Nicole Staudinger: Frauen, vereinigt euch! Und seid keine Krabben…

Porträt Nicole Staudinger

Ihr Lieben, sagt euch der Krabbenkorb-Effekt etwas? Wenn man Krabben zusammen in einen Korb packt, dann braucht dieser keinen Deckel. Denn sobald sich eine Krabbe versucht rauszumogeln, hinauszusteigen, wird sie sogleich von den anderen zurückgezogen, hinuntergeholt. Da soll bloß keine ausbrechen. Bloß keine einen Schritt weiter machen. Hoch hinaus.

Nicole Staudinger, Schlagfertigkeitstrainerin und Bestseller-Autorin erzählt genau diese Anekdote auf ihrer Premierenlesung im Savoy in Düsseldorf, auf der großen Bühne. Der Startschuss für ihre neue Tour.

„Männer sind auch nur Menschen“

Mit ihrem fünften Buch „Männer sind auch nur Menschen(Affiliate Link) will sie kein Männer-Läster-Werk vorlegen (hat sie auch nicht, ich hab das Buch bereits durch), sondern sagen: Frauen dieser Welt, vereint euch!

Jaaa, schaut euch hier und da sogar mal was von den Männern ab… Und wenn eine Krabbe den Korb verlassen will – dann helft ihr mit ner Räuberleiter hoch hinaus und versichert ihr lieber, dass ihr sie schon auffangen werdet, wenn sie fallen sollte.

Traut euch! Helft euch! Glaubt aneinander!

Wir haben nicht alles in der Hand, aber den Umgang mit unserer Umwelt: den können wir ganz allein und selbstbestimmt steuern. Es liegt an uns, ob wir unsere Kumpel-Krabben auf ihrem Weg raus aus dem Korb unterstützen oder ob wir sie immer wieder runterziehen.

Ob wir alle zusammen von der Welt da draußen träumen oder schon mal ein paar ziehen lassen, um dann vielleicht später sogar selbst nachzukommen.

Frauen brauchen Unterstützung statt Neid

Kein Neid, nein, Unterstützung! Das brauchen wir untereinander. Denn wenn eins klar ist: Während im weiblichen Krabbenkorb Krabbe 1 Krabbe 2 wieder runterzieht und sich in Grabenkämpfen verliert, zieht ganz bestimmt ein männliches Wesen schnurstracks an uns vorbei und ist als Erstes am Gipfel, so beschreibt es Staudinger und erntet zustimmendes Nicken im Publikum. Wir brauchen Frauensolidarität!

Und die Autorin bringt weitere Beispiele an, bei denen wir uns etwas von den Männern abschauen können. Beim Thema Selbstliebe um Beispiel. „Die meisten Männer schauen an sich runter und finden sich naturgeil“, sagt sie.

„Stellt euch mal vor, es ginge Frauen ebenso!“ Alle Drogeriemärkte dieser Welt könnten schließen. Kein Concealer mehr, keine Anti-Cellulite-Creme, keine Abnehmpülverchen. „Sagt mal ehrlich, da gäbe es am Ende nur noch Klosteine.“

Warum trauen sich Männer mehr als Frauen?

Sie erzählt auch vom Rosenmontagszug in Köln, den sie vom zweiten Stock aus mit ihren Kindern anschaute. Sie konnte auf die Karnevalswagen schauen – und stellte massive Unterschiede fest.

Wenn sie lauthals KAMELLE schrie, um ein paar Bonbons oder Pralinen abzukriegen, war für die Männer die Challenge eröffnet. „Sie krempelten die Arme hoch, warfen, trafen 18km daneben und fühlten sich trotzdem wie die Superhelden.“ Und die Frauen? „Hehe, nee sorry, signalisierten die, das ist mir zu weit oben.“ Warum nicht einfach mal versuchen?

Seid mutig! Unterstützt euch gegenseitig! Seid loyal miteinander!

Das war die Kernmessage des Abends und es ist auch die Kernaussage ihres neuen Buches. Dafür hat sie mit der ersten deutschen Schiedsrichterin gesprochen („Hörten die Männer auf Sie?“ „Ja!“ „Wie funktionierte das?“ „Na, ich hatte doch eine Pfeife!“), sie hat mit Anwältin Nina Strassner über die Unsäglichkeit des Ehegattensplittings gesprochen („Mädels, Eheverträge kann man auch später noch machen, die sind IMMER gut!“), mit einer Frau, die ihr eigenes Leben für ihren Mann zurückstellte – und dann verlassen wurde.

Nicole Staudinger auf der Premiere von „Männer sind auch nur Menschen“ im Savoy in Düsseldorf.

Es ist kein Männerhasserbuch geworden. Kein feministisches Pamphlet. Es ist ein Aufruf zum Mutigsein, zum Heiterscheitern, zum Erkennen der eigenen Stärken (und Schwächen!), zum Überdenken des weiblichen Selbstbildes. Zum Erkennen, dass einige Dinge nicht zu ändern sind und wie wir uns mit viel Toleranz davon trotzdem nicht die Laune verderben lassen müssen.

50 verschiedene Möglichkeiten, zum Glück zu kommen

Staudinger führt dabei das wunderbare Bild eines Lehrers an, der sie am Vorstellungsabend der Waldorfschule ihres Örtchens beeindruckt hatte. Sie, die sie vorurteilsbehaftet dachte, hier würden doch eh nur Namen getanzt (ihre Kinder gehen mittlerweile beide auf diese Schule – seit Jahren), hatte da nämlich einen absoluten Schlüsselmoment.

Der Mathelehrer, der sie an Professor Dumbledore erinnerte, schrieb stumm folgende Aufgabe an die Tafel: „4 + 4 = …“ Staudinger sagte zu ihrem Mann noch: „Wenn der jetzt Neun schreib, gehen wir aber, okay?“ Aber dazu kam es nicht. „Vier und vier ist acht“, startete Dumbledore. „In jeder pädagogischen Form. Überall auf der Welt. Das bekommen wir hier auch nicht weggetanzt.“ Ach, guck an, dachte sie, der Mann hat Humor.

„Wenn wir die Aufgaben – des Lebens – aber so stellen, dann ist die Chance, dass die Kinder falschliegen, relativ groß. Neun ist falsch, sieben ist falsch, nur acht ist richtig. Es gibt nur eine einzige richtige Lösung. Wir versuchen hier, die Aufgaben ein bisschen anders zu stellen.“ Und dann drehte er sich wieder zur Tafel um und schrieb: „8 = 10 – 2 oder 16 : 2 oder 2 + 2 + 2 + 2 oder 400 – 392 …“ Dumbledore schrieb schließlich fünfzig verschiedene Möglichkeiten auf, um zur Acht zu kommen.

Offen sein für Neues! Vorurteile abbauen

Und da, sagt Staudinger, war genau der Punkt gekommen, an dem die voreingenommene Kwien (so nennt sie sich nach ihren Büchern Schlagfertigkeitsqueen und Stehaufqueen selbst) ihre gesamte bisherige Lebensweise hinterfragte.

„Wenn wir die Acht jetzt mal mit Lebensglück gleichsetzen, dann ist es also uns überlassen, wie wir dazu kommen. Ob mit Plus, Mal, Minus, Geteilt oder was auch immer. Vielleicht möchten wir auch montags Plus und donnerstags Mal.

Fakt ist, die Wege zur Acht sind so vielfältig, wie wir Menschen es sind. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, der für alle gilt. Im Prinzip ist das die Kernaussage all meiner Bücher, insbesondere der Stehaufqueen. Es gibt eben nicht DEN Weg, der aus einer Krise führt. Jeder braucht etwas anderes.“

Aber gegenseitige Unterstützung. Die brauchen wir alle.

„Haltet zusammen, Ladys und pusht euch. Denn dann, erst dann können wir beginnen, zu fliegen.“

Nicole Staudinger: Männer sind auch nur Menschen. Knaur. (Affiliate Link)

Foto oben: Stolli/Raschke Entertainment

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*