Raus aus der Stadt: Bella wohnt jetzt in der Uckermark statt in Berlin

Liebe Bella, wie und wo habt Ihr die letzten Jahre gewohnt und was war das Schönste an der Art, so zu leben?

Wir haben die letzten 15 Jahre in Berlin gewohnt. Zuerst als Studentin in immer wechselnden Stadtteilen und dann später mit meinem jetzigen Mann. In Friedrichshain war es uns irgendwann zu unübersichtlich und vor allem auch zu teuer für eine relativ kleine Wohnung mit drei knappen Zimmern. Uns war aber auch klar, dass wir nicht noch oft umziehen wollen, wenn wir später Kinder haben. Durch einen glücklichen Zufall haben wir in Pankow/Prenzlauer Berg eine Eigentumswohnung mit 4 Zimmern gefunden, die wir uns leisten konnten. Da haben wir knapp 8 Jahre gewohnt, unsere beiden Töchter bekommen und viel erlebt. Denn Berlin ist bunt und spannend, das haben wir genossen.

Doch nun hat sich etwas verändert. Ihr seid umgezogen. Wie und wo lebt Ihr heute?

Genau, wir haben quasi „den harten Cut“ gemacht und sind von Berlin aufs Land gezogen. Wir leben nun im Norden Brandenburgs, in der Uckermark mitten im Wald an einem See. Nachbarn sehen wir vom Fenster aus nicht, außer wir zählen Rehe, Füchse und Co dazu.

Aktuell leben wir noch in meinem Elternhaus in einer Art Ferienwohnung, aber bald bauen wir unser eigenes Haus auf einer Wiese hier im Wald. Darauf freuen wir uns riesig. 

Raus aufs Land – diesen Wunsch haben gerade ja viele. Wann und warum kam er bei Euch auf?

Den Wunsch hatten wir schon ewig, teilweise schon vor den Kindern. Ich bin hier groß geworden, meine Familie lebt hier. Immer, wenn mein Mann und ich am Wochenende in der Uckermark waren, war es wie ein Urlaub, komplett entschleunigend und erholsam. Wir haben immer wieder überlegt, wie es wäre, hier zu leben, denn Platz ist im Wald genug.

Aber immer wieder hat uns unser Bedürfnis nach Sicherheit im Job gebremst. Denn so ehrlich muss man sein: „auf dem platten Land“ gibt es nicht unendlich viele Möglichkeiten in einer angemessen bezahlten Festanstellung seine Träume zu verwirklichen. Wir waren immer wieder im Gedankenspiel: Was wäre wenn, aber leider blieb die Antwort aus. 

Dann kamen die Kinder. Sie haben uns nochmal mehr gezeigt, wie toll die Zeit und das Leben hier wäre. Nicht nur die Natur, der Platz und die Ruhe, auch die Nähe zu Großeltern. In Berlin war niemand in schnell greifbarer Nähe, auch wenn alle Großeltern immer bemüht waren. Mit meinem zweiten Kind verlor ich meine Anstellung in Berlin und habe mich in eine zaghafte Selbstständigkeit gewagt. Die kann ich von überall ausüben. Mein Mann arbeitet im Außendienst eines großen deutschen Unternehmens, auch er ist nicht an einen Ort gebunden.

Immer wieder klopfte das „Was wäre wenn“ an. Nach wie vor ohne klare Antwort, aber die formte sich allmählich. Denn wir haben gemerkt, dass wir uns von einer Wahrscheinlichkeit limitieren lassen, die wir nicht beeinflussen oder vorhersehen können. Wir wissen nicht, wie lange wir wo und wie arbeiten. Und so haben wir uns eigentlich still und heimlich schon entschieden. Dann haben wir geschaut, was wir am Ort Berlin wirklich nutzen und die Überraschung war: Nicht viel.

Letztes Jahr wurde deine Tochter dann krank…

Genau, da haben wir gemerkt: Familie vor Ort ist Gold wert. Wir mussten uns immer abstimmen, koordinieren, abwägen und leider ist da immer meine gesunde Tochter hinten runter gefallen. Das hat uns nochmals bestärkt, dass Familie, Ruhe und Natur für uns die Werte sind, mit denen wir leben wollen. Nicht die sicheren und immer verfügbaren Joboptionen.

Klar, es ist ungemütlich, sich damit auseinander zusetzen. Und wir können finanziell bzw. jobtechnisch damit auch ordentlich auf die Nase fallen. Aber auf der anderen Seite: Wir werden auch dafür eine Lösung finden. Und eine leere Garage für das nächste Imperium was in eben solcher gegründet wird, hätten wir sogar. 😉

Gab es Freunde und Bekannte, die sagten: „Also ich könnte ja nicht in die Pampa ziehen?“

Ins Gesicht hat es uns bisher noch nie jemand gesagt, aber ich vermute, dass viele so denken. Denn wenn wir ehrlich sind, ist es eine 180-Grad-Drehung von der Großstadt aufs Land. Was ich aber bemerke ist, dass viele das Bedürfnis nach Ruhe und Natur haben. Bei einigen Freunden hat unser Schritt dazu angeregt, zumindest über das aktuelle Lebensmodell nachzudenken. Das finde ich spannend.

Unser Schritt ist nicht besonders mutig, er war für uns naheliegend. Aber bei vielen kommt es so an. Dafür haben wir heute mehr Besuch als in Berlin, denn viele Freunde spüren unser Gefühl damals, als wir noch nur zu Besuch waren, ebenfalls. Hier kommen sie runter, atmen durch und entspannen. Wir haben deswegen extra ein Gästezimmer mit Bad im neuen Haus eingeplant. 

Wie sind die Kinder mit dem Umzug umgegangen?

Die Kinder waren aus dem Häuschen, als wir es ihnen gesagt haben. Aber damals waren sie drei und fünf und hatten noch kein Verständnis von Äußerungen wie „nächstes Jahr“, wo sie doch sonst nur von Geburtstag bis Weihnachten und retour denken. Mittlerweile sind sie angekommen, haben eine neue KiTa und die Große haben wir hier eingeschult. Das hat ihnen den Übergang natürlich sehr erleichtert.

Schwierig ist manchmal, dass wir aktuell ja noch bei den Großeltern leben. So fragen sie manchmal noch, wann wir wieder nach Hause fahren. Aber wir haben sie immer bei allen Entscheidungen und Schritten mitgenommen. Sie kennen unsere fast leere alte Wohnung, dürfen hier mitgestalten und bekommen kleine Aufgaben. So fühlt es sich schneller wie ein Zuhause an. Aber ich vermute, dass wird sich nochmal ändern, sobald sie in ihrem eigenen Zimmer in unserem neuen Haus leben werden. 

Wie hat sich Euer aller Leben verändert?

Wir leben nun knapp zwei Monate auf dem Land. Wir können also noch nicht komplett von neuen Routinen reden, aber ein zaghaftes Fazit traue ich mich. Mein Mann war vorher schon viel unterwegs und ist es nun weiterhin. Für ihn hat sich also in den Abläufen wenig verändert. Ich merke aber auch, dass er entspannter ist, weil er zB. während einer Telko einfach durch den Wald spaziert. Das war vorher nicht so einfach möglich.

Ich habe mein Büro in Berlin behalten und fahre meist einen Tag pro Woche dorthin. Wir haben einen festen Oma-Opa-Tag die Woche, so dass wir alle planen können. Das sind meine produktivsten Tage, weil ich keinen Druck habe, jemanden abzuholen. 

Denn das hat sich für uns alle enorm verändert: Dieser berühmte frühe Vogel wohnt wohl auf dem Land. Nicht nur durch die Schule (Beginn 7.25 Uhr) sondern auch in der KiTa. Hier werden die Kinder um 7 Uhr abgegeben, weil alle früh anfangen, zu arbeiten. Dafür ist unsere Tochter dann um 15:30 Uhr oft eine der letzten, was sie uns dann immer vorwurfsvoll zu verstehen gibt.

In Berlin ticken da die Uhren anders.

Total, in Berlin waren wir selten vor 9/10 Uhr in der KiTa und entsprechend war die KiTa nach 16 Uhr auch noch voller spielender Kinder. Es ist ein anderer Rhythmus, dem wir uns nun einordnen. Aber ich sehe das positiv: Ich sitze mittlerweile um 7:45 Uhr am Schreibtisch und kann demnach natürlich auch früher Feierabend machen. 

Städter haben ja oft Vorurteile, was die Menschen auf dem Land angeht. Wie seid ihr empfangen worden?

Das ist schwer zu sagen, da ich ja meine gesamte Kindheit und Jugend hier verbracht habe und so noch einige Menschen kenne. Ich spüre diese Ablehnung, die oft Menschen vom Land unterstellt wird, vorwiegend bei älteren Generationen. Menschen, die in anderen Zeiten groß wurden. Die jüngeren Generationen, die mittlerweile selbst Kinder haben, sind offener. Nicht zuletzt auch wegen der Kinder, die schnell miteinander spielen und sich kennenlernen möchten. Das macht es einfacher. 

Wie geht es dir jetzt, wenn du mal in die Stadt fährst?

Witzig, darüber haben mein Mann und ich erst neulich geredet, als er aus Hannover wiederkam. Uns ist beiden aufgefallen, dass wir die Stadt, egal welche, lauter wahrnehmen. Straßen, Menschen, Autos – so geballt haben wir es vorher nicht erlebt. Aber ich spüre, dass ich es genieße, wenn ich in Berlin arbeite. Ich schlendere durch die Straßen und sauge dieses „Stadtgefühl“ in mir auf. Wohl wissentlich, dass ich am Abend wieder aufs Land fahre und beim Aussteigen etwas höre, was ich vorher nie hatte: Absolute Stille. 

Ich genieße beide Seiten und bin froh, dass ich die Freiheit habe, es mir so zu dosieren, wie es für mich und uns als Familie passt.

Wann hast du das letzte Mal ganz deutlich gespürt, dass der Schritt richtig war? 

Heute Morgen erst wieder, als ich vor dem Wecken der Kinder auf den See im Sonnenaufgang geschaut habe, tief durchgeatmet habe und dachte: Ja, genau so! Und mal ehrlich: Den Blick würde ich verpassen, wenn wir später in den Tag starten. 

Bella ist eine liebe Bloggerkollegin von uns – wer mehr von Ihr lesen will, kann dies in in ihren Blog https://familieberlin.de oder auf ihrem Instagram-Account https://instagram.com/familieberlin. Es lohnt sich!

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2 Kommentare

  1. Wir haben das auch getan: von der Stadt aufs Land nach Erstellung einer PRO und CONTRA Liste.
    Wir haben den Umzug nie bereut und freuen uns wirklich jeden Tag über die Wohnsituation!

  2. Gerade mobile Working würde für viele Familien so einen Umzug nun auch praktisch möglich machen. Ich habe auch darüber nachgedacht, aber uns würde so viel fehlen … Aber das Leben ist ja noch lang; mal schauen, was noch kommt 😊

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