Gastbeiträge

23/01/2017 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Gastbeitrag von Katja: Seit ich Mutter bin, gibt es mein altes Leben nicht mehr...

Als ich mich heute morgen in dem großen Spiegel im Flur sah, musste ich plötzlich laut los lachen. Die Schlafanzughose, die ich trug, war mehr als reif für die Waschmaschine. Meine Haare waren wild irgendwo am Hinterkopf zusammen geknotet und überdimensional große Augenringe schmückten mein Gesicht. Ich guckte mich ein zweites Mal wirklich erstaunt an. Und setze mich dann auf den kalten Flurboden und heulte. 

Aber von vorne. Ich heiße Katja, bin 33 Jahre alt und war bis vor Kurzem in einer großen Werbeagentur tätig. Ich hatte mein eigene Team, das ich führte und für das ich verantwortlich war. In Konferenzen stand ich selbstsicher vor 50-60 Leuten, erklärte meine Ideen, überzeugte, stritt, argumentierte. 

Ich war eine sportliche, schlanke Frau mit einem Hang zu coolen Klamotten. Alle sechs Wochen außerdem Friseur, alle zwei Monate Maniküre und Pediküre. 

Nun bin ich nicht mehr nur Katja, sondern auch die Mutter von Mats, 4 Monate alt. 

Ich bin auf einmal die moppelige, haarige und ungepflegte Version von der Katja, die ich mal war. Alles an mir ist weich und riesig. Mein Bauch, mein Po, mein Busen. Meine Haare sind strähnig, meine Beine unrasiert, meine Fingernägel nicht lackiert. 

Ich bin nicht mehr schlagfertig, nicht mehr witzig, nicht mehr kreativ. Mein einziges Argument meinem vier Monate alten Sohn gegenüber ist, meine Brust heraus zuholen - anders kriege ich ihn nicht ruhig. 

Ich, die immer dachte, mit Power und Fleiß, ist alles zu schaffen, verzweifel plötzlich an einem kleinen Jungen. 

Nie nie nie nie hätte ich gedacht, dass sich das Leben so verändert, wenn man Mutter ist. Wobei - eigentlich hat sich nur MEIN Leben verändert. Mein Mann sieht nach wie vor toll aus, wenn er ins Büro oder vom Büro kommt. Er hat nach wie vor spannende Meetings und tolle Kunden. 

Manchmal, wenn Mats richtig schlecht drauf ist, mache ich die Augen zu und träume mich weg. Irgendwohin, wo es richtig still ist. Wo kein Kind schreit, wo ich nicht stundenlang den Kinderwagen durch die Gegend schiebe, wo ich nicht panisch durch den Supermarkt hetze, weil ich Angst habe, das Baby könnte gleich aufwachen. 

Bevor jetzt hier der Shitstorm los geht: Natürlich liebe ich meinen Sohn. Ich würde, ohne zu zögern, mein Leben für ihn geben. Wenn man ehrlich ist - habe ich ihm bereits mein Leben gegeben. Von dem, wie es war, bevor er kam, ist nichts mehr übrig. 

Von all dem, was ich füher gerne gemacht habe, nehme ich gerade Abstand. Ich gehe abends nicht aus (wer passt auf Mats auf? Ich stille ja noch voll und er schläft absolut unberechenbar), ich mache mich nicht schick (mir passt ja auch nichts mehr), ich treffe kaum noch Freunde (weil ich Angst habe, die kippen um, wenn sie mich sehen). 

Vielleicht lache ich in einem halben Jahr über diesen Text. Vielleicht erlange ich meine Selbstsicherheit wieder, vielleicht auch meine alte Figur. 

Ich lerne extrem viel über mich selbst. Was bleibt von mir übrig, wenn man all das abzieht, was früher einmal wichtig war? Was ist wirklich die pure Katja? 

Diese Zeit - das ist sicher - ist die wichtigeste Lektion in meinem Leben!

 

Foto: Pixabay

Tags: Mutterschaft, Elternschaft, Liebe, Kinder, Kind, Familie, Veränderung

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Kommentare

Sabine — Mo, 01/23/2017 - 07:56

wieder, versprochen. Nicht von heute auf morgen sondern in kleinen Schritten, aber das wird wieder! Lass ein bißchen los und gib dir die Zeit die du brauchst unbeeindruckt von den Vorstellungen anderer, der Medien oder deines früheren ich. Und das ein vier monatiges Baby sich nur an der Brust beruhigt ist ziemlich normal. Einfach immer mal wieder etwas ausprobieren mit der Zeit spielt sich das ein. Liebe Grüße

Tanja — Mo, 01/23/2017 - 08:04

... so hatte es sich für mich angefühlt. Auch etwa 4-6 Monate nach Leonards Geburt. Ich befand mich in einem Zustand zwischen Über- und Unterforderung. Ich wusste nicht mehr wer ich war. Und heute, vier Jahre später kann ich das alles erst erkennen in dieser Klarheit. Mich hat das so beschäftigt und ich habe so gekämpft (wofür? Ich weiß es nicht!), dass ich mich nun ausgebrannt und haltlos fühle. Ich bin so beeindruckt von Deinem Text, Katja! Wie Du das alles mittendrin sehen kannst... wie Du das als Lektion erkennst. Eines ist ganz sicher... Nichts bleibt, wie es jetzt ist... aber auch nichts wird wie es vor Mats Geburt war. Aber ich wünsche Dir von Herzen, dass Du in ein paar Monaten in den Spiegel schaust und Dich erkennst... Als die Frau & Mutter, die Du richtig gut findest und magst! Liebe Grüße & beste Wünsche zu Dir... Tanja

Caro — Mo, 01/23/2017 - 09:15

Mir ging es genauso. Es ist ganz normal. 4 Monate! Er ist noch so klein. Mein Sohn ist jetzt 4, ich habe mich nach langer Überlegung von dem Vater getrennt, der mich nicht in der Form unterstützt hat, die ich mir gewünscht hätte, nach einer kurzen Durststrecke läuft es in meinem Job besser als vorher und bis auf meine Brüste, die deutlich kleiner sind als vorher, hat sich sogar meine Figur regeneriert (was ich wirklich nie gedacht hätte). Ich war eine Hormonbombe! Jetzt ist alles wieder normal. Viel Kraft wünsche ich dir!

Simone — Mo, 01/23/2017 - 09:20

Ganz bestimmt! Ich fühlte mich auch ausgebremst, überfordert, verletzlich, überfahren von soviel Verantwortung und gleichzeitig so wenig Selbstverantwortung. Und das alles gleichzeitig war zuviel für mich und mein Selbstbild von vor der Geburt. Aber es wir besser, man findet seine (neue) Mitte, kann beruflich wieder Fuß fassen. Nur das Beine rasieren und der regelmäßige Friseurbesuch, diese Dinge klappen bei mir immer noch nicht regelmäßig ;-).

Therese — Mo, 01/23/2017 - 09:24

Alles wird gut! Warum ich das weiß? Ich arbeite selbst seit 12 Jahren in einer nicht mehr ganz kleinen Werbeagentur und habe in dieser Zeit nun 3 Kinder bekommen. Mein Großer wird morgen 10 (wow, wo ist die Zeit hin?), meine Mittlere ist 6 und meine Kleinste wird in 14 Tagen 1 Jahr alt und ich kehre dann wieder zurück ins Agenturleben. Beim dritten Kind war ich nun 1 Jahr daheim, bei den vorigen nicht so lang. Bei jedem Kind war ich aus dem Agenturleben fast komplett raus - jedenfalls kenne ich das Spiegelbild, welches du beschreibst. Und ehrlich, weiß ich momentan auch noch nicht ganz, wie ich es in 14 Tagen schaffen soll, dass wir um kurz nach 7 das Haus verlassen und ich dann "arbeitsbereit" aussehe... Die Kleinste ist momentan auch noch weit entfernt, vom durchschlafen. Aber es wird. Am Anfang ist einem vieles neu in der Agentur: neue Kollegen, neue Kunden, evt. andere Aufgaben. Aber man findet sich schnell zurecht - und bei mir war es bisher immer so, dass meine Chefs meine Arbeit jedes Mal umso mehr geschätzt haben. Nach Kind drei bekomme ich einen neuen Aufgabenbereich, weniger Kundenbetreuung, da meine Vertretung wirklich super ist. Aber der neue Bereich war vorher schon ein Teil meiner Arbeit und ich kann mich dann umso mehr darauf konzentrieren. Spannend. Was ich nicht mache, ist Vollzeit arbeiten. Aber das klappte auch immer super. 30 Stunden in dem ich voll und ganz im Büro bin. Und zur Not ist man mobil ja auch erreichbar. Natürlich keimt manchmal in mir auch der Gedanke auf, was wäre, wenn ich nicht Kinder hätte? Aber das "wenn" will ich nicht. Das wäre nicht ich. Ich möchte Familie und Beruf - und bisher hat es super geklappt. Es wird stressig sein, aber auch schön. In diesem Sinne: Kopf hoch, Tränen trocknen, Krönchen richten und nach vorne schauen. Du wirst deinen Platz wieder finden! Da bin ich mir sicher!

Katja — Mo, 01/23/2017 - 09:30

Liebe Katja, Als ich Deinen Text las, war es, als hätte ich mir selbst geschrieben! Ich heiße auch Katja, werde nächste Woche 33 und habe ein Baby von 6 Monaten. Bis vor einem Jahr habe ich selbstsicher meine Frau vor Schülern, Eltern und Kollegen gestanden. Ich habe mich natürlich auf meine Tochter gefreut, aber ich merkte auch schon während der Schwangerschaft, dass ich anders war als andere werdende Muttis - ich betonte immer wieder, dass ich auch weiterhin Katja die Lehrerin, Katja die Tänzerin und Katja die Freizeitradlerin sein werde und sich das Kind an mein Leben, und nicht umgekehrt, anpassen müsste. Sprüche wie, "es verändert sich ALLES!" Habe ich mit einem Lächeln kommentiert. Ich konnte mir nicht vorstellen dass ich wirklich alles verändert. Aber ich musste tatsächlich erkennen, dass sich wirklich alles verändert hat. Ich konnte nicht mehr laute Musik hören, kein Fahrrad mehr fahren, keinen Schmuck mehr tragen, aus Angst das Baby zu verletzen, ich habe mich vernachlässigt, und habe teilweise ähnliche Situationen wie du vor dem Spiegel erlebt. Ich war nur noch Mutter, teilweise auch nur noch Brust. Reduziert, kein Individuum mehr. Inzwischen habe ich Teile meines alten Lebens wieder zurück bekommen. Ich denke, dass es Dir ähnlich gehen wird in einiger Zeit. Wenn du Lust hast, dich ein bisschen aus zu kotzen dann schreib mir gerne! Ich bin mir sicher, dass sich alles wieder einrenken wird, und du dein altes Leben Stück für Stück wieder erlangen kannst. So geht es mir jedenfalls. Schreib mir gerne, ich freue mich! Deine Katja

Barbara — Mo, 01/23/2017 - 10:32

Liebe Katja, ich sitze hier neben meinem 10 Wochen alten Sohn und bin Dir so dankbar, dass Du in Worte gefasst hast, wie es mir geht. Ich habe mich so auf meinen Sohn gefreut, konnte mir im Traum nicht vorstellen, wie krass die Veränderung mit Kind sein wird. Vor allem in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt (die ja nun auch noch nicht soooo lang her ist), hab ich gehadert. Nicht mit meinem Sohn, denn der ist wirklich lieb und zuckersüß. Nein, ich habe damit gehadert, dass es mein altes Leben, das ich sehr genossen habe (ich bin auch Lehrerin wie die Katja des vorangegangenen Textes), nicht mehr gibt. Ich habe immer zu meinem Mann gesagt, dass es mir vorkäme, als hätte Jemand die Welt grün angestrichen und alle finden das super, nur ich stehe da und könnte heulen, weil eben alles grün ist und keiner versteht mich und alle sagen nur: "Ist doch super, die Welt ist grün, von heute auf morgen. Freust Du Dich nicht?" Nun ja, wenn man das Gefühl hat, alles aufgegeben zu haben, was einem lieb und teuer war (und ich weiß, dass das undankbar klingt), ist das eben so ne Sache mit dem "sich freuen". Ich passe in keine Klamotten mehr, mehr Bauch sieht aus, als wäre er ein überdimensionales ausgeleiertes Hemd und mal schnell zum Sport zu gehen oder das Stoffwechselprogramm durchzuziehen, dass man bisher immer mal wieder für sich gemacht hat ---undenkbar! Lackierte Fingernägel, sich schminken, Schmuck....ich kann es sooooo gut nachvollziehen....ist hier auch nicht mehr. Und all das war (vielleicht ein oberflächlicher aber dennoch mir zugehöriger) Teil meines alten Lebens. Aber es wird besser denke ich, Stück für Stück. Und wenn man erst wieder in seinem alten Job ist (so hoffe ich das zumindest), wird es vermutlich zwar noch stressiger als es jetzt ist, aber ich glaube auch, dass man dennoch zufriedener wird, da man die berufliche Anerkennung wieder hat und den Input von Erwachsenen und da es dann auch andere Themen jenseits von Stillen, Wickeln und schlaflosen Nächten geben wird. So stelle ich mir das zumindest vor. Ich drücke uns jedenfalls die Daumen, dass wir unsere Mitte wiederfinden, vielleicht ein bisschen unsere alte Figur wiedererlangen (und wenn nicht, dann wenigstens mit der neuen Frieden schließen) und dass wir bald wieder unser altes Leben zumindest in Teilen wiedererlangen. Toitoitoi und positiv bleiben... Alles Liebe Barbara

Katja — Mo, 01/23/2017 - 11:23

Liebe Katja, ich musste gerade echt schmunzeln und gleichzeitig wurden meine Augen feucht... halt durch!!! Es wird besser. Nie mehr so wie vorher, das stimmt, aber anders gut - anders besser! Du bist gerade in der extremsten Phase. Als ich die ersten Monate mit meiner Tochter (die auch noch ein Schreibaby war) zu Hause war, hab ich gedacht: Warum hab ich mir das angetan? WARUM? Es war doch alles gut. Keine Angst, Du kommst wieder zurück zu Deinem alten Ich, das zum Friseur geht und ausgeht und kreativ ist. Wir teilen lustigerweise den Vornamen und die Branche, ich war selber erfolgreiche Werbetexterin vor der Geburt meiner Tochter... heute, fast acht Jahre später, bin ich erfolgreiche und hochzufriedene Freie Texterin mit zwei Kindern und würde nicht tauschen wollen! Denk daran, dass Du jetzt noch nicht viel zurückbekommst von Deinem Sohn. Zufriedenes Lächeln nach dem Stillen ist ja putzig, aber es kommt noch viel mehr. Freu Dich drauf!! Jaaa, auch der Stress und die schlaflosen Nächte bleiben ne Weile, aber Du wirst Dir Dein altes Leben Stück für Stück zurückerobern. Und dann wirst Du es lieben, dass Du etwas hast, was die kinderlosen gestressten Kollegen zu Hause nicht haben: einen Gegenpol, einen Menschen, der Dich absolut bedingungslos liebt, egal ob gerade haarig und absolut uneloquent. Du wirst es aber genauso lieben, ihn morgens in der KiTa abzugeben, Deinem Job nachzugehen und zeitweise NICHT Mutter zu sein, sondern erfolgreiche Werberin. Es wird ein Balanceakt bleiben, aber ich wette, Du kriegst es hin. Und sei ein bisschen gnädiger mit Dir selbst, vor allem mit Deinem Äußeren!! Es wird alles wieder, versprochen. :0)) Alles Liebe, Katja

uschka — Mo, 01/23/2017 - 11:41

liebe Katja, danke für deinen text. und ja, du beschreibst es gut - das suchen nach sich selbst, während man sich gleichzeitig einigermaßen abgerockt mit der größten aufgabe seines lebens konfrontiert sieht. und die will mama instinktiv und getrieben von der größtmöglichen liebe gut bewältigen. der anspruch diese zeit natürlich auch noch genießen zu können - und die frage, ob man das denn auch genug tut, - ist obendrein allgegenwärtig ... ich bin auch in führungsverantwortung im agenturjob gewesen. dann kam - nach 4 jahren einigermaßen entspannt abwarten - plötzlich doch noch die schwangerschaft zustande und schließlich mein sohn zur welt. und die welt, in die ich damit hineinkam, war mir so fremd ... das kleine wesen auf meinem arm - so neu und fremd. ich mir selbst - neu und fremd. die frauen, denen ich bei den obligatorischen babywellness-aktionen begegnete - ein paralleluniversum! die ansprüche an mich, die ratschläge von außen, die scham über nicht erledigte anrufe, mein fehlendes wohlgefühl in meinem eigenen Körper ... und die sorge, ob ich je wieder so frei und selbstbewusst unterwegs sein würde ... heute wird die flocke bald 2. ich arbeite wieder meinen alten job, wenn auch in teilzeit, was ein großer spagath ist. ein stückchen meiner selbst habe ich zurückerobert - und trotzdem sind da die momente mit der leisen wehmut im herzen, in denen ich so gerne mal ebkes einen tag lang nur ich sein möchte. es hat lange gedauert, aber ich fange an mich darin ernster zu nehmen - und diese sehnsucht als zielgerade zu verfolgen. und ich stelle fest: das tut uns allen mehr gut, als frisch gekochtes essen und die leidlich aufgeräumte hütte! ich wünsche dir, dass du sehr gnädig und nicht bewertend auf dich selbst blicken kannst - und anzuerkennen schaffst, was du leistest. ich wünsche dir freunde und gefährten (kontaktiere mindestens 2 deiner engsten begleiter aus der zeit vor dem baby), die dich wortlos verstehen und sehen wollen - genauso, wie du heute gerade zurecht bist. ich wünsche dir ein denken in kleinen schritten - und dass du dabei einen fuß vor den anderen setzt. mit etwas zeit wird dir klar werden, dass du vorwärts kommst. sei herzlich gegrüßt. ursula

Ulli — Mo, 01/23/2017 - 12:00

War auch mal die toughe Businessfrau, mittlerweile bin ich zum zweiten Mal Mama geworden (2,5 Jahre und 6 Monate). Ich war dazwischen auch ein paar Monate arbeiten, aber es war nicht das selbe, mit Kleinkind daheim. Es ist einfach anders, ich versuche diese Zeit zu geniessen,in ein paar Jahren kann ich dann wieder die Businessfrau sein, die Kinder wachsen soooo schnell!! Alles Liebe, Ulli

Marina — Mo, 01/23/2017 - 12:23

Liebe Katja, Mir geht es genauso. Die gleichen Gedanken, die selben Bilder. Ich fühle mich 1:1 wie du! Ich bin Studentin, war fröhlich,schlank, sportlich und immer in der Natur unterwegs und nun bin ich einfach nur Mutti einer 6 Monate alten Tochter, die ab und zu noch studieren geht. Als ich im 6.Semester schwanger war hab ich neben dem Studium noch gearbeitet und allen erzählt wie easy ich das hinbekommen werde. Und erstaunlicherweise läuft es jetzt mit Kind relativ gut. Das 7.Semester hab ich ohne Kinderbonus abgeschlossen, alle fanden meine Kleine in der Uni total süß. Doch hinten runter falle dabei ICH! Ich bin nur noch die Mutti die ab und zu studiert, sonst nur Zuhause ist und der nichts schönes mehr passt! Oft beneide ich meinen Mann wenn er zur Arbeit geht Und einfach mal für ein paar Stunden kinderfrei hat!

Cecilia — Mo, 01/23/2017 - 12:27

Habe bei deinem schönen Text gelacht und geheult...abwechselnd! Ich habe, wie die anderen, mich selbst im ersten Jahr meiner jetzt 5 jährigen Tochter gesehen! Noch vollgepumpt mit Hormonen zwischen hochglücklich und fast depressiv mit meinem neuen ich...wünschte ich mir jetzt das mir damals jmd gesagt hätte...es sind alles nur Phasen! Nichts als Mama ist beständig (ausser die Liebe). Als die Kleine 2 war...habe ich mich mit einer Agentur selbständig gemacht und so viele tolle Sachen erlebt! Sah wieder gut aus...meine alten Sachen passten wieder...ich habe die Liebe meines Lebens gefunden und seit dem arbeiten wir an vielen tollen Projekten rund um unsere Ziele und unsere kleine Familie :) Nun 5 Jahre später...bin ich wieder schwanger :)) und mir steht alles wieder bevor... alle Freiheiten die man sich Stück für Stück zurück erobert hat, sind bald wieder weg. Aber dieses mal bin ich schlauer und kann vllt viel besser genießen!!! Denn ich weiß...egal in welchen schweren Zeiten ich gerade stecke mit dem kleinen Würmchen und mir selbst...es ist nur eine Phase! <3

Claudia — Mo, 01/23/2017 - 12:41

Liebe Katja, auch ich war vor der Geburt sportlich, trug schicke Klamotten in der Arbeit, stand voll im Berufsleben. (Spielt eigentlich keine Rolle, denn es geht ja vielen Müttern so, wie du beschreibst, egal was sie vorher gemacht haben.) In den ersten Monaten nach der Geburt war eine graue Jogginghose mit breitem Gummibund meine Lieblingshose. Wenn ich jetzt Fotos von mir im Schlabberlook mit Spucktuch über der Schulter von dieser ersten Zeit sehe, muss ich schmunzeln. Alles wird besser! Dein Kind wird selbständiger Tag für Tag und braucht deine körperliche Nähe immer weniger intensiv. Du bekommst Schritt für Schritt deinen alten Körper zurück. Dein Körper bildet sich laufend zurück. Alles normalisiert sich. Dann kommt auch wieder die Zeit für den ersten Friseurtermin. Du wirst wieder blendend aussehen, aber alles zu seiner Zeit! Du wirst wieder ausgehen, dich mit Freunden treffen, dich schick machen. Und du wirst wieder in deine Klamotten passen. Ich hoffe es hört sich nicht abgedroschen an, aber wenn schon möglich, gönn dir ein gutes Buch/Hörbuch beim Stillen, schaue einen guten Film auch tagsüber mal an. Bestell dir gutes Essen beim Lieblingsrestaurant und lasse es liefern oder vom Mann abholen. Das ist nämlich das Schöne in der ersten Zeit mit Kind, dein Kind will noch nichts davon haben und du hast keine festen Termine. Und es wird immer schöner mit Kindern. Wenn sie richtig lachen, wenn sie sich mitteilen können, selbst laufen, selbst Essen, Ihre Ausscheidungen unter Kontrolle haben (herrlich!!!) dir von ihrem Tag erzählen. Die pure Freude eines Kindes, an den unterschiedlichsten Erlebnissen. Mein Kindergartenkind wirft sich mir zurzeit in die Arme und sagt „meine liebe Kuschelmama“ und drückt mich ganz fest. Alles Gute für dich!

Ju — Mo, 01/23/2017 - 13:03

Liebe Katja, ohne die anderen Kommentare gelesen zu haben vermute ich, dass alle anderen es auch geschrieben haben werden. ES WIRD BESSER! Das habe ich zu Beginn auch nicht geglaubt. Habe die Leute für verrückt erklärt. Aber es ist so. Meine Tochter ist mittlerweile fast drei Jahre alt. Der Körper erholt sihc, Du bekommst neue Freiräume, Dein Kind wird agiler und Du flitzt ganz schön hinterher. Das trainiert ganz gut. Ansonsten schau mal, ob Dich Kangatraining anspricht. Das habe ich auch gemacht. Praktischerweise ist es Sport mit dem Baby. So musst Du keine Betreuung suchen. Stillen kann man davor/danach oder währenddessen. Such Dir Gruppen wie Pekip o.ä. einfach um sich mal austauschen zu können und auch um zu sehen, dass Du mit Deinem Befinden nicht alleine bist. Das tut gut! Du schaffst das! Liebe Grüße! Ju

Julia — Mo, 01/23/2017 - 13:21

Liebe Katja, vielen Dank für deinen Artikel. Ich kann jedes einzelne Wort voll und ganz nachvollziehen, ich hatte das Gefühl total vergessen. Ich saß nach der Geburt von unserer Tochter nachts heulend im Bett, wollte am nächsten Tag lieber wieder in die Schule arbeiten gehen und fand mein Leben teilweise nur noch langweilig. Ich konnte die ganzen Mami-Gespräche nicht mehr hören, lieber was für mich machen und mit Kolleginnen plaudern, etc. Und was war nach einem Jahr? Ich habe mich riesig wieder auf die Arbeit gefreut, aber ich freute mich auch immer riesig darauf, meine Kleine aus der Kita zu holen, beides hat bisher wirklich gut geklappt. Jetzt ist die Maus zwei Jahre alt geworden und ich liege hier in der 41. SSW auf der Couch und deshalb ist der Zeitpunkt für diesen Artikel perfekt, denn nun weiß ich, was die nächste Zeit wahrscheinlich wieder an Gefühlschaos auf mich zukommen wird :-) Die alles Liebe! Julia

Dorle — Mo, 01/23/2017 - 14:11

Liebe Katja, das kenne ich. Dann kauf dir schicke Sachen jetzt eben zwei Größen größer und lass dir eine Frisur verpassen, die auch halb rausgewachsen gut aussieht und zum Haarausfall passt. Gestalte deinen Tag so, wie er dir gefällt, so dass Abends doch ein halbwegs gutes Gefühl bleibt und sag den Freunden, dass sie gefälligst zu euch kommen sollen. Dann gibt's halt Dinner at Home oder einen Filmabend statt Bar und Kino. Bitte den Papa um einen festen Nachmittag, an dem er schon 16.00 Feierabend macht, dann kannst du Maniküre planen oder die Familienzeit genießen. Es nützt alles nichts, irgendwie muss man auch müde, schlabbrig und mit Stoppelbeinen überleben (die im Winter ja eh keinen interessieren, ha!), machs dir schön! Alles Liebe, Dorle

Sina — Mo, 01/23/2017 - 13:40

In einem Jahr wirst du ganz sicher über diesen Text schmunzeln, dabei ordentlich frisiert und manikürt sein und darüber nachdenken, ob nicht ein zweites Kind ganz gut passen würde :)

Carina — Mo, 01/23/2017 - 16:39

“Es ist nur eine Phase.“ “Es geht vorbei.“ “In einem Jahr wirst du über deinen Text lächeln.“ Nein, nicht zwingend. Vielleicht fragst du dich in 20 Jahren noch, wie du wieder in das Leben zurück findest, das du vorher geführt hast. Vielleicht fragst du dich auch in 20 Jahren noch, wann du mal einen Gedanken haben darfst, in dem nicht eines deiner Kinder umherspukt. Vielleicht wirst du nie wieder deine Vorher-Konfektionsgröße tragen können und nie wieder das Bedürfnis haben, dir irgendwelche Haare zu rasieren. Während diese Gedanken mit einem Einjährigen aber tres chic sind, hoffe nicht auf sehr viel gesellschaftliches Verständnis wenn du versuchst, dich mühevoll nach 20 Jahren aus dem Gefängnis der Mutterschaft zu befreien.

Mini — Mo, 01/23/2017 - 16:54

Genau so sieht es aus! Ich wollte 3 Monate nach der Geburt wieder ein wenig arbeiten. Der Plan war gut, Abpumpen, mein Freund (damals noch Student) wollte sich um das Baby kümmern. Leider haben wir die Rechnung ohne ein Schreibaby gemacht. Mittlerweile sind 6 Jahre vergangen und man sieht alles aus einem anderen Blickwinkel. Ja, ich konnte mich wieder "neu er-finden", aber mein altes Ich habe ich nicht wieder gefunden. Natürlich liebe ich meinen Sohn über alles und bereue nichts, aber ein zweites Kind traue ich mir nicht zu. Bleibt nur zu sagen: sie werden eh so schnell groß :)

Kati — Mo, 01/23/2017 - 18:24

Liebe Katja, Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen denn es ging mir ähnlich. Man wird in eine andere Welt geworfen und die Dinge über die man sich definiert sind auf einmal nicht mehr vorhanden. Und es ist langweilig und anstrengend zugleich. Mein Sohn ist jetzt 2, ich arbeite seit einem Jahr wieder und bin wieder die Person die ich vorher war nur irgendwie besser. Und fühle mich wieder wie ich seitdem ich arbeite. Ich kann rückblickend empfehlen gerade wenn man zufrieden war im Job wieder früher anzufangen und sich eine Nanny zu leisten. Selbst wenn man nichts extra verdient hilft es einem wieder im Leben anzukommen. Melde dich gerne wenn du dich austauschen möchtest. LG

Lisa — Mo, 01/23/2017 - 19:23

Ihr Lieben, die ihr gerade in dieser schwierigen Phase steckt: Ich drücke euch und verspreche euch: es wird besser! Wirklich! Und ihr werdet viel von eurem alten Leben wieder bekommen. Aber eben nicht alles. Das nicht. Ich habe eine wundervolle, zauberhafte, lustige und völlig unproblematische Vierjährige. Dieses zauberhafte Wesen hat mich in ihren ersten sechs Monaten ihres Lebens an den Rand meiner Fähigkeiten und Nerven gebracht und auch danach noch aller Energie abgeschöpft, die ich zu bieten hatte. Sie schlief sehr schlecht, tagsüber nur im (fahrenden) Kinderwagen, schrie fast ständig wenn sie wach war und nicht gerade gestellt wurde und stillen Tat bei mir drei Monate lang sehr weh. Ich hatte die schwärzesten Stunden. Aber dann: lernte sie krabbeln, laufen, sprechen und mit jedem Meilenstein wurde die Zaubermaus ausgeglichener. Und seither ist sie das glücklichste Kind der Welt und ich liebe sie und könnte nie mehr ohne sie sein. Und oft gehe ich am Wochenende unfrisiert mit ihr raus und es ist egal- weil sie wichtig ist und nicht, was andere Leute über meine Frisur denken. Dass man mit einem 4 Monate alten Söugling abends fröhlich ausgehen kann, ist aber wirklich eine Seltenheit. Aber wir sind, als es leichter würde, auch wiede zu Konzerten gegangen und inzwischen bettelt sie danach, dass das Kindermädchen mal wieder auf sie aufpasst. Also: ich weiß, was ihr durch macht ist grausam. Aber es geht vorbei. Haltet durch.

Tina — Mo, 01/23/2017 - 20:00

Liebe Katja, welch wahre Worte die uns Mamis aus der Seele sprechen. Glaub mir du wirst in einem Jahr drüber Lächeln ;-) mit ein paar Übungen zu Hause wird deine Figur wieder in Schwung kommen die dich stört vielleicht packst du deinen Sohn und ihr geht zur Mutti Baby Gymnastik alles wird gut und es wird vorbei gehen. Du wirst Lächeln vielleicht schon in ein paar Monaten weil ihr euch dann noch mehr eingespielt habt und es wird in die richtige Richtung laufen. Bis dahin viele schöne Momente und ja auch mit Strängem Haar und tiefen Augenringen und in labberlook darf man sich auch wohlfühlen du bist jetzt Mami ;-) du schaffst dass

Rebecca — Mo, 01/23/2017 - 20:04

Ich kann die Gefühle und Gedanken absolut nachvollziehen. Mir ging es vor allem nach der ersten Geburt so ähnlich. Nach der Geburt meiner zweiten Tochter hab ich die Elternzeit noch mehr und bewusster genossen, aber gleichzeitig mehr auf mich selbst geachtet: Sport war mir immer wichtig - also hab ich mir Mutter-Kind-Sportkurse gesucht und bin mit Baby im Tragetuch walken gegangen. Mir hat Gesellschaft gefehlt - also ein paar sympathische Frauen aus dem Rückbildungskurs eingeladen, regelmäßige Spaziergänge verabredet und inzwischen tolle Freundschaften gewonnen. Ich hab mich "in meiner Haut" nicht wohl gefühlt - also wieder regelmäßiger zum Friseur & Kosmetik. War anfangs mit Großeltern nicht einfach (meine Kleine war sehr auf mich fixiert), aber hat sich nach und nach eingespielt und von meinem Mann hab ich auch den Freiraum eingefordert (2h kriegt man auch mit vollgestilltem Kind überbrückt und im Notfall wäre er mit dem Baby halt vorbei gekommen. Inzwischen sind meine Mädels 1,5 und 3,5 Jahre und ich gehe seit einem halben Jahr wieder arbeiten. Ich trauere der Elternzeit schon nach, aber genieße das Arbeitsleben in vollen Zügen. Ich fand es erstaunlich, dass ich in den ersten Wochen dort nicht ein einziges Mal über meine Kinder gesprochen habe (war ein neues Projekt mit neuen Kollegen). Es ging plötzlich wieder nur um mich, meine Leistung und plötzlich war mein Gehirn wieder "eingeschaltet"! Lass dich also nicht entmutigen- du bist eine tolle Mutter und wirst schritt für schritt eine neue Version deines alten Ichs!

stephanie — Di, 01/24/2017 - 13:21

In deinem Artikel sehe ich nur einen Fehler, nämlich den, dass du keine Freunde mehr triffst. Geh raus, lass die Maniküre zu dir kommen und suche dir Gleichgesinnte. Ich bin damals von einem Babykurs zum nächsten gewackelt. Mit der Folge, dass ich Bekannte hatte, denen es genauso oder noch schlimmer erging. Dass das so sein könnte, hätte ich nie für möglich gehalten.

Martina — Mi, 01/25/2017 - 01:15

...meines Körpers kann ich deine Zeilen liebe Katja, aber auch die der anderen Kommentatorinnen, nachempfinden. Meine Tochter ist mittlerweile 12 Monate alt und die durchwachten Nächte, in denen ich mit der neuen Situation gehadert und mich an einen ruhigen Ort (bitte alles, nur kein Baby-Geschrei) gewünscht habe, sind mir noch zu präsent. Diese hier oft beschriebene Kombination aus Über-und Unterforderung, dazu den ganzen Tag über mutterseelenallein (wir sind während der Schwangerschaft umgezogen und mein gewohntes soziales und räumliches Umfeld, dass ich so liebte, fehlte und fehlt immer noch sehr) mit einem so kleinen Wesen. Ständig war ich müde, hungrig und durstig. Das alles hat schon sehr gezehrt! Mittlerweile finde ich es schade, die erste Babyzeit nicht mehr genossen zu haben. Aber vielleicht bin ich nicht der Typ dazu, weil ich doch zu freiheitsliebend bin?! Vielleicht ist das beim ersten Baby aber auch nur schwer möglich, weil man sich selbst erst einmal zurechtfinden und ankommen muss in der noch so neuen Mama-Rolle? Es tut auf jeden Fall gut zu lesen, dass man nicht alleine ist! Ebenso gut tut es, hier diese Zeilen zu schreiben. Mal wieder im Büro am PC zu sitzen, so wie früher. Dieses Gefühl von früher, das kann ich nun nach 12 Monaten Mama-Sein, schon ganz vorsichtig sagen, ja, ich glaube, es kommt wirklich Schritt für Schritt wieder: Ich habe zum Beispiel seit 2 Monaten mein altes Gewicht wieder und genieße es, wieder in meine alten Sachen zu passen (klar, neue Kleidung zu kaufen macht Spaß, aber nicht, wenn man nach der Schwangerschaft auf einmal vier amerikanische Hosengrößen mehr hat). Heute Vormittag habe ich mir meine Nägel lackiert und an Fasching geh ich mal einen Abend raus. Mit Freundinnen feiern, tanzen, sich selbst spüren und merken "hey ich bin ja noch da" wieder mal die Alte sein. Und sich trotzdem wahnsinnig auf sein Kind freuen. Mit dem, schon nach 12 Monaten, auch einiges einfacher läuft. Und das hilft mir auch schon im Alltag hier und da wieder mehr bei mir zu sein und langsam die Balance, die innere Mitte, zwischen Mama UND Frau sein zu finden.

Nadine — Mi, 01/25/2017 - 11:49

Liebe Mama, denen das hier aus der Seele spricht: Ich rufe euch mit einer ähnlichen Erfahrung zu: Es wird besser! Natürlich verändert sich das Leben, es wird nicht wieder so wie vorher und das ist, finde ich, aber auch gut! Aber es wird wirklich besser! Das erste halbe Jahr fand ich am Schlimmsten und bis zum 4 Monaten wollte ich definitiv mein altes Leben zurück. So und auch, wenn ich mir jetzt immer noch Freiheiten zurückwünsche, die momentan nicht möglich sind, es ist kein Vergleich mehr, zu der ersten Zeit! Liebe Grüße und falls es nicht besser - dann holt euch bitte Hilfe!!! Dringend!!! Nadine

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