Bonjour, Super-Maman? Ab in die Tonne mit den Klischees der tollen französischen Mutter!

muell
Ha Caro, ich weiß ja gar nicht mehr, WIE oft Du mir schon erzählt hast: „Also in Frankreich geben die Frauen ihre Kinder ja schnell Vollzeit in der Krippe ab, also in Frankreich sind die Mütter strenger und die Kinder schlafen tatsächlich mit vier Monaten durch und überhaupt: die Kinder dort nerven überhaupt nie…“
Ach und überhaupt, die Pamela Drukerman, die Amifrau in Frankreich, die so von der französischen Erziehung schwärmt und die Du zu Deinem Vorbild machst… jaja.

Ich bin ja generell kein Freund von Verallgemeinrungen. Es sind ja auch nicht ALLE DEUTSCHEN gleich, wie kann man dann sagen, dass ALLE franzöischen Kinder top-erzogen sind? Ist natürlich Quatsch. Aber das meinst Du ja wahrscheinlich gar nicht. Du als Halb-Französin schielst aber eben mit etwas genauerem Auge in unser Nachbarland und lässt Dich scheinbar ganz gern blenden. Aber ich setz Dir jetzt mal ne Sonnenbrille auf gegen die Blenung und dann wirst Du klarer sehen. Ha!

„Bonjour Klischees“ heißt der Titel eines aktuellen NIDO-Beitrages und ich musste natürlich sofort an Dich denken, Caro. Denn: Dass die Französin viele Babys kriegt, sie hervorragend erzieht, trotzdem Karriere macht und dabei noch topgestylt ist, das scheinst du so ja auch zu denken. Aber: Der Artikel räumt auf mit diesen Klischees und lässt die Französin Corinne Maier zu Wort kommen, die diesem Bild vehement widerspricht uns sagt: Französche Kinder nerven genauso wie deutsche, holländische oder italienische.

Frau Druckerman habe überhaupt nicht genau genug hingeschaut, ihre eigenen Schwägerinnen seien schon nicht disee Klischeefranzösinnen, die dünn sind und den Schwangerschaftsgelüsten den Kampf ansagen (und es ist ja auch fraglich, ob das so erstrebendwert ist, wenn es denn so tatsächlich ist), sondern die flache Schuhe tragen und weite Kleidung, um auf dem Spielplatz schnell genug auf die Attacken der Kinder reagieren zu können.

Na, also, der Text macht jedenfalls einen riesengroßen Spaß und zeigt mir (die hier grad mit Birkenstocks und noch ungeduscht vor dem Rechner sitzt): Auch in Frankreich gibt es Frauen, die keine Super-Mamans sind! Und weil die Nido, nicht die Nido wäre, wenn sie nicht so super wäre, hat sie noch weitere Stimmen zum französischen Erziehungsstil eingefangen. Unter anderem diese hier:
„Der eigentliche Trick der Französin ist nicht die ganztätige Krippe. Sondern die Abschaffung ihres mütterlichen Instinktes. Wenn es um das Stillen geht, gehört Frankreich zu den europäischen Schlusslichtern. Dass Kinder im Elternbett schlafen, ist verpönt. Tragetücher gibt es kaum.“ (Geneviève Hesse, franz. Autorin aus berlin)
Na, Caro, was sagst Du dazu?
Spiegelt diese Geschichte nicht genau unsere Verschiedenheiten wider? Ich, die Geburtshäuser und Hausgeburten befürwortet und pflanzliche Hilfe und Kinder im Ehebett und  D, die Du dein Kind rund um die Uhr per Babyphone mit Kamera überwachst, weil es im eigenen Zimmer schläft und die lieber zwei Portionen Paracetamol gibt, als ein paar Kügelchen und die sagt, wer außerhalb des Krankenhauses gebärt ist selbst schuld und die im Ürbigen auch total französisch schlank ist…
Ich werde das Gefühl nicht los, dass ein Mittelding zwischen deutschem und französischem Stil gar nicht so übel wäre. Ein Mittelding zwischen uns beiden 🙂 Was meinst Du?

Fotoquelle

 

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6 comments

  1. französinnen
    Ich kenne 2 Französinnen, die hier in Dtl. leben und ihre Kinder hier bekommen haben. Beide sagen, dass sie unser System besser finden: Lange Stillen,3 Jahre Elternzeit, Geburtshäuser, Tragetücher, weniger Bildungswahn, kinderfreundliche Restaurants, mehr Verständniss für Kinder insgesamt, einfühlsamere Pädagogik

    interessant, oder?
    Wieviele sind das denn, die 3 Monate nach der Geburt wieder voll ins Berufsleben einsteigen wollen?
    Ich finde unsere Gesellschaft bzw. Medien gaukeln uns vor, dass Arbeiten suuuuperwichtig ist für ALLESmögliche.
    Das halte ich für falsch und bin froh dass es hier 3 Jahre Elternzeit gibt. Fragt sich nur, wie lange noch?

  2. Französische Schläge
    Liebe Lisi,
    genau DAS ist uns im letzten Frankreichurlaub auch aufgefallen. Es war fürchterlich zu sehen, wie die Kinder da ohne kurze Ansage ins Gesicht geschlagen wurden. Meine Mädchen kamen aus dem Staunen nicht raus, als sie das sahen. Sehr traurig…

  3. Die Mischung macht´s …
    Ich bin deiner Meinung, Lisa! Letztendlich geht es um das eigene Gefühl und darum, wie weit man bereit ist Kompromisse einzugehen, bei Problemstellungen im Bereich Erziehung.
    Nicht jede Französin, auch nicht jede Deutsche hat ein Rezept, das allgemein gültig ist. Jede Mutter probiert doch aus,was gut funktioniert, was für die Familie insgesamt gut passt.
    Leider scheinen, meiner Meinung nach, die französischen Kinder nicht immer in diese Überlegung, mit ihren kindlichen Bedürfnissen, miteinbezogen zu werden.

  4. a gsunde watschn
    Wir waren schon mehrmals in Frankreich auf Urlaub, früher ohne Kinder und jetzt mit Kindern. Ich habe auch gestaunt, wie brav die dort sind und dann habe ich genauer hingeschaut. A gsunde Watschn, wie man hier in Wien sagt, siehst du an jeder Ecke,..im Supermarkt, an der Tankstelle, am Strand, am Spielplatz, im Restaurant. Vollkommen entgeistert habe ich dann daheim recherchiert was da los ist und das gefunden:
    http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/165080/index.html
    Körperliche Züchtigung ist nicht verboten.
    Das erklärt vielleicht warum die Kinder soooo brav sind. Und in der ganzen Frankreich maman…Diskussion wird das irgendwie nie erwähnt….
    Lg Lisi

    1. nicht alle gleich, versteht sich
      und ja, ich weiß, dass nicht alle Französinnen gleich sind und ihre Kinder schlagen, muss ich noch kurz schreiben, damit es jetzt nicht solche Kommentare hagelt 🙂

  5. Hach, wie recht du hast
    Liebe Lisa, ich habe auch erst gerade einen Bericht gelesen, in denen Französische Frauen darüber berichten, wie es ist in Frankreich Mutter zu sein und wie gerne sie doch so eine Art Elterngeld hätten mit seinen Möglichkeiten wie wir es hier in Deutschland haben – es ist sicherlich einiges toll daran in Frankreich Mutter zu sein, aber ich denke nicht, dass es umbedingt besser ist – es ist einfach anders! Liebe Grüße, Kerstin von sanvie-mini.de