Leicht gesagt! Wie wir richtig rüberbringen, was nicht falsch ankommen soll

Besser kommunizieren

Foto: Stefan Neumann

Ihr Lieben, wie oft stehen wir da wie ein Ochs vorm Berg und wissen einfach nicht, was wir sagen sollen. Oder uns fällt erst im Nachhinein die eigentlich richtige Reaktion auf den Satz eines Kollegen ein… Wie wir durch Kommunikation bessere Beziehungen hinkriegen und warum wir uns eigentlich vor gar keinem Gespräch mehr fürchten müssen, erklärt uns Trainerin und Bestsellerautorin Nicole Staudinger heute. Ihr Buch „Leicht gesagt“ erscheint am 1.2.22.

Leicht Gesagt Cover
Nicole Staudinger: „Leicht gesagt

Liebe Nicole, wir kennen diese Situation wohl alle: Wir liegen abends wach im Bett, kommen nicht zur Ruhe, wälzen uns rum – und das alles nur, weil am Tag drauf ein wichtiges, berufliches Gespräch ansteht. Wie kannst du uns schon in diesem Bett-Augenblick helfen?

Am Allerbesten wäre es, wenn wir im Bett wohl Spaß hätten. Auf welche Art auch immer. Für Mamas ist ja acht Stunden Schlaf manchmal der größte Spaß 🙂 Im Ernst: Probleme wälzen im Bett, das führt ja höchstens zur Schlaflosigkeit.

Wenn aber vorher keine Zeit war, dann hilft womöglich die Frage: Was will ich mit dem Gespräch morgen erreichen? Also, wirklich wirklich erreichen? Ist es eher ein „Dem zeige ich es mal“ oder ist es „Ich will 450 Euro mehr Gehalt“.

Aber das ist doch wohl leichter gesagt als getan. Aufgeregt bin ich ja dann noch immer. Oder? Welche drei Superskills gibst du uns mit in unangenehme Berufsgespräche?

Das wäre dann das Erste, sich zu fragen: Was will ich? Für mich? Für die Beziehung? Und das klingt wirklich leichter, als es ist!

Der zweite Tipp wäre: Der richtige Ton macht die Musik.

Und der dritte: Hab ich die richtige Brille auf? Sprich: Ist mein Problem ein wirkliches oder ist es gar meiner Wahrnehmung geschuldet? Auch Letzteres bekommen wir hin, aber dann wäre der Gesprächseinstieg nicht ein: „Du hast mich da bloßgestellt!“, sondern eher ein „Auf mich wirkt es, als würde ich nicht ernstgenommen.“

Kommen wir ins Private. Wie schaffe ich es, meinem Partner oder meiner Partnerin etwas zu sagen, das vielleicht unangenehm wird? Dass ich seine Barthaare im Waschbecken nicht so supersexy finde oder dass ich mir was anderes im Bett wünsche oder dass ich vermute, dass er oder sie sich möglicherweise grad fremdverguckt hat…

Oh Gott, so viele ernste Probleme auf einmal! Zwei Beispiele davon habe ich tatsächlich im Buch ausführlich beschrieben, daher gehe ich jetzt mal auf das dritte ein.

Was mache ich, wenn ich glaube, dass sich mein Partner verliebt hat.

Fragen wir uns wie oben noch einmal: Was will ich? Für mich? Für die Beziehung? Und hier trennen sich die Antworten vermutlich schon. Denn, wenn wir ganz ehrlich sind: Will ich das denn überhaupt wissen? Solange es doch eine Schwärmerei ist, und nichts weiter passiert, könnte die ein oder andere Lady von uns ja auch sagen: „Ganz ehrlich? Soll er doch. Denn, wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann passiert mir das ja auch mal ab und an.“

Sollte aber mehr dahinterstecken, erkenne ich zum Beispiel Blicke bei ihm, die ich bei mir schon lange vermisse, dann: Ran ans Gespräch. Dann könnte ein „Was will ich?“ sein: Ich möchte, dass er in mich auch nochmal so verknallt ist! Und dann, könnte es so starten:

(Bei einem solchen Gespräch bitte gerne auf die Umgebung achten. In einem lauten Brauhaus vermag das etwas schwierig zu werden.)

„Schatz, ich bin jetzt mal ganz mutig und spreche dich auf etwas an, was mir nicht leichtfällt“ (Thematisiert ruhig euren vielleicht erhöhten Puls)

„Ok, jetzt bin ich gespannt.“

„Ich glaube zu beobachten, dass du Lieschen Müller total toll findest. Und das kann ich nachvollziehen, sie ist auch eine tolle Frau. Aber, wenn ich ganz ehrlich sein darf, es macht mich ein bisschen traurig, mit welchen Blicken du sie anschaust. Und wenn ich nochmal ehrlich sein darf: Ich finde, diese Blicke müssten deiner Ehefrau vorbehalten sein.“

Jetzt sind seine Reaktionen natürlich Mutmaßungen. Sollte er sich rauswinden mit „Was du wieder siehst…“ oder „Was ein Quatsch“, dann können wir ihn versuchen mit:

„Versteh mich nicht falsch, das ist kein Vorwurf und ich bin auch nicht sauer. Aber wir sind verheiratet und ich dachte, es ist wichtig für Dich, was ich dabei empfinde…“

Dann wären wir zumindest drin.

Ohne Vorbereitung laufen solche Gespräche meist eher so ab: „Du starrst die ja geradezu an!“ Oder Ähnliches. Versteht mich nicht falsch, das ist alles nachvollziehbar, aber es geht eben auch anders.

Angst vor Gespräch
Foto: Stefan Neumann

Und wie wird das mit der Kommunikation mit der Schwiegermutter etwas? Wenn sie sagt: Das Kind hat aber doch Hunger. Dabei hast du es doch grad gefüttert?

Wir haben ja nun auch die Schlagfertigkeit! Nicht alles verlangt ja ausgeklügelte Kommunikation. Und in meinem Buch Schlagfertigkeitskeitsqueen gibt es darauf viele Antworten. Eine wäre zum Beispiel: „Das Kind ist im Moment einfach nur müde.“ Oder etwas humorvoller mit „Du Fuchs“. Sollte die gute Schwiegermama aber andauernd solche Spitzen von sich geben, dann sind wir wieder in der Kommunikation. Denn die rettet den Konflikt, während Schlagfertigkeit eben nur den Moment rettet.

In einem ruhigen Moment unter vier Augen könnten wir dann das Gespräch mit Schwiegermutter suchen. Und dafür empfehle ich dringend die Wahrnehmung geradezurücken, denn dann ploppt ja ihr Beweggrund auf: Sie macht sich als Oma einfach nur Sorgen. Und vielleicht ist es auch gar kein Angriff. Mit dieser Einstellung finden wir schneller ins Gespräch.

Wie schaffe ich es, aufrichtig Entschuldigung zu sagen, wenn ich wirklich Mist gebaut habe und das merke. Es aber von zu Hause nicht kenne, dass sich entschuldigt wird…

Einfach machen! „Ich gebe zu, es fällt mir schwer und ich habe es auch zuhause nie gelernt. Aber ich versuche es trotzdem: Ich glaube, ich habe Mist gebaut. Und dafür möchte ich mich entschuldigen!“

Wenn ich viel Gutes gebe, bekomme ich auch viel Gutes zurück. Gilt das nicht nur fürs Leben insgesamt, sondern auch für unsere Kommunikation?

Ganz sicher tut es das. Ich glaube fest daran: Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es hinaus. Ein Job ist nix Gottgegebenes. Entweder ich kläre es oder ich gehe. Ich habe im Buch einen ganz konkreten Leitfaden für schwierige Gespräche. Aber kein Leitfaden garantiert, dass mein Gegenüber das macht, was ich will. Es ist ja kein Hypnosebuch.

Mit keinem Buch von mir bekommen wir das Gegenüber geändert, aber vielleicht den Mut, zu gehen. 

Welche Sätze sollten unsere Kinder möglichst oft zu hören bekommen (selbst wenn wir manchmal das Gefühl haben, wir umarmten einen Kaktus)?

Gerade heute Morgen sagte ich zu meinem Großen: „Wow! Irre!! Ich flippe aus! Ein T-Shirt hat es IN, IIIIIIN den Wäschekorb geschafft! Applaus!“ 

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2 comments

  1. Wenn ich viel Gutes gebe, kommt auch viel Gutes zurück.
    Genau das glaube ich nicht. Das ist eher der Wunschgedanke und weckt Erwartungen, die selten erfüllt werden. Ich habe eher erlebt, dass derjenige nicht ernst genommen wird, eher sogar belächelt und ausgenutzt wird, ihn sogar für dumm halt.

  2. So richtig zündend fand ich das jetzt nicht. Der letzte Spruch in Richtung Sohn ist sogar total kontraproduktiv. Denn das ist kein Lob dafür, dass er etwas richtig gemacht hat, sondern in Sarkasmus verpackte Kritik daran, dass es sonst nicht klappt. Das ist zwar menschlich, aber nicht hilfreich. Der Sohn lernt: Wenn er nicht macht, was er soll, ist Mama giftig. Wenn er etwas richtig macht, ist sie auch giftig und er fühlt sich darüber hinaus noch ungerecht behandelt. Dann macht man doch lieber nichts und wird wenigstens zu recht kritisiert.

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