich bin ja auch ein großer Fan von Zivilcourage. Das dürfen wir uns beide gerne auf die vor uns herwehenden schmetterlingsfarbigen wehenden Fahnen schreiben.

      Aber: Artikel gelesen und nachvollzogen?

      Die Mama saß (1!) neben (2!) beiden (3!) wohl unverletzten (!) Kindern, als der nette Herr sich zur Zivilcourage „bemüßigt“ fühlte.

      Übergriffiger wird´s nicht.

      „Gewalt“ funktioniert auch verbal; ein solcher Übergriff ist das Schulbuchbeispiel verbaler Gewalt. „Sie sollten…“ macht gezielt das Gegenüber klein, meist in der eher armseligen Absicht, sich selbst zu erhöhen. Hätte er sich auch nur irgendwie tatsächlich in der Situation besorgt, stand (saß) die Mama ja als (zuständige) Ansprechpartnerin da.

      Und „geht´s eigentlich noch“ ist – sic! – auch „agressiv“ aber so auf der Reaktionsskala im Angesicht der Übergriffigkeit das unterste Watteblällchen-Level. Ich bin mir sicher, dass die Autorin auch keine Lust hatte, sich vor ihren Kindern mit seltsamen Herren auf der Straße zu streiten.

      Welche Reaktion hätten Sie den vorgeschlagen?
      Serviles Nicken?
      Mit Kaffee & Süßigkeiten runterspülen?

  4. Zu dem Thema habe ich vor kurzem mal einen Artikel auf Spiegel Online o.ä. gelesen, der genau die Frage aufgriff, warum man eigentlich oft so sprachlos ist, wenn sich eine fremde Person einem selbst gegenüber definitiv grenzüberschreitend verhält. Der Artikel kam zu der Schlussfolgerung, dass man solche emotional aufgeladenen Grenzüberschreitungs-Situationen mit Fremden zu selten erlebt, als dass man zu einer schnellen Reaktion gut in der Lage wäre. Es fehlt die Routine.
    Ich persönlich finde es auch schwierig, einerseits schnell zu reagieren und etwas zu erwidern, mich aber andererseits nicht auf das Niveau der anderen Person herabzulassen. Ich habe aber festgestellt, dass ich aus der Erstarrung rauskomme, wenn ich einen Satz sage, der mir beim Autofahren sehr geläufig ist und mir oft über die Lippen kommt (wenn ich mich über andere Autofahrer ärgere): „Geht’s eigentlich noch?“ Das ist natürlich eher keine „angemessene“ Reaktion, aber mit diesem Satz gelingt es mir zumindest, meinen berechtigten Ärger auszudrücken, und der Satz hilft mir auch dabei, aus der Sprachlosigkeit „ins Reden“ zu kommen; er verschafft mir quasi Zeit für eine genauere sachbezogene Reaktion.
    Bei ganz klaren Grenzüberschreitungen ist es mir inzwischen im Zweifelsfall lieber, selbst unfreundlich zu werden, als in sprachloser Passivität dazustehen und mich hinterher über mich selbst zu ärgern.
    Wie Flo hier schon geschrieben hat, zu einem Fremden, der mir gegenüber übergriffig wird, muss ich nicht auch noch freundlich sein.

  5. Die Wut kann ich voll nachfühlen. Ich persönlich hasse es auch absolut, wenn sich irgendwelche fremden Leute in meine Erziehung einmischen.

    Ich finde, dass man in solchen Fällen gar nicht unbedingt schlagfertig sein muss. Aggression ist da wo sie berechtigt ist unglaublich befreiend. Wir sollten uns unseres gerechten Zornes nicht schämen. Statt irgendeine spitze aber letztlich doch nur passiv-aggressive Antwort wie „und Sie können sich mal abgewöhnen, sich in Sachen einzumischen, von denen Sie keine Ahnung haben“ rauszuhauen, verhalte ich mich in solchen Situationen lieber ganz unverblümt und offen meinem Zorn entsprechend.

    In diesem Sinne bin ich nicht in allen Fällen gegen Pöbelei. Klar sollte man nicht grundlos Menschen anpöbeln, aber wenn mir jemand wirklich querkommt, dann heißt mein Grundsatz „stand your ground“, auch wenn unsere nach außen hin aggressionsgehemmte (und gerade deshalb so latent aggressive) Gesellschaft das nicht so gerne sieht.

    Klar: Ich muss natürlich zugeben, dass ich als überdurchschnittlich großer und sehr breit gebauter Mann bei solchen Sachen respekteinflößender wirke als die meisten Frauen. Aber mit der entsprechend kompromisslosen Entschlossenheit kann auch eine Frau so einen Typen zum Zurückweichen bringen.

    Und eigentlich kann es uns doch auch egal sein, ob uns irgendein dahergelaufener Typ danach für „asozial“ hält. Wir leben nicht um irgendwelche Passanten glücklich zu machen und ich für meinen Teil dulde kein übergriffiges Verhalten mir oder meinen Kindern gegenüber. Im Zweifel pfeife ich halt auch auf soziale Konventionen und setze lieber ein klares Zeichen. Beim nächsten Mal traut sich der Typ das dann nämlich nicht mehr, wodurch ich die Welt (paradoxerweise gerade durch meinen eigentlich gesellschaftlich verpönten, weil aggressiven Auftritt) zu einem besseren Platz gemacht habe.

  6. Liebe Katharina,

    ich meinte auch nicht, dass man selbst pöpelt…Da setze ich einfach mal voraus, dass man das als normal denkender Erwachsener nicht tut. Ich meinte eher, dass man manchmal durch eigenes (gerade jetzt in Coronazeiten z.B. deutlich auftretendes Besserwisser-) Verhalten manche Reaktionen auch provoziert. Nur als Idee, denn ich fände es wirklich befremdlich, wenn man ständig/sehr oft so angegriffen wird (das Schimpfwort mit „F“ ist ja bereits ziemlich heftig), ohne dass eine eigene Verhaltensweise vorangegangen ist…Und wenn das tatsächlich so wäre, ohne dass mein eigenes Verhalten manches Mal dazu Anlass gibt, möchte ich dann wirklich, dass meine Kinder sowas ständig erst mit mir und dann spätestens im Schulalltag dann auch oft ungeschützt ohne mich erleben müssen?

    Beste Grüße

    1. In Berlin wird vor allem im Straßenverkehr gepöbelt, der Situation mit dem F-Wort ging voraus, dass ich mit meinem Lastenrad nicht schnell genug über die Straße kam und ein Herr deshalb kurz warten musste. Klar muss man sich selbst hinterfragen – wobei es für mich keinerlei Rechtfertigung gibt für solche Beschimpfungen. Wir sind ja vor ein paar Jahren an den Stadtrand gezogen, hier ist es merklich besser als in der Innenstadt, aber leider gibt es trotzdem immer wieder solche Szenen…

  7. Ich finde, am meisten Wind aus den Segeln nimmt man solchen Leuten wenn man selbst freundlich bleibt. Ich hätte gelächelt und gesagt: “Danke, Ihnen auch einen schönen Tag!“ 😊

  8. Hm, wir leben hier auch nicht komplett auf dem platten Land, in einem Vorort einer 300.000 Einwohner-Stadt, aber noch nie (!) ist mir jemand begegnet, der mir als Erwachsener den Stinkefinger gezeigt oder mich beschimpft hat….Und ich bin schon mehrere Jahrzehnte „erwachsen“….

    Ist das nun Zufall oder die Art, wie man auftritt? Oder vielleicht auch die, wie man sich selbst in Dinge, die einem auch nicht immer etwas angehen, einmischt?

    Abgesehen davon zahlt man natürlich auch einen gewissen Preis, wenn man in Berlin wohnt. Nicht umsonst ziehen viele mit ihren Kindern wieder dort weg, weil sie nicht wollen, dass diese in so einer Umgebung aufwachsen. Berlin für ein Wochenende, okay….Als Ort, an dem meine Kinder gesund groß werden können, niemals….

    1. Liebe Ina, das freut mich für Dich, dass du noch nie so einen Vorfall hattest. Ja, in Berlin ist das sicher anders – hier gibt es leider viel aggressive Menschen, die sehr gerne pöbeln. Wenn ich bei meiner Mutter im bayerischen Dorf bin, erlebe ich das auch nicht. Und so gibt es wahrscheinlich zu jedem Wohnort Vor-und Nachteile – das liegt dann im seltensten Falle an einem selbst. Jedenfalls habe ich noch nie jemand anders dermaßen bepöbelt.
      Alles Gute für dich

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