Wie kann ich meinem extrem schüchternen Kind helfen?

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Mein Name ist Lotta, mein Sohn Henry ist fünf Jahre alt, das letzte Kitajahr hat begonnen. Henry ist unser zweites Kind, sein großer Bruder ist acht Jahre alt.

Henry ist ein lustiger, freundlicher, aufgeweckter Junge – solange er bei uns zu Hause ist. Außerhalb der eigenen vier Wände ist er EXTREM schüchtern. Bis heute schafft es es kaum, seinen Erzieherinnen (die er seit vier Jahren kennt) in die Augen zu schauen, wenn er mit ihnen redet. Auch bei Oma und Opa ist immer ein Abstand da, wenn sie zu Besuch kommen, verkriecht er sich am Liebsten im Zimmer.

Er hat natürlich auch Schwierigkeiten, Freunde zu finden. Verabredungen klappen mehr schlecht als recht. Meist sitzt er neben mir auf dem Sofa oder spielt alleine am Boden neben mir. Schwimmkurse, Übernachtungen bei den Großeltern, ein Abend mit einem Babysitter – das ist alles nicht möglich.

Bisher habe ich das alles aufgefangen, mir gedacht, dass er halt so ist. Aber ich habe schon ein wenig Bammel, weil er ja nächstes Jahr in die Schule kommt und ich nicht möchte, dass er in der Klasse der Sonderling wird.

Körperlich und geistig ist bei Henry alles ok, unser Kinderarzt ist großartig und hat das sehr im Blick und ich weiß ja auch, wie clever und lustig Henry sein kann – wenn wir eben alleine sind.

Ich würde mich sehr freuen, wenn es hier noch Eltern von sehr schüchternen Kindern gibt, die mir von ihren Erfahrungen erzählen.

Foto: Symbolbild Pixabay

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14 comments

  1. Hallo, mein Ältester (8) hatte im Kindergarten auch das Problem, dass er mit niemanden gesprochen hat. Wir waren im heiltherapeurischen Reiten und 2x bei einem Psychologen, um abzuklären, ob er ADHS/ADS, Autismus oder selektiven Mutismus hat. War zum Glück alles nicht der Fall. Bei uns hieß es er sei nicht schulfähig. Ich habe dann beim Eltetnabend mit seiner Klassenlehrerin gesprochen und es war super. Er geht gern in die Schule, es war alles kein Problem. Es verwächst sich. Auch heute ist er noch sehr zurückhaltend. Er wollte partout kein Seepferdchen machen. Ich sagte ihm, dass er das schafft. Auch da blockte er ab. Erst als ich fragte ob ich zuschauen soll und mitlaufen soll hat er sein Seepferdchen gemacht. Er war stolz wie Bolle.
    Ich würde abklären lassen beim Psychologen, vllt auch etwas heiltherapeutisches machen und mich dort in Bezug auf die Schule beraten lassen. Alles andere kommt, auch wenn es länger dauert, von ganz alleine. Wichtig ist kein Druck auszuüben auch wenn es anstrengend ist.

  2. Hallo Lotta,
    ohne dass ich die Ausprägung natürlich abschätzen kann würde ich sagen: Stress dich und deinen Sohn nicht. Der ausschlaggebende Entwicklungssprung steht vielleicht noch bevor. Woher ich das „weiß“? Ich habe 3 Kinder, die beiden Großen sind sehr schüchtern und zurückhaltend. Vielleicht nicht ganz so wie bei dir (Großeltern sind als Kontakt ok), aber schon ungewöhnlich, verglichen mit dem Umfeld. Mein Ältester hat wie am Spieß geschrien, wenn er fremden Personen begegnete bis er etwa 4 war. Meine Tochter (6) hat bisher auch noch nie irgendwo mitgemacht: kein Schwimmen, kein Tanzen- was Gleichaltrige problemlos machen. Kindergarten war 2 Jahre lang eine Qual für alle. Im dritten Jahr legte sich ein Schalter um und sie ging gerne hin. Noch immer will sie nirgendwo mitmachen, trifft nur eine Freundin ab und zu mal.Jetzt steht die Einschulung an und braucht unser aller Mut. Sie steht dem positiv gegenüber, aber ich habe, dass es eine harte Zeit wird. Neue Bezugspersonen, neue Umgebung, lauter fremde Kinder. Aber sie wird sich auch dort einleben. Irgendwann.
    Dann sind unsere Kinder halt ruhiger. Na und?
    Mein Großer hat irgendwann aufgehört zu schreien und ist durch die Grundschule jetzt durch. Hat dort eher lockere Bekanntschaften geknüpft als Freundschaften, hat sich durch seine ruhige Art aber auch immer raushalten können, wenn Konflikte zu eskalieren drohten. Er hatte die Vorbildfunktion der Klasse inne. Zurückhaltung muss also nicht immer negativ sein.
    Ich selber bin keine Spezialistin, aber auch kein Fan davon Kinder immer zu Therapien und Förderung zu bringen. Jedes Kind ist anders und nicht „kaputt“ nur weil es nicht der Norm zu entsprechen scheint. Auch verursachen solche Termine sicher zusätzlichen Stress für diese zurückhaltenden Kinder.

    Mein Tipp: bleib zuversichtlich! Vielleicht wird der Schalter noch umgelegt. Und bis dahin stärke das Selbstbewusstsein deines Sohnes. Erzähl ihm, wie wunderbar er ist und genau richtig, wie er ist. Das wird seine Basis sein, um gut durchs Leben zu kommen. Und ruhige Kinder sind nicht zwingend Außenseiter. Das weiß ich nun aus Erfahrung 🙂

  3. Wir haben auch gleich diese Fall bei unsren Tochter.
    Ich empfehle dass sie ein Logopädin finden und denke wird besser.
    Unserm Tochter hat sich verbessert.
    Für weitere Fragen einfach schreiben

  4. Hallo!
    Wir hatten ähnliche Probleme mit unserer Tochter und haben uns Gott sei Dank schon früher Hilfe geholt (als sie ca 4 war). Zuhause was sie fröhlich und lustig und hat gesungen und gelacht. Im Kindergarten hat sie weder mit Erziehern noch mit Kindern gesprochen (wenn dann nur mit ausgewählten oder mit ihrem Bruder).
    Eine Kinderpsychologin hat uns sehr geholfen, Ängste zu überwinden. Es hat eine weile gedauert, aber dann ist bei ihr der Knoten geplatzt und es ging viel besser. Natürlich ist sie immer noch sie selbst, aber sie traut sich mit Erziehern (jetzt Lehrerin und im Hort) zu sprechen, wenn sie z.b. ein Problem hat.
    Holt euch Hilfe, es kann euch nur weiterbringen.

    Alles Liebe und einen guten Sculstart!

  5. Ich würde euch raten selbst so bald wie möglich eine/n Kinderpsychologen zu suchen. ( ja ich kenne den Aufwand und die Wartelisten) Frühförderung ist da zu langsam und zuwenig. Es wäre sehr wichtig das vor der Schule zu bearbeiten und das dauert auch. Dieses starke “ Fremdeln“ ( hatte mein Jüngerer auch) hätte allerdings auch von der Kita schon bemerkt und entsprechend angesprochen werden müssen. Das ist nichts Schlimmes und geht auch, MIT THERAPIE, gut vorbei aber es braucht therapeutische Unterstützung von außen.

  6. Meine Tochter hat in dem Alter mit fast niemandem außerhalb der Kernfamilie gesprochen, lediglich unbeobachtet mit ihren Freundinnen und unserem Kinderarzt. Auf meinen Wunsch hin wurde eine Diagnostik durchgeführt und die Diagnose Selektiver Mutismus gestellt. Vielleicht findest du da Parallelen?
    Spricht dein Sohn mit anderen Personen außerhalb seines sehr engen Umfeldes?

  7. Hallo, ich kann mich selbst mit dem Verhalten des Sohnes identifizieren. 27 Jahre später besteht endlich ein Verdacht woher es kommt. Denn schüchtern fühle ich mich nicht, bin aber bei sozialen Situationen extrem überfordert. Das hat meine Vergangenheit zur Hölle gemacht. Bitte bringe dein Sohn zu einem Spezialisten, der sowohl auf ADHS/ADS als auch auf Autismus spezialisiert ist. Es muss keine ausgeprägte Form sein, deshalb kann ein einfacher Kinderarzt oder Psychiater ohne diese Weiterbildung nicht erkennen und Stempelt fatalerweise schnell als schüchtern ab. Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.

  8. Meine mittlere Tochter ist und war auch extrem schüchtern.
    Sie ist 5 Jahre alt. Was mich manchmal traurig stimmt ist, dass sie sich selbst im Weg steht.
    Während kind 1 (7 Jahre) und Kind 3 (fast 4 Jahre) mit Rückversicherung und Zuspruch eigene Hürden nehmen ist bei ihr nicht daran zu denken.
    Kinderchorsituation. Alle möchten hin, Gemeindehaus ist bekannt, gesangslehrerin bekannt. Kind 1 läuft rein, weiß das ich sie abhole. Kind 3 muss reingemacht werden, zeige ihr wo ich warte. Kind 2 geht wieder mit mir. Es ist nichts zu machen und zuhause merke ich ihr an wie traurig sie selber darüber ist.
    Geholfen hat eine tiergestütze Ergotherpaie mit Mama. Es gab Situation wo ich ihre Schüchternheit unbewusst verstärkt habe. Dort gehen wir immernoch hin.
    Jetzt steht die Entscheidung aus ob wir eine Einschulung mit I-Kraft ansteuern sollten oder nicht.
    Es geht nicht darum ein Kind in eine Norm zu drücken. Aber es ihr im Leben leichter zu machen und nicht noch verstärken.

  9. Hallo,

    schüchtern zu sein ist okay und lässt häufig nach im Grundschulalter.
    Aber ich verstehe deine Sorge.
    Ich selbst war auch schüchtern in dem Alter und in der Schule legte ich es nach und nach ab und hatte keinen Nachteil.
    Wichtig ist, finde ich, das Kind nicht denken zu lassen, dass etwas nicht mit ihm stimmt.
    Schüchtern zu sein ist kein Makel.
    Meine Tochter war sehr schüchtern mit 5. Sie stand sich selbst im Weg damit.
    Wir haben sie ganz viel positiv bestärkt, bei Dingen die sie gut konnte, aber auch Dinge wo sie viel Mut aufwenden musste. Dann war sie jedesmal stolz auf sich, wenn sie Erfolg hatte. Und sie wurde weniger ängstlich und selbstbewusster. Wir haben sie auch bei einem Mannschaftssport und später im Kinderchor angemeldet. All das half ihr, ihre Stärken zu finden und ihre Angst zu verlieren. Das war auch der Rat der Kinderärztin.
    Ich wünsche euch ganz viel Erfolg. Und liebe Grüße

  10. Hallo,
    belies dich Mal zum Thema selektiver Mutismus. Ich erkenne in deiner Beschreibung an vielen Stellen unsere Tochter (7) wieder und das war/ist Teil unseres Problems und wir arbeiten daran.

    Nichts desto trotz möchte ich dir auch Mut machen. Ich habe auch gebangt, wie unsere Tochter klar kommen soll in der Schule. Aber entgegen aller Erwartungen ist sie regelrecht aufgeblüht. Sie ist immer noch sehr zurück haltend, aber viel selbstbewusster, als noch vor einem Jahr und wird in der Klasse geschätzt.

    LG Camilla

  11. Wann ist er denn fünf geworden? Besteht eine Chance ihn ein Jahr später einzuschulen?
    Unser Sohn ist/war genauso wie du hier Henry beschrieben. Keine unbekannten Gruppen, keine Übernachtungen, höchstens mal ausnahmsweise bei den Großeltern, die er sehr gern hat. Trotzdem ist er bei den Kindern sehr beliebt. Meist müssen wir Eltern für ihn sprechen. Das eine Jahr mehr im Kindergarten hat bei uns sehr viel gebracht. Also einfach noch ein Jahr mehr Zeit. Er ist immer noch schüchtern. Das wird auch so bleiben. Aber er hat sich jetzt in einen schwimmkurs getraut. Zu einer Geburtstagsfeier ohne uns und kann manchmal auch ein Eis bestellen. Oftmals müssen wir immer noch für ihn fragen, aber es klappt alles dennoch etwas offener. Dem schulstart sehen wir nun gelassener entgegen. Wir haben keine Förderung oder so gebraucht. Eine loebevollenuntersrützung von uns Eltern, Großeltern, Freunden und auch der neuen Erzieherin. Er musste in eine neue kitagruppe. Das war aber auch eine gute Übung.
    Er ist auch clever, intellektuell hätte er es letztes Jahr sicher auch in der Schule geschafft, aber auch die emotionale reife ist ja ein entscheidender Punkt.
    Ich persönlich hätte ihn jetzt nicht in eine frühförderstelle gebracht. Die Idee hatte ich überhaupt nicht und wurde auch nicht an uns herangetragen. Ich denke es gibt auch schüchterne Kinder und mag es ehrlich gesagt auch nicht so, wenn immer gleich was diagnostiziert wird/werden soll. Was aber nicht heißt, dass es nicht auch hilfreich ist. Es hat sich für uns aber nicht wie eine entwicklungsstörung angefühlt und es wurde auch nie von irgendjemanden so an uns herangetragen.

    1. Vivi
      Es ist ein großer Unterschied zwischen schüchtern und sozial komplett gehemmt. Oder wenn diese Problematik sich verstärkt trotz zunehmendem Alter. Es geht NICHT darum abzustempeln sondern den Kindern zu helfen. Ohne diese soziale Interaktion/ Kompetenz haben es Kinder spätestens in der weiterführenden Schule schwer. Da ist es wichtig die Ursachen zu finden und das Kind RECHTZEITIG zu stärken. Nicht Druck auszuüben. Kinderpsychologen therapieren spielerisch, nicht so wie bei Erwachsenen.

  12. Ich, 38 Jahre alt, Mama einer 3-jährigen Tochter, kann nur davon sprechen, wie es für mich als Kind war. Natürlich lässt sich das nicht auf eure Situation übertragen, aber vielleicht kann es eine Anregung sein.

    Damals ging es mir ähnlich, ich habe mich vor fremden Erwachsenen regelrecht versteckt und war extrem schüchtern, traute mich kaum zu sprechen oder mich zu zeigen.
    Bei mir lag es daran, dass ich mein wahres Selbst nicht zeigen oder leben durfte, weil ich „zu viel“ war oder mich so fühlte, und nicht gehört oder gesehen wurde, wie ich es gebraucht hätte. Da waren andere Themen meiner Eltern auf dem Tisch, die Raum brauchten. Ich habe mich als nicht wichtig empfunden und als unerwünscht, wie ein Anhängsel.
    So war es für mich. Lösen konnte ich das erst, als ich mich zunehmend von meinen Eltern unabhängig gemacht habe und selbstständiger wurde. Je mehr ich an Selbstbewusstsein gewann, desto besser wurde es.
    Also die Frage, die du dir stellen könntest, wäre: Fühlt sich dein Sohn wichtig, wertvoll und gesehen von seinen Eltern? Kennt er seinen Wert und bekommt er das auch gespiegelt?
    Und auch: Wie fühlst du dich selbst als Mutter mit dieser Situation? Unsere Kinder haben ja oft die Weisheit, uns intuitiv zurückzuspiegeln, wie es ihnen geht.

    Mein Tipp: Schau gerne mal in die Bücher von Udo Baer über Kinder.

  13. Hi,
    Das ist toll, dass Henry auch diese lustige Seite hat. Ich denke, es wird Zeit, dass Henry nicht nur von Euch unterstützt wird. Und während ich das schreibe, merke ich, wie ich ins Kopfschütteln komme. Wenn ich mir überlege, dass ein Kind 4 Jahre in einer Einrichtung nicht wirklich ankommt und es kein Gedanke/ Vorschlag gibt mal z. B. mit einer Frühförderstelle genau hinzuschauen, ist schon ein Ding. Warum? Dein Sohn ist still und nervt nicht, so ist meine Fantasie.
    Was Du beschreibst, geht über altersgemäße Schüchternheit hinaus. Es wird sich auch nicht einfach auswachsen. Schüchterne Kinder brauchen länger und mehr Rückversicherung, aber dann kommen sie auch selbst. Deine Sohn will oder kann nicht ohne Begleitung in Kontakt kommen. Dafür kann es viele verschiedene Gründe geben.
    Ich würde an Deiner Stelle mit der Frühförderstelle Deines Landkreises Kontakt aufnehmen. Deren Aufgabe ist es eine umfangreiche Diagnostik zu machen. Diese sollte zumindest, neben Gesprächen mit den Eltern , auch mit den Erziehenden der Kita sprechen und dort eine Verhaltensbeobachtung machen. Wenn es toll läuft, gibt es auch eine Psychologin, die ein paar Entwicklungstests macht. Dann könnt Ihr gemeinsam besprechen, welche Hilfe für Henry sinnvoll ist. Da gibt es viele Möglichkeiten z. B.Heilpädagogik im einzel oder im Kindergarten. Integrationshilfe in der Gruppe. Mit und ohne Erziehungsberatung. Alternativ gibt es auch Erziehungsberatungsstellen. Auch Sozialpsychiatrische Kinderpraxen bieten z. B. Gruppenangebote für sozial unsichere Kinder an. Und natürlich gibt es auch Kinderpsychotherapeuten. Ich kann Euch versichern, Henry kann dort überall richtig gute Unterstützung bekommen. Seine introvertierte Art wird gewiss bleiben, aber hat gute Chancen soziale Fertigkeiten nachzulernen und Ängste zu überwinden. Nur ich denke, er/ihr braucht dafür mehr Hilfe.

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